Chapeau!

Manikin Electronic Module 4 & 5 – Phono-Preamp und Kopfhörerverstärker im Test

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(Bild: René Marx)

Nein, seinen Plattenspieler wird man nach wie vor auch mit dem besten Willen nicht in die Alu- rahmen seines A-100-Racksystems nageln können. Einer klangvollen Verbindung zwischen blinkfreudiger Modulvielfalt und dem in der Blüte seiner Renaissance stehenden Magnetabtastverfahrens zur Wiedergabe einer in Rille gepressten Stereosumme steht aber seit Kurzem nun nichts mehr im Weg. Die Hardwaremanufaktur Manikin Electronic stellt mit den Modulen 4 und 5 einen RIAA-konform entzerrenden Phono-Preamp und einen perfekt dazu passenden Kopfhörerverstärker vor. Wenn es sich da mal nicht um ein Matched-Pair handelt …

Das machen die doch mit Absicht! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Die Integration eines Phono-Preamps in nächster Nachbarschaft zu einem passenden Kopfhörerverstärker im Eurorack ist an und für sich schon ein gelungener Schachzug. Betrachtet man zusätzlich die Art und Weise der Umsetzung, lässt das nächste Wow-Level nicht lange auf sich warten. Die weißen Frontpanels der Modulneulinge aus Berlin stechen zumindest schon einmal durch ihre akkurat ausgeführte Pulverbeschichtung deutlich aus dem Feld der meist scharfkantigen Miteinschraublinge hervor. Hinzu kommt eine fühlbar tadellose Verarbeitung fest verschraubter Potis, Schalter und Buchsen. Das Gesamtpaket fühlt sich sowohl bei Nummer 4 (Headphones) als auch bei Nummer 5 ausgesprochen wertig an, ganz so, wie man es auch von anderen Produkten aus der Ideen-Schmiede von Thorsten Feuerherdt und Markus Horn gewohnt ist. Chapeau!

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Installateurskünste sind nicht vonnöten, der Umgang mit Schraubendreher (Kreuz) und das Richtigherumstecken des mitgelieferten Flachbandkabels (−12V ist A-100-konform farbig markiert) reichen da vollkommen aus. Spannender wird es bei der Anpassung der Eingangsimpedanz bei Nummer 5, also der Anpassung an das verwendete Tonabnehmersystem des Plattendrehers. Mittels dafür vorgesehener Jumper auf der Rückseite des Moduls lässt sich neben den Bauarten MM (Moving Magnet) und MC (Moving Coil) also auch noch der Abschlusswiderstand einstellen. Wer in letzterem Fall den korrekten Wert nicht erraten oder ertesten möchte, findet die entsprechenden Daten in der Regel im Beipackzettel seines Systems oder, falls nicht zur Hand, auch meist unkompliziert über die Website des entsprechenden Herstellers. Im Auslieferungszustand ist der Preamp für gängige Moving-Coil-Systeme mit einer Impedanz von 47k (Kiloohm) vorkonfiguriert.

Pre-Patch: Eingangsimpedanz und Tonabnehmersystem lassen sich beim Modul 5 bequem auf der Rückseite auswählen. (Bild: René Marx)

Alles bewerkstelligt? Dann kann es mit dem Anschluss des Plattenspielers − ein Paar klassische Cinchkabel vorausgesetzt − ja direkt weitergehen. Wie auch bei anderen Hi-Fi-Phono-Preamps üblich verfügt auch das Modul 5 über einen obligatorischen Masseanschluss, der bei Vorhandensein eines entsprechenden Kabels zum Potentialausgleich zwischen Chassis und Vorverstärker auch tunlichst genutzt werden sollte, um hörgenussschmälernden Brummphänomenen im 50-Hz-Bereich effektiv entgegenzuwirken. Neben einem nicht weiter überraschenden Volume-Regler findet sich mit dem schaltbaren Subsonic-Filter noch ein nicht ganz so alltägliches Feature, welches, dem Prinzip eines Hi-Pass-Filters im Eingangskanal eines Mixers folgend, bei Bedarf Rumpeln und andere niederfrequente Störsignale unterhalb von 20 Hz durch Pegelabsenkung weitgehend ausblendet.

I want to break free! OK! Righty-right! Wir haben unseren Plattenspieler dank 12TE-Freiraum im Rack, durchschnittlicher Technik-Skills und positivster Mentalenergie mit unserem Modularsystem verbunden. Von hier aus lässt sich das so eingespeiste Analogsignal natürlich mit der Macht sämtlicher zur Verfügung stehenden Filter, Phaser und Ringmodulatoren bis zur Unkenntlichkeit verpatchen − oder aber man schaufelt dann doch noch einmal den gleichen Platz für den passenden Headphone-Amp mit der Startnummer 4 frei.

Hätt’s das doch früher auch schon so gegeben: Der Subsonic-Filter killt Brummen und Rumpeln unter 20 Hz. (Bild: René Marx)

Zusammen oder jeder für sich alleine? Der Dual Headphone Amp bietet, wie der Name schon vermuten lässt, ganze zwei unabhängig regelbare Kopfhörerausgänge, was angesichts von ebenfalls zwei vorhandenen Stereo-Eingangspaaren eine doppelt gute Idee zu sein scheint. Letztere erlauben nämlich sowohl den Dual-Betrieb mit zwei unterschiedlichen Signalen pro Kanal sowie den Link-Betrieb, bei welchem das an Kanal 1 anliegende Stereo- bzw. Mono-Signal auf den zweiten Ausgabe-Kanal gespiegelt wird.

Da hätten wir doch im Prinzip das ideale Pärchen-Setup: Während der eine gerade an seinem neuen Superbass schraubt, lauscht die Bessere Hälfte ungestört ihrem Lieblingsalbum. Wenn das nicht wahre Liebe ist und am Ende das Geld für den Paartherapeuten spart …

Talking Sound? Wie klingen die Module 4 und 5 denn nun? Um es kurz zu machen: Wie für einander geschaffen! Die beiden Vorverstärker müssen qualitative Vergleiche mit durchaus hochpreisigeren Alternativen aus dem Hi-Fi-Lager nicht im Geringsten scheuen. Darüber hinaus eröffnet die Integration ins Eurorack-Setup auch über den Albumgenuss hinaus einiges an kreativem Potenzial. Mit je 199 Euro Anschaffungspreis sind die beiden Module zwar keine Schnäppchen, aber in puncto Klang und Verarbeitung auf jeden Fall jeden einzelnen Cent wert. Von mir gibt’s dafür hier und jetzt ein Herzchen, einen Smiley und einen bildschirmfüllenden Daumen-Hoch!

Hersteller/Vertrieb: Manikin Electronic
Internet: www.manikinelectronic.com

Unsere Meinung:
+ Qualität
+ Umsetzung
+ Klang

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