Im Behringer RD-6 Test geht es um einen Drumcomputer, der sich klar auf eine Legende bezieht: die Roland TR-606. Das Original war die rhythmische Schwester der TB-303 und wurde von Roland als kompakte Drumatix-Rhythm-Machine im Umfeld der TB-303 positioniert. Die RD-6 greift genau diesen Spirit auf, bringt ihn aber mit USB/MIDI, Einzelausgängen, Distortion und modernem Preis-Leistungs-Verhältnis in heutige Studios und Live-Setups.
Behringer RD-6 Test: Warum dieser Drumcomputer spannend ist
Ich sehe die Behringer RD-6 nicht als universelle Groovebox, sondern als sehr fokussierten analogen Drumcomputer. Genau das macht sie interessant. Sie will keine Samples laden, keine tiefen Sound-Design-Menüs anbieten und auch keine komplette Produktionszentrale ersetzen. Stattdessen liefert sie acht analoge Drum-Sounds, einen klassischen Step-Sequencer und ein Bedienkonzept, das sofort nach Electro, Acid, Minimal, Techno und Oldschool-Synth-Pop riecht.
Behringer beschreibt die RD-6 SR als analogen Drumcomputer und nennt sie ausdrücklich einen Clone der Roland TR-606, inklusive acht Instrumenten, Distortion, 16-Step-Sequencer, 32 Pattern, Song Mode, Random Mode, sechs Einzelausgängen, zwei Trigger-Ausgängen sowie USB & MIDI. Der Quick Start Guide fasst das Konzept noch kompakter zusammen: „Classic Analog Drum Machine with 8 Drum Sounds, 16-Step Sequencer and Distortion Effect“.
Das Original: Roland TR-606 als Vorbild
Die Roland TR-606 ist bis heute kein Drumcomputer für alle Situationen. Allerdings hat sie genau deshalb Charakter. Im Vergleich zu großen Klassikern wie TR-808 oder TR-909 klingt sie schlanker, trockener und etwas bissiger. Deshalb passt sie besonders gut zu Tracks, in denen die Drums rhythmisch präzise arbeiten sollen, ohne den gesamten Mix zu dominieren.
Ich finde wichtig, dass die Behringer RD-6 diesen historischen Kontext nicht versteckt. Roland selbst beschreibt die TR-606 ebenfalls als kompaktes Schwestergerät der TB-303. Genau diese Kombination aus trockenen Drums und sägender Bassline ist für Acid, Electro und frühe elektronische Clubmusik prägend.
Erster Eindruck und Bedienung
Die RD-6 wirkt auf den ersten Blick vertraut: oben die Instrumenten-Level, rechts die Distortion-Sektion, unten die 16 Step-Tasten. Ich mag an diesem Layout, dass es nicht erklärt werden will. Man wählt ein Instrument, setzt Steps, startet das Pattern und hört sofort, ob der Groove funktioniert.

Dabei ist die Bedienung bewusst limitiert. Bass Drum, Snare, Toms, Cymbal/Clap und Hi-Hats lassen sich hauptsächlich im Pegel regeln. Das ist keine moderne Drum-Synth-Architektur mit Pitch, Decay, Drive, LFOs und Modulationsmatrix pro Stimme. Trotzdem fühlt sich die RD-6 dadurch direkt an. Ich muss nicht erst Sounds bauen, sondern programmiere Rhythmus.
Klangcharakter
Klanglich würde ich die RD-6 als trocken, analog, knackig und eher kompakt beschreiben. Die Bass Drum hat nicht den massiven Sub-Schub einer 808, aber sie setzt sich gut durch. Die Snare ist schmaler und schnarriger, während die Hats den typischen metallischen 606-Charme bedienen. Gerade in Kombination mit einer Acid-Line, einem Sequencer-Synth oder einem rauen Mono-Bass ergibt das sofort einen funktionierenden elektronischen Grundsound.
Außerdem gefällt mir, dass der Sound nicht zu edel wirkt. Die RD-6 ist eher Werkzeug als Hi-Fi-Statement. Dadurch sitzt sie in Lo-Fi-House, Electro, Minimal Wave, Industrial-inspirierten Beats und Techno-Skizzen schnell an der richtigen Stelle.
Sequencer: Klassisch, schnell und performance-tauglich
Im Behringer RD-6 Test ist der Sequencer für mich einer der wichtigsten Punkte. Die RD-6 arbeitet mit einem 16-Step-Konzept, zwei Pattern-Gruppen und insgesamt 32 Pattern. Der Quick Start Guide nennt bei den Spezifikationen 2 x 16 Patterns, 16 Steps und acht analoge Stimmen.

Ich finde diesen Ansatz für Live-Jams sehr angenehm. Man kann Pattern wechseln, Ketten bauen und mit dem Song Mode längere Strukturen erzeugen. Außerdem sorgt die Random-Funktion für schnelle Varianten, wenn ein Beat zu statisch wirkt. Gerade bei einem Instrument mit wenigen Klangparametern ist das wichtig, denn Variation entsteht hier weniger über Sounddesign und mehr über Rhythmik.
Pattern, Track und Random
Die RD-6 bleibt nah an der alten Drumcomputer-Denke: Pattern schreiben, Pattern abspielen, Tracks zusammensetzen. Das wirkt zunächst altmodisch, ist aber musikalisch sinnvoll. Ich kann einen simplen Beat bauen, dann eine Variante mit zusätzlicher Open Hat ergänzen und anschließend eine Break-Version mit weniger Kick programmieren. Dadurch entsteht ohne Bildschirm ein Song-Gerüst.
Die Random-Funktion ist dabei mehr als ein Gimmick. Natürlich produziert sie nicht immer fertige Club-Grooves. Trotzdem nutze ich solche Funktionen gern als Ideengeber, weil sie eingefahrene Finger-Patterns aufbrechen. Besonders bei kurzen 16-Step-Sequenzen kann ein zufälliger Akzent oder eine unerwartete Tom-Figur den Loop sofort lebendiger machen.
Distortion: Die moderne Zutat
Ein großer Unterschied zum historischen Vorbild ist die Distortion-Sektion. Die Verzerrung sitzt im im Signalweg direkt vor dem Lautstärkeregler und dem finalen Audioausgang; die Regler Distortion, Tone und Level greifen nur, wenn der Distortion-Schalter aktiviert ist. Behringer beschreibt die Distortion der RD-6 zudem als inspiriert von der DS-1-Schaltung.
Ich halte diese Ergänzung für absolut sinnvoll. Die Grundsounds der RD-6 sind eher schlank. Mit Distortion bekommen Kick, Snare und Hats mehr Kante, mehr Dreck und mehr Präsenz. Allerdings würde ich den Effekt nicht immer voll aufdrehen. Gerade bei Hi-Hats kann zu viel Verzerrung schnell harsch werden. Deshalb ist der Tone-Regler wichtig: Er entscheidet, ob die Verzerrung nur etwas anschiebt oder den Beat aggressiv nach vorne reißt.
Anschlüsse: Mehr Studio als Vintage
Während die Roland TR-606 aus heutiger Sicht bei der Integration eingeschränkt ist, geht die Behringer RD-6 deutlich weiter. Auf der Rückseite finden sich sechs Voice Outs, ein Mix Out, Start/Stop per Fußtaster, MIDI In, MIDI Out/Thru, USB und der Netzteilanschluss. Sobald eine Voice-Out-Buchse belegt ist, wird die jeweilige Stimme aus dem Mix-Out entfernt.

Das finde ich für Studioarbeit entscheidend. Ich kann die Bass Drum separat komprimieren, die Snare durch einen eigenen Saturator schicken und die Hi-Hats im Panorama oder mit einem Filter bearbeiten. Dadurch wächst die RD-6 deutlich über den puristischen Grundsound hinaus. Außerdem machen Sync In/Out und die zwei Trigger-Ausgänge sie interessant für Setups mit modularen Synthesizern, Semi-Modulars oder älteren Sequencer-Konzepten.
USB und MIDI
Die RD-6 ist laut Quick Start Guide ein USB-Class-Compliant-MIDI-Gerät und benötigt daher keine zusätzlichen Treiber für Windows und macOS. Für mich ist das im Alltag ein großer Vorteil. Ich kann sie mit einer DAW clocken, per MIDI in ein größeres Setup einbinden oder sie als Hardware-Drumcomputer neben Software-Synths nutzen.
Gleichzeitig bleibt sie standalone spielbar. Das ist wichtig, denn die RD-6 macht am meisten Spaß, wenn man sie nicht wie ein Plug-in behandelt, sondern als eigenständiges Instrument.
Technische Daten der Behringer RD-6
| Bereich | Spezifikation |
|---|---|
| Typ | Analoger Drumcomputer |
| Sounds | 8 analoge Drum-Sounds |
| Stimmen | 8 gleichzeitig |
| Sequencer | 16-Step-Sequencer |
| Pattern | 2 x 16 Pattern |
| Klangregler | Accent, Bass Drum Level, Snare Drum Level, Low/Hi Tom Level, Cymbal/Clap Level, Open/Closed Hat Level |
| Effekt | Distortion mit Distortion, Tone und Level |
| Audioausgänge | Mix Out 6,3 mm, 6 x Voice Out 3,5 mm |
| Synchronisation | Sync In/Out, MIDI In, MIDI Out/Thru, USB-MIDI |
| Trigger | 2 Trigger-Outs mit +15 V |
| Kopfhörer | 3,5 mm TRS |
| Stromversorgung | 9 V DC, externes Netzteil |
| Maße | 305 x 165 x 56 mm |
| Gewicht | ca. 0,9 kg |
Im musikalischen Einsatz
Ich würde die RD-6 besonders dann einsetzen, wenn ein Track sofort rhythmischen Charakter braucht, sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Für moderne Pop-Produktionen mit realistischen Drums ist sie nicht gedacht. Für elektronische Musik ist genau diese Begrenzung jedoch ein Vorteil.
In einem Acid-Setup mit einer TD-3 oder einem anderen 303-inspirierten Synthesizer wirkt die RD-6 sehr schlüssig. Die Kick liefert den Puls, die Snare markiert den Backbeat, und die Hats geben dem Pattern den bekannten maschinellen Vorwärtsdrang. Außerdem lässt sich durch Distortion schnell mehr Härte erzeugen, falls der Beat im Mix zu brav bleibt.
In einem Modular-Setup interessiert mich vor allem die Trigger-Seite. Die zwei Trigger-Ausgänge können externe Geräte anstoßen. Dadurch wird die RD-6 nicht nur Drumcomputer, sondern auch eine rhythmische Steuerzentrale. Gerade für Live-Jams ist das stark, weil ein einziges Pattern sowohl Drums als auch Synth-Akzente kontrollieren kann.
Behringer RD-6 Test – Was mir gefällt
Mir gefällt die Direktheit. Die RD-6 lädt nicht dazu ein, stundenlang in Menüs zu verschwinden. Stattdessen zwingt sie mich, rhythmische Entscheidungen zu treffen. Außerdem gefällt mir, dass Behringer die Vorlage nicht nur kopiert, sondern praktisch erweitert: USB, MIDI, Einzelausgänge, Trigger-Ausgänge und Distortion machen den Drumcomputer deutlich flexibler als ein reines Vintage-Nachbau-Konzept.
Ebenso positiv finde ich die klare klangliche Rolle. Die RD-6 will nicht alles können. Sie ist ein Spezialist für analoge, trockene, leicht aggressive Drumcomputer-Beats. Deshalb findet sie schnell ihren Platz in Tracks, die ohnehin mit Sequencern, Synth-Bässen und repetitiven Patterns arbeiten.
Was mir weniger gefällt
Ich vermisse tiefere Klangparameter pro Instrument. Wer Kick-Tuning, Snare-Decay, Hat-Decay oder umfangreiche Performance-Funktionen erwartet, wird hier nicht vollständig bedient. Außerdem sind einige Level-Regler paarweise organisiert, etwa bei Toms, Hats und Cymbal/Clap. Das ist historisch plausibel, aber im modernen Workflow nicht immer ideal.
Trotzdem passt diese Einschränkung zum Konzept. Die RD-6 ist kein Ersatz für eine Elektron-Box, keine MPC und keine samplebasierte Drum-Maschine. Sie ist ein analoger TR-606-Clone mit erweiterten Anschlüssen und zusätzlicher Verzerrung.
Für wen lohnt sich die Behringer RD-6?
Ich empfehle die RD-6 vor allem Musikerinnen und Musikern, die einen kompakten analogen Drumcomputer für Electro, Acid, Techno, Minimal, Synth-Pop, Industrial oder Lo-Fi-House suchen. Außerdem eignet sie sich für alle, die einen günstigen Einstieg in Hardware-Sequencing wollen.
Für reine In-the-box-Produzenten kann sie ebenfalls spannend sein, sofern der Wunsch nach echter Hardware-Haptik besteht. Wer dagegen maximal flexible Drums, Samples, Parameter-Locks und komplexe Modulation sucht, sollte eher zu einer modernen Groovebox greifen.
Fazit: Behringer RD-6 Test
Mein Fazit im Behringer RD-6 Test fällt klar aus: Die RD-6 ist ein fokussierter, spaßiger und praxisnah erweiterter Clone der Roland TR-606. Sie liefert keine riesige Klangpalette, aber sie liefert Charakter. Genau deshalb funktioniert sie so gut für elektronische Musik.
Besonders stark finde ich die Kombination aus klassischem 16-Step-Workflow, analogem Sound, Einzelausgängen, USB/MIDI, Trigger-Ausgängen und Distortion. Dadurch fühlt sich die RD-6 einerseits vintage an, andererseits lässt sie sich problemlos in moderne Setups integrieren. Wer den trockenen 606-Vibe mag und ihn ohne Vintage-Preis, Wartungsrisiko und Anschlusskompromisse nutzen möchte, bekommt hier einen sehr attraktiven Drumcomputer.
Herstellerlink: https://www.behringer.com/en/products/0704-AAE
FAQ zur Behringer RD-6
Ist die Behringer RD-6 ein Clone der Roland TR-606?
Ja, die Behringer RD-6 orientiert sich klar an der Roland TR-606. MUSIC STORE nennt sie ausdrücklich einen Clone der Roland TR-606, ergänzt um moderne Features wie USB, MIDI, Distortion, Trigger-Ausgänge und Einzelausgänge.
Hat die Behringer RD-6 analoge Sounds?
Ja. Der Quick Start Guide führt die RD-6 als analoge Drum Machine mit acht Drum-Sounds und acht gleichzeitigen Stimmen.
Für welche Musikstile eignet sich die RD-6?
Ich sehe ihre Stärken vor allem bei Electro, Acid, Techno, Minimal, Synth-Pop, Industrial und Lo-Fi-House. Durch den trockenen, direkten Klang passt sie besonders gut zu Sequencer-basierten Setups.
Kann ich die RD-6 mit einer DAW synchronisieren?
Ja. Die RD-6 bietet USB-MIDI und klassische MIDI-Anschlüsse. Laut Quick Start Guide ist sie USB Class Compliant und benötigt keine zusätzlichen Treiber für Windows und macOS.
Hat die RD-6 Einzelausgänge?
Ja. Die RD-6 bietet sechs Voice Outs plus Mix Out. Wenn ein Voice Out belegt ist, wird die entsprechende Stimme aus dem Mix Out entfernt. Das ist besonders praktisch, wenn man einzelne Drum-Sounds extern bearbeiten möchte.
Ist die Behringer RD-6 für Live-Jams geeignet?
Ja, gerade dafür finde ich sie stark. Der direkte 16-Step-Sequencer, Pattern-Wechsel, Song Mode, Random-Funktion und die Hardware-Regler machen sie zu einem schnellen Instrument für Live-orientierte elektronische Musik.

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Leitender Redakteur – keyboards.de
Multiinstrumentalist • Audio Engineer • Kreativer Tüftler • Familienvater • Pen-&-Paper-Enthusiast


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