Farfisa Syntorchestra: Der Krautrock-Synthesizer der Berliner Schule

Farfisa Syntorchestra Vintage-Synthesizer im Holzgehäuse mit Tastatur, Reglern und Preset-Wippschaltern.

Einige wegweisende Krautrock- und Elektronik-Alben der 1970er-Jahre würden ohne das Farfisa Syntorchestra vermutlich anders klingen. Der kompakte italienische Synthesizer verband eine monofone Solo-Sektion mit einer polyfonen Klangerzeugung und bot damit eine für seine Zeit ungewöhnlich vielseitige Kombination.

Klaus Schulze, Manuel Göttsching und Vangelis nutzten das Instrument für druckvolle Basslinien, solistische Synthesizerklänge und eigentümlich schwebende Akkordflächen. Obwohl das Syntorchestra weder die Flexibilität eines modularen Synthesizers noch die Breite einer klassischen Stringmachine erreichte, entwickelte es einen unverwechselbaren Charakter.

Heute gehört das Farfisa Syntorchestra zu den seltenen Vintage-Keyboards, die vor allem wegen ihres eigenständigen Sounds und ihrer engen Verbindung zur Berliner Schule gesucht werden.

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Farfisa Syntorchestra oder Synthorchestra?

Der Name sorgt bis heute für Verwirrung. Tatsächlich heißt das Instrument Syntorchestra – ohne „h“ nach „Synt“. Die ungewöhnliche Schreibweise ist also kein Tippfehler, sondern die offizielle Produktbezeichnung des italienischen Herstellers Farfisa.

Farfisa war in den 1960er- und 1970er-Jahren vor allem für elektronische Orgeln bekannt. Mit dem wachsenden Interesse an Synthesizern stieg jedoch der Bedarf an Instrumenten, die das Klangspektrum einer Orgel erweitern konnten. Deshalb entwickelte Farfisa ein vergleichsweise kompaktes Keyboard, das sich auf einer Orgel oder einem anderen Tasteninstrument platzieren ließ.

Das Farfisa Syntorchestra erschien 1975, kostete in Deutschland rund 1.998 DM und wurde bis etwa 1978 produziert. Es kombinierte eine polyfone Sektion für Akkorde und Flächen mit einer monofonen Solo-Sektion. Beide Bereiche konnten gleichzeitig gespielt werden. sa Syntorchestra: Technische Daten im Überblick

Das Instrument ist konsequent auf den Live-Einsatz ausgerichtet. Statt einer vollständig freien Synthese bietet es fest vorgegebene Instrumentenklänge, die sich mit wenigen Reglern bearbeiten lassen.

Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:

  • 37 Tasten und ein Tonumfang von drei Oktaven plus zusätzlichem C
  • monofone Solo-Sektion mit neun Presets
  • polyfone Sektion mit vier Presets
  • gleichzeitiger Betrieb beider Klangerzeugungen
  • separate Lautstärke- und Brilliance-Regler
  • zweistufige Hüllkurve
  • Vibrato mit verzögertem Einsatz
  • Wah-Wah-artige Filtermodulation
  • dauerhaftes und temporäres Portamento
  • Verstimmung der Mono-Sektion in festen Intervallen
  • getrennte Ausgänge für Solo- und Poly-Sektion
  • Anschluss für ein Lautstärkepedal

Die Auswahl der Klänge erfolgt über Wippschalter direkt unterhalb der Tastatur. Dadurch lassen sich die Presets während des Spielens schnell umschalten. arfisa Syntorchestra und die Berliner Schule

Elektronische Musik aus West-Berlin

In den frühen 1970er-Jahren entwickelte sich in West-Berlin eine eigenständige Richtung elektronischer Musik, die später als Berliner Schule bezeichnet wurde. Typisch waren lange, häufig improvisierte Stücke, wiederholte Sequenzen, ausgedehnte Klangflächen und ein weitgehender Verzicht auf klassischen Gesang.

Zu den wichtigsten Vertretern gehörten Tangerine Dream, Klaus Schulze und Manuel Göttsching. Synthesizer wurden dabei nicht nur zur Nachahmung traditioneller Instrumente eingesetzt. Vielmehr dienten sie als eigenständige Klangquellen, mit denen sich neue musikalische Räume und Strukturen entwickeln ließen.

Das Farfisa Syntorchestra passte hervorragend in diese Umgebung. Seine polyfone Sektion lieferte einfache, aber charaktervolle Flächen, während die Mono-Sektion für Melodien, Basslinien und auffällige Soloklänge eingesetzt werden konnte.

Klaus Schulze und „Moondawn“

Klaus Schulze verwendete das Farfisa Syntorchestra auf seinem 1976 erschienenen Album „Moondawn“. Das Werk wurde im Januar 1976 aufgenommen und gemeinsam mit dem Schlagzeuger Harald Grosskopf eingespielt. Besonders die Verbindung aus elektronischen Sequenzen, flächigen Synthesizerklängen und akustischem Schlagzeug machte das Album zu einem wichtigen Werk der Berliner Schule. orchestra war dabei Teil eines umfangreichen Instrumentariums. Neben ihm kamen unter anderem ein ARP 2600, ein Minimoog, ein EMS Synthi und verschiedene Sequencer zum Einsatz. Dennoch trug der eigenwillige Klang des Farfisa-Keyboards zum besonderen Charakter des Albums bei.

Manuel Göttsching und „New Age of Earth“

Auch Manuel Göttsching setzte das Farfisa Syntorchestra prominent ein. Auf dem 1976 aufgenommenen Album „New Age of Earth“ verband er Synthesizerflächen, Drumcomputer, E-Gitarre und elektronische Orgel zu einer ruhigen, atmosphärischen Form elektronischer Musik.

Neben dem Syntorchestra verwendete Göttsching unter anderem eine Farfisa Compact, einen EMS Synthi A, einen EKO Computerhythm und eine Gibson SG. Das Album erschien zunächst im Umfeld von Ash Ra Tempel und wurde bei späteren Veröffentlichungen unter dem verkürzten Namen Ashra bekannt. uf diesem Album zeigt sich, dass das Syntorchestra nicht nur für kurze Presetklänge geeignet war. Mit Effekten und einer entsprechenden Spielweise konnte es ebenso für lange, schwebende Klangverläufe eingesetzt werden.

Vangelis und das Syntorchestra

Auch Vangelis gehörte zu den bekannten Anwendern des Farfisa Syntorchestra. Das Instrument wird mit seinen Alben „Heaven and Hell“ von 1975 und „Albedo 0.39“ von 1976 in Verbindung gebracht. In dieser Phase kombinierte Vangelis Synthesizer, elektrische und akustische Tasteninstrumente, Percussion sowie teilweise orchestrale und chorale Elemente. orchestra eignete sich für diese Arbeitsweise besonders gut, da sich monofone und polyfone Klänge innerhalb eines kompakten Instruments verbinden ließen.

Wie funktioniert die Klangerzeugung?

Das Farfisa Syntorchestra besteht aus zwei weitgehend eigenständigen Klangbereichen. Diese Aufteilung ist für den Charakter des Instruments entscheidend.

Farfisa Syntorchestra Vintage-Synthesizer im Holzgehäuse aus schräger Frontansicht.
Farfisa Syntorchestra im Holzgehäuse mit Bedienfeld, Tastatur und Preset-Wippschaltern.

Die monofone Solo-Sektion

Die monofone Sektion kann jeweils nur einen Ton gleichzeitig wiedergeben. Sie arbeitet mit einem spannungsgesteuerten Oszillator und eignet sich daher vor allem für:

  • Basslinien
  • Melodien
  • Synthesizer-Soli
  • Bläserähnliche Klänge
  • Effektartige Glissandi

Zur Auswahl stehen neun Presets:

  • Tuba
  • Trombone
  • Trumpet
  • Baritone Sax
  • Alto Sax
  • Bass Flute
  • Flute
  • Piccolo
  • Violin

Die Namen sollten allerdings nicht wörtlich genommen werden. Das Syntorchestra versucht nicht, die jeweiligen Instrumente realistisch nachzubilden. Vielmehr dienen die Bezeichnungen als grobe Hinweise auf Tonlage, Klangfarbe und Spielweise.

Besonders die tieferen Presets wie Tuba und Trombone können mit passender Filtereinstellung überraschend druckvolle Synthesizerbässe erzeugen.

Die polyfone Sektion

Die polyfone Sektion basiert auf einer Frequenzteilerschaltung und ermöglicht das Spielen von Akkorden. Farfisa bezeichnete diesen Bereich auf dem Bedienfeld als „Poli“.

Vier Presets stehen zur Verfügung:

  • Piano
  • Trombone
  • Trumpet
  • Viola

Auch hier handelt es sich nicht um realistische Instrumentensimulationen. Die Klänge besitzen vielmehr einen typischen elektronischen Charakter der mittleren 1970er-Jahre.

Überraschend überzeugend ist das Piano-Preset. Gemessen an vergleichbaren Multikeyboards dieser Epoche klingt es klar und musikalisch brauchbar. Die übrigen polyfonen Klänge wirken kraftvoll, bleiben jedoch vergleichsweise statisch.

Die üppige, stark modulierte Breite klassischer Stringmachines wie der Solina String Ensemble erreicht das Syntorchestra nicht. Gerade deshalb wurde die polyfone Sektion häufig mit externen Effekten bearbeitet.

Soffiato: Klanggestaltung auf Italienisch

Obwohl das Farfisa Syntorchestra überwiegend mit Presets arbeitet, lassen sich die Klänge in einem begrenzten, aber musikalisch sinnvollen Rahmen verändern.

Für die monofone und die polyfone Sektion stehen jeweils eigene Regler für Lautstärke und Brillanz zur Verfügung. Der Brilliance-Regler beeinflusst die Filtereinstellung und bestimmt damit, wie hell oder dunkel der jeweilige Klang erscheint.

Eine Besonderheit ist die Bezeichnung Soffiato. Das italienische Wort lässt sich etwa mit „geblasen“ oder „gehaucht“ übersetzen und bezeichnet beim Syntorchestra die Attack-Phase der Hüllkurve.

Mit zunehmendem Soffiato-Wert setzt der Klang langsamer ein. Dadurch lassen sich beispielsweise weiche Flächen oder Bläserklänge mit einem anschwellenden Verlauf erzeugen.

Zusätzlich gibt es einen Decay-Regler. Über einen Schalter kann dessen Funktion teilweise als Release eingesetzt werden. Die Hüllkurve ist damit wesentlich einfacher aufgebaut als bei einem frei programmierbaren Synthesizer, erweist sich in der Praxis jedoch als wirkungsvoll.

Vibrato, Wah-Wah und Filterbewegung

Das Syntorchestra verfügt über ein Vibrato, das der monofonen Sektion, der polyfonen Sektion oder beiden Bereichen zugewiesen werden kann. Eine Delay-Funktion sorgt dafür, dass das Vibrato nicht sofort, sondern erst nach dem Anschlagen des Tons einsetzt.

Dadurch lassen sich vor allem solistische Klänge lebendiger gestalten. Ein zunächst stabiler Ton geht allmählich in eine deutlich hörbare Tonhöhenmodulation über – eine Spielweise, die gut zu den Flöten-, Streicher- und Bläser-Presets passt.

Darüber hinaus besitzt das Instrument einen Wah-Wah-artigen Effekt. Dabei wird die Filterfrequenz automatisch bewegt. Obwohl die Einstellmöglichkeiten begrenzt sind, kann diese Modulation den eher statischen Presets deutlich mehr Ausdruck verleihen. mento für Synthesizer-Soli

Ein besonders auffälliges Bedienelement ist die große Temporary-Portamento-Wippe unterhalb der Tastatur. Sie besitzt eine Rückholfeder und aktiviert das Portamento nur so lange, wie sie gedrückt wird.

Dadurch kann der Spieler einzelne Tonübergänge gezielt mit einem Glide-Effekt versehen, ohne das Portamento dauerhaft einzuschalten. Gerade bei monofonen Soli eröffnet das eine für die damalige Zeit ausgesprochen performative Spielweise.

Alternativ lässt sich das Portamento permanent aktivieren. Die Dauer des Tonhöhenübergangs wird über einen eigenen Regler eingestellt.

Ungewöhnliche Intervallfunktion

Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, die monofone Sektion gegenüber der polyfonen Sektion in festen Intervallen zu versetzen. Zur Verfügung stehen:

  • Terz
  • Quinte
  • Sexte

Spielt man beide Sektionen gleichzeitig, entstehen dadurch feste harmonische Abstände. Auf diese Weise kann beispielsweise ein Akkord aus der Poly-Sektion durch eine zusätzliche, versetzte Solostimme ergänzt werden.

Aus heutiger Sicht wirkt diese Funktion ungewöhnlich. Im Kontext eines performanceorientierten Preset-Synthesizers der 1970er-Jahre war sie jedoch eine praktische Möglichkeit, mit wenigen Bedienelementen komplexere Klangkombinationen zu erzeugen.

Holzgehäuse oder Metallversion

Das Farfisa Syntorchestra wurde in zwei äußerlich unterschiedlichen Ausführungen angeboten. Eine Version besitzt ein wohnzimmertaugliches Holzfurniergehäuse, während die zweite Variante in einem silberfarbenen Metallgehäuse untergebracht ist.

Technisch sind beide Modelle weitgehend identisch. Die Unterschiede betreffen vor allem das Erscheinungsbild und die Positionierung am Markt. Die Holzversion passt optisch zu den damaligen Heimorgeln, während die Metallausführung stärker wie ein eigenständiges Bühneninstrument wirkt. atur und die darunterliegenden Wippschalter ragen relativ weit aus dem Gehäuse heraus. Deshalb sollte ein erhaltenes Instrument nur in einem stabilen, passend gepolsterten Case transportiert werden. Vor allem die Presetschalter sind mechanisch gefährdet.

Anschlüsse und externe Effekte

Auf der Rückseite befinden sich getrennte Audioausgänge für die monofone und die polyfone Sektion. Zusätzlich kann ein gemeinsames Ausgangssignal verwendet werden.

Die Einzelausgänge sind besonders interessant, weil beide Klangbereiche getrennt mit Effekten bearbeitet werden können. Beispielsweise lässt sich die Poly-Sektion durch einen Phaser schicken, während der monofone Bass trocken oder lediglich mit einem Delay aufgenommen wird.

Rückseitige Anschlüsse des Farfisa Syntorchestra mit Poly-, Mono- und Pedalausgang.
Anschlussfeld des Farfisa Syntorchestra mit separaten Ausgängen für Poly- und Mono-Sektion sowie Pedalanschluss.

Ein Volume-Pedal kann ebenfalls angeschlossen werden. Dadurch lässt sich die Gesamtlautstärke mit dem Fuß steuern – ein deutlicher Hinweis auf die Herkunft des Instruments aus der Orgelwelt.

Der Schulte Phaser und der typische Krautrock-Sound

Die polyfonen Presets des Syntorchestra klingen direkt aufgenommen vergleichsweise trocken und statisch. Erst durch externe Modulationseffekte erhalten sie die schwebende Breite, die häufig mit Krautrock und der Berliner Schule verbunden wird.

Besonders bekannt ist der Schulte Compact Phasing A. Dieser analoge Phaser wurde von Klaus Schulze und weiteren Musikern der elektronischen Szene eingesetzt. Mit seinen langsam wandernden Phasenverschiebungen konnte er einfache Streicher- und Akkordklänge in lebendige, psychedelische Flächen verwandeln. erne Phaser, Chorus-Effekte, Bandechos und Hallgeräte passen hervorragend zum Syntorchestra. Das Ausgangssignal muss dabei keineswegs möglichst neutral behandelt werden. Gerade die Kombination aus einem begrenzten Presetklang und einem stark charakterformenden Effekt macht den Reiz dieses Vintage-Synthesizers aus.

Wie klingt das Farfisa Syntorchestra?

Kräftige Synthesizerbässe

Die größte Überraschung liefert die monofone Sektion. Besonders die Presets Tuba und Trombone können deutlich druckvoller klingen, als ihre Namen vermuten lassen.

Mit einer passenden Filter- und Hüllkurveneinstellung entstehen massive Bassklänge mit einem leicht knurrenden, organischen Charakter. Dabei klingt das Syntorchestra weniger präzise als ein moderner Bass-Synthesizer, besitzt dafür jedoch viel Eigenleben.

Charmante Leads und Flötenklänge

In den höheren Lagen eignen sich die Flute-, Piccolo- und Violin-Presets für einfache Melodien und expressive Soli. Vibrato und Portamento spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die Presets klingen weder realistisch noch besonders neutral. Allerdings reagieren sie musikalisch auf die vorhandenen Spielhilfen und können sich deshalb in einem Arrangement gut durchsetzen.

Eigenwillige polyfone Klänge

Die polyfone Sektion besitzt einen klar erkennbaren Vintage-Charakter. Das Piano-Preset ist vergleichsweise perkussiv und kann sich überraschend gut in rhythmische Passagen einfügen.

Trombone, Trumpet und Viola wirken dagegen eher kompakt und statisch. Ohne zusätzliche Effekte fehlt ihnen die breite Bewegung klassischer String-Ensembles. Mit Phaser, Chorus oder Hall können sie jedoch eine sehr eigene, leicht spröde und zugleich atmosphärische Klangfarbe entwickeln.

Stärken und Schwächen des Syntorchestra

Das Farfisa Syntorchestra überzeugt nicht durch maximale Flexibilität. Seine Stärke liegt vielmehr darin, wenige Funktionen auf eine unmittelbar spielbare Weise miteinander zu verbinden.

Zu den Stärken gehören die Kombination aus Mono- und Poly-Sektion, der charaktervolle Bassklang, die direkte Presetwahl und das temporäre Portamento. Auch die getrennten Ausgänge sind für die Effektbearbeitung äußerst praktisch.

Zu den Schwächen zählen der begrenzte Tonumfang, die wenigen Möglichkeiten der Klangprogrammierung und die mechanisch empfindlichen Wippschalter. Zudem benötigen viele der polyfonen Klänge externe Effekte, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Gerade diese Einschränkungen tragen jedoch zum Charakter des Instruments bei. Das Syntorchestra zwingt den Spieler dazu, mit Spielweise, Effekten und Arrangement zu arbeiten, statt sich in komplexen Menüs oder umfangreichen Modulationsmatrizen zu verlieren.

Das Farfisa Syntorchestra 4 als Nachfolger

Um 1979 beziehungsweise 1980 erschien mit dem Farfisa Syntorchestra 4 ein überarbeitetes Nachfolgemodell. Es behielt die grundsätzliche Kombination aus monofoner und polyfoner Klangerzeugung bei, erhielt jedoch ein moderneres Gehäuse, eine größere Tastatur und eine veränderte Presetausstattung.

Das Syntorchestra 4 konnte sich kommerziell offenbar nicht dauerhaft etablieren. Entsprechend selten ist das Instrument heute auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. ist das Farfisa Syntorchestra heute noch interessant?

Aus heutiger Sicht ist das Farfisa Syntorchestra technisch stark eingeschränkt. Nahezu jeder moderne Synthesizer bietet mehr Oszillatoren, umfangreichere Hüllkurven, flexiblere Filter und eine deutlich größere Modulationsausstattung.

Trotzdem lässt sich sein Klang nicht allein auf technische Daten reduzieren. Das Zusammenspiel aus einfachen Presets, Frequenzteilerschaltung, monofonem Synthesizer, ungewöhnlicher Bedienung und analogen Bauteiltoleranzen erzeugt einen deutlich erkennbaren Charakter.

Für Musiker, die nach authentischen Klängen der 1970er-Jahre suchen, kann ein gut erhaltenes Exemplar daher ausgesprochen reizvoll sein. Allerdings sollten Interessenten berücksichtigen, dass Wartung, Stimmung, Schalterkontakte und Ersatzteilversorgung bei einem rund 50 Jahre alten Instrument problematisch sein können.

Für den regelmäßigen Bühnenbetrieb eignet sich ein Original deshalb nur eingeschränkt. Im Studio kann das Syntorchestra dagegen eine besondere Klangquelle sein, die sich deutlich von modernen Preset-Synthesizern und Software-Instrumenten abhebt.

Fazit: Farfisa Syntorchestra mit unverwechselbarem Vintage-Charakter

Das Farfisa Syntorchestra ist kein universeller Synthesizer. Seine Presets sind einfach, die Klangformung bleibt begrenzt und die polyfone Sektion benötigt häufig externe Effekte, um größere räumliche Tiefe zu entwickeln.

Dennoch besitzt das Instrument einen unverwechselbaren Charakter. Vor allem die monofone Sektion überrascht mit druckvollen Bässen und charmanten Soloklängen. Gleichzeitig ermöglicht die polyfone Abteilung einfache Akkorde und elektronische Flächen.

Historisch ist das Syntorchestra eng mit Klaus Schulze, Manuel Göttsching, Vangelis und dem Klangbild der Berliner Schule verbunden. Genau diese Verbindung aus musikalischer Bedeutung, ungewöhnlichem Bedienkonzept und eigensinnigem Sound macht den italienischen Vintage-Synthesizer bis heute interessant.

Wer ein Instrument sucht, das möglichst viele Klangwelten abdeckt, wird mit dem Syntorchestra kaum glücklich. Wer dagegen authentische Klangfarben der mittleren 1970er-Jahre und einen Synthesizer mit klarer Persönlichkeit sucht, findet hier ein faszinierendes Stück elektronischer Musikgeschichte.

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FAQ zum Farfisa Syntorchestra

Wann wurde das Farfisa Syntorchestra gebaut?

Das Farfisa Syntorchestra kam 1975 auf den Markt und wurde bis ungefähr 1978 hergestellt. Anschließend erschien um 1979 beziehungsweise 1980 das überarbeitete Syntorchestra 4.

Ist das Farfisa Syntorchestra polyfon?

Das Instrument besitzt sowohl eine polyfone als auch eine monofone Sektion. Mit der Poly-Sektion lassen sich Akkorde spielen, während die Solo-Sektion jeweils nur einen Ton erzeugt. Beide Bereiche können gleichzeitig verwendet werden.

Wie viele Presets besitzt das Syntorchestra?

Das Farfisa Syntorchestra bietet neun monofone und vier polyfone Presets. Die Namen orientieren sich überwiegend an Blas-, Streich- und Tasteninstrumenten, sind jedoch nicht als realistische Nachbildungen zu verstehen.

Welche Musiker nutzten das Farfisa Syntorchestra?

Zu den bekanntesten Anwendern gehören Klaus Schulze, Manuel Göttsching beziehungsweise Ashra und Vangelis. Das Instrument ist eng mit Krautrock, elektronischer Musik und der Berliner Schule verbunden.

Auf welchen Alben ist das Syntorchestra zu hören?

Das Instrument wird unter anderem mit Klaus Schulzes „Moondawn“, Manuel Göttschings „New Age of Earth“ sowie den Vangelis-Alben „Heaven and Hell“ und „Albedo 0.39“ in Verbindung gebracht.

Was bedeutet Soffiato beim Syntorchestra?

Soffiato ist die Farfisa-Bezeichnung für den Attack-Parameter der Hüllkurve. Der Regler bestimmt, wie schnell oder langsam ein Klang nach dem Anschlagen einer Taste einsetzt.

Was macht die Temporary-Portamento-Funktion?

Über die gefederte Temporary-Portamento-Wippe kann der Glide-Effekt gezielt für einzelne Tonübergänge aktiviert werden. Sobald die Wippe losgelassen wird, schaltet sich das Portamento wieder ab.

Klingt das Syntorchestra wie eine Stringmachine?

Nur teilweise. Die polyfone Sektion kann streicherähnliche Flächen erzeugen, klingt jedoch trockener und statischer als klassische Stringmachines von Solina oder Crumar. Mit Phaser, Chorus und Hall lassen sich deutlich breitere Sounds erzielen.

Lohnt sich ein Farfisa Syntorchestra heute noch?

Für Sammler, Studios und Liebhaber authentischer Vintage-Sounds kann sich ein gut erhaltenes Instrument lohnen. Für den zuverlässigen Bühnenbetrieb sind der Wartungsaufwand und die schwierige Ersatzteilversorgung jedoch zu berücksichtigen.

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