Die Mutter aller Stringmachines

Vintage Park: Freeman String Symphonizer

Weil der britische Keyboarder Ken Freeman kein Geld für ein Mellotron hatte, baute er sich den ersten echten String-Synthesizer überhaupt selbst. Der Freeman String Symphonizer wurde u. a. von Leuten wie Jan Hammer, Neil Diamond und Elton John genutzt und gilt als das beste Instrument seiner Gattung.

Anzeige

Ken Freeman spielte in den 60er-Jahren Keyboards in einer Band namens Second City Sound, die schon erfolgreich in der berühmten britischen Talentshow Opportunity Knocks aufgetreten war und in der Folge viele Gigs in England spielte. Freeman liebte leicht verspulte String-Sounds, wie sie auf diversen psychedelisch angehauchten Songs dieser Ära etwa von den Beatles, Pink Floyd oder The Move zu hören waren. Es gab aber keine Möglichkeit für ihn, diese überzeugend zu reproduzieren, und ein Mellotron lag damals jenseits seiner finanziellen Möglichkeiten. Nachdem er die Band verlassen hatte, beschäftigte er sich weiter mit diesem Problem und begann, mit einem Röhrensynth, der Clavioline, zu experimentieren.

Die Clavioline, mit der Freeman experimentiert hatte, ist ein Vorgänger des analogen Synthesizers und arbeitet mit einer Röhrenklangerzeugung. Sie wurde 1947 von Constant Martin in Versailles erfunden. Es gibt unterschiedliche Varianten, die von Herstellern wie Selmer, Jennings oder Jörgensen herausgebracht wurden.

Ken Freeman mit einem Prototyp seines String Symphonizers

Ken Freeman in seinem Studio im Jahr 1979: U. a. sieht man einen Korg Rhythm 55, einen Commodore Pet Computer (für den er ein Computer/Synthesizer-D/A-Interface baute), ein Synclavier II, den String Symphonizer und eine Fostex B16-Bandmaschine.

Die erste Version des von Charles Watkins 1958 gebauten Copicat-Bandechos war in den 60er- und 70er-Jahren vor allem in England sehr verbreitet.

 

Klangforschung

Die Clavioline war in den 50er- und 60er-Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, synthetische Sounds zu erzeugen; sie ist z. B. auf dem Hit Telstar (Tornados 1961), auf Runaway (Del Shannon), Baby You’re A Rich Man (Beatles 1967) oder diversen Alben von Sun Ra (etwa Magic City von 1966 oder Atlantis von 1967) zu hören. Freeman experimentierte mit dem Röhrensynthesizer und schickte das Ausgangssignal der Clavioline, die er mit dem Kniehebel heftig modulierte, durch ein WEM Copicat – ein Bandecho-Gerät, das vor allem in England sehr populär war. Das Ergebnis des Experiments – ein modulierender, Chorus-artiger und leicht an ein Stringensemble erinnernder Klang – gefiel ihm und überzeugte vor allem bei Arpeggio-artiger Spielweise, die er einsetzte, um dem monofonen Röhrensynth Akkorde zu entlocken.

 

Den kompletten Artikel findest du in Sound&Recording 04/2021

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren