Behringer MS-1 MkII im Test: Analoger Workflow-Klassiker

Der Behringer MS-1 MkII GY im klassischen Performance-Design: 32 Slim-Keys, klar strukturierte Fader-Oberfläche und integrierter Step-Sequencer – ein konsequent analog gedachtes Live- und Studioinstrument.

Der Behringer MS-1 MkII GY ist ein monophoner Analogsynthesizer, der bewusst ein historisches Konzept in die Gegenwart holt – inklusive 32-Tasten-Keyboard, Sequencer/Arpeggiator und einem konsequent „hands-on“ gedachten Panel. Mit 249,00 Euro liegt er preislich in einer Zone, in der viele Musiker sonst eher über Plug-ins oder gebrauchte Controller nachdenken. Genau deshalb ist die Erwartungshaltung zweigeteilt: Einerseits darf man in dieser Preisklasse keine Boutique-Verarbeitung oder luxuriöse Mechanik verlangen, andererseits muss ein analoger Monosynth heute mehr liefern als bloß nostalgische Optik. Entscheidend ist, ob er im Studio und auf der Bühne als ernstzunehmendes Instrument funktioniert – klanglich, haptisch und im Workflow.

Der MS-1 MkII ist dabei weder Workstation noch Universal-Synth. Er ist ein Spezialist für Basslinien, Leads, Sequenzen und performative Filterfahrten – also genau für die Rollen, in denen ein klassischer Monosynth seine Stärken ausspielt. Ob er diese Rolle nur behauptet oder tatsächlich trägt, zeigt sich im Detail: im Verhalten des Filters, im Timing der Hüllkurve, in der Stabilität des Sequencers und darin, wie gut sich das Instrument kontrollieren lässt, wenn es schnell gehen muss.

Bedienoberfläche und Ausstattung: Direktzugriff statt Menülogik

Die Oberfläche ist klassisch subtraktiv strukturiert: Oszillator, Mixer, Filter, VCA/Hüllkurve, LFO, dazu Sequencer/Arpeggiator und Anschlüsse. Wichtig ist: Der MS-1 MkII bleibt in der Bedienlogik konsequent analog. Es gibt keine Parameterseiten, keine Displays, keine verschachtelten Menüs. Wer seit Jahren mit Synthesizern arbeitet, erkennt sofort, was hier passiert – und kann innerhalb weniger Sekunden zu musikalisch brauchbaren Ergebnissen kommen.

Die 32-Tasten-Tastatur ist eine Slim-Key-Ausführung. Sie ist leichtgängig, schnell spielbar und für typische 101-Rollen ausreichend, aber sie fühlt sich nicht „pianistisch“ an – und will das auch nicht. Für Keyboarder mit Digitalpiano-Sozialisation ist das zunächst ungewohnt: Der Anschlag ist flach, die Mechanik deutlich simpler, Aftertouch gibt es nicht. Das ist kein KO-Kriterium, aber es definiert klar die Erwartung: Der MS-1 ist keine „Spielwiese für Anschlagsnuancen“, sondern ein Performance-Tool für Linien, Pattern und Modulation.

Konstruktiv gehört zur MkII-Version die beworbene, originalgetreue Reproduktion des BA662 OTA-Chips. Für die Praxis ist weniger der Name entscheidend als die Wirkung: Das Zusammenspiel aus Pegelstruktur, Filterverhalten und VCA/Envelope-Charakter soll näher an die historische Ästhetik rücken. Ob das gelingt, zeigt sich im Klangkapitel.

An Bord sind Step-Sequencer (bis 32 Schritte) und Arpeggiator, jeweils mit Speicherplätzen (64 Pattern). Der MkII bringt außerdem ein separates Tempo-Poti für Sequencer/Arp, sodass das Timing nicht mehr zwangsläufig an den LFO gekoppelt ist – ein Detail, das im Alltag viel ausmacht. Dazu kommen MIDI (klassisch) und USB-MIDI sowie CV/Gate I/O und ein Filter-CV-Eingang. Damit kann der MS-1 nicht nur „Retro spielen“, sondern auch in moderne Hybrid-Setups eingebunden werden.

Signalweg und Technik: Warum dieser Synth so schnell „fertig“ klingt

Der Signalweg ist klassisch und genau deshalb musikalisch effizient: VCO → Mixer → VCF → VCA. Als Oszillator arbeitet ein CEM3340-basierter VCO. Das ist kein exotischer Baukasten, sondern eine bewährte Grundlage für stabile Stimmung, klare Transienten und einen prägnanten Grundklang.

Im Mixer stehen mehrere Quellen bereit: Rechteck, Sägezahn, Dreieck, Suboszillator (in drei Modi), Noise und ein externer Eingang. Dass hier nicht nur zwei Wellenformen, sondern eine breitere Auswahl gleichzeitig mischbar ist, ist praxisrelevant – vor allem für Bassdesign. Der Suboszillator ist dabei nicht nur „mehr Bass“, sondern ein Strukturwerkzeug: Er definiert, wie stabil das Fundament bleibt, wenn man Cutoff und Resonanz performt. In vielen Produktionen ist genau das der Punkt: Man möchte aggressive Filterfahrten, ohne dass der Track untenrum wegkippt. Der Sub hilft, dieses Fundament zu halten.

Das Filter ist als 24-dB-Lowpass ausgelegt und reicht bis zur Selbstoszillation. Im musikalischen Alltag ist weniger „kann selbstoszillieren“ wichtig als „wie kontrollierbar ist der Übergang“. Hier zeigt der MS-1 MkII eine gute Abstufung: Cutoff lässt sich fein einstellen, Resonanz baut sich nachvollziehbar auf, und die Filterkurve wirkt nicht beliebig, sondern wie ein bewusstes Klangwerkzeug. Im mittleren Resonanzbereich entsteht dieser typische, leicht knarzige Fokus, der Sequenzen im Mix nach vorne bringt, ohne dass man sofort mit EQ nachhelfen muss.

Die ADSR-Hüllkurve ist schnell und kann ausgesprochen knackig zupacken. Der VCA lässt sich zwischen Gate- und Envelope-Steuerung umschalten, was im Live- und Sequencer-Kontext Gold wert ist: Gate-Modus für sofort „offene“ Sounds und manuelle Filter-Performance, Envelope-Modus für definierte Plucks, Bass-Noten und perkussive Sequenzen. Dazu kommt ein LFO mit erweitertem Frequenzbereich, der nicht nur gemütliches Vibrato kann, sondern auch zügige PWM-Bewegungen und – je nach Einstellung – Modulationen, die deutlich aggressiver in die Klangformung eingreifen.

Ein MkII-spezifischer Punkt, der in vielen kurzen Produkttexten untergeht, ist die Möglichkeit zur Filter-FM bzw. zusätzlichen Cutoff-Modulation über verschiedene Quellen. Genau hier wird es spannend, weil der MS-1 dann nicht nur „Classic Subtractive“ spielt, sondern auch in Richtung rauer, teilweise metallischer Texturen gehen kann – ohne externes Modularsystem.

Klangcharakter: Von Bassfundament bis „knarziger“ Resonanz

Klanglich ist der MS-1 MkII kein „HiFi-Analog“, der alles weichzeichnet. Er wirkt im Grundton direkt, präsent und eher roh als schmeichelnd. Das ist im Studio ein Vorteil, weil er sich in modernen Produktionen schnell durchsetzt. Die Sägezahnwelle liefert ein kerniges Obertonspektrum, das sich gut formen lässt: Cutoff runter für Druck, Cutoff hoch und Resonanz moderat für prägnante Sequenzen, Resonanz hoch für nasalere Lines.

Die Rechteckwelle mit PWM ist eine der musikalischsten Disziplinen dieses Synths. PWM-Modulation erzeugt Schwebungen, die bei monophonen Leads sehr lebendig wirken. Besonders interessant ist dabei nicht die „Schwebe an sich“, sondern wie stabil der Klang bleibt, wenn man ihn im Mix verdichtet – etwa durch Kompression oder Saturation im Kanalzug. Der MS-1 bleibt dabei definierbar, ohne dass die Modulation in einem undefinierten Brei endet. Das macht ihn für Sounddesigner attraktiv, die nicht nur „Vintage-Vibes“, sondern kontrollierbare Textur suchen.

Der Suboszillator verdient einen eigenen Absatz, weil er in der Praxis darüber entscheidet, ob dieser Synth „nur schön“ oder wirklich funktional ist. Bei Basslinien kann man den Sub so dosieren, dass das Fundament stabil bleibt, selbst wenn man mit Filterfahrten arbeitet. Gleichzeitig addieren sich Pegel im Mixer schnell. Das ist ein Punkt, an dem sich Erfahrung auszahlt: Wer alle Quellen voll aufzieht, überfährt Filter und VCA, der Klang wird komprimierter und im Extrem unsauber. Wer dagegen bewusst gain-staged, bekommt eine erstaunlich „mixfertige“ Bassstruktur. Im Ergebnis ist der MS-1 MkII weniger ein Synth, der spektakulär „glänzt“, sondern einer, der sich schnell in ein Arrangement einfügt.

Das Filter ist der zweite große Charakterträger. Im unteren Resonanzbereich klingt es rund und druckvoll. Je weiter man die Resonanz aufdreht, desto stärker tritt dieser knarzige, fokussierte Charakter hervor. Selbstoszillation ist möglich und musikalisch nutzbar, etwa für Pfeiftöne, Effekte oder als zusätzlicher Tongenerator. Besonders interessant wird es, wenn man Resonanz und Hüllkurven-Amount so einstellt, dass die Transienten „smacken“, aber der Ton nicht zu dünn wird. Genau hier zeigt sich, ob ein Synth kontrollierbar ist – und der MS-1 MkII macht es einem vergleichsweise leicht, diesen Sweet Spot zu finden

In der Draufsicht wird die klassische Signalstruktur deutlich: VCO, Source Mixer, 24-dB-VCF, VCA und ADSR-Hüllkurve sind logisch angeordnet und ermöglichen direkten Zugriff ohne Menüführung.
In der Draufsicht wird die klassische Signalstruktur deutlich: VCO, Source Mixer, 24-dB-VCF, VCA und ADSR-Hüllkurve sind logisch angeordnet und ermöglichen direkten Zugriff ohne Menüführung.

Kontrolle und Spielbarkeit: Wie „gut“ lässt sich der MS-1 führen?

Bei analogen Monosynths ist Kontrollierbarkeit eine Kombination aus Reglerauflösung, Parameter-Interaktion und ergonomischem Zugriff. Der MS-1 MkII punktet zunächst mit seiner unmittelbaren Oberfläche: Man greift hin, der Klang reagiert. Keine Latenz, keine Parameterauflösung wie bei Encodern mit Rasterung, sondern klassische Faderbewegung.

Gleichzeitig muss man realistisch bleiben: Die Fader sind funktional und ausreichend präzise, aber nicht „Luxusklasse“. Das bedeutet: Feinstabstimmungen funktionieren, aber man arbeitet eher mit musikalischen Bereichen als mit mikroskopischer Präzision. Im Alltag ist das sogar ein Vorteil – man kommt schneller zu Entscheidungen. Für exakte Wiederholbarkeit ist er jedoch kein ideales Gerät, weil es keine Klangpresets gibt und weil analoge Parameterstellungen naturgemäß nicht „auf den Punkt“ reproduzierbar sind.

Die Tastatur ist für schnelle Linien okay, aber sie ist nicht der Ort, an dem der MS-1 seine größte Expressivität entfaltet. Seine Expressivität entsteht über Modulation und Performance: Filterfahrten, PWM, Gate/Envelope-Wechsel, Sequencer-Transposition und Timing. Wer aus der Keyboarder-Perspektive kommt und „Spiel“ über Anschlagsdynamik sucht, wird das hier nicht finden – und sollte das auch nicht erwarten. Wer dagegen aus der Synth-Perspektive kommt, wird die Direktheit schätzen.

Studio-Praxis: Warum dieser Synth im Arrangement funktioniert

Im Studio ist der MS-1 MkII vor allem ein schneller Ideenlieferant. Bassline, Pattern, Hookline – das sind die Domänen. Was ihn dafür prädestiniert, ist sein klarer klanglicher Fokus: Er liefert nicht unendlich viele Klangfarben, aber die wenigen Farben sind sehr brauchbar.

Ein typisches Szenario: Man startet mit Sägezahn plus Sub, stellt Cutoff relativ niedrig, Resonanz moderat, Envelope-Amount so, dass der Attack definiert ist – und hat sofort einen Bass, der ohne viel Nachbearbeitung im Mix sitzt. Für Sequenzen dreht man Cutoff hoch, Resonanz etwas mehr, arbeitet mit Arp oder Sequencer und lässt den LFO PWM modulieren. Das ergibt Pattern, die im Arrangement leben, ohne dass man sie in der DAW tot-automatisieren muss.

Der externe Eingang ist ein unterschätztes Feature. Damit wird der MS-1 zu einem Analogprozessor: Drumloops, Samples oder sogar andere Synths lassen sich durch Filter und VCA schicken. Im Studio ist das eine einfache Methode, Material „zu verkleben“, weil das Filter dem Signal einen charakteristischen Fokus gibt. Das ist kein Ersatz für vollwertige Filterbanks oder modulare Effektketten, aber im pragmatischen Workflow oft genau das, was man braucht.

Mit montierbarem Handgriff und Schultergurt wird der Behringer MS-1 MkII GY zum performativen Bühneninstrument – ganz im Stil klassischer 80er-Stage-Synths, aber mit moderner MIDI- und USB-Integration.
Mit montierbarem Handgriff und Schultergurt wird der Behringer MS-1 MkII GY zum performativen Bühneninstrument – ganz im Stil klassischer 80er-Stage-Synths, aber mit moderner MIDI- und USB-Integration.

Live-Praxis: Performance-Tool statt „Studio-Schrankware“

Auf der Bühne zählt, ob ein Instrument schnell bedienbar und robust genug ist, um performt zu werden. Der MS-1 MkII ist von der Idee her klar als Live-Instrument gedacht: Tragegriff und Gurt sind nicht bloß Deko, sondern ermöglichen tatsächlich einen performativen Einsatz, wenn man das möchte. Für elektronische Live-Setups, bei denen Bass und Lead über Hardware gespielt werden, ist das eine charmante Option.

Praktisch relevant sind vor allem zwei Dinge: Timing und Pattern-Wechsel. Das separate Tempo-Poti hilft, wenn man unabhängig arbeiten will. In MIDI-synchronisierten Setups ist entscheidend, ob der Synth stabil auf Clock reagiert. In der Praxis lässt er sich sauber in ein MIDI-Setup einbinden, wobei man bei Live-Betrieb immer das Gesamtsetup im Blick behalten muss: Ein Synth kann noch so stabil sein – wenn das Clock-Signal wackelt, wackelt alles.

Was live gut funktioniert, ist die Kombination aus Sequencer/Arp und manueller Klangformung. Pattern laufen lassen, Cutoff und Resonanz performen, PWM dosieren, Gate/Envelope umschalten – das sind echte musikalische Aktionen, die ein Publikum auch wahrnimmt. Genau hier wirkt der MS-1 MkII wie ein Instrument und nicht wie ein Preset-Abspielgerät.

Vergleich zum Original Roland SH-101: Nähe, Unterschiede, Realität

Wenn man den MS-1 MkII im Kontext des Roland SH-101 betrachtet, geht es weniger um „besser oder schlechter“, sondern um Nähe in Charakter und Spielgefühl – und darum, welche Unterschiede in der Praxis relevant sind.

Der ursprüngliche Reiz des SH-101 lag in einer sehr klaren Kombination aus unmittelbarer Bedienung, einem aggressiv-prägnanten Grundsound und einer Art musikalischer „Geradlinigkeit“: Bass und Lead standen im Vordergrund, Sequenzen wirkten bissig, und selbst einfache Einstellungen hatten diesen leicht knarzigen, nach vorne gehenden Ton. Genau dieses Gefühl versucht der MS-1 MkII zu treffen. Im Grundcharakter gelingt ihm das: Die Sägezahn- und PWM-Ästhetik ist überzeugend, der Bassdruck ist da, und das Filter kann diesen typischen Fokus erzeugen, der Sequenzen „spricht“.

Unterschiede liegen weniger im groben Klangbild als im Detail der Interaktion. Vintage-Originale haben Fertigungstoleranzen, Alterungseffekte und manchmal auch Eigenheiten, die man als „Charakter“ interpretiert – aber die im Alltag auch schlicht Nervfaktoren sein können. Der MS-1 MkII wirkt im Betrieb insgesamt stabiler und kalkulierbarer. Das kann man als weniger „magisch“ empfinden, man kann es aber auch als Vorteil sehen, weil sich Sounds zuverlässiger reproduzieren lassen – zumindest im Rahmen analoger Parameterstellungen.

Die MkII-Fokussierung auf BA662-Reproduktion zielt darauf, bestimmte Aspekte des Filter/VCA-Verhaltens näher an die historische Signatur zu rücken. In der Praxis äußert sich das vor allem in der Art, wie sich Resonanz aufbaut und wie knackig Transienten wirken können. Der MS-1 MkII hat einen sehr nutzbaren „Punch“-Bereich, in dem Basslines nicht weich werden, selbst wenn man Cutoff und Resonanz performt. Das erinnert stark an das musikalische Einsatzgebiet, das man mit dem SH-101 verbindet.

Workflow-seitig gibt es einen klaren modernen Vorteil: MIDI/USB und die erweiterten Sequencer/Arp-Funktionen. Ein SH-101 ist in einem zeitgemäßen Setup oft ein Projekt für sich, inklusive Sync-Fragen, Wartung, Adapterlogik und dem Risiko, dass ein Vintage-Gerät im Live-Kontext schlicht zickt. Der MS-1 MkII ist dagegen „einfach da“ und integrierbar. Wer den 101-Ansatz als Klang- und Performance-Idee in aktuelle Produktionen holen will, bekommt hier eine deutlich niedrigschwelligere, alltagstaugliche Lösung.

Wichtig ist aber auch: Wer das Original aus rein emotionalen Gründen will – Haptik, Historie, Sammlerwert – wird das nicht ersetzt bekommen. Der MS-1 MkII adressiert den Musiker, nicht den Sammler. Klangästhetisch ist er nah dran; die Aura eines Originals ist eine andere Kategorie.

Die Rückseite des Behringer MS-1 MkII GY bietet neben Audio-Out und Kopfhöreranschluss umfangreiche CV/Gate-Verbindungen, Filter-CV-In, Velocity-CV-Out sowie MIDI und USB – damit ist der Monosynth sowohl modular- als auch DAW-tauglich.

Sequencer, Arpeggiator, MIDI und CV: Der unterschätzte Praxis-Mehrwert

Der Step-Sequencer ist im MS-1 MkII mehr als eine Beigabe. Für viele Produktionen ist genau das der Kern: Pattern bauen, transponieren, in Echtzeit modulieren. Entscheidend ist, wie schnell man zu Ergebnissen kommt. Hier ist der MS-1 MkII angenehm direkt. Die Pattern-Anzahl (64) ist praxisgerecht, die Step-Länge (32) reicht für typische Sequenzen, und die Bedienung bleibt instrumentennah.

Der Arpeggiator ergänzt das Ganze sinnvoll und ist vor allem live ein Performance-Tool. Dass Tempo und LFO getrennt sind, ist hier ein echter Fortschritt: Man kann LFO für PWM oder Filterbewegung nutzen, ohne das Sequencer/Arp-Tempo zu „verziehen“. Das klingt banal, ist aber in der Realität ein riesiger Workflow-Gewinn.

MIDI und USB-MIDI machen den MS-1 MkII zum problemlosen Bestandteil moderner DAW-Setups. CV/Gate I/O und Filter-CV-In öffnen die Tür zum Modularsystem. Für erfahrene Anwender ist das nicht nur „nice to have“, sondern ein echter Grund, warum dieses Instrument mehr ist als ein nostalgischer Monosynth: Man kann ihn als Stimme im Modularverbund nutzen, externe Sequencer anschließen, Filter von außen modulieren oder den Synth als CV-Quelle verwenden. Der Velocity-CV-Out ist dabei ein Detail, das man kreativ nutzen kann – auch wenn Velocity intern nicht die Klangdynamik steuert.

Presets im Sinne speicherbarer Sounds gibt es nicht. Wer aus Workstation- oder Digitalpiano-Welten kommt, muss umdenken. Dafür ist der Synth schnell: Klang entsteht über Handarbeit. Im Ergebnis arbeitet man weniger in „Bänken“, sondern in Takes. Das passt zu vielen elektronischen Produktionsstilen erstaunlich gut.

Fazit: Für 249 Euro ein Spezialist mit echter musikalischer Substanz

Der Behringer MS-1 MkII GY ist für 249,00 Euro ein bemerkenswert konsequent gebauter analoger Monosynth, der seine Rolle klar definiert: Bass, Lead, Sequenz, Performance. Seine Stärke liegt nicht in Feature-Überfluss, sondern im Zusammenspiel aus direkter Oberfläche, musikalischem Filterverhalten, knackiger Hüllkurve und einem Sound, der im Mix schnell funktioniert.

Er ist kein Allrounder, keine Preset-Maschine und kein Keyboard-Instrument für dynamische Anschlagskultur. Er ist ein Spezialist, der mit wenigen Handgriffen zu brauchbaren, charakterstarken Ergebnissen führt – und der genau deshalb im Studio wie live sinnvoll sein kann. Der Vergleich zum Roland SH-101 ist dabei weniger ein Streit um Nuancen als eine Frage der Praxis: Der MS-1 MkII trifft die ästhetische Idee überzeugend, ist aber moderner integrierbar und alltagstauglicher.

Kritisch bleibt, dass die Tastatur funktional, aber nicht luxuriös ist und dass man ohne Presets konsequent in „Performance“ denken muss. Wer genau das sucht, bekommt in dieser Preisklasse ein ernstzunehmendes Werkzeug, das nicht nur Retro spielt, sondern produktiv eingesetzt werden will.

Pro

  • Charakterstarker Analogklang mit sehr brauchbarem Bassfundament
  • Direktzugriff ohne Menülogik, schneller Workflow im Studio
  • Sequencer/Arp plus MIDI, USB und CV/Gate machen ihn setupfreundlich

Contra

  • Keine speicherbaren Sounds, nur Pattern-Speicher
  • Slim-Key-Tastatur ohne Aftertouch, begrenzte Spiel-Expressivität

Link zur Herstellerseite: Behringer


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Behringer MS-1 MkII GY Synthesizer

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