3 Gedanken die zu beachten sind

E-Piano oder akustisches Klavier kaufen?

Hand aufs Herz, liebe Keyboarder: wenn man an einem 3 Meter langen Flügel von Steinway, Steinweg oder Steingraeber sitzt (und einigermaßen spielen kann) dann ist das einfach eine andere Nummer als jedes E-Piano oder Keyboard mit jedem noch so geilen Klavier-Sample. Hm, tja… und da fängt es auch schon an. Denn selbst der teuerste Flügel bringt nicht mehr als „nur“ EINEN einzigen Klavier-Sound hervor.

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Was also kaufen? Den Lehrer (vorausgesetzt man hat einen) oder Freunde fragen ist ein erster guter Ansatz, denn sie sind meistens eine unabhängige Instanz. Ihnen geht es eben nicht darum möglichst bald den bestmöglichen Deal einzutüten (Verkäufer mögen mir verzeihen, aber dieser Gedanke schwingt ja doch immer mit) und sind von daher schon vertrauenswürdige Ansprechpartner. Aber auch sie können sich irren oder persönliche Vorlieben ebenso auf andere projizieren ohne zu merken, dass diese für dich, deine Tochter, deinen Sohn oder Enkel vielleicht gar nicht so recht zutreffen. Und wenn du nicht gerade Hans Zimmer heißt, wirst du vermutlich weder das Budget noch den Platz für mehrere Instrumente haben (und das wäre ja auch in aller Regel mit Kanonen auf Spatzen geschossen). Also muss ein Kompromiss her und natürlich eine Entscheidung.

Gerade für Einsteiger und oder Wiedereinsteiger haben wir hier die 3 wichtigsten Gedanken zusammengefasst, die beim Kauf durchdacht werden sollten sowie Vor- und Nachteile zu den durchaus unterschiedlichen Systemen von E-Pianos und akustischen Klavieren.

Keyboards bleiben hier außen vor, da hier die vorherige Fragestellung überdacht werden muss, ob man Klavier oder Keyboard lernen möchte. Tipps die dir bei dieser Entscheidung helfen, findest du hier.

1. Die aller erste Frage – und an der sich schon alles entscheiden kann – ist die der Logistik.

In welchem Stockwerk wohne ich? Wie sieht das Treppenhaus aus – ist es eng oder geräumig, sind die Treppen gerade oder gehen diese um die Kurve? Nicht überall kann man ein Klavier hochtragen. Um das zu klären, ist ein Telefonat mit dem örtlichen Klavierbauer meistens schon sehr aufschlussreich.

Wie hellhörig ist die Wohnung oder das Haus bzw. gibt es Nachbarn die sich an einem akustischen Klavier – denn das ist gar nicht so leise – stören könnten? Und zu welcher Tages- oder Nachtzeit übe ich überhaupt? Und ist es okay für mich, wenn Leute überhaupt mein regelmäßiges, unter Umständen monotones Üben mithören oder ist es mir wichtig, dass ich auch leise üben kann?

Auch gibt es in Wohnungen in denen es durchaus statische Probleme geben kann, wenn an einer Stelle und für lange Zeit plötzlich ein 300 kg Koloss steht. Dies muss dann zunächst mit dem Vermieter und/oder im Zweifel mit einem Statiker geklärt werden. Ein E-Piano wiegt nur einen Bruchteil und ist natürlich auch leichter zu transportieren. Und mit Kopfhörern kann ich selbst nachts laut Spielen, wenn mir danach ist.

2. Welche Musik spiele ich. Wo bin ich nun und wo will ich hin?

Dies ist nicht nur eine Frage des Musikstils, sondern auch eine des Anspruchs. Spiele ich ausschließlich Klassik, dürfte die Präferenz prinzipiell stark zum akustischen Klavier tendieren. Aber es gibt natürlich auch genügend Pianisten der popular Musik die auf ein echtes Klavier nicht verzichten möchten. Ist mein Anspruch (oder ersatzweise meine Zeit zum Üben) so gering, oder möchte das Hobby Klavierspielen erst einmal für mich ausprobieren, dann wäre ein akustisches Klavier vielleicht auch rein preislich gesehen unverhältnismäßig und ein E-Piano am Ende die vernünftigere Wahl.

Kurz gesagt: Unterschiede der beiden Varianten bestehen nicht nur im mehr oder weniger authentischen Klang, sondern auch im Dynamikumfang und Artikulationsmöglichkeiten. Und die spielen beim akustischen Klavier meistens noch in einer anderen Liga, sind auch jene Nuancen der Musik, die erst beim langjährigen und intensiveren Spielen erkannt und letztendlich auch entsprechend spät geübt werden.

Darüber, wie sich der eigene Musikgeschmack entwickelt bzw. wie sich die Präferenzen dessen ändert was man gerne hört oder selbst spielen möchte (denn das sind verschiedene Dinge), ist im Vorfeld schwierig zu sagen – insbesondere bei Kindern. Nicht selten hören Leute in ihrer Freizeit typischen Radio-Pop, wenn sie aber selbst am Klavier sitzen, entdecken sie die lieblichen Melodien von Bach, Beethoven und Brahms. Es empfiehlt sich daher grundsätzlich – besonders in der ersten Zeit des Klavierunterrichts (und das kann gerne immer wieder wiederholt werden) – darüber nachzudenken, ob mir das gefällt was ich spiele oder ob ich mal was neues ausprobieren sollte. Klassik, Jazz, Pop haben mit all ihren Unter- und Nebenkatergorien allesamt ihren eigenen Reiz.

Und natürlich entwickeln sich neben dem Musikgeschmack auch die Ansprüche an das Instrument. Während sich einige gar nicht schnell genug etwas besseres zulegen können, finden andere ihr günstiges Instrument noch viele Jahre völlig ausreichend.

Viele Popular-Musiker legen sich mit der Zeit ein Stage-Pianos zu. Denn diese bieten gleich mehrere grundverschiedene Sounds, sind wesentlich portabler (was den Weg zum Proberaum und eventuell zur Bühne vereinfacht) und sind außerdem in der Tonabnahme wesentlich einfacher zu handhaben. Der Tastenanschlag bei Stage-Pianos ist dem von Klavieren oder Flügeln (natürlich in Abhängigkeit von Qualität und Preis), schon überraschend ähnlich und bisweilen kaum zu unterscheiden.

3. Welches Budget steht mir zur Verfügung?

Klaviere sind teuer. Das ist zumindest der Eindruck, wenn man nach den Neupreisen der edlen Instrumente guckt. 5.000 – 15.000 Euro oder gar mehr sind hier keine Seltenheit und lassen anfängliche Euphorie schnell schrumpfen. Und vergleicht man daneben Digitalpianos der Einsteigerklasse (diese gehen bei etwa 500 Euro los), ist für viele die Entscheidung schnell gefällt. Aber akustische Klaviere gibt es auch wesentlich günstiger. Gute gebrauchte benötigen oft nur eine neue Stimmung oder vom Klavierbauer restaurierte sind gleich mal 2, 3, 4000 Euro günstiger (je nach Klasse und Qualität). Und auch wenn die Klaviere etwas älter sind ist dies nicht unbedingt ein Grund warum diese schlecht sein müssen. Ein gutes Klavier hält oft 100 Jahre oder gar mehr. Selbstverständlich nicht ohne die Mechaniken und Co. warten zu lassen.

Allerdings ist schon ein wenig Ahnung von Nöten, ein gutes gebrauchtes Klavier von einem schlechten gebrauchten zu unterscheiden und nicht Hunderte Euros in den Sand zu setzen. Tipps zu Kaufen von gebrauchten Klavieren findest du hier. Darüber hinaus muss ein Klavier natürlich ab und zu gestimmt werden. Je nach Beanspruchung schlägt dies etwa alle ein bis drei Jahre mit rund 100 Euro zu Buche.

Von der anderen Seite betrachtet, bieten E-Pianos der Einsteigerklasse für 500 Euro nur einen verhältnismäßig kurzen Spaß. Der Verschleiß dieser Instrumente geht meistens schneller voran als bei den höherpreisigen, was niemanden wundert und trotzdem erwähnt werden sollte (und selbiges trifft natürlich auch auf Klavier zu). Das äußert sich z.B. in der Klaviatur, die schneller ausleiert, sodass einzelne Tasten mehr nach links und rechts schlackern als sie sollten oder schwerer/leichter zu drücken sind als andere. Der Frust übers Instrument ist dann schnell groß und nicht selten verliert sich dann das Interesse am Instrument und somit am Klavierspielen.

Man merke sich also: wer billig kauft, kauft oft zwei mal. Außerdem, dass ein anständiges Spielgefühl nicht unterschätzt werden darf.

Hier geht es zu unserem E-Piano kaufen Guide.

Wenn du also einige finanzielle Mittel hast, und du mit der etwas schwerfälligen Mobilität von Klavieren zurecht kommst, bleibt am Ende die Frage: Was bist du für ein Typ? Hilft dir ein teureres Instrument vielleicht, dein angehendes Hobby wirklich ernst zu nehmen, um das du dich dann intensiver kümmerst und übst? Oder bevorzugst du es erstmal weniger auszugeben, und nach gefestigtem Interesse nach zwei, drei, vier oder fünf Jahren upzugraden?

 

Hier noch einmal Vor- und Nachteile von E-Piano und akustischem Klavier zusammengefasst. Und nun bitte nicht einfach die Anzahlen der + und – Zählen, sondern überlege, was für ein Typ du bist und was ist dir wichtig!!


Akustisches Klavier

+ Spielgefühl

+ Klang

– aufwendigere Logistik

– beschränkte Möglichkeit leise zu spielen

– teurer (aber gebraucht nicht so viel teurer)

– regelmäßiges Stimmen erforderlich

 

E-Piano

+ leises Üben ist möglich

+ Kostengünstiger in der Anschaffung

+ kein regelmäßiges Stimmen erforderlich

+ einfacher in der Logistik

– klangliche Nachteile, selbst bei teuren E-Pianos

– Spielgefühl


Fazit

Fassen wir zusammen. Ein akustisches Klavier ist einfach ein echter Luxus! Es ist in der Regel nicht nur teurer, sondern auch unhandlicher und erfordert gelegentliche Pflege, während das E-Piano einige praktische Vorteile liefert. Allerdings kann man lange Jahre viel Freude an einem guten (d.h. nicht zwangsläufig teuren) Klavier haben und es kann sogar Generationen überstehen. Zudem ist ein Klavier-Sound aus unzähligen Saiten und einem echten Klangkörper aus Holz bisher nicht mit dem aus Magneten und Membranen nachzuahmen – zumindest nicht bis ins Detail.

Etwas anders ist es beim Spielgefühl. Hier kommen qualitativ hochwertig Klaviaturen schon extrem nah an das Original an. Dem gegenüber stehen die Vorteile des leisen Übens, die geringeren Kosten in der Anschaffung und der einfachere Transport.

Ob aber diese edlen Pluspunkte ausreichen, um mehr Geld für ein unflexibleres Instrument auszugeben, dass muss am Ende der Musiker (und der Käufer) entscheiden. Ein Anspielen beim nächsten Klavierhändler ist daher, wie immer wenn es um den Kauf von Musikinstrumenten geht, empfehlenswert.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. In der ganzen Diskussion wird meiner Ansicht nach ein ganzes und äusserst interessantes Segment ausgeklammert! Ich besitze einige Keyboards, welch z .T. auch schon ihre Jährchen auf dem Buckel haben … nie war ich mut dem Sound so richtig zufrieden und kaum 3-4 Jahre später gab es neue Keyboads mit unglaublich besserem Sound… Ich habe dann auch gemerkt, dass ich immer mehr Klavierliteratur spiele und beschäftigte mich mit dem Kauf eines echten Pianos/Flügel. Dann hab ich ein Stück Software gekauft, PC (und einen guten digital(USB)-analog Wandler) hab ich schon… und ich bin äusserst glücklich!!!
    Die Software kostet vergleichsweise wenig … 100-350€ und ich habe die besten Instrumente, welche ich mir erträumen kann. Beginnen kann man mit einem gewöhnlichen Keyboard, gute gebrauchte gibt es in Massen und man kann nach belieben günstig upgraden … zusammen mit den neu erworbenen Spielkenntnissen! Der Sound via (gutem) Kopfhörer ist phänomenal!!! Das Spielgefühl (mit guter Tastatur) äusserst authentisch. An den PC werden nur kleine Ansprüche gestellt.
    Die Töne entstehen nicht aus samples, sondern werden anhand eines mathematischen Modells in Echtzeit berechnet! Gewaltig! Alles andere wird mit der Zeit einfach alt, hier gibt’s updates und upgrades. Zu haben bei z.B. Pianoteq …!!!

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  2. Ein wesentlicher Nachteil des digitalen Pianos wird hier beim Vergleich überhaupt nicht erwähnt, nämlich Der Wertverlust.
    Dieser ist beim akustischen Piano immer viel geringer ist als beim digitalen. digitale Pianos haben wie alle anderen elektronischen Geräte einen hohen Wertverlust wegen der fortschreitenden technologischen Entwicklung. Akustische Pianos dagegen werden immer noch in Handarbeit gefertigt, weswegen hochwertige Instrumente sogar im Wert steigen können, wenn sie gut unterhalten werden. Ein billigeres, älteres akustische Piano kann oft nach ein paar Jahren zum selben Preis verkauft werden, was bei einem digitalen Piano kaum möglich ist.

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  3. Habe gerade auf der IFA in Berlin den Top-Digitalflügel von Yamaha angespielt. Klang und Spielgefühl (es ist eine komplette Flügelmechanik mit all ihren Einzelteilen verbaut) sind im ersten Moment beeindruckend, allerdings ist der Dynamikumfang immer noch in keinster Weise mit einem akustischen Flügel vergleichbar (den Vergleich konnte man dort unmittelbar anstellen), d. h. der Unterschied zwischen Piano und Fortissimo ist relativ gering, irgenwann kommt nicht mehr raus, auch wenn man noch so laut anschlägt, während das akustische Instrument noch jede Menge “Reserven” hat. Und das bei einem 17.000 € teuren Instrument!

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