Behringer Solina String Ensemble Test: Es gibt Synthesizer, die man nicht kauft, um „alles“ zu können, sondern um genau diesen einen Sound jederzeit griffbereit zu haben. Der Behringer Solina String Ensemble fällt klar in diese Kategorie: Er zielt auf den ikonischen String-Machine-Klang: breit, schwebend, leicht körnig – und vor allem so arrangierfreundlich, dass er sich im Mix oft schon nach wenigen Handgriffen „richtig“ anfühlt.
In diesem Behringer Solina String Ensemble Test geht es deshalb weniger um Sounddesign-Extremdisziplinen, sondern um die entscheidende Frage: Liefert das Gerät die berühmte Solina-Ästhetik in einer Form, die im modernen Studio- und Live-Workflow schnell funktioniert?
Kurzüberblick: Was ist der Behringer Solina String Ensemble?
Der Behringer Solina String Ensemble ist eine kompakte String-Machine im Desktop-/Modul-Format, die sich konzeptionell am klassischen String-Ensemble-Prinzip orientiert. Statt komplexer Synthese-Architektur setzt dieses Konzept traditionell auf eine sehr hohe Polyphonie und auf fest definierte Klangregister, die sich unmittelbar kombinieren lassen. Genau das ist auch hier der Kern: Du wählst die Klangfarben per Schalter, mischst sie nach Geschmack und formst anschließend Dynamik und Bewegung über die klassischen „Stringer“-Parameter.
Typisch für diese Bauart ist außerdem, dass die Bassregister getrennt behandelt werden und sich auf den unteren Tastaturbereich konzentrieren. Dadurch entsteht im Arrangement schneller eine klare Rollenverteilung: Oben schwebt die Fläche, während unten ein Fundament liegt, das nicht sofort alles zudeckt. Gerade in dichten Produktionen ist das hilfreich, weil du dadurch weniger nachträglich „aufräumen“ musst.
Sound-Charakter: Warum String-Machines anders wirken als Samples
Wer beim Begriff „Strings“ sofort an realistische Streicher denkt, sollte mental umschalten: Eine String-Machine will nicht wie ein Orchester klingen. Sie will vielmehr einen synthetischen Streicherteppich liefern, der musikalisch funktioniert, ohne den Track zu dominieren. Genau deshalb tauchen Solina-artige Klänge so häufig in Synthwave, Disco, Italo, Prog, Ambient und Filmmusik auf – denn sie setzen Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Im praktischen Einsatz zeigt sich dieser Charakter besonders dann, wenn du das Instrument als Layer nutzt. Während viele Polysynth-Pads im Arrangement schnell „wie ein Pad“ klingen, bringt eine String-Machine sofort diese leicht nostalgische Textur mit. Gleichzeitig reagiert sie gut auf Akkordwechsel, weil sie nicht versucht, realistische Artikulation zu imitieren, sondern eher als „harmonischer Klebstoff“ arbeitet. Dadurch entsteht oft schon bei einfachen Voicings eine größere Bühne.
Auch dynamisch lässt sich der Solina-Ansatz angenehm schnell formen. Statt vieler Hüllkurvenparameter steht typischerweise ein Crescendo-/Attack-Verhalten im Mittelpunkt, während die Abklingzeit die Länge der Flächen bestimmt. Das ist simpel, aber gerade deshalb effektiv: Du entscheidest in Sekunden, ob die Strings „reinfallen“ sollen oder ob sie langsam aufblühen, und damit ändert sich die Rolle im Song spürbar.
Ensemble/Chorus und Phaser: Der entscheidende Teil des Sounds
Der eigentliche Zauber passiert bei String-Machines fast immer in der Modulation. Ein trockener Stringer kann funktionieren, klingt aber häufig erst dann wirklich „teuer“, wenn das Ensemble-Schweben dazukommt. Beim Behringer Solina steht deshalb das Zusammenspiel aus Ensemble/Chorus und Phaser im Zentrum, denn genau diese Kombination sorgt für das charakteristische, bewegte Stereo-Gefühl und das berühmte „Schimmern“.

In der Praxis bedeutet das: Der Ensemble-Effekt gibt der Fläche Breite und Lebendigkeit, sodass Akkorde nicht statisch wirken, sondern sich organisch bewegen. Der Phaser setzt darüber hinaus eine rhythmische, leicht psychedelische Bewegung obendrauf, die – je nach Einstellung – von subtiler Tiefe bis zu sehr hörbarer 70s-Färbung reichen kann. Besonders im Kontext von Drums und Bass ist das relevant, weil du so Präsenz erzeugst, ohne den Frequenzbereich unnötig zu überladen.
Wenn du den Solina-Sound im Mix platzieren willst, ist das oft der effizienteste Weg: Du dosierst Ensemble und Phaser so, dass die Fläche zwar lebt, aber nicht „wobbelt“, und ergänzt danach nur noch Hall oder Delay. Dadurch wirkt das Ergebnis schneller fertig, während du gleichzeitig die Kontrolle behältst.
Anschlüsse und Integration: Studio, Live und Modular im Blick
Weil der Behringer Solina String Ensemble als kompaktes Gerät gedacht ist, hängt die Praxistauglichkeit stark von der Integration ab. Für die meisten Setups ist entscheidend, dass du ihn problemlos per MIDI spielen kannst – entweder klassisch über DIN-MIDI oder direkt über USB-MIDI im DAW-Umfeld. Damit lässt sich das Instrument sowohl als Hardware-Layer im Studio als auch als Live-Flächenmaschine einsetzen, ohne dass du dich mit komplizierten Umwegen beschäftigen musst.

Zusätzlich ist das Format für viele interessant, die hybride Setups mögen, denn der Solina-Gedanke passt hervorragend zu Systemen, in denen Hardware-Instrumente, DAW und ggf. ein modularer Kontext zusammenspielen. Gerade dann, wenn du Strings nicht als „eigene Welt“, sondern als texturgebendes Element einsetzt, profitiert man davon, wenn das Gerät schnell erreichbar ist und sich ohne Reibung in den Signalfluss einfügt.
Praxis im Studio und Live: So bekommt man ihn schnell „track-ready“
Im Studio zeigt sich die Stärke des Behringer Solina vor allem in der Geschwindigkeit. Du wählst Register, findest innerhalb weniger Sekunden die passende Mischung und nutzt anschließend Modulation und Hüllkurvenverhalten, um die Fläche an den Song anzupassen. Dadurch ist der Solina weniger ein „Sounddesign-Projekt“ und mehr ein Produktionswerkzeug: Er liefert eine sehr spezifische Klangfarbe, die man gezielt einsetzen kann, wenn ein Part größer, wärmer oder cineastischer wirken soll.
Besonders gut funktioniert der Solina-Ansatz, wenn du ihn nicht alleine stehen lässt, sondern bewusst layerst. Beispielsweise kann eine dezente String-Fläche unter einem digitalen Pad für sofortige Tiefe sorgen, während ein weicher Poly-Synth darüber die harmonische Struktur trägt. Umgekehrt kann der Solina auch die Hauptfläche liefern, während du darüber nur noch ein paar helle Synth-Tops oder ein Piano setzt. Entscheidend ist dabei, dass du mit Bewegung sparsam umgehst: Ein bisschen Ensemble macht fast alles besser, zu viel Phaser kann jedoch schnell die Transienten anderer Elemente überdecken.
Live ist der Nutzen ähnlich, aber noch direkter: Du brauchst einen Sound, der ohne große Vorbereitung trägt, und genau dafür sind String-Machines gebaut. Mit passenden Attack-/Release-Einstellungen kannst du entweder „Teppiche“ legen, die das Set zusammenhalten, oder du erzeugst kurze, pumpende Stabs, die rhythmisch mitgehen. Beides funktioniert, solange du die Modulation so einstellst, dass sie musikalisch wirkt und nicht vom Timing ablenkt.
Behringer Solina String Ensemble Test – Stärken und Grenzen: Für wen passt er – und für wen eher nicht?
Der Behringer Solina String Ensemble ist dann am überzeugendsten, wenn du genau diese Vintage-String-Ästhetik suchst und sie schnell reproduzierbar brauchst. Er ist deshalb besonders interessant für Produzenten, die häufig Layer bauen, oder für Live-Setups, in denen eine einzige Fläche sehr viel Raum füllen soll. Gleichzeitig ist er eine gute Wahl, wenn du bewusst einen Klang willst, der nach „Instrument“ klingt und nicht nach Preset-Bibliothek.

Seine Grenzen sind jedoch ebenso klar, denn das Konzept ist absichtlich fokussiert. Wenn du einen Allround-Poly-Synth erwartest, der über Filterfahrten, Modulationsmatrix und riesige Klangformung punktet, wirst du hier eher Einschränkungen spüren. Außerdem ist der Sound charakterstark, was ein Vorteil ist! Allerdings bedeutet das auch, dass man ihn in sehr modernen, super-cleanen Produktionen manchmal dosieren muss, damit er nicht zu nostalgisch wirkt.
Fazit: Lohnt sich der Behringer Solina String Ensemble?
Im Ergebnis ist der Behringer Solina String Ensemble ein Spezialist, und genau darin liegt seine Stärke. Er liefert diese typische String-Machine-Welt – breit, schwebend und musikalisch – und bringt mit Ensemble/Chorus und Phaser genau die Werkzeuge mit, die den Klang ikonisch machen. Gleichzeitig bleibt die Bedienung angenehm direkt, sodass du im Produktionsalltag schnell zu Ergebnissen kommst, die im Mix funktionieren.
Wenn du also eine echte String-Machine-Farbe suchst, die du ohne Menü-Tauchen einsetzen kannst, ist der Solina eine sehr pragmatische Lösung. Wenn du hingegen maximale Synthese-Flexibilität möchtest, ist er eher Ergänzung als Hauptinstrument – dafür aber eine Ergänzung, die in den richtigen Tracks sofort „den Unterschied“ macht.
Pro
- Vintage Stringmachine-Sound
- günstiger Preis
- passende Effekte
Contra
- keine
Link zur Herstellerseite: Behringer | Home

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Leitender Redakteur – keyboards.de
Multiinstrumentalist • Audio Engineer • Kreativer Tüftler • Familienvater • Pen-&-Paper-Enthusiast

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