Auf Wiederhören!

ATO StageCom light – Intercom für In-Ear-Monitoring

(Bild: Dirk Heilmann)

Es ist schon erstaunlich: Da ist die Audiotechnik inzwischen weit über 100 Jahre alt, und es gibt immer noch wieder gänzlich neue Ideen. Zugegeben, dieser Idee ging eine andere voraus, die nun verbessert werden soll: das In-Ear-Monitoring.

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In-Ear-Monitoring auf der Bühne hat einige wesentliche Vorteile: konstante Audioqualität überall auf der Bühne, weniger Feedback, weniger Übersprechung und somit auch wieder besserer Sound nach draußen. Leider gibt es auch einen wesentlichen Nachteil: Die Kommunikation untereinander ist quasi gleich Null, zumindest die Sachen betreffend, die das Publikum möglichst nicht mitbekommen sollte.

Zum Glück gibt es immer wieder erfinderische Geister, die auch noch technischen Schaltungen entwerfen und mit dem Lötkolben umgehen können, so wie Heinz Ostermann von ATO (Audio Tools Ostermann). Er hat konstruiert, was eigentlich naheliegend ist: ein Gerät, das es ermöglicht, die Gesangsmikrofone als Intercom zu nutzen, ohne dass das Publikum davon etwas hört. Namentlich dreht es sich um das Stage-Com bzw. das StageCom light. Letzteres stand uns als Vorseriengerät zum Test bereit.

Die Große-Bruder-Version, das StageCom (ohne light), ist vom Funktionsumfang ähnlich aufgebaut, allerdings lassen sich hier In-Ear-Monitoring-Funkstrecken direkt anschließen, individuelle AUX-Signale je Channel einspeisen sowie das eigene Mikrofonsignal direkt zur zusätzlichen Verstärkung zum eigenen In-Ear mischen.

Die Idee

Das StageCom light ist so einfach wie effizient aufgebaut. Das 19-Zoll-Gerät mit 1 HE bietet sechs Kanäle, an die die Gesangsmikrofone angeschlossen werden, die von hier aus an das FOH-Pult durchgeschleift werden. Zudem gibt es einen Master-Out, der ebenfalls einen Kanal am FOH-Pult besetzt; er dient dann als reiner Monitorkanal. Wird ein Fußtaster betätigt, mutet das Gerät den entsprechenden Kanal und schickt das Signal über den Master, also über den Monitorkanal, raus. Ein Pilotton signalisiert unterdessen, dass das Mikrofon nach außen stumm ist und nur die Bandkollegen das Gesagte hören. Simpel!

 

Neben den Mikrofonein- und -ausgängen sowie dem Master-Out gibt’s auf der Rückseite die Phantomspeisung, den Anschluss zum externen Netzteil, außerdem können per Netzwerk weitere StageComs angeschlossen werden, dann muss nur ein Master zum Pult geführt werden.

(Bild: Dirk Heilmann)

Die Praxis

Das StageCom light ist kindereinfach verkabelt. Einzige Einstiegsfalle ist, dass das Mikrofonsignal im Gerät selbst schon vorverstärkt wird, weswegen von hier aus ein Line-Signal an das Pult weitergeschickt wird. Also bitte die Line-Eingänge verwenden. Für diejenigen, die sich wundern: Die Vorverstärkung hat interne technische Gründe, da es sonst Probleme mit Rauschen und/oder Knacksern geben kann, verursacht durch die Phantomspeisung bzw. die internen Schalter.

Am StageCom light selbst muss dann nur noch für jedes Mikrofon die Lautstärke eingestellt werden, welche für die bandinternen Durchsagen gewünscht ist, sowie die Lautstärke des Pilottons, welcher eben jene Durchsagen unterlegt und somit akustisch markiert. Standardmäßig liegen dem Gerät zwei kabelgebundene Fußtaster mit einem 6 Meter langem Kabel bei, was für kleinere Bühnen ausreichen sollte. Hübsch wäre vielleicht gewesen, wenn die Kabel nicht fest mit dem Fußtaster verbaut wären, dann könnte man bei Bedarf die Länge des Klinkenkabels selbst bestimmen. Selbstverständlich kann man auch auf den Fußtasterfundus aus dem allgemeinen Musikalienmarkt zurückgreifen bzw. gucken, was man dort findet. Alternativ bietet ATO auch Funktaster auf 433-MHz-Basis an, durch die das StageCom light dann auch an den FOH-Platz wandern kann, wenn das gewünscht ist.

Standardmäßig wird das Stage-Com light mit zwei Fußtastern und Netzteil ausgeliefert. (Bild: Dirk Heilmann)

Vermutlich durch die Vorverstärkung verursacht (siehe oben), ist uns bei unserem Testmodell noch ein dezentes Rauschen aufgefallen. Laut Hersteller liegt hierfür der Grund in der Qualität der ICs. Für die aktuellen Geräte im Handel wurde der Hersteller auch schon gewechselt, womit das Problem gelöst sein sollte.

Fazit

Eigentlich merkwürdig, dass es dieses oder ein ähnliches Prinzip nicht schon vorher aufgetaucht ist – so ganz jung ist ja In-Ear-Monitoring inzwischen auch nicht mehr. Was Heinz Ostermann in seiner Garage einst zusammengelötet hat, hat Hand und Fuß. Das Konzept ist innovativ, durchdacht und alltagstauglich. Das geringe Rauschen trübte das Gesamtbild etwas, sollte aber auch nicht zu schwer gewichtet werden und bei der aktuellen Generation ohnehin noch geringer sein. Der Preis von 447 Euro ist gerechtfertigt und »versendet« sich schnell, wenn man die Gesamtkosten für ein In-Ear-System für eine ganze Band bedenkt.

Hersteller: ATO Audio Tools Ostermann
Preis: 447,– Euro
Internet: www.ato-germany.com

Unsere Meinung
+++ innovatives Konzept
++ einfache Bedienung
–– leichtes Rauschen (das bei der aktuellen Version allerdings weitgehend unterdrückt sein soll)


Heinz Ostermann

Vier Fragen an Ideenentwickler, Konstrukteur und Vertreiber Heinz Ostermann

Herr Ostermann, wann sind Sie auf die Idee gekommen, ein solches Gerät zu entwickeln?

Nach fast vier Jahrzehnten als Keyboarder auf der Bühne hatte ich keine Lust mehr, mich mit dem Monitorsound herumzuschlagen. Wir legten uns 2017 sehr gute In-Ears aus dem Odenwald zu und hatten dann wohl einen super Sound, aber konnten uns kaum noch verständigen. Aus dieser Situation heraus suchte ich nach einer Lösung, die uns heute als Gerät vorliegt.

Wie lange hat die Entwicklungsphase gedauert?

Die Idee hatte ich schon vor drei Jahren, die dann auch zum Patent angemeldet wurde. Insgesamt habe ich »netto« ca. ein Jahr für alles gebraucht.

Wie lange haben Sie es mit ihrer Band schon im Einsatz?

Das Gerät setzen wir seit über zwei Jahren ein.

Was sagen ihre Bandkollegen zu dem System?

Die Begeisterung ist ungebrochen – ohne würde nicht mehr gehen.

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