Gregor Schwellenbach im Interview

(Bild: Jan Höhe)

»Der Schwellenbach ist doch klassischer Pianist«, dachte ich vor meinem Interview mit dem Kölner Künstler. Damit galt er für mich immer als Exot unter den Artists des Elektro-Labels Kompakt. Dabei enthält sein Portfolio neben klassischer Piano- und experimenteller akustischer Musik sowie ausarrangierten Orchestrierungen auch Minimal und House. Sein »Elektro-Hit« Cassiopeia von 2015 zählt auf Spotify bereits über 1,2 Millionen Klicks. Im Dialog spreche ich mit Gregor über seine Musik, seinen Facettenreichtum, den Kontrabass, Kölsche Musik und Vanilleeis.

Gregor Schwellenbach ist gebürtig aus Sankt Augustin, lebt in Köln und fühlt sich dort auch »ze Hus«. Das beweist er bei einem Auftritt im WDR, als er live ein Medley aus »En unsrem Veedel« und »Yesterday« zum Besten gibt − natürlich mit einem kleinen Augenzwinkern.

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Gregor, zu deiner Arbeit zählen Theater-, Fernseh- und Hörspielproduktionen. Daneben produzierst du klassische, experimentelle und elektronische Musik, und du bist dir nicht zu schade, um als Entertainer Kölsche Songs live zu spielen. Gibt es eigentlich etwas, das du nicht machst?

(lacht) Die Kölschen Songs gehören eigentlich nicht zu meinem Portfolio, aber wenn ich denke, dass es das ist, was das Publikum in dem Moment gerade braucht, kann ich auch das.

Ich versuche, nichts zu machen, was ich nicht tatsächlich aus einer künstlerischen Motivation machen will. Ich habe das Glück, dass ich die Sachen, die andere vielleicht notgedrungen machen, gerne mache. Ich genieße seit einiger Zeit das Privileg, keine Projekte nur wegen des Geldes zu machen oder weil ich mich dazu gezwungen fühle. Ich mache tatsächlich nur die Sachen, bei denen ich auch das Bedürfnis habe, sie zu tun. Es ist ein großes Glück, dass ich mir das leisten kann.


Erlebe Gregor Schwellenbach live bei den Kölner Kunstkonzerten. Am 24.11.2018 in der Galerie Martina Kaiser und Art of Buna im Belgischen Viertel von Köln. Alle Infos findest du hier:


Wie kommt es, dass ein Pianist bei einem Elektro-Label unter Vertrag steht?

Ich spiele zwar Klavier, aber eigentlich sehe ich mich nicht als Pianist. Ich bin auch kein besonders virtuoser Pianist. Mein Klavierspiel kommt aus dem Bedürfnis, Musik zu machen. Ich spiele Klavier auch eher wie ein Komponist oder ein Arrangeur, der eine gewisse Melodie im Kopf hat und sie umsetzen möchte. Was für einen Maler die Bleistiftskizze ist, ist für mich das Klavier. Ich erstelle am Klavier eine Skizzierung der Musik, die ich im Kopfe habe, und kann sie dort ausproduzieren und aufnehmen lassen.

Ich fühle mich bei Kompakt in einem Elektro-Techno-Umfeld viel besser aufgehoben als bei einem Label, das auf akustische Musik spezialisiert ist. Wenn mich jemand fragt, welche Musik ich mache, sag ich auch genau das: ›Ich bin zwar klassisch ausgebildet, aber bei einem Elektro-Label unter Vertrag!‹ Dann bekommt man schon eine gewisse Ahnung davon, was ich mache und wie mein Set funktioniert.

Ich mag die Kompakt-Clique, die wegen ihrer Verspieltheit, ihrer Autonomie und wahrscheinlich auch wegen des lokalen Bezugs total prägend für meinen Musikgeschmack war. Ich finde, das passt einfach zu mir, und ich mag es gerne, meine Musik, die mit einer klassischen Tradition zusammenhängt, mit der Techno-Szene zu verbinden.

Den komplette Artikel findest du in der Keyboards-Ausgabe 5+6 2018. Hier versandkostenfrei bestellen. 

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