Mehr also nur der Beckensound

Mixing Tutorial: Wie man Drum-Overheads richtig mischt

(Bild: Dirk Heilmann)

Overheads gehören zwar standardmäßig zu jeder guten Drum-Aufnahme, allerdings ist manchem oft gar nicht so richtig klar, was er damit genau im Mix anstellen soll. Bei einem »Snare top«- oder »Kick in«-Mikrofon ist die Funktion bereits klar und unmissverständlich alleine durch den Namen definiert. Dabei können Overheads bei richtigem Einsatz den Drum-Sound maßgeblich verbessern, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet.

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Wie immer beginnt das »Mischen« jedoch schon beim Aufnehmen. Und hier sollte man sich ganz genau überlegen, welche Funktion die Overheads später erfüllen sollen. Üblicherweise gibt es die folgenden zwei Herangehensweisen.

Die erste ist, dass man den Drum-Sound vor allem durch die Overheads abbilden möchte. D. h., das ganze Schlagzeug (mit allen Einzelelementen) sollte hier so rund und ausgewogen wie möglich aufgenommen sein – so, als ob man nur diese Mikrofone zum Aufnehmen der gesamten Drums hätte. Im Mix würde man dann die »Close«-Mikrofone nur noch dazumischen, um das zu verstärken, was auf den Overheads evtl. zu leise oder zu indirekt ist. Diese Herangehensweise kommt vor allem bei Musikrichtungen zum Einsatz, wo die Drums relativ natürlich und ausgewogen klingen sollen. Hier sollte man besonders auf die Phasenlage bzw. das Stereobild achten, damit die Kick und Snare vor allem aus der Mitte und nicht aus unterschiedlichen Richtungen kommen.

Mit dem Waves InPhase-Plug-in konnte die Phasenlage der Overheads stabilisiert werden. Mit dem boz »Bark of Dog«-Plug-in wurde das Signal im Bass geboostet und mit dem UAD Teletronix LA-3A komprimiert. Der UAD Harrison 32C gab den finalen Touch auf den Overheads.

Die zweite Variante ist, dass man weniger versucht, die Drums als Ganzes über die Overheads einzufangen, sondern sich viel mehr auf die Becken konzentriert. Im Mix würde man den Drumsound dann eher über die »Close«-Mikrofone aufbauen und die Becken per Overheads später nur noch entsprechend dazumischen. So bekommt man einen deutlich direkteren Gesamtsound. Hier dürfen die Overheads auch gerne etwas breiter klingen, da die Kick und Snare vor allem von den Direktmikrofonen kommen und somit automatisch etwas enger in der Mitte sind.

Für unser Praxisbeispiel haben wir einen Pop/Rock-Song mit echten Drums genommen. Diese sollten im finalen Mix punchig klingen, um mit den verzerrten E-Gitarren und den vielen Vocals mithalten zu können. Jedoch durfte der Sound nicht zu künstlich werden, weil es immer noch nach einem akustischen Drumset und echter Band klingen sollte. Um das zu erreichen, wollte ich die »Close«-Mikrofone und die Overheads relativ gleichberechtigt einsetzen. Die »Close«-Mikrofone wurden bereits bei der Aufnahme bearbeitet und klangen schon sehr gut. Die Overheads dagegen waren leider etwas langweilig und dünn. Außerdem war hier das Stereobild sehr unausgewogen und ein wenig nach rechts verzogen.

Also habe ich als Erstes das Waves InPhase-Plug-in benutzt, um die Korrelation zu überprüfen und das Stereobild zu verbessern. Hier musste ich den linken Kanal um 1 dB verstärken, um den Lautstärkeunterschied auszugleichen, und den rechten Kanal um 0,18 Millisekunden verzögern, um die Laufzeit anzupassen. Dadurch rückten die Kick und Snare mehr in die Mitte, und die Overheads klangen insgesamt viel ausgewogener. Zusätzlich habe ich mit dem Fabfilter Pro-Q3 alles unter 100 Hz auf dem Seiten-Signal um ca. 5dB abgesenkt, wodurch sich der Bassbereich zusätzlich mehr in die Mono-Mitte fokussierte.

Leider waren die Kick und Snare etwas zu laut auf den Overheads. Dadurch maskierten sie die »Close«-Mikrofone, und der Punch der Drums ging deutlich verloren. Um dieses Problem zu lösen, kann man die Overheads einfach komprimieren und so die entsprechenden Schläge leiser bekommen. So haben die Direktsignale mehr Platz im Mix, und der Gesamtsound bleibt immer schön punchig. Für diesen Zweck kam der UAD Teletronix LA-3A zum Einsatz. Allerdings machte der Kompressor nur sehr wenig, da die Aufnahme etwas dünn war. Um die Overheads voller zu bekommen und gleichzeitig dem Kompressor auch mehr zum Arbeiten zu geben, habe ich das boz digital labs »Bark Of Dog«-Plug-in davor gelegt. Das ist ein Filter bzw. »low frequency enhancer«, mit dem man tiefe Frequenzen breitbandig verstärken kann. Dadurch waren Kick und Snare jetzt voller und der Kompressor konnte richtig zupacken.

Zum Schluss wurden die Overheads noch mit dem UAD Harrison 32C EQ ca. 1,5 dB bei 4,5 und 9 kHz geboostet, um den Drumsound insgesamt offener und schicker zu machen. So musste ich die »Close«-Mikrofone in den Höhen nicht bearbeiten, was zu einem deutlich unnatürlicheren Sound geführt hätte.

 

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