Alleskönner unter dem Radar

Vintage Park: Moog Opus 3

Auch wenn viele Musiker sein Potenztial erkannten, stand er immer im Schatten von Flaggschiffen wie Polymoog und Memorymoog: Der kleine, aber feine Moog Opus 3 ist ein polyfoner Universalist, der mit zwei Filtern bestückt ist und von Acts wie Stereolab sehr geschätzt wurde.

Anzeige

1980 brachte Moog einen Synthesizer auf den Markt, der in mehreren Disziplinen punkten sollte. Er wurde vielversprechend auf den Namen Opus 3 getauft und war dazu ausersehen, String-, Orgel- und Bläser-Sounds zu liefern, ohne den leidgeprüften Rücken des schwer schleppenden Keyboarders zu sehr zu belasten, wie etwa beim schwergewichtigen Vorgänger Polymoog (die erste, 5.300 Dollar teure Version kam 1975 heraus, die etwas kostengünstigere Polymoog-Keyboard-Variante 1978).

Die Brieftasche des Tastenspielers wurde beim Kauf des Opus 3 nur um ca. 1.600 Dollar erleichtert. Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre waren Multikeyboards ziemlich populär. Mitbewerber und Konkurrenten waren neben US-Firmen wie ARP mit ihrem erfolgreichen Omni auch Instrumente wie z. B. der Korg Delta, der Roland RS-09 oder der Crumar Multiman. Der geistige Vater des Opus 3 ist Herb Deutsch; Bob Moog lernte den Komponisten Herb Deutsch auf einer kleinen Musikmesse in New York in den 60ern kennen. Deutsch besuchte Moog oft in seiner kleinen Werkstatt in Trumansburg und war beeindruckt von Moogs Experimenten mit zwei spannungsgesteuerten Oszillatoren, die sich gegenseitig modulierten und ziemlich kranke Sounds generierten. Irgendwann im Sommer 1964 bemerkte der Komponist zum Tüftler: »Es wäre toll, wenn man den Sound mit einem Tastendruck kontrollieren könnte.« Moog meinte trocken: »Geht klar, geh in den Drugstore und besorg mir einen Klingelknopf.« Herb Deutsch lief los, investierte 35 Cents und kehrte zur Werkstatt zurück. Moog brachte zwei Schalter (für Envelope und Trigger) an dem Klingelknopf an, und der moderne Synthesizer war mehr oder weniger geboren.

Die Rückseite des Opus 3 bietet lediglich einen Stereo- und einen Monoausgang sowie einen Fußschalteranschluss für die Sustain-Funktion.
Das Pitch-Rad im typischen Moog-Design befindet sich in der linken der drei Sektionen des Opus 3 – ein Modulationsrad sucht man allerdings vergeblich.
Die mittlere Sektion des Opus 3; oben die Bedienfelder für Strings, Organ und Brass
Die rechte Sektion beinhaltet die Master-Funktionen.

Synthesizer waren in den 50er- und frühen 60er-Jahren Lochkarten-betriebene Monstersysteme, die nicht in Echtzeit gespielt werden konnten. Bob Moog kombinierte 1964 einen spannungesteuerten Oszillator mit einem ebenfalls spannungsgesteuerten Verstärker sowie einer Tastatur und machte den Synthesizer intuitiv und in Echtzeit spielbar. Herb Deutsch war von 1979 bis 1983 Direktor für Marketing und Verkauf bei Moog und konzipierte u. a. auch den Opus 3.

Die Klangerzeugung des Opus 3 basiert wie die des Vorgängers Polymoog auf einer Klangerzeugung mit einer Frequenzteilerschaltung und ist somit vollpolyfon. Anders als beim Polymoog, der mit zwei Oszillatoren pro Stimme arbeitet, kommt beim Opus 3 nur ein Oszillator zum Einsatz, dessen Rechteckwellenform durch diverse Schaltungen je nach Einsatzzweck auch zum Sägezahn umgeformt wird. An Bord ist außerdem ein LFO mit Delay-Funktion, der wahlweise das Filter oder die Tonhöhe des Oszillators modulieren kann.

Herb Deutsch entwickelte den Opus 3.

Der Synth bietet drei Sektionen für Strings-, Orgel- und Brass-Sounds mit je eigenen Bedienelementen. Die String-Abteilung ist mit einem 4-Pol-Multimode Filter (mit ADS-Hüllkurve) ausgestattet, das als Low-, Band- oder Hi-Pass-Filter betrieben werden kann. Die Strings lassen sich alternativ in zwei Oktavlagen aktivieren, die im Kombi-Modus auch beide zusammen erklingen können.

Als Effekt steht hier ein rauschender, aber charmant klingender Chorus mit dreistufiger Eimerkettenschaltung zur Verfügung, den man auf jeden Fall einschalten sollte, wenn man die ansonsten etwas dünnen Streichersounds andicken will. Die klangstärkste Sektion des Opus 3 ist definitiv die Brass-Sektion, die mit einem fetten Lowpass-Resonanzfilter mit einer Filterhüllkurve aufwarten kann. Es kann bis in die Eigenschwingung gefahren werden und greift kraftvoll ins Klanggeschehen ein. Die Bläser-Sektion verfügt über drei Fußlagen, und man kann zwischen einem Preset und einem frei programmierbaren Sound umschalten. In der Orgel-Abteilung gibt es fünf Fader für die verschiedenen Fußlagen, die man bei Bedarf wie Drawbars nutzen kann. Das Orgelsignal kann anteilig auch in den Signalpfad der Brass- und auch der String-Sektion geführt werden; so lässt sich der doch recht einfache Orgelsound mit Lowpass-Filter und Chorus wirkungsvoll aufpeppen. In der Mastersektion kann man die drei Soundquellen mischen, im Stereopanorama verteilen und mit einer zweistufigen VCA-Hüllkurve bearbeiten.

Der Polymoog (Modell 230a) kam 1975 zum stolzen Preis von 5.295 Dollar (damals ca. 12.000 Mark) auf den Markt; er galt mit Features wie Vollpolyfonie, Anschlagsdynamik, Bi-Timbralität und einem Tastaturumfang von 71 Tasten Mitte der 70er-Jahre als konkurrenzloses Traumgerät. Bis 1981 wurden ca. 3.000 Polymoog gebaut.

Sound

Viele Musiker (und vor allem Minimoog-Puristen) konnten sich Anfang der 80er nicht wirklich mit dem Sound des Opus 3 anfreunden, und das Instrument wurde kein großer Verkaufsschlager. Erst der 1982 auf den Markt erschienene Memorymoog befriedigte das Bedürfnis nach einem »polyfonen Minimoog«, den sich viele wünschten.

Jahre später aber wurden die Qualitäten des Opus 3 von Bands wie Stereolab entdeckt. Diese liegen nämlich nicht in der Disziplin der fetten Bässe, sondern eher bei den leicht psychedelisch verspulten Pad-Sounds mit schöner Klangformung durch das Moog-Filter. Auch bei hohen Resonanzeinstellungen gibt es keine Lautstärkeverluste. Man darf allerdings nicht vergessen, dass die Klangerzeugung parafon arbeitet und die Hüllkurven inkl. der Filterhüllkurve nicht bei jedem Tastenanschlag neu gestartet werden. Während jede einzelne Sektion für sich nicht so eindrucksvoll wirkt, ergeben sich vor allem durch die Kombination der Strings mit den Brass- und Orgel-Klängen lebendige und eigenwillige polyfone Keyboard-Sounds, die so mit keinem anderen Synth reproduzierbar sind.

Optisch erinnert das Holzgehäuse des Opus 3 an den Moog Prodigy.
Ein weiterer Mitbewerber des Opus 3: der Korg Delta, der u .a. auf Human Leagues Don’t You Want Me Baby zu hören ist.
Zu den erfolgreicheren Konkurrenten des Moog Opus 3 gehört der ARP Omni, dessen erste Version schon 1975 herauskam.

User

Neben Stereolab, bei denen der Opus 3 anfangs eine Art klangliches Markenzeichen war, haben auch andere Bands die Qualitäten des Opus 3 entdeckt. Darunter sind Leute wie Kraftwerk, Zonetech, 808 State, Ministry (Same Old Madness), The Rentals, Electronic Dream Planet, Lobster Jesus, The Moog Cookbook, The Get Up Kids, Plasmatics (Metal Priestess) und Jon Lord (u .a. beim Whitesnake-Song Here I Go Again).

Der Moog Opus 3 wurde uns freundlicherweise von Ingo Rippstein (www.synthmaster.de) zur Verfügung gestellt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren