Tutorial

Sounddesign: Plakative Pluck-Sounds in der DAW bauen

Der klassische Pluck-Sound ist einer der Grundbausteine von EDM-Produktionen. Wem der Begriff nichts sagen sollte, den verweise ich auf diverse Deadmau5-Produktionen wie beispielsweise The Veldt – der Track beginnt direkt mit einem Pluck. Wie ein solcher Sound gestaltet wird und welche Stellrädchen es gibt, an denen wir drehen können, schauen wir uns im Folgenden an.

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Ein Pluck-Sound benötigt keinen speziellen Grundsound – grob gesagt, lässt sich jede Soundquelle in einen Pluck-Sound umwandeln, weil die Hauptarbeit durch ein Filter erledigt wird. Wir bleiben in unserem Beispiel bei den Basics und orientieren uns an einem Sound, der sich in einer EDM-Produktion verwenden lässt. Als Wellenform soll uns eine Supersaw-artige Waveform dienen, wie sie mittlerweile viele Synthesizer bieten.

Der klassische Pluck-Sound besteht aus dem eigentlichen Pluck, also einem charakteristischen Attack-Part, sowie einer Decay-Phase, die sich durch einen Filtersweep definiert und dann oftmals in einer wohlig warmen, gefilterten Sustain-Phase endet. Der Weg dorthin ist prinzipiell erst mal recht einfach. Wir beginnen mit einem Init-Sound und bereiten in der Oszillatorsektion einen Supersaw-artigen Sound vor. Wir erhöhen die Anzahl der Sägezähne und verstimmen sie leicht gegeneinander. Da dies in jedem Synthesizer, wenn denn möglich, immer ein wenig anders funktioniert, kann ich hier leider keine allgemeingültige Anleitung liefern. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Amp-Envelope und erhöhen die Release-Phase auf ca. 1 Sekunde. Der Klang soll also nach Loslassen der Taste noch einen Moment stehenbleiben.

Das Filter sowie die zugehörige Envelope bilden das Herzstück des Pluck-Sounds. Wir verwenden ein LowPass-Filter und schließen das Filter ein gutes Stück – eine Cutoff-Frequenz von ca. 300 Hz sollte als Basis gut funktionieren. Nun gilt es, die Filter-Envelope ins Spiel zu bringen. Bei dieser reduzieren wir den Sustain-Level auf 0 und peilen eine Decay-Zeit von ca. 200 ms an. Die Modulationsintensität der Envelope auf die Cutoff-Frequenz stellen wir auf ungefähr 40 %. Viele Softwaresynthesizer und auch einige Hardwaresynthesizer, wie beispielsweise ASM HydraSynth oder Waldorf Iridium/Quantum können zusätzlich die Krümmung der Decay-Phase und damit ihren klanglichen Verlauf beeinflussen. Wir möchten für unseren Sound einen gewissen »Knack« – dazu muss die Decay-Phase zu Beginn recht steil abfallen. Allerdings auch nicht zu steil, sonst geht zu viel Ton verloren.

Kann man am eigenen Synthesizer die Form der Decay-Phase nicht ändern, kann ein zusätzlicher Envelope helfen. Dazu modulieren wir die Cutoff-Frequenz mit einer zweiten, unabhängigen Hüllkurve, die wir wie die erste Filter-Envelope einstellen. Anschließend verkürzen wir bei der zweiten Envelope die Decay-Zeit und mischen die Modulations-Intensität der beiden Hüllkurven so, dass der Filtersweep knackig und rund klingt.

Die Feinjustierung dieser Filterparameter trägt entscheidend zum Gesamtsound bei, daher sollte wir uns hier Zeit lassen.

Filter-Sweep

Gerade im EDM kommt es sehr oft vor, dass sich Pluck-Sound-Sequenzen öffnen und somit den eigentlichen Lead-Sound offenbaren. Der Verlauf bzw. Filter-Sweep erfolgt in der Regel über einige Takte hinweg, um Spannung zu erzeugen und den Sound weiter aufzubauen. Diesen Effekt kann man durch Automation der entsprechenden Parameter erzielen, wir wollen die Sache jedoch mit dem Mod-Wheel steuern. Dieser Ansatz bietet uns den Vorteil, dass wir den Filter-Sweep auch auf einem Keyboard performen können, und außerdem müssen wir später nur noch einen Parameter automatisieren. Ein einfaches Öffnen des Cutoffs kann zwar reichen, eine schöne Variante ist es jedoch, wenn auch zusätzlich die Decay-Phase verlängert wird. Dabei müssen die beiden Modulations-Intensitäten ein wenig aneinander angepasst werden, damit der Pluck-Anteil nicht zu schnell durch das sich öffnende Filter verschwindet. Um den Filter-Sweep abzurunden, geben wir noch ein wenig Resonanz hinzu, und auch dieser Teil unseres Sounds ist damit fertiggestellt.

Der HydraSynth erlaubt das Formen des Verlaufs der Decay-Phase seiner Envelopes.

Noch mehr Knack?

Wem der Knack, also der Attack, seines Pluck-Sounds immer noch zu schwach ist, der hat verschiedene Möglichkeiten. Erstens kann die Amp-Hüllkurve unterstützend eingreifen, in dem wir den Sustain-Level ein wenig verringern und mit einer kurzen Decay-Zeit den Attack betonen. Zweitens: Wer eine weitere freie Envelope zur Verfügung hat, kann deren Sustain auf 0 drehen, die Decay-Phase sehr kurz wählen und mit dieser Envelope dann den Pitch des Oszillators modulieren. Richtig dosiert, hört man die Tonhöhenänderung nur noch als Knack bzw. Attack-Verstärkung. Als Effekt-Plug-ins können Transientendesigner wahre Wunder bewirken und den Sound durchsetzungsfähiger machen.

Zum Abschluss veredeln wir den Sound noch mit Effekten. Pluck-Sounds lieben Delays und Reverbs. Gerade plakative, temposynchrone Stereo-Delays passen wunderbar zu Pluck-Sequenzen, und wenn wir das Ganze in einen großen, nicht zu grellen Raum einhüllen, verleihen wir dem Klang eine zusätzliche Tiefe.

Hier außerdem noch eine weitere Idee zum Einsatz von Pluck-Sounds: Wer in seinem Track bereits über einen prominenten Lead-Sound verfügt, der kann Filter und Modulation so umbauen, dass sich beim Betätigen des Mod-Wheels das Filter schließt und die Filterhüllkurve den Sound in einen Pluck umwandelt. Somit bietet sich die Möglichkeit, neue Spannungsbögen im Song zu erzeugen, indem der Leadsound an den passenden Stellen in seine Pluck-Variante zurückgefahren wird.

Viel Spaß beim Experimentieren!

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