Mitten in der Blütezeit der digitalen Drummachines (Mid-80s) wollte Kawai Roland und Yamaha Paroli bieten – und landete 1987 mit der R-100 einen robusten, studiofreundlichen Drumcomputer. Anschlagsdynamische Pads, flexible Sync-Optionen, Einzelausgänge und 24 markante 12-Bit-Samples machen sie bis heute interessant – besonders für EBM/Industrial, aber auch für House und klassischen Dancefloor.
Kurzgeschichte & Referenzen
Die R-100 kostete zur Einführung rund 800 US-Dollar und wurde vor allem wegen ihres zweiten Drumsets in Industrial/EBM-Kreisen beliebt. Auch im House-Kosmos fand sie ihren Platz: Mr. Fingers (Larry Heard) setzte sie ein; auf dem 1992er „Introduction“-Album ist die R-100 (neben anderen Maschinen) zu hören. Der kompaktere Nachfolger R-50 verzichtete u. a. auf Einzelausgänge.
Bauweise & Bedienung
Das Gehäuse (Unterteil Metall, Oberteil Kunststoff) wirkt stabil und aufgeräumt. Zwei Drehregler steuern Metronom- und Master-Lautstärke. Neben dem für die Zeit großzügigen 2×16-Zeichen-Display sitzt ein Cartridge-Schacht (Kawai RC-16) für Sequenzerdaten. Acht anschlagsdynamische Pads und eine übersichtliche Matrix aus Funktions- und Wippschaltern erlauben schnellen Zugriff auf Level, Tuning, Anschlagdynamik und Panorama. Rechts daneben: numerisches Tastenfeld sowie Tap-Tempo.
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Anschlüsse & Synchronisation
Rückseitig zeigt die R-100, warum sie ein Studio-Liebling ist: MIDI-Trio, DIN-Sync (24 ppq), Tape-Sync-Interface für Bandmaschinen sowie Clock-In/Out. Die Time-Base lässt sich zwischen 24/48/96 ppq wählen. Das Timing-Adjust erlaubt in allen Sync-Modi eine Vor-/Nachlauf-Korrektur um ± 9 Schritte (je 1/24-Note) – sehr hilfreich beim Zusammenspiel verschiedenster Geräte. Dazu kommen Stereosumme, acht frei zuweisbare Einzelausgänge, Kopfhörer, Metronom-Out und ein Trigger-Out, der flexibel einem Instrument zugeordnet werden kann. Zwei Fußschalter-Buchsen (Start/Stop und Closed→Open Hi-Hat) erleichtern den performativen Workflow.
Kawai R 100 Rückseite (Foto Bernhard Loesener)
Sequencer & Workflow
Der interne Speicher fasst ca. 3.600 Noten. 100 Patterns lassen sich zu 100 Songs formen und wiederum in 10 Chains organisieren. Der Sequencer arbeitet in Echtzeit- und Step-Modus mit feiner Quantisierung bis 1/192; Swing und Flam sind an Bord, Tempowechsel im Songverlauf sind möglich. Besonders stark: Die Automation von Level, Tuning und Panorama – damit entstehen lebendige, unkonventionelle Grooves, selbst bei begrenztem Sample-Vorrat.
Klang, Samples & Erweiterungen
Die R-100 liefert 24 12-Bit-Samples (32 kHz) in drei Bänken. Klangästhetisch ist das „Achtziger pur“: druckvoll, präsent und mit Charakter. Drei Kick/Snare-Paare decken von Allround bis „darkes Gated-Reverb“ (EBM-Liebling) vieles ab; Claps, Shaker und Claves sind gut einsetzbar. Mit Glück findet man die CP-2 (Orchestra-Hits, Bässe etc.) und CP-3 (Jazzdrums) Erweiterungen.
Kawai R-100 – Praxis-Fazit
Die Kawai R-100 gilt bis heute als unterbewerteter Drumcomputer. Dank vorbildlicher Sync-Optionen integriert sie sich in nahezu jedes Setup. Einzelausgänge und Automation kompensieren die limitierten Edit-Möglichkeiten der Samples – ideal für Hardware-Freund:innen, die 12-Bit-Punch und Vintage-Workflow schätzen.
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