Roland TR-505: Der 12-Bit-Drumcomputer von 1986

Modifizierte Roland TR-505 Drum Machine mit Circuit-Bending-Patchbay, roten Patchkabeln, LCD-Display und zusätzlichen Reglern.

Die Roland TR-505 kam 1986 als kleiner und günstiger Drumcomputer der legendären TR-Serie auf den Markt. Damals war kaum abzusehen, dass ausgerechnet dieser unscheinbare Groove-Zwerg später zu einem beliebten Objekt der Circuit-Bending-Szene werden würde. Denn durch gezielte Modifikationen verwandelt sich die brave Rhythmusmaschine in ein unberechenbares Industrial-Monster mit Glitches, Noise-Effekten und radikalen Pitch-Veränderungen.

Dabei begann die Geschichte der TR-505 vergleichsweise harmlos. Roland positionierte sie als preiswerte Alternative zu deutlich teureren Drumcomputern wie der Roland TR-707. Für rund 250 US-Dollar mussten Musikerinnen und Musiker zwar auf einige Komfortfunktionen verzichten, dennoch bot die TR-505 solide digitale Drumsounds, MIDI-Anbindung und eine unkomplizierte Bedienung.

Roland TR-505: Günstige Alternative zur TR-707

Als kleinstes Mitglied der TR-Familie richtete sich die Roland TR-505 vor allem an Musiker, die einen bezahlbaren Drumcomputer suchten. Im Vergleich zu größeren Modellen fehlen allerdings einige Ausstattungsmerkmale. So besitzt die TR-505 weder Einzelausgänge noch eine klassische Lauflichtprogrammierung oder separate Lautstärkefader pro Instrumentenkanal.

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Trotz dieser Einschränkungen fand der kleine Drumcomputer seinen Weg in professionelle Studios. Unter anderem nutzten bekannte Produzenten wie Vince Clarke und Aphex Twin die TR-505. Aphex Twin setzte sie beispielsweise bei der Musik zu Chris Cunninghams verstörendem Kurzfilm „Rubber Johnny“ ein.

Ein enger Verwandter der TR-505 ist die ein Jahr später erschienene Roland TR-626. Sie bietet mehr Instrumente und zusätzliche Einzelausgänge, bleibt klanglich jedoch nah an der Ästhetik digitaler Roland-Drumcomputer der Achtzigerjahre.

Roland TR-505 – Gehäuse, Bedienung und Anschlüsse

Achtzigerjahre-Design in Beige

Optisch ist die Roland TR-505 ein typisches Kind der Achtzigerjahre. Das Gehäuse präsentiert sich in jenem nüchternen Beige, das damals bei Computern, Bürogeräten und vielen elektronischen Instrumenten fast allgegenwärtig war. Charmant ist das nicht unbedingt, doch gerade dieser eigenwillige Look trägt heute zum Retro-Charakter der Maschine bei.

Auf der Bedienoberfläche befinden sich mehrere Funktionstasten, zwei Potis für Tempo und Lautstärke sowie nicht anschlagsdynamische Schlagflächen. Über diese Pads lassen sich Grooves sowohl im Step-Modus als auch in Echtzeit eingeben.

LCD-Display mit praktischer Grid-Ansicht

Das unbeleuchtete LCD-Display informiert über BPM, Pattern- und Tracknummern. Außerdem zeigt es eine praktische Grid-Ansicht mit 16 Steps des jeweils angewählten Instruments. Dadurch bleibt die Programmierung trotz kompakter Bauweise übersichtlich.

MIDI, Stereoausgang und Tape-Interface

Auf der Rückseite der Roland TR-505 befinden sich ein Stereoausgang, ein Tape-Interface sowie MIDI-In- und MIDI-Out-Buchsen. Dadurch lässt sich die Maschine mit externem Equipment synchronisieren und per MIDI-Clock in ein größeres Setup integrieren.

Klangerzeugung der Roland TR-505

Die TR-505 arbeitet mit einer achtfach polyfonen 12-Bit-Sample-Klangerzeugung. Insgesamt stehen 16 Sounds zur Verfügung, darunter Kick, Snare, Clap, Toms, Hi-Hats, Cymbals und verschiedene Percussion-Instrumente.

Die Editiermöglichkeiten sind allerdings sehr begrenzt. Im Wesentlichen lässt sich nur die Lautstärke der einzelnen Sounds einstellen. Parameter wie Pitch, Decay, Filter oder Hüllkurven sucht man vergeblich. Trotzdem besitzt die Maschine einen eigenständigen Klangcharakter, der besonders im Kontext von Electro, House, Minimal, Industrial und experimenteller Musik interessant ist.

Der Sound der Roland TR-505

Dr. Jekyll: Braver 12-Bit-Charme

Viele Musikerinnen und Musiker halten den Grundsound der Roland TR-505 für weniger spektakulär als den Sound berühmter Klassiker wie TR-808, TR-909 oder TR-707. Tatsächlich wirken die 12-Bit-Samples zunächst eher unscheinbar. Dennoch lassen sie sich musikalisch gut einsetzen, da sie trocken, direkt und zeitlos klingen.

Die Kickdrum besitzt einen angenehmen Punch, während Snare und Clap den typischen Roland-Charakter der Achtzigerjahre transportieren. Auch die technoid wirkenden Latin-Percussion-Sounds erweitern das Klangspektrum sinnvoll.

Insgesamt erinnert der Grundklang stark an klassische Chicago-House-Produktionen der Achtzigerjahre. Das ist wenig überraschend, denn die klanglich verwandte TR-707 wurde in diesem Umfeld häufig eingesetzt.

Circuit Bending: Wenn die TR-505 zur Büchse der Pandora wird

Warum eignet sich die TR-505 für Circuit Bending?

In der Circuit-Bending-Szene ist die Roland TR-505 besonders beliebt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Sie ist auf dem Gebrauchtmarkt vergleichsweise günstig, bietet interessante digitale Schaltungen und besitzt trotz kompakter Abmessungen genügend Platz für Modifikationen. Außerdem ist die Hemmschwelle bei einem Budget-Drumcomputer deutlich geringer als bei teuren Sammlerstücken.

Bei unserem Gerät wurden die Modifikationen von der englischen Firma Circuitbenders.co.uk durchgeführt, die sich auf experimentelle Umbauten von Drumcomputern, Synthesizern und anderen elektronischen Instrumenten spezialisiert hat.

Patchbay, Multiple-Sektion und neue Klangwelten

Nach dem Umbau besitzt die Roland TR-505 eine 24-fache Patchbay mit 3,5-mm-Buchsen. Darüber lassen sich verschiedene Schaltkreis-Kontakte miteinander verbinden. Im Kern werden dabei digitale Datenströme, etwa aus Sound-ROM oder RAM, in Eingänge geleitet, für die sie ursprünglich nicht vorgesehen waren.

Zusätzlich wurde eine sechsfache Multiple-Sektion integriert. Dadurch ergeben sich zahlreiche Kombinationen, mit denen sich der Klang radikal verändern lässt. Schon wenige Patch-Verbindungen reichen aus, um die TR-505 in völlig neue Klangbereiche zu treiben.

Tuning-Poti, Einzelausgänge und LED-Anzeige

Besonders reizvoll ist der große Tuning-Poti. Mit ihm lässt sich die Stimmung der Instrumente in einem extrem weiten Bereich verändern. Dadurch entstehen tief heruntergestimmte Drums, schrille Percussion-Sounds und aggressive Industrial-Texturen.

Außerdem wurden acht Einzelausgänge nachgerüstet. Damit lassen sich einzelne Sounds separat bearbeiten, verzerren, filtern oder im Mix gezielt platzieren. Eine große blaue LED zur Anzeige des Ausgangssignals rundet den Umbau optisch ab.

Mr. Hyde: Glitches, Noise und Industrial-Drums

Durch die Circuit-Bending-Modifikationen wird die Roland TR-505 zu einer unberechenbaren Klangmaschine. Aus der kompakten Basis-Drumbox entsteht eine Büchse der Pandora voller Glitches, gepitchter Industrial-Noises, kranker Modulationen und digitaler Artefakte.

Mit drei oder vier Patch-Kabeln lassen sich bereits drastische Effekte erzeugen. Je nach Verbindung entstehen merkwürdige Echoeffekte, ringmodulationsartige Klänge oder instabile digitale Verzerrungen. Besonders spannend ist, dass sich manche Sounds bei jedem neuen Trigger leicht verändern. Dadurch wirken die Patterns lebendiger, chaotischer und deutlich organischer als bei der unmodifizierten Maschine.

Wer wieder zum ursprünglichen Klang zurückkehren möchte, kann die Patch-Kabel einfach entfernen und das Tuning auf Normalstellung bringen. Die TR-505 bleibt also trotz aller Modifikationen flexibel einsetzbar.

Was kosten die Circuit-Bending-Modifikationen?

Die beschriebenen Umbauten – also Patchbay, Einzelausgänge und Pitch-Poti – kosteten zusammen 115 englische Pfund. Für experimentelle Musiker, Industrial-Produzenten und Klangforscher ist das eine vergleichsweise günstige Möglichkeit, aus einem einfachen 12-Bit-Drumcomputer ein eigenständiges Noise- und Glitch-Instrument zu machen.

Fazit: Die Roland TR-505 ist mehr als ein günstiger Drumcomputer

Die Roland TR-505 war ursprünglich als preiswerter Einstieg in die TR-Welt gedacht. Ohne Modifikationen liefert sie solide 12-Bit-Drums mit typischem Achtzigerjahre-Charakter, MIDI-Anbindung und unkomplizierter Bedienung. Gerade ihre Einfachheit macht sie bis heute attraktiv.

Ihr eigentliches Kultpotenzial entfaltet sie jedoch im Circuit-Bending-Kontext. Mit Patchbay, Pitch-Modifikation und Einzelausgängen wird aus dem braven Groove-Zwerg ein radikales Klangwerkzeug für Glitch, Noise, Industrial und experimentelle elektronische Musik. Genau deshalb ist die Roland TR-505 heute weit mehr als nur der kleine Bruder der großen TR-Maschinen.

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