Software Synthesizer Workshop

How to Synth: Axel F – Beverly Hills Cop

In unserem Synthesizer Tutorial „How to Synth“ zeigen wir euch wie ihr die Synth-Sounds aus den Kult-Hits der 80er und 90er am Rechner nachbaut. Dabei reproduzieren wir die Sounds mit aktuellen Soft- und Hardware Synthesizern. Aber auch Free VSTs kommen zum Einsatz, die ihr euch von dieser Seite aus direkt herunterladen könnt. Im Fokus von “How to Synth” stehen Soundtracks aus bekannten TV- und Film-Klassikern. 

Hot to Synth - Aufmacher

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In dieser Reihe darf Harold Faltermeyer´s Axel F aus dem Jahr 1984 natürlich nicht fehlen. Der Titel wurde als Soundtrack zum Film “Beverly Hills Cop” bekannt und erfolgreich. In der Action-Komödie ist neben Eddy Murphy auch Jonathan Banks in jungen Jahren zu sehen, den viele vielleicht als Mike Ehrmentraut aus “Breaking Bad” und “Better Call Saul” kennen. In keinem anderen Film wird die Titelmelodie, die für die Kurzform des Film-Cops Axel Foley steht, so oft wiederholt wie in diesem. Aber das gehört einfach dazu und sorgt dafür, dass man sich sofort in die 80er zurück versetzt fühlt und die Welt vor seinem geistigen Auge in NTSC- und Super 8-Format sieht.

Schon bei dem Gedanke an den Film haben wohl die meisten von euch die Leadline und den „Supersägen-Sound“ des Jupiter 8 von Roland im Kopf, der für diesen Klang bekannt ist.

Hier das Klangbeispiel zu Rolands Jupiter 8:

Die Synthesizer:

Doch nicht nur der Roland Jupiter 8 ist in diesem instrumentalen Track zu hören. Nach eigenen Angaben von Harold Faltermeyer basieren die Sounds aus Axel F auf folgenden Synthesizern:

  • Roland Jupiter 8 – Lead
  • Moog Modular – Bass
  • Oberheim OB-8 – Bass
  • Yamaha DX 7 – Marimba Sounds
  • LinnDrum – Drums
  • Roland TR-808 – Percussion

Die Software – DAW und Synthesizer

In unserem Workshop verwenden wir Bitwig Studio als Produktionsumgebung, die im Umgang mit Software-Instrumenten sehr einfach zu bedienen ist. Die junge DAW, die vor kurzem ihr Einjähriges feierte, ist nicht nur Produktionsumgebung für Zuhause, sondern findet auch in einem DJ-Live-Set ihren Platz. Auch das Handling in Bitwig Studio wollen wir euch in diesem Tutorial näher bringen.

Das Herzstück von Harold Faltermeyers “Axel F” ist natürlich der Lead-Synth. Ihn simulieren wir mit dem Jupiter 8 V aus der Classic Collection von Arturia, dem Software-Pendant zum Original. Grundsätzlich könnt ihr aber auch jeden anderen Synth verwenden, der über zwei bzw. drei Oszillatoren verfügt. Um mit uns zusammen rumzuschrauben ist der kostenlose Synthesizer Noise Maker von Togu Audio Line vollkommen ausreichend. Der Yamaha DX 7 wird vom FreeVST bzw. dem kostenlosen FM-Synth Dexed von Digital Suburban simuliert. Um den Moog-Charakter zu gewähren kommt der Bass aus dem Mini V, ebenfalls von Arturia.

Um auch die Bitwig Sounds zu zeigen und auf die Probe zu stellen, nutzen wir in unserem Workshop die Drums aus Bitwigs Drummachine – Preset: California Kit.

An den aufgeführten Synthesizern finden wir gefühlte 1000 Knöpfe, 2000 verschiedene Presets und noch viele weitere Settings, die variiert und zum Finetuning verwendet werden können. Darum orientieren wir uns an den vordefinierten Presets und den Grundfunktionen eines Synthesizers wie LFO, VCO, VCF etc. und tasten uns dann langsam an den Mainsound heran. Übrigens gibt es auf unserer Seite ein kleines Video-Tutorial, das diese fundamentalen Elemente der elektronischen Musik anhand eines Software-Synthesizers erklärt.

>> Easy Synth – Synthesizer Tutorial mit dem Noise Maker von Togu Audio Line <<

Das MIDI-Projekt wurde uns von GEERDES media zur Verfügung gestellt. Axel F war Datei Nummer 185, also eines der ersten aus dem heute knapp 33.000 MIDI-Files umfassenden Archiv von Geerdes. Einen Ausschnitt davon könnt ihr hier herunterladen.

How to Synth Axel F – Praxis 

Nach langen Vorbereitungen zu unserem Workshop sind wir jetzt endlich startklar und legen los mit dem Lead-Synth von Axel F aka „The Supersaw“!
Screenshot - Arturia Jupiter 8V

Die Hook ist in diesem instrumentalen Track  ist denke ich jedem klar, der Part, den jeder kennt und nicht mehr aus dem Ohr geht.Wir haben uns an dem Brass-Preset Lead – Celmo_Brassy_Pad01 orientiert und uns Stück für Stück an den originalen Sound herangetastet. Die folgenden Klangeinstellungen könnt ihr auch auf andere Synthesizer übertragen. Das Klangverhalten variiert natürlich zwischen den unterschiedlichen Software-Instrumenten, aber die Grundfunktionen sind die gleichen. Also einfach austesten.

Die Klangeinstellungen für den Jupiter 8V

Die Tonhöhen der beiden VCOs stellen wir auf 8′. Als Wellenform packen wir auch hier wieder die Säge aus, denn wir brauchen für das Lead-Thema einen fetten, obertonreichen und brillanten Sound. Ihr könnt ja mal etwas rumprobieren. Auch Square mit Pulsweitenmodulation klingt irgendwie gut, aber es führt klanglich doch in eine andere Richtung, da der Sound dann etwas diffus und eher nach Strings klingt. Aber wir wollen ja den originalen Sound rekonstruieren und da heißt es: „Sägen muss es“.

Darum generiert auch VCO-2 eine Sägezahnspannung, ebenfalls mit einer Range von 8. Der Trick an dieser Stelle ist den Ton etwas fein zu tunen. Darum verstimmen wir den Ton unter “Fine Tune” um etwa 1.004. Dadurch entsteht eine leichte Schwebung, die dem Sound mehr Fülle gibt.

Screenshot - VCO Jupiter 8V

Unter “Source Mix” könnt ihr das Verhältnis der beiden Klangerzeuger VCO-1 und 2 zueinander mischen. Auch hier heißt es einfach mal selbst regeln und drehen und hören was passiert. Das Mischungsverhältnis sollte sich aber im mittleren Regelbereich (um die Center-Stellung) befinden, um die maximale Schwebung zu bekommen. Zusätzliche Schwebung erfährt der Sound übrigens durch einen Chorus/Flanger aus der Effekt-Sektion des Jupiter 8V.

Screenshot - VCF Jupiter 8V

Damit der Sound auch richtig voll klingt, stellen wir den High Pass Filter, kurz HPF, auf 0 und lassen den Bass komplett durch. Da der Grundsound schon recht nasal klingt, regeln wir den Cut Off auf ca. 60%, damit sich der Charakter und das Markenzeichen des Roland-Klassikers im Mix auch durchsetzt. Die Resonanz schieben wir auf ca. 30%, da der Lead-Sound schließlich so klar, so direkt und so voluminös wie möglich sein soll. Beim VCA-Level geben wir Vollgas und die Modulation durch den LFO lassen wir weg. Auch hier gilt wieder: Das Motto in einem Praxis-Workshop ist “learning by doing”. Berichtet uns von euren Erfahrungen und hinterlasst ein Kommentar am Ende dieses Artikels.

Screenshot - ENV Jupiter 8V

Kommen wir zu den beiden Hüllkurven, den Evelopes der VCOs. Zu diesem Thema findet ihr auf der Website von Sound & Recording einen Artikel, in dem Funktion und verschiedene Einsatzgebiete aufgezeigt werden. Zurück zum Jupiter 8V: Bei beiden Hüllkurven haben wir so ziemlich die gleichen Settings.

  • Etwas Attack – 24ms, das heißt der Ton ist nach einer sehr kurzen Einschwingphase direkt präsent.
  • Kurzer Decay –  81ms
  • Mittellanger Sustain – 0.59
  • Mittlere Releasezeit – 500 ms

Der 80s-Reverb

Screenshot - UAD Lexicon 224

Arturia´s Jupiter 8V auch interne Effekte, so könnt ihr z.B. noch einen Chorus einsetzen für noch mehr Schwebung, und auch einen Hall gibt’s. Wir schicken den  Synthesizer allerdings über das Lexicon 224 Plugin von Universal Audio auf unserem Apollo 8, in dem wir einen schönen 80er Jahre Hall eingestellt haben. Einen Artikel zum originalen Effektgerät der 80er liefert unsere Serie Vintage FX in Sound & Recording 04/2014. Die UAD-2-Version wurde in Sound & Recording 06/2011 getestet.

Microbrute - How to Synth
Im Hintergrund ist das neue Apollo 8 Interface im schicken schwarzen Design zu sehen. Im Vordergrund der Microbrute SE von Arturia.

Auch im originalen Mix wurde auf dem Lead-Synth der Lexicon Hall 224 verwendet. Aber natürlich das Original, dessen Klang für diese Zeit einfach typisch ist und von jedem Studio genutzt wurde. Das Ergebnis und den Unterschied könnt ihr hier hören. Die Stellen an denen wir den Hall muten haben wir mit “Switch” kommentiert.

Roland Jupiter 8V Channel Strip 

Screenshot - Bitwig - Jupiter 8v Channel

Um den Sound etwas breiter und voller zu machen, haben wir noch einen Kompressor und einen EQ in die Signalkette gepackt und bei 1.3 kHz um knapp 3 dB angehoben. Das macht den Gesamtsound einfach noch präsenter.

Das Sound-Ergebnis, das euch 30 Jahre zurück versetzt, hört ihr hier:

Der Synth Bass

Um einen schönen runden 80er Bass zu formen, setzen wir auf Arturias Software-Synthesizer MiniV, die Simulation des Minimoog, oder wie wir ihn nennen: “Godfather of Synth”. Den Grundsound können wir ganz schnell selbst aus dem Preset CE_Basso bauen. Erst mal Volume von allen OSCs auf 0 und Delay und Matrix oben rechts ausschalten. Danach tasten wir uns Schritt für Schritt an den Axel F – Bass:


Screenshot - Arturia Mivi V

OSC 1 – Range 8 – Wellenform Rechteck bzw. Square. Und nicht vergessen Volume von OSC 1 wieder aufzudrehen. Der Sound ist schön rund, ohne viele Mitten dafür aber ordentlich Bass und Obertöne. Dadurch kann er sich auch im Mix durchsetzen. Wer möchte kann auch gerne den zweiten OSC mit einer Range von 16 und ebenfalls Rechteck-Wellenform dazufahren, um etwas mehr Subbass zu erzeugen. Hier ist der Mix entscheidend. Abstand zwischen OSC 1 und OSC 2 liegt bei ca. 16dB.

Die Cutoff-Frequenz stellen wir auf -2 oder eher etwas weniger. So auf ca. -2.7 ! Sonst klingt´s zu sehr nach Jan Delay, und Bass und Lead kommen sich im Mix in die Quere.

An der Emphasis kann experimentiert werden. Ich persönlich finde, dass alles zwischen 2 und 4 gut klingt. Also nehmen wir die goldene Mitte, die 3.

Wenn man den Bass solo hört, möchte man gerne den Release verlängern. Hört man jedoch in den originalen Track hinein, stellt man fest, dass der Bass sehr perkussiv und schon fast abgehakt klingt. Also Attack auf 10ms und die Decay-Time – unter den Modifiers – auf 600ms. Nicht zu verwechseln mit der Decay-Time des Filters, mit der man dessen Einschwingzeit einstellt. Dieser Wert sollte so um die 500ms liegen. Das Preset kannst du hier herunterladen: klick!

Der komprimierte Bass

Auf den Bass haben wir noch einen Kompressor gepackt, der dem Ganzen noch einen kleinen Punch gibt. Der FET Compressor von Softube passt da neben seinem satten Sound auch durch seine Optik in den Track. Die Metallfront erinnert irgendwie auch an die 80s.

Screenshot - Softube FET Compressor

Hier die Settings:

  • Ratio – 2.5:1
  • Weicher Attack – 7.0
  • Release – 3.0
  • Comp/Dry – Hier geben wir dem nicht-komprimierten Bass Vorrang um die Lebendigkeit des Tracks zu erhalten. Es muss ja nicht immer nur Drücken.

Und so hört es sich an:

Vielleicht ist es dem ein oder anderen aufgefallen. Wir haben einen Send auf den Lexicon 224 geroutet. Eher untypisch für die Zeit aber heute ist ja alles erlaubt!

Die Drums in Axel F

Hier haben wir einfach den Drum-Container aus Bitwig „California Kit Hi“ verwendet mit einem kleinen Hall auf der Snare. Die Kick ist recht obertonlastig und setzt sich schön durch. Trotzdem hat sie den nötigen Wumms und treibt den Beat nach vorne. Die Claps sind einfach sowas von “Eighties”und die Hi-Hat ist, wie in allen 80er Tracks, fast zu laut!

Marimba Sounds

Der letzte Part in unserem Tutorial ist der Marimba Sound. Das Besondere und Schöne daran ist, dass es sich um zwei Sounds handelt, die unterschiedliche Sequenzen spielen und zusammen ein Motiv ergeben. Zum Einsatz kommt hier einmal ein weich ein- und ausschwingender Rechtecksound, der schon etwas verträumt klingt. Diese Linie wird immer akzentuiert durch einen perkussiven Marimba-ähnlichen Klang – einer der Signature-Sounds des damals brandaktuellen FM-Synthesizers DX7 von Yamaha.

In unserer Reproduktion haben wir das Free VST Dexed von Digital Suburban eingesetzt und den Sound noch etwas brillanter als im Original getunt – hier orientieren wir uns an dem Preset EchoEcho3.

Screenshot - Deexed

Die FM-Synthese ist eine sehr komplexe Angelegenheit, daher für alle FM-Newbies nur das Wichtigste zum Verständnis: Den Hauptanteil des Sounds bilden die beiden Stränge aus den Operatoren 1 und 2 sowie 4 und 6, deren Frequenzverhältnisse und Detune-Werte den metallischen Sound erzeugen. Operatoren 3 fügt einen perkussiven Attack hinzu, der aufgrund der FIXED Frequency des Operators dem Sound etwas inharmonisches gibt.

Die Presets zu den beiden Sounds dazu sind ebenfalls in der Datei: AxelF-Presets enthalten.

Axel F – Marimba Sound

Und so hört es sich an:

FM Synthese in Bitwig

Screenshot FM4

Wenn euch die FM-Synthese interessiert, empfehle ich euch den in Bitwig integrierten FM 4. Er ist weniger umfangreich als der Dexed und für den Anfang ideal zum Basteln.

Master

Um etwas analoges Feeling der 80er mit in den Track zu bringen, haben wir auf den Masterbus die Simulation der legendären Bandmaschine Studer A800 von Universal Audio gepackt.

Screenshot - UAD Studer A800

So hört sich das Sättigungstool an. Der Track starte ohne die Bandsättigungs der Studier A800 und in der Mitte des Soundfiles wird auf die Bandmaschine geswitcht. Es ist nicht deutlich hörbar aber der Mix klingt mit dem Plugin einfach einen kleinen Tick satter und wärmer. Also die UAD-Version der Studer A800 tut das was sie soll!

>> Tape-Sound für digitale Workstations – Universal Audio Studer A800 für die UAD-2-Plattform im Test <<

How to Synth – Axel F – Eine Reise in die analoge Zeit

Das war unser erster Beitrag aus der Reihe “How to Synth”. Ich hoffe es hat euch Spaß gemacht und wir haben euch die Klangeigenschaften der von uns eingesetzten Synthesizer und Plugins aufzeigen können. Falls ihr noch Anregungen, Tipps oder Song-Wünsche für eine nächste Ausgabe habt, könnt ihr diese gerne als Kommentar hinterlassen. Wir sind für alle konstruktive Kritiken offen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo,

    erst einmal Glückwunsch, so eine tolle Reihe ins Leben zu rufen. Die Idee ist wirklich super und ich freue mich auf die künftigen Veröffentlichungen. Leider ist der Start nicht ganz so gelungen:

    Der Artikel ist schlecht formatiert und die Hörbeispiele sind an den falschen Stellen eingefügt: Der Lead-Sound unter der Überschrift “Bass”, der Bass unter der Überschrift “Drums”, die Drums unter der Überschrift “Marimba” usw. Das stört den Lesefluss ganz schön. Des Weiteren finde ich die Sounds nicht sehr gelungen. Da sind manche schnöden GM-Sounds näher dran. Die Release-Phase des Lead-Synth ist zu lang. Im Original ist sie extrem kurz und wird durch ein Delay und den Hall verlängert. Besonders schön hört man das im B-Teil des Originals. Im Original ist der Sound auch gar nicht so sägend und nicht so extrem “hart” im Klangeinsatz. Gleiches gilt für den Bass. Auch er hat weniger Obertöne und schwingt kürzer aus. Er ist auch wesentlich weniger dynamisch als der nachprogrammierte Bass. Dem Marimba-Sound hingegen fehlt der “Biss”. Von brillanter als im Original ist da jedenfalls keine Spur. Im direkten Vergleich ist euer Sound ohne Brillanz.

    Wie dem auch sei. Die Idee finde ich super, die Umsetzung kann noch besser gemacht werden.

    Song-Vorschlag: Crockett’s Theme von Jan Hammer

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