Wie von Meisterhand

Leapwing Al Schmitt Signature Plug-In

Wer die Arbeit von Al Schmitt verfolgte, der weiß, dass der mehrfache Grammy-Award-Gewinner nur sehr definiert Processing einsetzte und für diesen Zweck mit Recording- und Mixing-Legenden in Form von sehr teurer Hardware arbeitete. Umso erstaunlicher ist es, dass Al Schmitt noch kurz vor seinem Tot in Zusammenarbeit mit Leapwing ein Plug-in entwickelte, dass den Signature-Sound des Star-Engineers liefern soll.

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Das Signature-Plug-in Al Schmitt von Leapwing ist ein Tool, bei dessen Einsatz man den Sound subtil bearbeiten, ihm aber auch einen klangprägenden Charakter mitgeben kann. Dafür stehen insgesamt sechs Klangprofile bzw. sogenannte Sources zur Auswahl, die zum Teil auch vordefinierte Presets mitbringen: Bass, Brass, Mix Bus, Strings, Piano und Vocal. Was mir an der Stelle fehlt, sind Profile für Drums und Gitarren, was wohl daherkommt, dass Al Schmitt sich in den vergangenen Jahren auf Musik mit Bigbands fokussierte und weniger »Pop-Musik« produzierte. Allerdings lässt sich natürlich auch mit den anderen Profilen auf Gitarren- (Brass) und Drum-Spuren (Mix Bus) experimentieren.

Die GUI ist, wie die gesamte Marschroute des Plugins, sehr minimalistisch gehalten und übersichtlich aufgebaut. In der mittleren Sektion wird die ausgewählte Source in Form des jeweiligen Instruments oder eben einem Mikrofon grafisch abgebildet. In der Source Vocal taucht so zum Beispiel das typische 50er-Jahre-Mikrofon à la Shure 55s auf. Die Lautstärke wird mit mehreren Ringen um das Instrument dargestellt, jeder Ring bedeutet 0,5 dB.

Darunter findet man die Werkzeuge zur Klangbearbeitung und die zugehörigen Regler. Die Auswahl der Tools ist auf das jeweilige Klangprofil abgestimmt und unterscheidet sich je nach Profil. Außerdem klingen dieselben Werkzeuge in den unterschiedlichen Profilen unterschiedlich. Der Klangcharakter des Kompressors der Source Vocal unterscheidet sich deshalb auch zu dem im Profil von Bass oder Piano. Das kommt daher, da bei der Entwicklung des Plug-ins nicht nur die einzelnen Klangcharakteristiken der von Al Schmitt eingesetzten Hardware und den analogen Signalketten, sondern auch die Workflows und Settings für jedes einzelne Instrument analysiert wurden. Flankiert wird der Mittelteil links und rechts von je einem Fader, mit denen man das Ein- bzw. Ausgangsignal regelt.

Sources, süß sauer!

Um alle Klangwerkzeuge vorzustellen, habe ich mir die Sources Vocal und MixBus angeschaut, die zusammenfassend alle Sound-Tools abdecken. Für die Klangbearbeitung der Vocal stehen am unteren Rand die Parameter Body-, Air- sowie Echo-Level zur Verfügung. Mit dem Body-Level erzeugt man mehr Fülle im Signal. Beim Anheben hat man wirklich das Gefühl, dass die Vocal dichter, größer und auch einen Tick lauter werden. Das bestätigt auch die Pegelanzeige des Ausgangssignals. In die Breite geht es mit dem Air-Level, indem man den Signalanteil des selektierten Air-Typs (5,8,16) anpasst. Der Air-Level verleiht dem Signal mehr Raum, fügt leichte Höhen und eine gewisse Brillanz hinzu, die das Signal im Mix runder machen. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch der Echo-Level, der den Anteil des gewählten Echo-Typs (A,B,C) pegelt. Die Echos bzw. Reverbs gefallen mir klanglich wirklich sehr gut, sie arbeiten subtil und verleihen Vocals mehr Glanz.

Die Intensität des statischen Kompressors kann – wie alle bereits genannten Parameter auch – mit einem Wert von 0 bis 100 angegeben werden. Eine Info zu Threshold und Co. gibt es übrigens nicht. Um die Veränderungen der Dynamik bei den unterschiedlichen Intensitätsstufen der Kompression zu beobachten, reicht ein Blick auf die Pegelanzeige des Ausgangssignals. Bei einem Wert von 100 bewegt sich hier nicht mehr viel. Der Kompressor arbeitet klanglich recht unauffällig, was eine neutrale Klangbearbeitung auszeichnet. Die Vocals klingen im Mix je nach Anhebung des Werts hörbar, wenngleich auch subtil, präsenter und sind gegenüber den anderen Instrumenten durchsetzungsfähiger.

Die Vocal-Source

Die sechs Klangprofile des Al Schmitt Signature
Plug-ins werden Sources genannt.

The Glue

Damit sind im Grunde alle Klangwerkzeuge genannt. Lediglich in der Source MixBus, die man auf unterschiedlichen Subgruppen einsetzen kann, befindet sich ein Multiband-Kompressor, der für den gewissen Glue sorgt. Hier hat man Zugriff auf die Frequenzbereiche Low, Mid und High, die von –6 bis +6 dB regelbar sind, sowie je einen pro Frequenzbereich zugehörigen Regler für den Make-Up-Gain. Die beiden Regler für Air- und Sub-Boost steuern Raum- und Bass-Anteil und lassen sich im MixBus noch einmal separat anpassen, um noch dieses gewisse »Mojo« und den »Wumms unten rum« reinzudrehen.

Fazit

Durch die übersichtliche GUI und den überschaubaren Funktionsumfang ist das Al Schmitt Signature Plug-in schnell und intuitiv zu bedienen. Nachdem man es auf eine passende Instrumenten-Spur oder einen Bus geladen hat, wählt man unter Source das passende Klangprofil aus und hat direkten Zugriff auf die je nach Profil unterschiedlichen Parameter zur Klangbearbeitung. Mir persönlich reicht diese dezimierte Auswahlmöglichkeit, weil sie sich auf die wesentlichen Parameter beschränkt und man nicht von einer Flut an Möglichkeiten überfordert wird. Hier ist definitiv der Workflow des Großmeisters zu erkennen, der den Klangcharakter der unterschiedlichen Geräte ganz bewusst auf einer Spur einsetzt und selbst sparsam mit den Parametern arbeitet – wenngleich er natürlich Zugriff auf die Crème de la Crème der Aufnahmetechnik hat. Das Al Schmitt Signature Plug-in bietet die Möglichkeit, feine Nachjustierungen am Sound des Instruments, der Vocal oder der Subgruppe vorzunehmen statt den Klangcharakter des Mixes zu prägen. Die minimalistische und puristische Arbeitsweise wirkt sich natürlich auch auf die Komponente Zeit aus: Mit dem direkten Zugriff auf die wichtigen Parameter kann man mit dem Tool am Ende des Mixing-Prozesses dem Mix den letzten Schliff verleihen und die letzten fehlenden Prozentpunkte rausholen. Und für den Straßenpreis von 119 Euro ist das Tool für mich eine absolute Empfehlung.

Hersteller: Leapwing

Straßenpreis: 119,– Euro

Internet: www.leapwingaudio.com

Unsere Meinung:

+++ Workflow
++ Sound
– kein Zugriff auf Kompressor-Parameter

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