Tools & Technik

Elektronische Musik selber machen Mit Korg, Arturia und Co.

Dieter Stork

Um elektronische Musik zu machen, musste man früher Gerätschaften im Wert eines Eigenheims besitzen. Heute hingegen kann man mit einem Musikrechner und etwas Hardware bereits überzeugend klingende Electro-Tracks zaubern. Die Auswahl an Werkzeugen ist groß – unsere Übersicht gibt die richtigen Tipps für den Einstieg.

Sogar modulares Soundtüfteln ist im Kinderzimmer angekommen. Denn das clevere Elektrobaukasten-System des New Yorker Startup-Unternehmens Little-Bits hat inzwischen auch ein Synth-Kit zu bieten, das sich sogar noch erweitern lässt. Was hier auf den ersten Blick nach Fischertechnik ausschaut, ist durchaus ernst zu nehmen, denn die Schaltkreise kommen aus gutem Hause und klingen recht „erwachsen“. Tiefpassfilter und VCO dürften dieselben sein, die auch bei den Korg Monotrons zum Einsatz kommen, welche wiederum aus der Erbschaft der Korg Synth-Legende MS-20 stammen.

Insgesamt enthält das Synth-Kit zwölf „Bits“ genannte Module: zwei OSCs mit Sägezahn- und Rechteck-Wellenformen, 9-Volt-Spannungsversorgung, Tiefpass-Filter mit Cutoff und Resonanz, Attack/Decay-Envelope-Generator, Digital-Delay, Keyboard, Micro- Sequencer, Mixer, Splitter, Randomizer und einen Lautsprecher samt Verstärker.

Die offene Bauweise und die vielfältigen Möglichkeiten, die sich durch Kombination mit anderen Little-Bits-Kits bieten, machen das Synth-Kit auch für Hacker und Circuit-Bender attraktiv. Alles insgesamt ein wenig trashig: Die elektrischen Kontakte der magnetisch andockenden Module schließen nicht immer hundertprozentig, sodass es manchmal etwas in der Leitung brizzelt. Insgesamt aber ist das Synth-Kit (Preis ca. 160,– Dollar) absolut brauchbar und liefert sogar sehr brachiale Analog-Sounds. Und die Soundstöpselei macht einen Heidenspaß!

Wer das zu fummelig findet und lieber auf handfeste Hardware zurückgreifen möchte, muss nicht einmal viel Geld ausgeben, denn sogar analoge Hardware-Synthesizer gibt es zu günstigen Preisen.

Klein, analog & frech wie Dreck!

Was mit dem kleinen Monotron von Korg begann, hat sich mittlerweile zu einer ernst zu nehmenden (Groß-)Familiensache entwickelt. Auf den analogen Zwergsynth folgten mit den beiden Geräten Monotron Duo und Monotron Delay zunächst zwei spezialisierte Weiterentwicklungen des Konzepts. Während Ersterer sich naheliegenderweise eher in der Disziplin Effektgerät mit zusätzlichem Analogsynth an Bord verdingt, tritt der Duo bei ähnlichem Aufbau, aber mit ganzen zwei Oszillatoren bewaffnet die direktere Nachfolge des Vorfahren an.

Natürlich können sich die kleinen Analogen nicht mit höherwertigen Synthesizer- Modellen messen, aber genau das macht auf der anderen Seite auch ihren Charme aus. Preislich sind die Korg Minis für das gebotene Leistungsspektrum und nicht zuletzt durch die Integration einer Kopie des originalen MS-10/MS-20-Analogfilters zumindest unschlagbar.

Mit dem Trio der Volca-Serie hat Korg den Mini-Synth-Hype ein weiteres Mal befeuert. Allerdings wies man den Modellen Volca Beats, Volca Bass und Volca Keys diesmal eindeutige Spezialgebiete zu. Was die drei eint, ist der integrierte 16-Step-Sequenzer, ein MIDI-In, Sync-In & Out sowie eine im Vergleich zu den Monotrons deutlich aufgebohrte Editiermöglichkeit. Soundseitig bieten die Module eine Hommage an berühmte Klassiker wie etwa die Drum-Machine TR-808 von Roland oder dem ebenfalls von der gleichen Konkurrenz erdachten legendären Bass-Synth TB-303. Abweichend vom Vorbild liefert der Volca Bass allerdings ganze drei VCOs die jeweils über eine separate Sequenzerspur verfügen.

Alles, was man zum Performen von elektronischer Musik braucht: Die preiswerten und handlichen Synth-Module beherbergen ebenfalls analoge Technik. Der Clou: Die integrierten Stepsequenzer lassen sich synchronisieren, sodass Volca Beats, Volca Keys und Volca Bass perfekt zusammen im Konzert spielen.

Einen echten kleinen Einsteiger-Synthesizer bekommt man mit dem Volca Keys geboten. Der dreistimmige Loop-Synth kommt mit einer klar strukturierten Oberfläche und verschiedenen Oszillator-Modi daher. Darüber hinaus bietet er eine ausgesprochen gute Stimmstabilität dank Selftuning-Funktion sowie fortgeschrittene Funktionen wie Motion Sequence oder Flux (zur Abschaltung der Quantisierung).

Auch wenn sich die Korg Minis wohl weniger in audiophile Studios verirren werden, so sind sie doch mittlerweile in vielen elektronischen Live-Setups gern gesehene Gäste. Preis: ca. 130,– Euro (pro Gerät)  www.korg.de

Electribe!

Die Geräte der Korg Electribe-Serie gehören längst zu den Klassikern für die elektronische Live-Performance. Zeit für eine Neuauflage, dachte sicher der japanische Hersteller und stellt zwei neue Modelle vor. Die Electribe Music Production Station konnten wir kurz vor Redaktionsschluss zumindest schon mal antesten: wertige, robuste Hardware in sehr coolem Design. Mit 32 beleuchteten Pads kommt beim Spielen und Programmieren von Beats Freude auf – sie lassen sich zum Triggern eines Soundsets ebenso verwenden wie zur klassischen Lauflicht-Programmierung und sogar als Keyboard – auch Akkorde lassen sich definieren und über die Pads abfeuern. Sehr inspirierend! Außerdem sorgt ein Touchpad für Spielspaß.

Die Edit-Möglichkeiten mögen auf den ersten Blick eingeschränkt wirken, bei dem neuen Electribe steht aber vor allem der intuitive und schnelle Zugriff auf die wichtigsten Parameter klar im Vordergrund. Dennoch lässt sich damit deutlich mehr anstellen, als man vermutet; außer elektronischen Drumund Percussion-Sounds lassen sich auch Bass- und Synth-Sounds problemlos erstellen und tweaken. Auch ein brandneuer Electribe Sampler ist angekündigt. Allerdings werden die neuen Electribes voraussichtlich erst im neuen Jahr in den Läden stehen. Die UvP des Herstellers inkl. Ableton Live Lite lautet 475,– Euro.

Klein, aber fein!

Von dem Trash-Faktor der Korg Volcas oder Monotrons ist hier keine Spur. Hier sorgt allenfalls der Brute-Faktor gezielt für spröden Klang, wenn man es will. Ansonsten kann man hochwertigen Analog-Sound günstiger nicht bekommen als mit Arturias MicroBrute, der eine Miniaturisierung des erfolgreichen MiniBrute ist. Wichtig zu wissen ist, dass man hier nicht auf Sound verzichten muss – im Gegenteil: Mit integriertem StepSequenzer und erweiterten Patch-Möglichkeiten kann der MicroBrute sogar ein wenig mehr als sein großer Bruder. Mit den Einschränkungen hinsichtlich einiger Modula – tionsmöglichkeiten und der Minitasten kann man absolut leben.

Mit dem MicroBrute bekommt man eine solide Hardware und einen rein analogen Synthesizer mit hochwertigem Sound, dazu noch Patch-Möglichkeiten und einen integrierten Step-Sequenzer – und zwar zum Plugin-Preis. Unschlagbar gut. Preis: ca. 330,– Euro www.arturia.com www.tomeso.de

Stepsequenzer – Motor für elektronische Beats 

Step-Sequenzer sind ein wichtiges Tool, um musikalische Motive mit hypnotischer Wirkung oder Beats und Grooves zu erzeugen. Optimal sind Step-Sequenzer auch auf der Bühne, da man die Loops editieren und so ein Motiv permanent weiterentwickeln kann.

Ein guter Tipp ist Arturias Beatstep, der dank digitaler und analoger Anschlussmöglichkeiten das Bindeglied zwischen DAW und Hardware-Synthesizern bilden kann. Zum sensationellen Preis von 99,– Euro kann er als MIDI-Controller, MIDI-Sequenzer und analoger CV/Gate-Step-Sequenzer eingesetzt werden – dafür bekommt man keinen anderen Step-Sequenzer mit Lauflichtprogrammierung. Das dank metallener Unterseite angenehm gewichtete und deshalb standstabile Gerät besitzt 16 anschlagdynamische Leucht-Pads mit Aftertouch, deren Farbe je nach Modus (Sequenzer/Controller) wechselt, sowie ebenso viele zugeordnete Encoder. Die Pads dienen der Lauflichtprogrammierung des Stepsequenzers, lassen sich aber auch zum Triggern von Noten, der Wahl des MIDI-Kanals oder für das Speichern und Aufrufen von Einstellungen einsetzen.

„BeatStep ist praktisch, gut verarbeitet, nimmt wenig Platz in Anspruch und kann viel; vor allem macht es Spaß, damit schnell mal eine Sequenz zu programmieren. Für Analog-Synth-Liebhaber ist er fast schon ein Pflichtkauf.“ So bewertet der Testbericht in SOUND & RECORDING (8.2014) das praktische Gerät.

Viel Sound aus kleinen Laptops

Klein und leistungsfähig: Wer auf komfortable Mobilität setzt, aber auf die Möglichkeiten von DAW und Plugins nicht verzichten will, findet selbst in den kleineren aktuellen Laptops performante Musikmaschinen – z. B. Apple MacBook Air plus Bitwig und Arturia MiniLab. Gerade in diesem Mini-Setup zeigt sich, wie ressourcenschonend Bitwig Studio arbeitet. Die Basis-Version liefert bereits reichlich Material wie Loops, SoftwareSynths und Sound-Libraries mit.

Das MiniLab ist ungefähr so groß wie das hier gezeigte 11″-MacBook Air und passt spielend in Rucksack oder Umhängetasche. Dabei ist das kleine Arturia mehr als nur Controller, denn zum Lieferumfang gehört auch Arturias Software Analog Lab mit über 5.000 Sounds. Das bedeutet: jede Menge kultige Analog-Synth-Sounds, fix und fertig zugeschnitten auf das MiniLab. Analog Lab basiert auf den Engines der beliebten Vintage-Software-Instrumente von Arturia, darunter Modular V, CS-80V, mini V, Arp 2600V, Jupiter-8V, Prophet-V, Oberheim SEM-V und Wurlitzer-V. Lediglich bei der etwas fummeligen Performance der Regler beim Aufzeichnen von Automationen im Sequenzer sollte der Hersteller nachbessern, aber ansonsten hat das Teil alles, was man für das Recorden unterwegs braucht.

Übrigens: Wer größere Tasten haben möchte, bekommt diese mit dem Bitwig Producer Pack und kann dabei sparen. Dieses Bundle von Bitwig und Arturia enthält zusätzlich noch den Mini V als vollständiges Plugin (mehr darüber auf S. 74). Preise: ca. 100,– Euro (Arturia MiniLab), ca. 290,– Euro (Bitwig Studio) www.bitwig.com www.arturia.com www.tomeso.de

Dieter Stork
Einfach, praktisch, mobil: Arturia MiniLab inklusive der Software Analog Lab

Westcoast-Sound für den Laptop

Es ist zwar kein Nachbau der legendären Buchla-Synthesizer, aber es finden sich durchaus konzeptionelle Ideen, die auch dem Aalto von Madrona Labs zu außergewöhnlichen Sounds verhelfen. Vor allem, wenn ultra-elektronische Sound mit experimenteller Ausrichtung gefragt sind, gehört dieser Synth ins VST-Rack.

Nicht nur auf den ersten Blick funktioniert dieser Synth einfach anders als ein klassischer Moog; bemerkenswert ist hier, mit wie eigentlich doch wenigen Ingredienzen Aalto die wirrsten Modulationen erzeugen kann – dementsprechend kann man den Charakter vieler Sound-Patches mit „komplex“ beschreiben.

Dies beginnt bei den Oszillatoren, die per Frequenzmodulation auch unharmonische Spektren erzeugen können. Gesteuert per LFO, Hüllkurven oder per Step-Sequenzer eignet sich Aalto hervorragend für groovende Klangtexturen. Und dank Lowpass-Gate lassen sich sogar die berühmten „Bongo-Sounds“ des Buchla nachempfinden.

Das Geheimnis des Aalto ist sein semimodulares Konzept, das die freie Verdrahtung sämtlicher Synthese-Elemente erlaubt. Wer typische Synthbässe oder Solo-Sounds Moog’scher Prägung sucht, ist hier falsch, denn die Patches von Aalto haben eher einen 60er-Future-Retro-Charme. Damit aber ist Aalto eine ergiebige Quelle für kultige Bleeps & Buzzes, atmosphärische Drones, selbstspielende Noodles und cheesy Synth-Sounds mit Charakter. Anders eben. Preis: 99,– Dollar (Download) www.madronalabs.com

Wachsender Klang 

Gefangen im Auge von Synplant folgen die Blicke den hypnotisch zuckenden Ausläufern der Rhizome. Synplant wurde der organische Sound im wahrsten Sinne des Wortes in die DNA-Doppelhelix geschrieben. Der Software-Synthesizer aus dem Hause Sonic Charge macht den User ab sofort zum Soundgärtner. Einmal eingesäte Töne lassen sich über stufenlose Parameter wie „atonality“, „tuning“, „effect“ und „release“ kultivieren und erforschen. Wer tiefer in den Sound eingreifen möchte, hat die Option, die eigene Saat vir – tuell aufzubrechen und den zugrundeliegenden genetischen Code wie in einem BiotechLabor zu manipulieren. Dabei lenken die Entwickler von Synplant den Fokus bei der Klangkreation bewusst weg von technischen Details und überführen den Prozess auf eine organische Meta-Ebene. Statt einer rationalen Herangehensweise wird die Soundfindung zu einem sensorisch intuitiven und emotionalen Erleben. Preis: 99 Dollar (Download) soniccharge.com

Dieter Stork
MIDI-Controller, Stepsequenzer mit CV/Gate-Ausgängen und MIDI-Interface in einem Gerät für unter 100 Euro. Günstiger ist ein Sequenzer mit klassischer Lauflicht-Programmierung nicht zu kriegen!

Sequencing mit Reaktor

„Step-Sequencing-Synthesizer“ ist sicher der treffende Begriff für Rounds von Native Instruments – ein neues Ensemble im ReaktorPlayer-Baukasten. Es wird als zusätzlicher Download bei der Installation zum MIDI-Controller-Keyboard Kontrol S angeboten – ansonsten kostet das Instrument 99 Euro (den erforderlichen Reaktor-Player gibt’s kostenlos).

Rounds eignet sehr gut für komplexe Synth-Grooves und zyklisch modulierende Soundscapes. Das Tolle daran ist das Bedienkonzept, das eine intuitive Gestaltung eigener musikalischer Motive und Klangfahrten ermöglicht. Jeder der acht Kreise repräsentiert vier Sequenzer-Steps, deren Schrittfolge und Funktionalität man vielseitig manipulieren und steuern kann. Außerdem kann man sich von den Presets inspirieren lassen und mit der Random-Funktion schnell neue Motive und Ideen entwickeln – Sequenzen programmieren war gestern. Preis: 99,– Euro www.native-instruments.com

Kreatives Kaoss

Mit dem Kaoss-Pad 3+ steuert Korg einen Sampling- und Effektgerät-Hybriden der besonderen Art bei. Mit seiner ausgefeilten X/Y-Touchpad-Steuerung ist das Gerät vor allem für Live-Einsätze prädestiniert, bei denen kreative Klangkontrolle gefragt ist. Zudem lassen sich mit dem Kaoss-Pad 3+ zusätzlich zu den intern vorhandenen Synth- und Drum-Sounds eigene Klänge via Line-In sampeln. Die loopbasierte Sampling-Funktion arbeitet temposynchron und lässt sich mit nur einem Tastendruck in den vier Sample-Slots scharfschalten. Auch an eine Bearbeitungsmöglichkeit der Samples in puncto Lautstärke und Startpunkt sowie die mögliche Unterteilung des Loops in maximal acht Segmente wurde praktischerweise gedacht.

Das Kerngeschäft des KP3+ stützt sich aber wie schon bei den Vorgängern auf die Echtzeitsteuerung der integrierten Effekte. Und in diesem Bereich wartet das Gerät von Haus aus mit 150 verschiedenen Algorithmus-Varianten auf, welche schon in Form der 128 Werks-Presets nahezu keine Stilrichtung und potenzielle Anwendungsmöglichkeit unberücksichtigt lassen.

Hervorzuheben sind neben Filter- und Modulationseffekten vor allem die mittlerweile sehr ausgereiften Vocoder-Programme sowie Spezialitäten aus der LFO- und Beat-gesteuerten Ecke. Zusammen mit der Editor-Software für Mac und PC steht außerdem auch einer umfassenderen Bearbeitung der Programme nichts im Wege.

Hersteller/Vertrieb: Korg/Korg&More; UvP/Straßenpreis: 463,– Euro/ca. 400,– Euro www.korg.com

Dieter Stork

SparkLE, SparkLE…

Der hybride Drum-Machine-Controller-Abkömmling SparkLE des großen Bruders Spark aus dem Hause Arturia beweist abgesehen von seinem günstigeren Preis, dass man eine kleinere Bauweise nicht automatisch vorschnell mit abgespecktem Funktionsumfang gleichsetzen sollte. Das auf ein DinA4-Blatt passende Gerät kommt komplett mit einer umfangreichen Software für Mac und PC, die im Ernstfall auch noch standalone eine gute Figur macht. Neben den acht gut spielbaren und anschlagdynamischen Pads, die der SparkLE vom Vorgänger erbt, verschafft ihm die nach vorne geholte Lauflicht-Programmierung unserer Meinung nach sogar einen bedientechnischen Vorteil. Auch das X/Y-Pad lässt sich trotz der spartanischen Ausmaße live-tauglich mit den softwareseitig integrierten Effekten einsetzen.

Klanglich schöpft der SparkLE aus dem reichen Arturia-Fundus und bringt mit 1.500 Instrumenten, gruppiert in 100 Kits mit je 16 Sounds, eine gewaltige Library mit, welche sich bei Bedarf sogar noch per ExpansionPack erweitern lässt. Aufgrund verschiedenster Klangerzeugungsarten, wie der von Arturia entwickelten TAE- (True Analog Emulation) und anderer Physical-Modeling-basierter Sound-Engines, liefert das SparkLEPaket out-of-the-box eine der vielseitigsten Libraries der Branche. Eine umfassende Feel-Good-Drum-Machine mit vorbildlich intuitiver Bedienung. Preis: ca. 250,– Euro www.arturia.com www.tomeso.de

HipHop Hooray

Mittlerweile hat auch das Beatkangz Beat Thang seine Reise über den großen Teich angetreten. In den USA hat die samplingfähige Groove-Box bereits eine ansehnliche Fangemeinde aus dem HipHop-Lager um sich geschart. Das in Kooperation mit Produzent Austin Dallas und zwei DJ-Kollegen entwickelte Beat Thang fällt aber nicht nur optisch aus dem Rahmen der üblichen Verdächtigen. Mit einem integrierten Lithium-Ionen-Akku soll die Groove-Box auch ohne vorhandenes Stromnetz (akkubetriebene PA vorausgesetzt) bis zu vier Stunden Performance liefern. Die Eingabe erfolgt über eine als rudimentäre Keyboardtastatur ausgelegte Drumpad-Einheit mit 12 Trigger-Flächen. Jedes einzelne Pad lässt sich in der Praxis mit bis zu 16 Sample-Layern belegen, welche sich dann anschlagdynamisch steuern lassen. Zusätzlich lässt sich das KeyboardLayout über insgesamt acht Oktaven transponieren. Mit vier Effektblöcken, einer Samplingfunktion sowie sage und schreibe 3.200 Basis-Sounds ist das Beat Thang auf sämtliche Live-Eventualitäten vorbereitet. Abgerundet wird die HipHop- und R&B-lastige Mobil-Beatschleuder noch mit einem eingebauten 16- Spur-Sequenzer mit allen rudimentär nützlichen Quantisierungs-Möglichkeiten. Bei dem Preis zwar kein Schnäppchen, aber in seiner thematischen Nische wahrscheinlich konkurrenzlos. Preis: ca. 760,– Euro www.sound-service.eu

Dieter Stork
Nicht nur für Techno werden elektronishce Beats gebraucht: Der Beatkangz-Drumcomputer Beat Thang ist auf HipHop spezialisiert und liefert entsprechend fette Beats.

Handgemachte Beats

Mit der Wavedrum sowie dem kleineren Ableger Wavedrum mini ist Korg ein gewaltiger Wurf in Sachen Live-Electro-Percussion gelungen. Während die mittlerweile in drei Varianten erhältliche Wavedrum auf ein 10″-Schlagzeugfell, integrierte Pickups und Physical-Modeling-Klangerzeugung setzt, bietet die kompakte Wavedrum Mini eine praxistaugliche Gummispielfläche sowie einen klippbaren Trigger-Pickup. Mit Letzterem lassen sich beliebig in der Umgebung befindliche Gegenstände in einen individuellen Drum-Controller verwandeln. Auch wenn die „große“ Wavedrum aufgrund der Konstruktion und der aufwendigeren Sensortechnik ein höheres Maß an Artikulation ermöglicht, ist es schon erstaunlich, wie sensibel und vielschichtig die Multilayer-Klangerzeugung der Wavedrum Mini anspricht. Durch die Pickup-Qualität des Trigger-Clips werden außerdem auch Klanganteile des Trigger-Elements (Tischplatte, Cowbell, Salatschüssel) individuell in den Klang integriert.

Ein riesiger Pluspunkt der Wavedrum Familie besteht in der Tatsache, dass sich auch die synthetischsten Sounds (irgendwo zwischen Raum und Zeit) mit einer organischen Leichtigkeit spielen lassen, die sonst nur akustischen Percussion-Instrumenten vorbehalten ist. Die Wavedrums von Korg sind in dieser Hinsicht wirklich einzigartig im Feld der elektronischen Drum-Klangerzeuger und bereichern mit ihrer Vielfalt und Dynamik jede Live-Performance. Preis: ca. 180,– Euro www.korg.de

Groove in Schweden-Rot

Mit dem Nord Drum 2 stellte der schwedische Hersteller Clavia bereits die zweite Version seines Modeling-Drum/Percussion-Synthesizers vor. Das handliche rote Gerät ist konzeptionell vollständig auf die Nutzung mit Trigger-Quellen ausgelegt. Dabei zeigt sich der Nord Drum 2 mit seinen vorbildlichen Konfigurationsmöglichkeiten ausgesprochen flexibel, was die möglichen Eingangssignale betrifft. Im Vergleich zum Vorgänger wurde seine Klangerzeugung von vier auf sechs parallele Sounds erweitert, wobei die Klangkomponenten Tone, Noise und Click beibehalten und durch weitere Parameter ergänzt wurden. Der zentrale Tone-Bereich umfasst ganze 33 Wellenformen, die praxisgerecht durch zuschaltbare LFO-Modulation und Effekte ergänzt werden. Das Clavia-typisch hochwertig verarbeitete Gerät besitzt außerdem eine vollständige MIDI-Implementation, die nahezu keine Wünsche offen lässt. Via MIDI/USB lässt sich auch der mittlerweile auf ganze 400 Kits angewachsene Preset-Speicher ansprechen. Bereits die Werks-Presets sprechen eine deutliche Sprache und reflektieren die umfangreichen Klangfacetten des Nord Drum 2. Wer dynamikreiche und knackfrische Synth-Drums sucht, braucht nach Antesten der Clavia-Lösung nicht mehr weiterzusuchen. Preis: ca. 450,– Euro (Pad ca. 240,–) www.sound-service.eu

Dieter Stork
Elektronische Beats live performen: Nord Drum 2 ist ein spezialisierter Drum-Synthesizer. Seine wuchtigen Sounds lassen sich über das optionale Pad, aber auch via MIDI spielen.

Mobil Abgrooven: Boris Blanks Yellofier

Mit der App für iOS-Geräte hat Boris Blank letztes Jahr eine Sample-basierte App herausgebracht. Man kann damit den Yello-Sound und vor allem eine Sample-basierte Arbeitsweise nachempfinden, die man in vielen Yello-Tracks findet: Akustische Schnappschüsse lassen sich mithilfe des Step-Sequenzers zu immer wieder neuen aufregenden Patterns und Grooves verknüpfen. Im Interview (ab S. 24) zeigte Boris Blank uns einige seiner persönlichen Patterns und Samples – Boris ist ein wahrer Sample-Jäger, und wo immer er gerade unterwegs ist, setzt er Yellofier selber ein, um spontan Sounds zu sampeln und damit Musik zu machen. Der Yellofier basiert auf einer 4×4-Matrix, in welcher sich bis zu acht selbst geschossene Samples positionieren und verschieben lassen. Jeder der 16 Steps lässt sich individuell mit Effekten versehen oder auch rückwärts abspielen. Im letzten Schritt lässt sich das Ganze dann sogar auf vier Spuren zusammenmischen und bei Bedarf exportieren. Insgesamt würde man dem Yellofier Unrecht tun, ihn als bloßes iOS-Spielzeug zu bezeichnen, denn seine vielseitigen Möglichkeiten machen diesen Sample-Sequenzer zu einer echten Ideenschmiede.

Zum Preis von lediglich 3 Euro ist der Yellofier zudem fast geschenkt.

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