Der Axel F Klassiker der 80er

Love The Machines – Roland Jupiter 8

In dieser „Love The Machines”-Ausgabe geht’s um eine ultimative Aufreißermaschine, ein Schlachtschiff ersten Ranges, das sich schon lange seinen Platz im ewigen Synthesizer-Olymp erkämpft hat.

Dieter Stork

Der Jupiter-8 steht in der Hierarchie der Roland-Synths ganz oben, er ist ein echter Dinosaurier der Prä–MIDI-Ära. Auf den Markt kam er im Jahre 1981 für den nicht eben bescheidenen Preis von 17.000 Mark. Die Messepräsentation erfolgte bereits 1980. Der Synth ist auf zahlreichen Produktionen der achtziger und neunziger Jahre zu hören; stellvertretend seien hier Acts wie Jan Hammer, Depeche Mode, OMD, Tangerine Dream, Vince Clarke, Roxy Music, Thomas Dolby, Devo, Heaven 17, Moby, Future Sound Of London, Orbital und Josh Wink genannt.

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Schon rein äußerlich tritt der Jupiter ziemlich selbstbewusst auf. Der mit teilweise obskurbunten Tastern ausgestatte Bolide setzt durch seine Größe und sein Gewicht von 21 kg deutliche Akzente. Das Metallgehäuse ist ziemlich stabil und verzieht sich beim Transport nicht. Jede Funktion ist mit einem Bedienelement ausgestattet, wobei die Parametergruppen übersichtlich angeordnet sind, sodass man sich schnell zurechtfindet. Das vierstellige LED-Display dient vor allem zur Anzeige der 64 Soundspeicherplätze, die in Roland-Manier in Bänken zu je 8 Sounds angeordnet sind. Links von der Fünf-Oktaven-Tastatur, die keine Anschlagsdynamik oder Aftertouch bietet, sich aber gut spielen lässt, befinden sich die Spielhilfen, die man flexibel konfigurieren kann. Der für Roland typische Bender kann hier noch nicht (wie bei späteren Roland-Synths) zur Aktivierung des LFOs nach vorne gedrückt werden, nur Rechtsund Links-Bewegungen sind möglich.

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Der LFO wird hier mit einem breiten Taster getriggert. Der Jupiter 8 ist duotimbral, d. h. es lassen sich zwei verschiedene Sounds gleichzeitig erzeugen, die man auf der Tastatur splitten oder übereinander legen kann. Die achtfache Polyfonie wird dann auf vier Stimmen pro Sound reduziert. Zur Organisation der Multisounds (Splits, Layers) stehen acht Speicherplätze zur Verfügung. Hinten gibt es außerdem noch zwei Fußpedaleingänge (Hold, Portamento) und zwei Eingänge zur Spannungssteuerung von VCA und VCF. CV/Gate-Anschlüsse sind auch vorhanden, erlauben aber nur die Ausgabe der jeweils höchsten gespielten Note des Synths. Der Jupiter-8 arbeitet mit der klassischen subtraktiven Synthese. Jede der acht Stimmen ist mit zwei spannungsgesteuerten Oszillatoren ausgestattet, welche die klassischen Wellenformen erzeugen (Osc1: Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Puls – Osc2: Sinus, Sägezahn, Puls, White Noise). Mit einem Balance-Regler wird stufenlos zwischen beiden Oszillatoren gewechselt. Oszillator(Hard)sync, Pulsweiten- und Cross Modulation sind auch möglich, wobei insbesondere letztere interessante experimentelle Klänge bis hin zu metallischen Spektren erlaubt.

Der zweite VCO lässt sich auch als zusätzlicher LFO einsetzen. Das sehr gut klingende Tiefpassfilter kann als 24 dB/Okt und als 12 dB/Okt – Filter betrieben werden, was die Flexibilität der Klanggestaltung erheblich erweitert. Darüber hinaus verfügt der Jupiter-8 über ein resonanzloses Hochpassfilter, sodass sich problemlos bandpassartige Sounds realisieren lassen. Als Modulationsquellen dienen zwei invertierbare ADSR-Hüllkurven und zwei LFOs, die auf folgende Ziele geroutet werden können: VCA, VCF, Tonhöhe, Pulsbreite. Beide Hüllkurven verfügen über eine unabhängige Key-Follow-Funktion.

Klangbeispiel

Klanglich gehört der Jupiter-8 wie der Memorymoog und der Sequencial Circuits Prophet 5 zu den Synthesizern, die Maßstäbe gesetzt haben. Der etwas überstrapazierte Begriff „fett“ ist hier wirklich angebracht: drückende Bässe und breite, mächtige Flächenklänge sind seine Domäne. Dabei wird es nie mulmig, die Sounds bleiben immer klar konturiert. Auch ungewöhnliche Klänge, die z. T. an einen Ringmodulator erinnern, sind dank Cross-Modulation machbar. Diese Sounds wirken nie harsch oder unangenehm spitz, sondern haben immer einen organischen Charakter. Der Jupiter-8 ist ein gutes Beispiel für die klanglichen Vorteile von spannungsgesteuerten Oszillatoren gegenüber DCOs. Bezahlt werden muss der lebendige Sound allerdings mit Stimmungsschwankungen, sodass der Autotune-Taster hin und wieder betätigt werden muss.

Der integrierte Arpeggiator ist eine schöne Ergänzung zum tollen Sound; spielt man damit rum, ist man schnell gefährdet, in TangerineDream-Sphären abzugleiten und es sich mit Nachbarn und Mitbewohner zu verscherzen. Er arbeitet zwar nur mit den klassischen Betriebsarten Aufwärts, Abwärts, Alternierend auf und ab und Random, weist aber einige Besonderheiten auf. So kann man im Split-Modus auf der unteren Tastaturhälfte Arpeggiatorsequenzen abfeuern und dazu oben eine bis zu vierstimmige Begleitung spielen. Schön ist auch, dass die Töne in der Reihenfolge und in der Oktave abgespielt werden, in der sie eingegeben wurden. Der Oktavbereich der Arpeggios kann je nach Einstellung bis zu vier Oktaven betragen. Wer den Arpeggiator des Jupiter-8 mal in Action erleben will, sollte sich den Synthpop-Klassiker „Rio“ von Duran Duran zu Gemüte führen. Zur Synchronisierung des Arpeggiators stehen rückseitig ein Roland „Sync 24 DIN”-Anschluss und ein Clock-Eingang zur Verfügung.

Will man den originalen Jupiter-8-Sound, so gibt es zum Original eigentlich nur die Alternative des 1983 erschienenen, MIDI-fähigen Jupiter 6. Die „offizielle“ Rack-Version des Jupiter, der MKS-80 Expander (3-HE-19“ Modul), ist zwar technisch identisch mit dem Tastaturmodell, kann diesem klanglich allerdings nicht das Wasser reichen – seine Sounds sind einfach zu dünn. Wer die Anschaffung eines gebrauchten Jupiter- 8 in Erwägung zieht, sollte alle Funktionen des angebotenen Instruments sorgfältig testen und checken, ob alle Oszillatoren einwandfrei funktionieren. Auch das Netzteil, das in der Regel relativ heiß wird, sollte man im Auge behalten und den Synth nach ca. einer Stunde Betrieb noch mal durchchecken.

 

 

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