Mixing-Tutorial: Finalisierung eines Mixes

Wie du die letzten 5% aus deinem Mix rausholst

(Bild: Dirk Heilmann)

Man sagt bekanntlich: Ein Mix ist dann fertig, wenn es nichts mehr zu reparieren gibt oder nichts mehr stört. Was aber, wenn ein Mix, der eigentlich ok ist, mit ein paar einfachen Handgriffen und etwas Liebe zum Detail noch deutlich besser und spannender werden könnte?

In dieser Folge möchten wir uns mal mit dem finalen Schliff und den letzten 5 %, die einen Mix entscheidend verbessern können, beschäftigen. Für unser Beispiel haben wir einen schönen Indie-Rock-Song ausgesucht. Hier gibt es die üblichen Elemente wie Schlagzeug, Bass, E-Gitarren, Keyboards und Gesang. Alles ist bearbeitet, hat Effekte drauf und funktioniert sehr gut im Zusammenhang. Es gibt keine Baustellen, und es ist nichts mehr zu flicken. Genau der richtige Moment, um den Mix zu »bouncen« und der Band zu schicken.

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Aber irgendwie hat man das Gefühl, dass der Mix linear klingt. Oder dass die Band etwas spritziger performt haben könnte. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Denn mit wenig Aufwand lässt sich dieser Mix noch ordentlich nach vorne bringen.

Als Erstes mache ich an dieser Stelle jede Menge Automation. Und ich meine nicht einfach nur die Lautstärkeautomation der Instrumente, sondern vor allem alles andere drum herum. Ich versuche, dem Song einen spanenden Verlauf und »Excitement« zu geben. Z. B. habe ich für meine Drums immer einen parallelen Bus mit extremer Kompression. Dieser klingt relativ aggressiv und kann nach Geschmack zugemischt werden, um dem Schlagzeug den richtigen »Drive« zu geben. In den Strophen ist dieser Bus sehr leise, damit das Schlagzeug nicht unnatürlich und verzerrt klingt. Für den Refrain automatisiere ich ihn aber so, dass er lauter wird und die Drums richtig »punchig« klingen zu lässt. Dadurch setzten sie sich auch deutlich besser gegen die verzerrten Gitarren durch.

Gerne automatisiere ich auch einen langen Hall für den Gesang. Bei gehaltenen Tönen fahre ich ihn langsam in den Mix rein, sodass die Vocals anfangen zu fliegen – fast wie ein Pad. Dadurch bekommen sie ein sehr schönes Sustain und eine ganz andere emotionale Wirkung. Sie bewegen sich in dem Moment und werden viel spannender, dynamischer – so, als ob der Sänger etwas »besser« performen würde.

Eine andere Möglichkeit, die Dynamik zu optimieren, ist, ein Sättigungs-Plug-in oder einen Stereoverbreiterer bzw. M/S-EQ auf dem Master-Bus zu automatisieren. Dafür braucht es nicht viel, nur einen Hauch mehr Sättigung oder Stereobreite für den Refrain. So bekommt er mehr Druck oder klingt einfach nur deutlich größer. Alternativ könnte man den Mix in den Strophen natürlich auch enger und dunkler automatisieren. Der Zuhörer bekommt nun den Eindruck, als ob die Band in den Strophen entspannter spielt und im Refrain deutlich mehr Gas gibt.

Der Fabfilter Pro Q3 lag auf dem Playback-Bus, um Platz für den Gesang zu machen. Die Valhalla- Plate wurde auf dem Gesang automatisiert, und der UAD SSL Gbus Compressor wurde auf dem Master automatisiert.

Manchmal automatisiere ich auch den Threshold vom Master-Bus-Kompressor, um den Song atmen und aufgehen zu lassen. Üblicherweise spielen im Refrain viel mehr Instrumente als in der Strophe. Damit bekommt der Kompressor auch mehr Pegel und komprimiert stärker. So passiert natürlich genau das Gegenteil von dem, was man im Mix eigentlich erreichen möchte, nämlich dass der Song im Refrain deutlich größer klingt als in der Strophe. Wenn man den Threshold jetzt aber automatisiert, dann kann man dem relativ einfach entgegenwirken. In unserem Beispiel habe ich dafür den UAD SSL G Bus Compressor auf der Summe automatisiert. So geht der Refrain besser auf und klingt offener. Im Grunde kann man fast alles automatisieren und dadurch seinen Mix lebendiger und spannender klingen lassen.

Eine weitere Sache, die man sehr gut zum Schluss überprüfen und nachbessern kann, ist, ob der Gesang richtig im Song sitzt. Sehr oft »wummert« der Mix, wenn viel Bass und untere Mitten zusammenkommen, und dadurch wirkt der Gesang schnell unklar und unverständlich. Man will dann am liebsten nicht mehr an die Einzelspuren gehen, da es insgesamt ja eigentlich super klingt. Aber man könnte mit einem EQ auf dem Playback den Frequenzbereich von 170 – 300 Hz aufräumen. Das gleiche auch bei 6 – 8 kHz, wenn das Playback zu spitz wird und den Gesang angreift. Dafür benutze ich sehr gerne den FabFilter Pro Q3, denn hier kann der Analyzer mehrere Signale addieren und damit auch die Überlagerungen ganz genau anzeigen. Außerdem kann er im M/S-Modus arbeiten und so das Playback auch nur auf dem Mitten-Signal filtern, denn im Grunde sind die Vocals stets in der Mitte, und die Bearbeitung fällt so auch deutlich weniger auf.

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