Behringer DeepMind 6X Test – Analoger Allround-Synth mit Tiefe

Mit sechs analogen Stimmen, umfangreicher Modulationsmatrix und integrierter Effektsektion präsentiert sich der DeepMind 6X als vielseitiger Poly-Synth für moderne Produktionen.

Der Behringer DeepMind 6X bewegt sich preislich je nach Händler aktuell grob im Bereich um 500 Euro und positioniert sich damit in einer Kategorie, in der man heute entweder sehr reduzierte Analogsynthesizer oder deutlich eingeschränkte Einsteigerinstrumente erwartet. Genau deshalb wirkt der DeepMind 6X zunächst fast ein wenig widersprüchlich: sechs analoge Stimmen, umfangreiche Modulationsmöglichkeiten, vier simultane Effekt-Engines, Aftertouch-Tastatur, Sequencer, Arpeggiator und über 1000 Presets in einem vergleichsweise kompakten Instrument. Rein auf dem Datenblatt wirkt das beinahe überambitioniert. Der 6X verfügt allerdings nicht die Möglichkeit einer WiFi-Steuerung per App ,so wie seine großen Kollegen aus der DeepMind-X-Serie 12X und 12 XD. Alle Deepminds liefern eine vollständige Fernsteuerung über iPad/PC/Mac-App über USB oder MIDI für erweiterte Parametersteuerung.

In der Praxis zeigt sich allerdings schnell, dass der DeepMind 6X nicht versucht, ein puristischer Vintage-Synth zu sein. Er ist vielmehr ein modernes Produktionswerkzeug mit klassischem Grundcharakter. Das Instrument orientiert sich optisch und konzeptionell klar an historischen Roland-Juno-Ideen, entwickelt diese aber deutlich weiter. Gerade im Studioalltag entsteht dadurch ein interessanter Hybrid aus direkter Analogbedienung und moderner Produktionslogik.

Dabei fällt allerdings auch auf, dass der DeepMind 6X nicht in allen Bereichen elegant altert. Das Display wirkt inzwischen sichtbar veraltet, die Menüführung teilweise unnötig verschachtelt und die grafische Darstellung erinnert eher an ältere Workstations als an moderne Synthesizer-Oberflächen. Gleichzeitig steckt unter dieser etwas altbackenen Oberfläche ein erstaunlich tiefes und vielseitiges Instrument, das klanglich weit mehr kann, als die klassische Juno-Optik zunächst vermuten lässt.

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Besonders auffällig im Alltag: Der Lüfter. Direkt nach dem Einschalten arbeitet er deutlich hörbar. Im laufenden Betrieb wird er später leiser, in sehr ruhigen Studiosituationen bleibt er aber wahrnehmbar. Für Live-Anwendungen ist das praktisch irrelevant, im Recording-Umfeld kann es dagegen je nach Aufstellung und Mikrofonierung durchaus auffallen. Der Lüfter lässt sich allerdings über das Menü regulieren und „leiser“ drehen.

Historie und Serie

Interessant ist beim DeepMind 6X die historische Einordnung innerhalb der gesamten DeepMind-Serie. Der ursprüngliche DeepMind markierte vor rund zehn Jahren einen entscheidenden Wendepunkt für Behringer im Synthesizer-Markt. Die ersten Ankündigungen tauchten bereits 2015 auf, lange bevor das Instrument tatsächlich erhältlich war. Rückblickend war der DeepMind letztlich der Synthesizer, mit dem Behringer den Einstieg in den ernsthaften Poly-Analogmarkt geschafft hat. Dass die Serie heute noch nahezu unverändert angeboten wird, spricht durchaus für das ursprüngliche Konzept.

Die neue X-Serie versteht sich dabei weniger als technische Weiterentwicklung, sondern vielmehr als optisches Facelift. Technisch bleiben der DeepMind 6X, der größere DeepMind 12X sowie der Desktop-Synth DeepMind 12XD praktisch identisch zu den bisherigen Modellen. Verändert wurde vor allem das Design. Die rot-blauen Markierungen orientieren sich nun deutlich stärker an klassischen Roland-Juno-Synthesizern der Achtzigerjahre. Dadurch wirkt der Synth optisch wesentlich nostalgischer und hebt die Vintage-Anleihen stärker hervor als die bisherigen grau-schwarzen Varianten.

Der größere DeepMind 12X erweitert das Konzept der X-Serie um zwölf analoge Stimmen und bietet dadurch deutlich mehr Reserven für breite Pads, lange Releases und komplexe Layer-artige Sounds.
Der größere DeepMind 12X erweitert das Konzept der X-Serie um zwölf analoge Stimmen und bietet dadurch deutlich mehr Reserven für breite Pads, lange Releases und komplexe Layer-artige Sounds.

Im Alltag bleibt der DEEPMIND 6X allerdings derselbe Synthesizer wie zuvor – mit allen Stärken und Schwächen. Wer bereits einen klassischen DeepMind besitzt, bekommt klanglich oder technisch keinen echten Mehrwert durch die X-Version. Wer dagegen neu einsteigt, erhält mit der überarbeiteten Optik schlicht die stimmigere und charaktervollere Variante der Serie. Innerhalb der Modellfamilie richtet sich der 6X vor allem an Musiker, die einen kompakten Performance-Synth für kleinere Studio-Setups oder Live-Rigs suchen. Der größere 12X bietet mit zwölf Stimmen deutlich mehr Reserven für breite Pads, lange Releases und komplexe Layer-artige Spielweisen. Der 12XD wiederum verzichtet vollständig auf die Tastatur und eignet sich besonders als Desktop-Soundmodul oder für DAW-basierte Studios, in denen ohnehin externe Masterkeyboards genutzt werden.

Klassisches Bedienkonzept trifft moderne Tiefenstruktur

Der grundlegende Aufbau des DeepMind 6X orientiert sich an klassischen subtraktiven Poly-Synthesizern. Zwei DCOs, Filtersektion, Hüllkurven, LFOs und Effektbereich sind weitgehend logisch strukturiert aufgebaut. Dadurch lässt sich der Synth zunächst angenehm direkt bedienen. Gerade Musiker mit Erfahrung an Vintage-Synthesizern finden sich sofort zurecht.

Technisch arbeitet der DeepMind 6X mit sechs Stimmen Polyphonie, zwei digital kontrollierten analogen Oszillatoren pro Stimme, einem resonanzfähigen Lowpass-Filter mit 12- oder 24-dB-Flankensteilheit sowie einem zusätzlichen Highpass-Filter. Dazu kommen drei ADSR-Hüllkurven, zwei umfangreiche LFOs und eine erstaunlich leistungsfähige Modulationsmatrix.

Die Tastatur mit 37 halbgewichteten Tasten unterstützt Velocity und Aftertouch und spielt sich insgesamt deutlich besser, als man es in dieser Preisklasse erwarten würde. Gerade expressive Pads, atmosphärische Flächen oder modulierte Leads profitieren davon enorm. Die Tastatur wirkt solide und ausreichend präzise für Studio- und Live-Einsatz.

Problematischer ist dagegen die Menüstruktur. Zwar lassen sich Grundparameter direkt über Fader steuern, viele erweiterte Funktionen liegen jedoch in Untermenüs verborgen. Das betrifft insbesondere Modulationsdetails, Sequencer-Funktionen und die Effektbearbeitung. Die Menüführung ist nicht katastrophal, wirkt aber unnötig technisch und wenig modern. Gerade die Darstellung auf dem LCD-Display vermittelt eher das Gefühl älterer Rackgeräte als eines zeitgemäßen Performance-Synthesizers. Das fällt insbesondere deshalb auf, weil die eigentliche Synthese-Engine deutlich moderner wirkt als ihre grafische Oberfläche.

Die umfangreiche Remote-Control-App ist gerade bei komplexeren Effekt- und Modulationsroutings in der Praxis fast wichtiger als zunächst gedacht. Viele tiefere Parameter lassen sich dort wesentlich angenehmer editieren als direkt am Gerät.

Der DeepMind 12XD verzichtet auf die Tastatur und richtet sich als kompaktes Desktop-Modul vor allem an DAW-basierte Studios und Synthesizer-Setups mit externem Masterkeyboard.
Der DeepMind 12XD verzichtet auf die Tastatur und richtet sich als kompaktes Desktop-Modul vor allem an DAW-basierte Studios und Synthesizer-Setups mit externem Masterkeyboard.

Klanglich deutlich vielseitiger als der Vintage-Look vermuten lässt

Klanglich überrascht der DeepMind 6X schnell. Wer ausschließlich einen typischen Retro-Polysynth erwartet, unterschätzt das Instrument deutlich. Zwar besitzt der Synth klar erkennbare klassische Analog-DNA, entwickelt daraus aber ein wesentlich breiteres Spektrum.

Die beiden DCOs erzeugen Sägezahn- und Pulswellen mit PWM. Dabei kann der erste DCO Sägezahn- und Pulswellen erzeugen, DCO 2 generiert lediglich Pulswellen. Dazu kommt ein Rauschgenerator. Besonders die Kombination aus Pulsweitenmodulation, Tone-Mod-Funktion und Oscillator-Sync sorgt für deutlich mehr Charakter, als man zunächst vermuten würde.

Der eigentliche Charakter des Instruments entsteht allerdings erst im Zusammenspiel mit den Modulationsmöglichkeiten und den integrierten Effekten. Genau hier hebt sich der DeepMind 6X von vielen klassischen Analogkonzepten ab.

Die beiden LFOs arbeiten umfangreicher als zunächst sichtbar. Neben klassischen Wellenformen bieten sie Sync-Funktionen, Crossmodulation und flexible Clock-Anbindungen. Noch interessanter sind die drei Hüllkurven. Jede ADSR-Hüllkurve besitzt variable Kurvenformen, wodurch sich ungewöhnlich organische oder aggressive Verläufe erzeugen lassen. Zusätzlich können die Envelopes geloopt werden.

Gerade dadurch entwickelt der DeepMind eine bemerkenswerte Lebendigkeit. Pads bewegen sich subtil, Sequenzen pulsieren organisch und selbst einfache Sounds wirken oft deutlich dynamischer als bei klassischen Poly-Synthesizern.

Richtig spannend wird es bei der Modulationsmatrix. Acht Slots mit zahlreichen Quellen und über hundert Zielen ermöglichen ungewöhnlich komplexe Routings. Selbst Effektparameter lassen sich modulieren. Genau das macht den DeepMind im Sounddesign-Bereich wesentlich interessanter als viele zunächst annehmen.


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Behringer DeepMind 6X

Die Effektsektion ist mehr als nur ein Zusatz

Die integrierten Effekte gehören zu den wichtigsten Gründen, warum der DeepMind 6X im Produktionsalltag so vielseitig wirkt. Vier simultane Effekt-Engines mit flexibel verschaltbaren Algorithmen stammen unter anderem von TC Electronic, Klark Teknik und Midas.

Dabei handelt es sich nicht nur um einfache Beigaben. Die Qualität der Reverbs, Delays, Chorus- und Modulationseffekte ist für diese Preisklasse bemerkenswert hoch. Gerade Ambient-Flächen, Dub-artige Delays oder breite Chorus-Sounds profitieren enorm davon.

Besonders praxisrelevant: Die Effekte sind vollständig in Presets integriert. Dadurch funktionieren komplexe Sounds sofort reproduzierbar. Für moderne Produktionen ist das deutlich komfortabler als externe Effektketten.

Allerdings wird hier auch die Menüschwäche wieder sichtbar. Direkt am Gerät ist die Effektbearbeitung teilweise mühsam. Mit der App arbeitet es sich erheblich angenehmer.

Im Studio erstaunlich flexibel

Im Produktionsalltag zeigt sich schnell, dass der DeepMind 6X weniger ein klassischer Charakter-Synthesizer als vielmehr ein vielseitiges Multi-Werkzeug ist. Genau darin liegt seine größte Stärke.

Pads, warme Flächen, moderne Ambient-Texturen, klassische Synth-Pop-Sounds, aggressive Modulationsflächen, Sequencer-Sounds oder experimentelle Effektlandschaften – der DeepMind deckt erstaunlich viele Bereiche überzeugend ab.

Gerade im Mix funktioniert der Synth oft besser als erwartet. Der Grundcharakter bleibt vergleichsweise kontrollierbar und setzt sich gut durch, ohne permanent dominant zu werden. Gleichzeitig bietet die Effektsektion genug Breite und Tiefe, um auch atmosphärisch dichte Produktionen zu tragen.

Die Stereo-Ausgänge arbeiten sauber und rauscharm, MIDI-Integration funktioniert zuverlässig und die vollständige MIDI-Implementation erleichtert komplexere Studio-Setups deutlich.

Weniger überzeugend wirkt der interne Sequencer. Zwar bietet er interessante Möglichkeiten inklusive polyphoner Eingaben und Modulationssteuerung, ersetzt aber keinen vollwertigen modernen Performance-Sequencer. Für einfache Pattern und rhythmische Modulationen reicht er aus, für komplexere Produktionen greift man meist ohnehin zu externen Sequencern oder der DAW.

Die Rückseite des DeepMind 6X bietet symmetrische Stereo-Ausgänge, MIDI In/Out/Thru, USB-MIDI sowie Anschlüsse für Sustain- und Expression-Pedale – kompakt, übersichtlich und praxisnah für Studio- und Live-Setups ausgelegt.
Die Rückseite des DeepMind 6X bietet symmetrische Stereo-Ausgänge, MIDI In/Out/Thru, USB-MIDI sowie Anschlüsse für Sustain- und Expression-Pedale – kompakt, übersichtlich und praxisnah für Studio- und Live-Setups ausgelegt.

Presets, Performance und Live-Einsatz

Mit 1024 Presets liefert der DeepMind 6X enorm viel Material ab Werk. Die Qualität schwankt wie bei fast jedem Synthesizer dieser Art, insgesamt ist die Preset-Auswahl aber überraschend inspirierend. Gerade atmosphärische Pads, klassische Poly-Sounds und moderne Effektflächen zeigen die Stärke der Engine sehr gut.

Für Live-Musiker interessant sind Arpeggiator, Chord-Mode und PolyChord-Funktionen. Gerade PolyChord eröffnet spannende Performance-Möglichkeiten, weil einzelnen Tasten komplette Akkorde zugewiesen werden können.

Der Arpeggiator arbeitet flexibel, inklusive Pattern-Steuerung und Swing-Funktionen. Im Live-Kontext funktioniert das zuverlässig und musikalisch sinnvoll.

Allerdings bleibt der DeepMind monotimbral. Es lassen sich also keine Splits oder Layer unterschiedlicher Sounds gleichzeitig spielen. Das begrenzt ihn im komplexeren Live-Setup etwas.

Verarbeitung und Gesamteindruck

Die Verarbeitung hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck. Das Gehäuse wirkt stabil genug für den Live-Alltag, die Fader arbeiten ordentlich und die Tastatur fühlt sich wertiger an, als man es bei diesem Preis erwarten würde.

Weniger modern wirken Display und grafische Darstellung. Genau hier merkt man dem Instrument sein Alter inzwischen an. Das betrifft nicht die Klangqualität oder die Syntheseleistung, sondern ausschließlich die Benutzeroberfläche. Ein moderneres Display und eine zeitgemäßere Menüführung würden dem Instrument heute sichtbar guttun.

Fazit: Behringer DeepMind 6X

Der Behringer DeepMind 6X ist kein puristischer Vintage-Synth und auch kein minimalistisches Boutique-Instrument. Er ist vielmehr ein erstaunlich flexibles Produktionswerkzeug mit analoger Basis und moderner Denkweise.

Gerade die Kombination aus analogem Grundsound, umfangreicher Modulationsmatrix und hochwertiger Effektsektion macht ihn bis heute bemerkenswert vielseitig. Klanglich reicht das Spektrum weit über klassische Retro-Sounds hinaus. Besonders Sounddesigner, Ambient-Produzenten und Synthesizer-Nerds bekommen hier ein Instrument, das trotz seiner bekannten Optik überraschend tief geht.

Die Schwächen liegen klar in der Benutzeroberfläche. Das Display wirkt veraltet, die Menüstruktur teilweise unnötig technisch und der Lüfter bleibt zumindest anfangs hörbar. Wer jedoch bereit ist, sich etwas einzuarbeiten, bekommt ein ausgesprochen leistungsfähiges Instrument mit enormem Gegenwert.

Für rund 500 Euro ist der DeepMind 6X deshalb weniger ein Spezialist als vielmehr ein sehr ernstzunehmendes Multi-Werkzeug für moderne Produktionen. Genau darin liegt letztlich seine größte Stärke.

Pro

  • Sehr vielseitige Synthese- und Effekt-Engine
  • Hochwertige integrierte Effekte mit Modulationsmöglichkeiten
  • Starker Funktionsumfang zum vergleichsweise niedrigen Preis

Contra

  • Lüfter im Betrieb hörbar
  • Display und Menüführung wirken veraltet

 

Link zur Herstellerseite: Behringer

 

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