Mixing Tutorial

Wie man Piano richtig im Song mischt

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(Bild: Dirk Heilmann)

Pianos sind genreübergreifend wahrscheinlich die meist verwendeten Instrumente in der Musik. Egal ob für einen Dance-Song, eine Pop-Ballade oder ein Jazz-Stück. Ein Piano wird bei genauerem Hinhören fast immer irgendwo zu finden sein. Genauso unterschiedlich wie seine Anwendung sind auch die verschiedenen Herangehensweisen im Mix oder bei der Aufnahme. In dieser Folge möchten wir uns mal mit einer Klavieraufnahme für eine einfache Ballade mit Gesang auseinandersetzen.

Stellvertretend für ein Piano beschäftigen wir uns in dieser Folge mit einem Klavier. Pianos können ganz grob in zwei Kategorien eingeordnet werden. Zum einen gibt es den Flügel (Grand Piano), der gerne etwas größer und edler klingt, und zum anderen das Klavier (Upright Piano), das oft als charmant, »mit Charakter« oder als intim umschrieben wird. Und so unterschiedlich beide aussehen und klingen können, so ähnlich werden sie doch im Mix bearbeitet.

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Vor dem Mischen sollte man sich aber erst einmal mit dem richtigen Aufnehmen beschäftigen. Und hier gilt wie immer die Regel, das Instrument schon so weit wie möglich so aufzunehmen, wie es in dem fertigen Mix klingen soll − zumindest sollte man klar in die richtige Richtung gehen. Ich könnte das Klavier zum Beispiel ohne Deckel und Oberrahmen von vorne aufnehmen, um so einen klaren und direkten Sound zu bekommen. Diese Technik ist wirklich für die meisten Musikgenres und Anwendungen geeignet − besonders dann, wenn das Klavier im Mix gut durchkommen soll. Man würde also alles entfernen, was die Seiten verdeckt, und die Mikrofone zwischen dem Musiker und dem Instrument ungefähr auf Höhe der Hämmer oder leicht darüber positionieren.

Wenn man jedoch eher einen dumpfen und charmanten Sound möchte, kann man das Klavier auch von hinten aufnehmen. Das ist besonders gut für Songs geeignet, wo das Instrument sehr schlicht und weniger schick klingen soll. Außerdem hat man hier nicht das Problem, evtl. das Übersprechen von den Kopfhörern oder das laute Atmen eines erkälteten Pianisten aufzunehmen.

Auch Raummikrofone können Sinn machen, wenn man dem Klavier eine gewisse Größe verleihen möchte. Allerdings sollte der Raum selbst nicht zu stark zu hören sein, sonst klingt es schnell nach »Klassenzimmer«.

In unserem Beispiel hatten wir ein Ballade nur mit Klavier und Gesang, für die das Klavier sowohl direkt als auch im Raum aufgenommen wurde. Das Direktsignal klang relativ gut, war aber leider auch etwas zu präsent in den unteren Mitten und Bässen. Vor allem im Refrain, wo es deutlich lauter gespielt wurde, klang es etwas zusammengestaucht. Ich würde schätzen, dass die Mikrofone etwas zu nah am Instrument positioniert worden waren. Dagegen klangen die Raummikrofone sehr räumlich und »luftig«, wodurch das Piano leider sehr verschwommen und indirekt wurde.

Bei einem solchen Song, wo es eine starke Dynamik über die ganze Länge des Songs gibt und keine anderen Instrumente mitspielen, die irgendwelche Fehler kaschieren können, möchte man das Instrument nicht zu stark bearbeiten. Denn jede größere Bearbeitung, vor allem mit Kompressoren, würde sofort auffallen und das Klavier sehr unnatürlich klingen lassen. Um es mir mit der Dynamik einfacher zu machen, habe ich die leisen und lauten Stellen in unterschiedliche Spuren aufgeteilt. Denn die Unterschiede waren viel zu groß, um mit den gleichen Einstellungen über den ganzen Song arbeiten zu können.

Der UAD SSL G Bus Compressor kam sowohl auf dem Klavier-Bus als auch auf der Stereosumme zum Einsatz. Der UAD Pultec EQP-1A und der Fabfilter Pro-MB-Multibandkompressor wurden für die Klavier Direktsignale benutzt, der Fabfilter Saturn, um die Raummikrofone zu sättigen.

Als Erstes habe ich die Direktsignale mit einem Low-Cut im Bassbereich beschnitten. Dabei wurden die leiseren Song-Passagen bei ca. 80 Hz und die lauten etwas höher bei ca. 90 Hz gefiltert. Das empfiehlt sich übrigens generell auch für viele andere Instrumente, einfach, um nicht unnötige Energie im Bass aufzustauen und den Mix zu undurchsichtig zu machen. Des Weiteren habe ich die Spuren mit dem UAD Summit TLA-100A ca. 2 bis 3 dB komprimiert, mit langsamer Attack- und schneller Release-Zeit; gerade genug, um es etwas kontrollierter und tighter zu bekommen, aberso, dass das Klavier immer noch dynamisch bleibt und genug Transienten durchkommen.

Da sich auf der lauteren Spur bei einigen Akkorden immer noch etwas zu viel unten rum aufschaukelte, und somit der Kompressor manchmal viel zu stark zu komprimieren anfing, habe ich mich für einen Multibandkompressor davor entschieden. Mit dem Pro-MB von Fabfilter wurde mit einem Band alles unter ca. 100 Hz und mit einem weiteren der Bereich ca. 100 bis 365 Hz etwas abgefangen. So blieben die Mitten und Höhen erhalten, und der eigentliche Kompressor dahinter wurde nie viel zu stark überladen. Ein einfacher EQ hätte hier nicht funktioniert, da das Klavier sonst an einigen Stellen zu dünn geklungen hätte.

Insgesamt wurden alle Klavierspuren später noch einmal zusammen auf einer Subgruppe und dann noch zusätzlich mit dem Gesang auf dem Master ganz leicht komprimiert. Bei allen Kompressoren in diesem Mix standen aber die Dry/Wet-Regler nie auf 100%, sodass die Kompression immer nur zu einem kleinen Anteil beigemischt war. Und um die Direktsignale noch etwas präsenter und direkter zu machen, habe ich zusätzlich mit dem UAD Pultec EQP-1A bei 5 kHz ca. 3 bis 4 dB breitbandig geboostet und die rauschenden Höhen mit dem »High Shelf Attenuator« etwas abgesenkt. Damit klang das Klavier auch deutlich schicker und nicht mehr ganz so angestaubt. Hier macht es in den meisten Fällen keinen Sinn, über 10 bis 12 kHz zu boosten, weil das Instrument sehr »drahtig« klingen würde und man meistens auch noch unerwünschten »Dreck« wie das Atmen des Pianisten oder andere Nebengeräusche verstärken würde. Generell liegt die Präsenz von Pianos, Keyboards und E-Gitarren eher in den oberen Mitten und nicht in den Höhen. Die wiederum kann man bei einem Sänger sehr gut
boosten, sodass sich das Piano mit dem Gesang ergänzt.

Nachdem nun die Direktsignale sehr gut klangen, wollte ich die Raummikrofone etwas beimischen, um dem Klavier eine gewisse Größe und Natürlichkeit zu verleihen. Leider konnten die Spuren das aufgrund der zu starken Räumlichkeit nicht ganz liefern. Also habe ich auf die UAD EMT-140-Plate zurückgegriffen − für die leiseren Passagen mit einer etwas intimeren Nachhallzeit von ca. 3 Sekunden und für die lauteren mit fast 5 Sekunden. Außerdem hatten beide Reverbs noch leicht unterschiedliche EQ Einstellungen.

Die Raummikrofone habe ich zwar dann doch noch benutzt, aber nur sehr leise, und sie wurden mit ähnlichen Einstellungen wie die Direktsignale leicht gefiltert und komprimiert. Außerdem wurden sie zusätzlich noch mit einem Multiband-Sättigungstool unterschiedlich im Bass, Mitten und Höhen gesättigt. So wurden vor allem die Mitten etwas herausgearbeitet, und das Klavier klang etwas direkter und spannender. Zusätzlich bekam der ganze Mix noch ca. 1,5 dB bei 10 kHz und 100 Hz spendiert, was den Gesang und das Klavier noch etwas besser zusammengeschweißt hat und beides mehr nach einer Aufnahme klingen ließ.

Das war eine relativ einfache Bearbeitung von einem Klavier. Eine ganz einfache Aufnahme ohne Schnickschnack, eine leichte Bearbeitung der Dynamik und ein paar obere Mitten können schon Wunder bewirken, sonst klingt der Mix nicht nur schön und spannend, sondern ganz schnell auch unnatürlich und überbearbeitet.

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