Behringer 2-XM Test: Der Behringer 2-XM gehört zu den spannendsten neuen Analogsynthesizern der letzten Jahre und richtet sich besonders an Synthesizer-Fans, die weit mehr suchen als nur einen weiteren Monosynth. Als Hommage an den legendären Oberheim Two Voice von 1975 vereint der 2-XM zwei vollwertige SEM-Klangerzeuger mit moderner Semi-Modular-Architektur. Das Ergebnis ist ein Instrument, das den Klang nicht nur emuliert, sondern durch Patchbay und Poly-Chain-Funktion sogar erweitert – bis hin zu mehrstimmigen Setups. Für Klangtüftler, die auf warme Vintage-Sounds stehen oder ihr Modular-System um den Oberheim-Charakter bereichern möchten, zählt der 2-XM jetzt schon zu den interessantesten Optionen am Markt. Und mit einem Preis von ca. 349 € bietet er den klassischen SEM-Klang für einen Bruchteil dessen, was Originale oder Boutique-Nachbauten kosten.
Design und Verarbeitung
Das Gehäuse des Behringer 2-XM ist im bekannten Desktop-/Eurorack-Formfaktor der Firma gehalten und entsprechend robust verarbeitet. Mit seinem cremefarbenen Metall-Panel im Oberheim-SEM-Look wirkt der Synthesizer erstaunlich hochwertig. Auf einer Breite von 80 HP (für die Rack-Montage) bietet das große Panel ausreichend Platz für zwei vollständige Synthesizer Expander Module nebeneinander, plus einen kleinen Mixer und das Patchfeld auf der rechten Seite. Die Bedienelemente sind präzise und das Layout ist klar strukturiert: Beide Voice-Sektionen sind identisch aufgebaut und sauber beschriftet, sodass man sofort erkennt, welcher Regler zu welcher Stimme gehört. Alle Regler laufen erfreulich gleichmäßig mit angenehmem Widerstand. Zwar setzt Behringer – typisch für Eurorack-Module – auf eher schmale Potentiometerachsen, doch sind die Abstände großzügig bemessen. Im Test erwies sich die Bedienung daher insgesamt als ergonomisch, auch wenn filigrane Feineinstellungen etwas Fingerspitzengefühl erfordern.
Auch in puncto Anschlüsse ist der 2-XM bestens gerüstet: Rückseitig finden sich zwei 6,3 mm-Klinkenausgänge (L/R) für echten Stereo-Betrieb, dazu MIDI-Thru, USB-MIDI sowie der Anschluss für das mitgelieferte Netzteil. Ein klassischer MIDI-In ist gut erreichbar auf der Frontplatte platziert. Behringer liefert zudem praktischerweise alles für den sofortigen Start mit: Im Karton liegen neben dem Gerät sowohl das Rackmount-Kit (seitliche Schienen für 19″-Einbau) als auch ein Satz Schrauben und Patchkabel. Insgesamt macht der 2-XM einen durchdachten Eindruck – ein Desktop-Synth, der sich nahtlos ins Studio-Setup integrieren oder ins Eurorack eingebaut werden kann, je nachdem was der Synth-Profi bevorzugt.

Behringer 2-XM Test: Klangarchitektur und Features
Einer der größten Pluspunkte des 2-XM ist seine konsequente Duophon-Architektur mit zwei unabhängigen analogen Stimmen. Im Prinzip erhält man hier zwei Oberheim-SEM-Module in einem Gerät – ein „Two Voice“ eben, nur ohne Klaviatur. Jede Stimme verfügt über zwei spannungsgesteuerte Oszillatoren (VCOs) mit den Wellenformen Sägezahn und variabler Pulswelle (PWM). Der zweite Oszillator kann für klassische Sync-Sounds hart synchronisiert werden. Beide VCOs decken einen weiten Frequenzbereich über fünf Oktaven ab und lassen sich sauber stimmen, wobei allerdings eine Mittenrasterung der Pitch-Regler fehlt (was präzises Nullstellen minimal erschwert). Die Tonerzeugung pro Stimme wird komplettiert durch einen Rauschgenerator und einen Mixer, in dem man stufenlos zwischen den beiden VCO-Wellenformen überblenden kann. Über den EXT-Regler lässt sich entweder ein externes Audiosignal einspeisen oder eben das interne Rauschen dem Signal zumischen – hier hat Behringer dem Original gegenüber eine sinnvolle Erweiterung spendiert.
Im Zentrum jeder Stimme steht der berühmte SEM-Filter. Hierbei handelt es sich um ein vollanaloges, spannungssteuerbares Multimode-Filter, das stufenlos zwischen Tiefpass, Notch und Hochpass morphen kann. In Mittelstellung ergibt sich der charakteristische Notch-Filter des SEM, und alternativ steht auch ein kräftig zupackender Bandpass-Modus zur Verfügung. Was diesen Filter so besonders macht: Selbst bei maximaler Resonanz klingt er ungemein musikalisch – er kann und will einfach nicht schrill oder aggressiv werden. Statt harscher Selbstoszillation liefert der 2-XM butterweiche Sweeps und organische Filterfahrten, die so typisch für den Oberheim-Sound sind. Pulsierende Bässe, strahlende Leads, organische Sync-Sounds oder tackernde Sequenzermuster – all das liegt diesem Filter eher als brutal verzerrte Klangexperimente. In klassischer SEM-Tradition geht der Ausgang jedes Filters in einen eigenen VCA (Verstärker), der beim 2-XM sogar über eine Drone-Funktion verfügt, um endlos klingende Töne ohne gehaltene Note zu ermöglichen.
Zur Klangformung stehen pro Stimme zwei analoge ADSR-Hüllkurven (für Filter und Amp) sowie ein dedizierter LFO zur Verfügung. Letzterer bietet zwar „nur“ eine Sinuswelle, erfüllt aber seinen Zweck, um Vibrato oder pulsierende Modulationen zu erzeugen. Die Hüllkurven sind klassisch mit Attack, Decay, Sustain und Release/Decay (SEM-typisch eigentlich ADS-Hüllkurven ohne getrennten Release, der Decay-Regler fungiert als Release) ausgelegt und greifen snappy und präzise. Modulationsziele sind sinnvoll vorverdrahtet: So moduliert etwa ENV2 standardmäßig das VCA, während ENV1 dem Filter zugeordnet ist; ebenso ist der LFO ohne Patchkabel auf die wichtigsten Ziele geroutet (z.B. Vibrato auf VCO oder Tremolo auf VCA per Wahlschalter). Diese Normalisierungen machen den 2-XM sofort spielbereit, ohne dass man ein einziges Kabel stecken muss – sehr einsteigerfreundlich für einen semi-modularen Synth.

Patchbay und Semi-Modularität
Rechts auf der Frontplatte befindet sich die übersichtliche Patch-Matrix mit 32 Mini-Klinkenbuchsen (2×16 für Eingänge/Ausgänge pro Stimme). Hier werden Sound-Designer fündig: Man kann z.B. die Hüllkurven, LFOs oder extern zugeführte Signale frei in die Signalwege einspeisen. Die Möglichkeiten umfassen klassisches CV/Gate-Routing(etwa separate Gate-Eingänge pro Stimme für duophones Spiel von zwei Sequencern), Audio-Rate-Modulation (z.B. einen Oszillator per Kabel auf den Frequenzeingang des anderen für cross-modulare FM-Klänge) bis hin zum Abgreifen einzelner Komponenten (separate VCO- oder Filter-Ausgänge, um sie extern zu verarbeiten). Im Test erweist sich das Patchfeld als praxisnah: Alle Standard-Patchpunkte sind vorhanden, ohne den Anwender mit unnötigem Exotischem zu überfordern. Einzig wirklich neuartige Verknüpfungen – wie etwa CV-Steuerung des Panorama-Mixers oder das gleichzeitige Nutzen beider Wellenformen eines VCO – sucht man vergeblich, da Behringer hier den Original-Schaltplan weitgehend unverändert ließ. Nichtsdestotrotz erhöht die Semi-Modularität den Klangspielraum enorm und lädt dazu ein, den 2-XM auch Teil eines größeren Modularsystems werden zu lassen.
Behringer 2-XM Test: Poly-Chain und Spielmodi
Eine willkommene aktuelle Ergänzung – und für viele wohl das Highlight – ist die Poly-Chain-Funktion des 2-XM. Über die aktuelle Firmware (Version 1.2.2) lässt sich der Synthesizer so konfigurieren, dass mehrere Geräte stimmenpolyphon kaskadiert spielen. Zwei gekoppelte 2-XMs ergeben dann ein vierstimmiges Setup, mit drei Geräten kommt man auf sechs Stimmen usw. Laut Behringer können bis zu 16 Einheiten verbunden werden, was theoretisch sagenhafte 32 analoge Stimmen ergibt – eine Art „Oberheim 16 Voice“ im DIY-Verbund! In der Praxis ist das natürlich eher eine Option für absolute Enthusiasten, zumal bei 349 € pro Stück ein voll ausgereiztes 16er-Polychain nicht gerade günstig wäre. Trotzdem: schon mit zwei Geräten erhält man einen wirklich polyphonen Analogsynth, der in diesem Preisbereich seinesgleichen sucht.
Die verschiedenen Spielmodi des 2-XM lassen sich komfortabel über MIDI-Konfiguration einstellen. Im Dual/Split-Modus agieren die beiden Stimmen völlig unabhängig – ideal, um z.B. zwei verschiedene Sounds auf zwei MIDI-Kanälen (oder Tastaturzonen) zu spielen. Im Unison-Modus werden beide Stimmen zusammengelegt, was vier VCOs auf einen Ton stapelt und extrem fette Leads oder Bässe ergibt. Und im klassischen Duophon-Modus (Poly 2) verhält sich der 2-XM wie ein zweistimmiger Synth: bei Legato-Spiel werden zwei Noten parallel erklingen. In allen Modi kann man für jede Stimme separat das Portamento einstellen – so lassen sich etwa gleitende Lead-Lines über einem stehenden Basston realisieren. Im Stereo-Mixer werden die Stimmen dann bei Bedarf breit im Panorama verteilt, wodurch ein einzelner gespielter Ton bereits räumlich wirken kann. Dieser Stereo-Spread-Effekt ist ein nicht zu unterschätzender Bonus des 2-XM: Zwei modulare SEM-Klone im selben Gerät, die man links/rechts positionieren kann, liefern eine beeindruckende Breite, die klassische monophone Synths so nicht erreichen.
Behringer 2-XM Test: Performance und Bedienung
Trotz seiner komplexen Möglichkeiten lässt sich der Behringer 2-XM intuitiv und performancetauglich bedienen. Alle wichtigen Parameter liegen als Regler ohne Menü-Tiefen direkt unter den Fingern – ein großer Pluspunkt für Live-Jams und Studio-Sessions. Im Vergleich zu manchen modernen Synths mit Displays fühlt sich die Arbeit am 2-XM erfrischend direkt an: Man dreht an einem Knopf und hört sofort die Auswirkung im Sound, ohne Ablenkung. Die klare Trennung der zwei Stimmen (links Voice 1, rechts Voice 2) verhindert Verwechslungen, und dank beschrifteter Schalter für die Routing-Optionen (z.B. welcher LFO/Hüllkurve wohin moduliert) behält man auch ohne Handbuch den Überblick. Besonders als erfahrener Synth-Profi mit anderen Behringer-Klonen wusste ich die vertraute Bedienphilosophie zu schätzen – wer schon einen Model D oder Pro-1 von Behringer besitzt, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Gleichzeitig bietet der 2-XM mit seinem Patchfeld aber auch tiefergehende Eingriffsmöglichkeiten, die das Klangpotenzial weit über die fest verdrahteten Standard-Sounds hinaus erweitern.
In der Praxis gibt es natürlich ein paar Punkte, die man bei diesem Konzept berücksichtigen muss. So verfügt der 2-XM – ganz im Vintage-Geist – über keinen Presetspeicher. Jeder Sound muss also „von Hand“ eingestellt werden; spontane Programmwechsel wie bei digitalen Synths sind nicht möglich. Für Studioaufnahmen oder Livesituationen, in denen man hauptsächlich einen Signature-Sound nutzt, ist das kein Problem – im Gegenteil, es zwingt einen kreativ dazu, sich intensiv mit dem Klang zu befassen. Wer jedoch live schnell zwischen völlig verschiedenen Sounds wechseln will, muss entweder mit zwei Geräten arbeiten oder Abstriche machen. Auch beim Poly-Chain-Betrieb macht sich die fehlende Speicherfunktion bemerkbar: Die Einstellungen müssen auf jedem gekoppelten Gerät identisch von Hand vorgenommen werden, was im Verbund etwas Aufwand bedeutet. Dies ist jedoch ein bekanntes „Luxusproblem“ analoger Setups und dürfte eingefleischte Vintage-Fans kaum abschrecken.
Ein Unterschied zum historischen Two Voice ist das Fehlen des integrierten Sequencers und Arpeggiators, die Oberheim seinerzeit eingebaut hatte. Wer darauf Wert legt, kann den 2-XM aber problemlos mit externen Sequencern, MIDI-Controllern oder einer DAW ansteuern – durch die saubere MIDI-Implementation (inkl. MIDI-Clock-Sync für LFO und Portamento-Time via CC) lässt sich vieles lösen. Die Stimmstabilität des 2-XM ist im Test übrigens überzeugend: Nach dem Einschalten benötigt er nur kurze Aufwärmzeit und bleibt dann bei normaler Raumtemperatur recht stimmstabil, auch ohne Auto-Tuning-Funktion. Für feines Nachstimmen gibt es auf der Rückseite zudem Trimmer, doch im Live-Einsatz hielt die Stimmung über längere Zeit ordentlich.

Klang und Anwendungsbereiche
Klanglich spielt der Behringer 2-XM seine größten Stärken voll aus. Die zwei SEM-Stimmen klingen druckvoll, warm und lebendig – genau das, was man von einem Oberheim-Klon erwartet. Dank des Stereo-Panorama-Mixers entfalten selbst einfache Klänge eine beeindruckende Räumlichkeit: Ein gehaltenes Pad mit leicht gegeneinander verstimmten Oscillatoren füllt den Raum breit aus, während ein im Panorama aufgeteiltes Duo von Sequenzen wie zwei interagierende Synths wirkt. Im Bassbereich liefert der 2-XM pulsierende, runde Analogsounds, die nie mulmig werden. Leads sägen cremig durch den Mix, ohne schrill zu sein, und klassische Sync-Soli à la Jan Hammer gelingen authentisch. Gerade für Ambient und Electronica bietet sich der weich zeichnende Filter an, da er auch bei hohen Resonanzwerten sanft bleibt und sich hervorragend mit Effekten wie Reverb verträgt. Aber auch Synthwave-Produzenten oder Freunde 70er-Jahre-typischer Brass- und Streicher-Sounds werden Freude am 2-XM haben – insbesondere, wenn man ihn mittels Poly-Chain in die 4- oder 6-stimmige Region bringt.
Im Modular-Kontext macht der 2-XM ebenfalls eine gute Figur. Durch die Eurorack-Kompatibilität kann man ihn in ein bestehendes Rack integrieren und mit anderen Modulen cross-patchen. Beispielsweise lassen sich zusätzliche LFOs oder Step-Sequencer aus dem Rack nutzen, um den SEM-Klang noch weiter zu verformen, oder man schickt externe Audiosignale (Synths, Drum-Loops etc.) durch die satten Filter des 2-XM, um ihnen analogen Charakter zu verleihen. Der Synth zeigt sich in allen Anwendungen sehr rauscharm und mit solidem Pegel, sodass er im Studio-Recording keine Zicken macht.
Gerade in Band- oder Live-Situationen, in denen nur ein einziger Synthesizer on stage ist, kann der 2-XM durch seine Stereo-Ausgabe das Klangbild enorm verbreitern – fast so, als hätte man zwei Synths im Einsatz. Dabei bleibt der Sound aber immer definiert und durchsetzungsfähig, ohne zu verwaschen. Insgesamt wirkt der 2-XM klanglich hochwertig und inspiriert dazu, neue Klanglandschaften zu erkunden. Man merkt dem Gerät an, dass hier Vintage-Spirit und moderne Technik gelungen verschmelzen.
Fazit: Behringer 2-XM – Oberheim-Feeling zum fairen Preis
Mit dem 2-XM ist Behringer ein außergewöhnlicher Analog-Synth gelungen, der vor allem Nostalgiker und Klangforscher anspricht. Zwei vollwertige SEM-Stimmen in einem Gerät liefern den klassischen Oberheim-Charakter erstaunlich authentisch – von butterweichen Filterfahrten bis zu druckvollen Unisono-Leads. Moderne Ergänzungen wie Patch-Matrix, Noise-Oszillator und Poly-Chain erweitern das Konzept sinnvoll, ohne den Vintage-Charme zu verwässern. Design und Verarbeitung überzeugen, zumal man für 349 € ein Eurorack-fähiges Desktop-Gerät mit solider Haptik und vollständiger Anschlusssektion erhält. Natürlich gibt es Einschränkungen: Weder Sequencer noch Presets sind vorhanden, und echte Polyphonie erfordert mehrere Geräte. Doch gerade diese Reduktion macht einen Teil des Reizes aus. Der 2-XM fordert zur aktiven Klanggestaltung auf und belohnt mit einem organischen Analog-Sound, den Software nur schwer ersetzt. Unterm Strich ist der 2-XM ein starkes Preis-Leistungs-Angebot für alle, die klassischen Synth-Sound lieben und kreativ arbeiten wollen.
Pro
- Authentischer Oberheim-SEM-Sound guten Preis
- Flexible Klanggestaltung
- Stereo-Ausgänge mit Voice-Panorama
Contra
- Kein Presetspeicher für Sounds
- Integrierter Sequencer/Arpeggiator fehlt
Link zur Herstellerseite: Behringer


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