Wann macht Musikunterricht Sinn, wann sind Online-Kurse ratsam?

Musiklehrer suchen oder doch Selbststudium?

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Musikunterricht nehmen ist nicht unbedingt ganz billig. Selbst wenn man sich einen günstigen Studenten als Lehrer sucht, findet man kaum jemanden der weniger als 15 Euro pro Unterrichtstunde nimmt. Und da gehört Klavier- oder Keyboardunterricht noch zu den günstigeren Instrumenten. Keine Frage: es gibt sogar Unterricht für 30, 40 Euro pro Stunde oder gar mehr – dafür bekommt man ausgebildete und qualifizierte Musikpädagogen die auch wesentlich mehr als nur Notenlesen und Tastendrücken vermitteln können. Am niedrigen Ende der Spanne gibt es aber auch – dem medialen Zeitalter sei‘s gedankt – Unterricht sogar ganz zum Null-Tarif!! Auf YouTube, und z.B. auch bei uns, gibt es tonnenweise Material dazu. Ob in Video- oder Bild und Text-Form, ob mit oder ohne Noten, ob Jazz, Pop, Funk, Rock oder Latin – das Angebot ist riesig. Welche Gründe gibt es also viel Geld für den Unterricht auszugeben? Dieser Frage wollen wir hier auf den Grund gehen.

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Wenn man sich in der Musikerwelt etwas umschaut, trifft man immer wieder auf Autodidakten – Leute die sich ihr Instrument selbst beigebracht haben. Und nicht selten gehören Sie zu den innovativen Musiker der Szene. Ein Grund dafür ist schnell gefunden: „Sie haben eben nicht einfach einen Stil kopiert, sondern ihren eigenen entwickelt.“ Eine Aussage die nicht unbedingt falsch ist, aber auch nicht der Kern der Wahrheit ist. Denn was hier leicht vergessen wird: Wesentlich für den musikalischen Erfolg und Misserfolg ist vor allem das Eigenengagement und Durchhaltevermögen – egal ob mit oder ohne Lehrer. Vielen hilft dabei ein Lehrer als wöchentlicher (oder zweiwöchentlicher) Kontrolleur, um den “inneren Schweinehund” zu überwinden, der ja mal mehr, mal weniger in jedem von uns steckt. Andere kommen mit Lehrern (oder zumindest mit einigen Lehrern) nicht klar und machen lieber ihr eigenes Ding.

Kurz gesagt: Ob dir ein Lehrer hilfreich ist, ist Typ-Sache. Und hier gilt es in erster Linie ehrlich zu sich selbst zu sein. Denn Erfahrungen zeigen, dass, wenn es darum geht 80 Euro im Monat (oder 1000 Euro im Jahr) zu sparen, sich viele Leute mehr zutrauen als sie eigentlich sollten – anfängliche Euphorie ist außerdem ein nicht zu unterschätzender Faktor. Das erste Mal dann vor den Tasten gesessen, stellt sich schnell die Frage: „Und, äh, nun?!? Welche von den vielen soll ich nun drücken?“. Die Euphorie stürzt in den Keller und der Traum ist womöglich schnell vorbei.

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Ein guter Lehrer kann hingegen auf deine geschmacklichen Präferenzen individuell eingehen, dich dort “abholen wo du bist” und macht dich auf deine Stärken und Schwächen gezielt aufmerksam. Dabei liegt die Betonung auf guten Lehrer. Es kann durchaus empfehlenswert sein, sich zwei, drei, vier Lehrer anzuschauen bevor man sich für einen entscheidet, oder sich nach einiger Zeit weiter umzusehen, wenn man irgendwie unglücklich mit ihm/ihr ist. Dabei darf man ruhig erstmal auf sein Bauchgefühl achten. Ist man sich sympathisch, ist das der Grundstein für einen erfolgreichen Musikunterricht.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass ein Lehrer technische Fehler frühzeitig erkennt und korrigieren kann bevor sie sich verfestigen. Diese im Eigenstudium überhaupt nur zu entdecken ist beinahe unmöglich, sie zu korrigieren sehr schwierig.

Andererseits haben natürlich auch Online-Tutorials und YouTube Videos ihre Daseinsberechtigung und es gibt tatsächlich Menschen die eine gute Selbstdisziplin haben und genau dann üben wann es ihnen gefällt ohne einen fixen wöchentlichen “Kontroll-Termin” wahrnehmen zu müssen. Vielleicht bist du auch ein besonders auditiver Typ, dem es leichter fällt nach Gehör zu spielen und Noten (mit denen viele, aber nicht alle Lehrer arbeiten) eher verwirrend findest. Aber das ist ein relativ kleiner Teil aller Menschen – sei also äußerst selbstkritisch.

Hier findest du die drei Online-Kurse Skoove, Flowkey und Music2me im Vergleich. 

Solltest du dich dazu entscheiden, ist es hilfreich dich vorher darüber zu informieren welche Workshops für dich gut sein könnten und deinem Stil entsprechen – vielleicht kann dir hier ein Freund gute Tipps geben? In jedem Fall ist es ratsam besonders beim Selbststudium seine Fortschritte gelegentlich von einem erfahrenen Pianisten oder Keyboarder überprüfen und sich gegebenenfalls korrigieren zu lassen. Auch den ein oder anderen kleinen Tipp kann man sich hier abholen, die in aller Regel gerne herausgerückt werden.

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Die 3. Alternative

Eine dritte Möglichkeit ist der Musikunterricht auf Zeit. Nach ein, zwei oder drei Jahren sind die wichtigsten Grundlagen gefestigt. Fühlt man sich soweit fit am Klavier oder Keyboard, kann eine Pause vom Unterricht sogar frischen Wind in das Musikerleben wehen, da man sich im Selbststudium doch nochmal anders orientiert – nämlich an seinen Lieblingssongs. Bei Bedarf kannst du dann jeder Zeit bei deinem bisherigen, oder auch einem anderen Lehrer oder einem Keyboard-/ Klavierkurs, wieder einsteigen.

Sehr empfehlenswert ist es auch, möglichst bald in einer Band, einem Duo oder Orchester zu spielen. Das schult nicht nur das musikalische Hören auf deine Musikerkollegen sondern zwingt dich auch zum Improvisieren – selbst wenn ihr nicht im eigentlichen Sinne improvisiert. Denn beim gemeinsamen Musizieren läuft nicht immer alles 100% glatt und man muss auf die Fehler der anderen (und der eigenen!!!) reagieren können, und das möglichst ohne dass ein Bruch entsteht.

Woran erkenne ich einen guten Lehrer, bzw. den richtigen Lehrer für mich?

Was für dich ein guter (oder besser gesagt: ein passender) Lehrer ist, ist natürlich pauschal und aus der Ferne kaum zu beantworten. Natürlich sollten gewisse musikalische und auch soziale Fähigkeiten nicht fehlen – das dürfte soweit klar sein. Entscheidend ist aber auch, ob du eher der Noten-Musiker oder Gehör-Musiker bist. Einigen fällt das Spielen nach Noten einfacher, andere spielen lieber nach Gehör. Ein guter Musiklehrer sollte deine Präferenz (die du vielleicht selbst noch gar nicht kennst) erkennen und dann auch darauf eingehen können.

Im Idealfall kann ein Lehrer beides unterrichten oder besser gesagt: beides miteinander kombinieren, denn die wenigsten sind nur das eine oder nur das andere. Den meisten fällt es dabei am leichtesten, wenn der Fokus erstmal auf der Musik selbst liegen und die Theorie „nur“ als ergänzende Erklärhilfe der Praxis dient.

Ein guter Lehrer erkennt außerdem deine persönlichen musikalischen und stilistischen Präferenzen und leiert dabei nicht einfach sein Klavierrepertoire mit “Für Elise” und “River Flows In You” herunter. Er fordert dich in deiner Kreativität und schult dein Gespür für musikalischen Ausdruck.

Fazit

Sei dir bewusst, dass Keyboard- oder Klavier- spielen nicht unbedingt umsonst ist (andererseits gibt es aber auch wesentlich teurere Hobbys). Falls du es mit dem Selbststudium probieren willst, sei bereit dir einzugestehen, dass ein Lehrer vielleicht sinnvoll ist – besonders wenn du noch am Anfang stehst. Außerdem solltest du dir bei Freunden oder Bekannten gelegentlich Tipps geben und Fehler korrigieren lassen aber verwechsel das aber nicht mit einer gratis Klavierstunde! Befreie dich außerdem von dem Gedanken (falls du so denkst), dass dich Lehrer dich in deiner Kreativität einengen – bei einem guten Lehrer ist das Gegenteil der Fall.

In jeden Fall solltest du dir die Möglichkeit mit Musikunterricht auf Zeit genauer durch den Kopf gehen lassen.

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