Beaming im Mixing

Die Mixroom-Simulation Sienna Rooms von Acustica Audio im Test

Sienna Rooms von Acustica Audio ist ein Plug-in zur Raumsimulation für Kopfhörer, dass den Engineer in nicht nur in unterschiedliche Regien mit unterschiedlichem Lautsprecher-Setups beamen, sondern auch über 180 Kopfhörer und andere Abspielgeräte simuliert. Das ideale Mixing-Werkzeug für unterwegs und ein Referenz-Tool?

Anzeige

Die GUI von Sienna Rooms ist übersichtlich, mit seiner weißen Bedienoberfläche sehr schick, modern und authentisch gehalten. Acustica Audio ist dafür bekannt, Plug-ins in einem eigenen Look & Feel von analoger Hardware zu designen, die es auch durchaus in »echt« so geben könnte. Lediglich das Rendering in der Mitte des Studios, das simuliert wird, wirkt etwas verschwommen. Im Vergleich zu anderen Plug-ins ist es aber dennoch ein absoluter Hingucker.

Auffällig sind die drei glänzenden Drehregler mit halbkugelförmigen Kappen am unteren Rand der GUI, in denen sich sogar Lichter spiegeln. Die beiden links und rechts regeln Input und Output. Daneben befinden sich die zugehörigen Pegelanzeigen in Stereo. Der mittlere Drehregler (Depth) simuliert die Tiefenstaffelung bzw. den Abstand zwischen dem Zuhörer und den Lautsprechern. Darüber befindet sich horizontal ein Schieberegler (Perfection), der die Intensität der Raumsimulation reguliert.

Am oberen Rand können über den linken Taster (Speakers) eines der Studios inklusive unterschiedlicher Lautsprecher-Setups oder weitere Abspielgeräte selektiert werden. In der Volume-A-Version stehen hier drei Regieräume, eine Bluetooth-Boom-Box sowie ein klassisches Küchenradio in Mono zur Simulation bereit. Weitere Packs mit zusätzlichen virtuellen Räumen und Simulationen von Radios, Autoradios, Hi-Fi-Anlagen, Kopfhörern und vielem mehr gibt es für jeweils 69 Euro. Am oberen Rand befindet sich außerdem das Dropdown-Menü mit den Presets, mit denen bereits die drei Regieräume mit unterschiedlichen Lautsprechersetups und Einstellungen vordefiniert sind.

In der Mitte stehen acht Taster zum Belegen eigener Presets bereit, die per Tastendruck direkt aufgerufen werden können. Zuletzt hat man über den Taster HPhones am rechten oberen Rand Zugriff auf die über 180 Kopfhörersimulationen.

Für einen ersten Höreindruck setze ich Acustica Sienna Rooms als letzte Instanz in der Signalkette auf meinen Master-Bus. Wichtig: Beim Bounce später das Plug-in deaktivieren, da sonst die Emulation in den Track mit einberechnet wird! Über meine Kopfhörer fällt mir besonders der Raumklang auf, der beim Aktivieren des Plug-ins erzeugt wird und sich von Raumsimulation zu Raumsimulation deutlich unterscheidet. Der Mix klingt auch sofort etwas luftiger, was kein Wunder ist, da ja auch mehr Luft zwischen Membran und Ohr simuliert wird. Das funktioniert schonmal!

Diese Räumlichkeit lässt sich mit dem Depth-Regler nochmal detaillierter anpassen, der den Abstand zwischen dem Hörer zum Lautsprecher vergrößert oder verkürzt, was natürlich auch akustische Auswirkungen mit sich bringt. Bei geringerem Abstand werden die Höhen deutlich präsenter, das Signal lauter und der gesamte Mix rückt etwas nach vorne. Bei größerem Abstand wird alles etwas dumpfer, schwammiger, der Bassanteil nimmt zu, und die Tiefenstaffelung und Stereolokalisation nehmen ab.

Der Frequenzgang wird nämlich beim Aktivieren des Plug-ins gefühlt etwas linearer, und der Bass wird bei Lautsprechersystemen ohne Subwoofer deutlich leiser. Ich muss außerdem den Output ein gutes Stück nach oben drehen, um die gleiche Lautstärke zu erzielen, die ich mit deaktivierter Raumsimulation erreiche. Ich empfehle sowieso, die Lautstärke so anzupassen, dass es beim Gegenhören keine großen Lautstärkeunterschiede gibt und es zu keinem verzerrten Hörempfinden kommt.

Fazit

Mit den vielen Simulationen bietet Sienna Rooms ausreichend Möglichkeiten, um einen Mix schnell und einfach auf unterschiedlichen Abspielgeräten und Räumen abzuhören. Und bei der Simulation von Lautsprechersystemen in einer Regie wirkt der Sound tatsächlich räumlicher, die Tiefenstaffelung ist deutlicher, der Frequenzgang ist linearer, und man hat nicht dieses Gefühl der Direktheit, die durch die Abschirmung des Kopfhörers entsteht. Es hört sich alles natürlicher an.

Für alle, die nicht jedes Mal ins Auto oder in die Küche laufen möchten, um dort einen Mix zu hören, oder die, die wissen möchten, wie der Song in einer High-End-Regie klingen würde oder auch nicht, ist Sienna Rooms ein hilfreiches Tool. Und für 149 Euro auch absolut erschwinglich.

Mit Acustica Audio Sienna Free gibt es sogar eine kostenlose Version. Dort müsst ihr euch zwar mit dem HOG Sun 218 Sub Room begnügen, euch stehen aber zusätzlich über 180 Kopfhörer-Emulationen zur Verfügung.


Hersteller/Vertrieb: Acustica Audio

UvP/Straßenpreis: 149,– Euro

Internet: www.acustica-audio.com

Unsere Meinung
+++ umfangreiches Angebot an Emulationen
++ intuitive und einfache Bedienung
– Referenzwerte schwer definierbar

 

Wenn ihr euch folgendes Video, in dem einige Möglichkeiten der Mixroom-Simulation NX der Plug-in-Schmiede Waves demonstriert werden, anseht, solltet ihr unbedingt einen Kopfhörer aufziehen.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren