Schicker Session-Trainer mit Ivory-Feel

Roland FP-4F – Portables Digitalpiano im Test


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Rolands FP-Pianos bewegen sich konzeptuell irgendwo zwischen Designer-Instrument und Stagepiano. Jüngster Spross der Serie im Jahr 2011 ist das Roland FP-4F. Wie viel vom großen Modell FP-7F steckt wohl noch im kleinen Bruder? Wir haben den Roland FP-4F getestet.

Das FP-4F wird in den Versionen „BK“ (schwarz) und „WH“ (weiß) angeboten. Ein passender Ständer namens KSC-44 ist jeweils erhältlich, ebenso das Dreierpedal RPU-3. Zu einer wertigen Tastatur und Flügelsounds mit Super-NATURAL-Piano-Technologie gesellen sich SMF- und WAV-Player-Funktionen via USB, der SESSION PARTNER als Markenzeichen der FP-Serie sowie typische Digitalpiano-Features wie METRONOM und RECORDER. Die Verarbeitung geht in Ordnung: Verkleidet ist das Piano mit lackierten Blechen und am Boden mit Holz. Die Seitenleisten aus Plastik und das externe Netzteil trüben den ansonsten soliden Eindruck jedoch etwas.

Piano-Qualitäten

Mit seiner „Ivory Feel-G“-Tastatur spielt sich das FP-4F wesentlich präziser und griffiger als sein Vorgänger FP-4. Die Repetition ist deutlich besser. Sogar eine Druckpunkt-Simulation wird geboten. Hinter der Super-NATURAL-Technologie steckt ein Mix aus Multisampling und Modeling. Das bedeutet: noch dynamischere A-Piano-Sounds als beim FP-4 und keine stufigen Übergänge mehr zwischen den einzeln gesampelten Dynamikstufen; außerdem ein natürlicher Ausklang des Tons anstatt statischer Loops. Jeweils zehnstufig einstellbar ist die Intensität von Saiten- und Dämpferresonanz-Effekten sowie Key-off-Samples.

Wem eingebaute Boxen wichtig sind, der wird von der Leistung der beiden 8 x 12 cm kleinen Lautsprecher angenehm überrascht sein. Ziemlich ausgewogen, präsent und fast rauschfrei setzen sie den Sound des Pianos in Szene; erstaunlich, was da aus nur 12 Watt herausgeholt wird. Dennoch: Das ganze Potenzial der Super-NATURAL-Klänge lässt sich nur mit einer externen Anlage ausschöpfen.

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Sounds, Effekte und Registrations

Die 128-stimmige Klangerzeugung bietet 80 höherwertige Sounds in den Gruppen PIANO, E. PIANO, ORGAN und OTHERS. Hinzu kommen 256 GM2-Sounds plus 9 Drumsets. Neben den auf drei „Grand Piano“-Presets basierenden Super-NATURAL-Flügel-Varianten gehören Fender Rhodes, Wurlitzer, FM- und SA-Piano-Klänge zu den Highlights. HammondB3s, Theater- und Kirchenorgeln werden ebenso abgedeckt wie Clavinet, Mallets und Cembalo. Warme orchestrale Strings und synthetische Pads, aber auch die wichtigsten Bass- und Gitarrentypen sind in guter Qualität vorhanden. Einige ausgewählte Choir-Sounds und Solo- Bläser runden die Auswahl ab.

Die Effekte-Abteilung ist mit ROTARY, ein paar REVERB- und wenigen unveränderbaren Modulations-Effekttypen nur spärlich besetzt. Umfangreich programmieren lässt sich einzig der parametrische 4-BAND-EQUALIZER, der aufs Summensignal wirkt. Splits oder Layer – beides gleichzeitig ist leider nicht möglich – werden inklusive Effekt-, MIDI- und Fußpedal-Einstellungen in 20 REGISTRATIONS gesichert. Pakete à 20 Speicherplätze lassen sich als REGISTRATION SETS im internen Flash-Speicherbereich (max. 25 Sets) oder auf einem USB-Stick (max. 99 Sets) ablegen und so schnell nachladen.

Jam-Trainer

Der eingebaute SESSION PARTNER ist eine kleine Begleitautomatik mit drei Spuren für Drums, Bass und einem Harmonie-Track. 80 RHYTHMS, jeweils mit INTRO, FILL und ENDING sowie in 2 VARIATIONS, trainieren den Spieler in Verbindung mit 61 CHORD PROGRESSION PATTERNS: So laufen häufig verwendete Akkordfolgen aus Pop und Rock, Jazz und Latin sowie Funk und Fusion zum Üben ab. Man kann natürlich auch zu einer selbst programmierten Akkord folge jammen. Darüber hinaus lassen sich die Rhythms auch ohne Patterns, ähnlich wie die Styles eines Portable Keyboards, verwenden. Sein eigenes Spiel – mit oder ohne Session Partner – kann der Pianist mit dem eingebauten RECORDER aufzeichnen und als SONG (SMF oder Roland-i-Format, max. 30.000 Noten) intern oder auf einem USB-Stick sichern.

MIDI-Files und Audio-Songs im WAV-Format spielt das FP-4F direkt vom USB-Stick ab. Geboten werden dazu die Funktionen CENTER CANCEL (Dämpfung bzw. Muten des Melodieparts), außerdem TRANSPOSE und TEMPO CHANGE (sowohl für MIDI- wie Audio-Songs). Das Piano bietet außerdem 74 INTERNAL SONGS an, hauptsächlich klassische Klavierstücke.

Die Parts für rechte und linke Hand sowie eine dritte Begleitspur liegen getrennt vor, sodass der Spieler Parts abschalten und selbst übernehmen kann. Solche und andere Eingriffe funktionieren aber nur über das ziemlich unübersichtliche FUNCTION-Menü – auch wegen des zu kleinen Displays leidet an dieser Stelle der Bedienkomfort.

FP-4F versus FP-7F

Obwohl aufgrund seiner Kompaktheit durchaus als eigenständiges Instrument anzusehen, ist das FP-4F recht eindeutig ein abgespecktes FP-7F. Statt Rolands derzeitigen Top-Tasten PHAIII hat das FP-4F die kompakte Version des „Ivory Feel S“, nämlich das „Ivory Feel G-Keyboard“ zu bieten. Beide Tastaturen basieren auf der PHAIII und bieten ebensoviele Sensoren. Die Tastatur hält zwar in puncto Repetition nicht ganz mit, spielt sich jedoch deutlich besser als die bewährte PHA-II-Klaviatur, die jahrelang in Rolands Homepiano-Linie verbaut worden ist. Gegenüber dem Vorgänger FP-4 ist das Display ein deutlicher Fortschritt. Im Vergleich zum FP-7F unterscheidet sich die Bedienoberfläche des FP-4F-Modells jedoch zum einen durch das deutlich kleiner geratene LCD, zum anderen durch einige eingesparte Bank- und Funktionstaster vom 7er.

Die Anschlussmöglichkeiten sind fast so vielseitig wie am Großen. Es gibt am FP-4F lediglich Cinch- statt Klinke-Eingänge, und die beiden Kopfhörerbuchsen sowie der USB-to-Device-Slot liegen hinten statt vorn. Gestrichen wurden allerdings der Mikro-Eingang und der MIX-In für MP3-Player. Das interne Soundsystem liefert bei beiden Modellen die gleiche Leistung, leider hat man am FP-4F aber den Speaker-On/Off-Schalter vergessen – sollen die internen Boxen verstummen, wenn das Pianosignal extern ausgegeben wird, hilft nur eine Klinke im Kopfhörerausgang. Soundmäßig entspricht das FP-4F dem großen Bruder. Lediglich auf dessen sechs Tone-Wheel-Organ-Sounds à la Roland VK-8 wurde verzichtet.

Weitere Abstriche muss man beim Piano Designer hinnehmen: Dessen komplexe Bearbeitungsmöglichkeiten für die Flügelklänge fallen im FP-4F begrenzter aus. Kaum ins Gewicht fällt die Reduktion von 30 auf 20 REGISTRATIONS, da ja jederzeit komplette SETS nachgeladen werden können. Funktional wird auf den Looper und das Audio-Key-Feature des FP-7F verzichtet: Weder kann der FP-4F-User selbst eingespielte Audio-Phrasen loopen und dazu improvisieren, noch diese und andere WAV-Dateien über die Tasten der untersten Oktave wiedergeben. Auch einen kleinen Harmonizer hat das größere FP dem Kleinen voraus.

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Fazit

Ebenso wie das FP-7F empfiehlt sich das FP-4F besonders Entertainern und Pianisten in kleinen Ensembles. Seinen Vorgänger FP-4 übertrifft es vor allem mit seiner Tastatur und den neuen Flügelklängen deutlich. Und während der Session Partner mit neuen Arrangements einen zeitgemäßeren Eindruck hinterlässt, sind auch USB-Song-Player-Funktionen hinzugekommen. Wer auf Looper, Audio Keys und Harmonizer verzichten kann, ist aktuell mit etwa 400 Euro (Straßenpreis) weniger dabei, wenn er sich für das FP-4F anstatt für das FP-7F entscheidet. Weil das 4er noch einmal deutlich kompakter und 7,4 Kilo leichter ist als der große Bruder, kann es unter dem Gesichtspunkt der Mobilität sogar die bessere Lösung darstellen.

Plus/minus

+ hervorragende A-Piano-Sounds
+ große Soundauswahl
+ wertige Tastatur
+ flexibler Session Partner
+ Audio-MIDI-Player via USB
+ eingebaute Lautsprecher

– Split und Dual nicht gleichzeitig nutzbar
– externes Netzteil

 

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