Spieltechnik für Einsteiger Teil 3: Die Wahl der angenehmen Qual

Klavier kaufen: Darauf gilt es zu achten!

Du möchtest ein Klavier kaufen und fragst dich: Was ist bei der Anschaffung eines geeigneten Instruments alles zu beachten? Ob Flügel, Klavier oder Digitalpiano: Alle 3 Varianten beinhalten sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein Versuch, bei der Entscheidungsfindung zu helfen!

Klavier-wEGWEISER

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Eine der mir am häufigsten gestellten Fragen lautet: Soll ich ein Klavier kaufen oder doch lieber ein anderes Instrument? Da ich kein Verkäufer bin, klopfe ich die Wünsche und Bedürfnisse des Fragenden nach ihren Prioritäten ab. Mit zuweilen erstaunlichen Erkenntnissen …

Das E-Piano im Schloss ist genauso unangebracht wie ein Steinway im 16-m²-Appartement. Es sei denn, ich bin nach dem Erwerb des Schlosses finanziell am Anschlag bzw. derart fixiert auf einen Flügel, dass ich auf ein Bett im Appartement verzichte. Das zu den Rahmenbedingungen. Verfügbarer Platz und Budget sollten von daher die ersten Überlegungen beim Klavierkaufen einnehmen.

Klar sollte aber auch sein, dass ein physisch ansprechendes Piano allemal samplebasierten Instrumenten überlegen ist und immer sein wird! Das Feeling macht den Ton und nicht das Sample. Egal wie zerhauen und verstimmt ein Klavier sein mag: Was du reingibst, kriegst du raus. Wie im Spiegel. Deshalb fällt mein Eingangsplädoyer eindeutig zugunsten realer Pianos aus.

Flügel vs. Klavier

Ein Flügel hat den Vorteil der horizontal gelagerten und wesentlich längeren Saiten mit dem daraus resultierenden größeren Klangvolumen. Ein weiterer Vorteil des Flügels gegenüber dem Klavier besteht in der Klaviatur. Beim Flügel bewegen sich die Hämmerchen senkrecht, was einer horizontal/vertikalen Übersetzung bedarf, unterstützt durch die sogenannte Repetition. Beim Klavier stehen die Hämmer senkrecht vor den Saiten, was die Konstruktion einer Repetition unmöglich macht. Von daher ist die Differenzierung im Anschlag deutlich reduzierter als bei der Flügelmechanik. Ist das Klavier somit aus dem Rennen? Bei Weitem nicht.

Ein Flügel

Abgesehen von dem erheblichen Platzvorteil bestechen so manche Klaviere, insbesondere Modelle älterer Bauart, durch erstaunliche Brillanz und großes Klangvolumen. Ein gut erhaltenes Hoffmann- oder Bechstein-Klavier ist so manchem Stutzflügel (also kleine Flügel) durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Also nicht voreingenommen sein bei der Sichtung von gebrauchten, älteren Instrumenten. Und wenn du meinst, dass ein Flügel per se immer heller und klarer klingt, dann nimm mal die Noten vom Klavier und klappe dieses auf. Und schon merkst du, dass auch dieses plötzlich ganz anders klingt.

Und natürlich trumpfen Klaviere mit einem deutlich günstigeren Preis gegen über Flügeln auf. Während Klavier für Neupreise zwischen ca. 2.000 und 15.000 Euro angeboten werden, legt man für Flügel etwa zwischen 5.000 (für einen kleinen aus Fernost) und 80.000 Euro (für einen Konzertflügel von Steinway oder Bösendorfer) auf den Tisch. Letztere sind allerdings fast ausschließlich in Konzertsälen anzutreffen und kaum für den privaten Rahmen gedacht.

Günstige und trotzdem qualitativ gute Modelle (was sowohl Klaviere als auch Flügel betrifft) bieten unter anderem Seiler, Pfeiffer, Sauter, Yamaha, Schimmel, Kawai und Ibach an, im etwas gehobenen Segment findet man Blüthner, Bechstein, Steingräber & Söhne und Grotrian Steinweg, die dann schließlich noch von Steinway & Sons und Bösendorfer übertroffen werden.

Flügel oder Klavier gebraucht kaufen

Wer nicht ganz so viel Geld ausgeben will und dennoch nicht auf den echten akustischen Klang verzichten will, dem stehen auf dem Gebrauchtmarkt etliche Instrumente zur Verfügung. Allerdings gibt es hier ein paar Dinge auf die man achten muss. Viele Mängel sind reparabel, so manche aber eben nicht. Daher solltest du beim Gebrauchtkauf Details ganz besonders achten – hier kommen 4 Tipps, auf die es beim Klavier gebraucht kaufen zu achten gilt:

Hier findest du einen ausführlicheren Bericht und Tipps vom Profi für den Gebrauchtmarkt.

1) Resonanzboden und Gussrahmen auf Risse überprüfen. Also Faustregel gilt: Ein Riss im Resonanzboden kann unter Umständen verkraftet werden. Wenn im Gussrahmen ein Riss ist, ist vom Kauf absolut abzuraten.

2) Stimmstock testen, d. h. die Festigkeit der Wirbel sicherstellen. Dafür hat man am besten einen Stimmschlüssel dabei. Wenn der Wirbel der Zugkraft der Saite nach dem Anziehen nachgibt: Finger weg! (Allerdings einen Stimmschlüssel nur um wenige Grad drehen!! Sonst reist auch mal ganz schnell eine Saite.)

3) Ein grober Blick auf die Mechanik (Hammer, Dämpfer und Tasten) kann ebenso einiges verraten. Haben die Hämmer alle den selben Abstand zueinander? Hauen die Hämmer gerade auf die Saiten? Wie tief ist der Filz der Hämmer eingedrückt? Ist die Mechanik leichtgängig? Schlackern die Tasten sehr nach links und rechts? All das sind Dinge, die beim Anschauen eines gebrauchten Klaviers begutachtet werden sollten und zu dem sich…

4) unerfahrene in Sachen Klaviertechnik durchaus einen Fachmann zu Rate ziehen dürfen. Dies kann beispielsweise der Klavierstimmer in spe sein, den man sowieso ab und an in Anspruch nehmen wird und muss.

Schlussendlich sollte auch jeder Klavierstimmer ein qulifiziertes Urteil in der Höhe vom Preis abgeben können, um einen fairen Deal abzuschließen.

Klavier transportieren

Wer viel umzieht, sollte immer darauf achten, dass die zukünftige Wohnung und das zugehörige Treppenhaus auch ausreichend Platz für das zu transportierende Instrument bieten. Die einerseits zu bemitleidenden, andererseits zu bewundernden Jungs der Klaviertransportfirmen kriegen zwar i.d.R. schier unmöglichste Aufgaben bewerkstelligt, aber wo kein Platz, da kein Klavier. Also vorher Treppenhaus und Location ausmessen. Mein Steinway B flog z. B. schon einige Male durch die Lüfte, mit Kran. Das war ’ne Show …

Digitalpianos oder Klavier kaufen?

Da fällt einem zunächst das alteingesessene Clavinova von Yamaha ein. Lang bewährt, mittlerweile jedoch von vielen Herstellern weit übertroffen. Aber generell zu den Vorteilen einer solchen Lösung:

1) Mobilität

2) keine Stimmung notwendig

3) Kopfhörer-Option  (großes Plus bzgl. Lärmbelästigung gegenüber Nachbarn; Zeitunabhängigkeit)

4) MIDI/Recording-Option

Weitere hilfreiche Tipps zum Kauf eines geeignete Ditigalpiano findest du in unserem Guide. Viel Erfolg beim Klavier kaufen! Oder Keyboard, oder….

Klavier in Schwarz
Abgesehen von dem erheblichen Platzvorteil bestechen so manche Klaviere, insbesondere Modelle älterer Bauart, durch erstaunliche Brillanz und großes Klangvolumen.

Wenn du dann ein Piano oder Klavier gekauft hast, findest du bei uns Tipps zum Klavier lernen und üben!

Klavier gebraucht kaufen: Tipps vom Profi

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Danke für den Hinweis, ich war tatsächlich etwas überfordert mit der Auswahl und den den Kriterien beim Klavier kaufen. Der Flügel ist leider zu teuer, der Gebrauchtmarkt ist allerdings ebenfalls ein guter Tipp. Die Mobilität ist wahrscheinlich auch ein guter Grund, um ein Klavier statt einen Flügel zu erwerben.

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  2. Eine Freundin von mir hat von Ihrer Oma etwas Geld geerbt. Seit Kindertagen, als sie für 2 Jahre bei ihrer Klavierlehrerin auf deren Steinway-Flügel spielen konnte, von einem eigenen Flügel. Bei der doch erheblichen Ausgabe überlegt sie auch ein Gebrauchtmodell zu kaufen. Der Tipp, Boden und Rahmen auf Risse zu überprüfen, hilft ihr sicher weiter. Sollte sie in einen Kaufvertrag denn jeden kleinen Fehler mit aufnehmen, um eine Garantie zu vereinbaren?

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    1. Hallo Nina,
      ein Riss im Boden ist nicht immer zwangsläufig ein Beinbruch, im Rahmen oder im Stimmstock hingegen ist das m.W. schon eine etwas andere Sache. Aus der Distanz auf jeden Fall immer schwer zu beurteilen.
      Es ist sicher richtig solche Mankos zu erwähnen, allein schon um einen fairen Preis zu vereinbaren. In wiefern das Auswirkung auf die Garantie hat, ist natürlich auch Händlersache.
      Prinzipiell aber lohnt der Kauf eines gebrauchten Klavieres aus finanzieller Sicht in aller Regel. Es ist nur in etwa zu vergleichen mit einem Kauf eines gebrauchten Autos: Wenn man sich nicht gut auskennt, ist es ratsam einen etwas erfahreneren Verwandten oder Bekannten mitzunehmen.
      Lieben Gruß

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