Virtuell-Analoge Synthieapp

Kurztest: Zeeon Synth (für iPad)

Die Auswahl an Synthesizer-Apps ist für im Appstore für iOS-Geräte hoch – ein Newcomer muss da also schon etwas neues bieten. Die App Zeeon Synth wagt den Versuch mit einer aufgeräumten Oberfläche und einer ganzen Fülle an Modulations- und Routingmöglichkeiten. Wir haben uns die App genauer angesehen.

 

Die Oberfläche des Zeeon Synth beim Start der App. Im oberen Bereich wird am Sound geschraubt, im unteren Teil befinden sich der Sequenzer und die virtuelle Tastatur.

 

Das Konzept

Bei dem Zeeon Synth handelt es sich um eine virtuell-analoge Synthesizerapp mit zwei Oszillatoren. Ergänzt wird die App durch Filter, Effekte und weitreichende Routing-Möglichkeiten. Zudem sorgt eine augeräumte Bedienoberfläche für die nötige Übersicht. Vom Entwickler ist die App als Audio-Unit (in Version 3) für die Benutzung innerhalb einer DAW konzipiert worden, es finden sich aber auch Funktionen, die die App als standalone nutzbar machen. Auf diese Nutzung konzentrieren wir uns in diesem Testbericht.

 

Los geht’s mit der Bedienung

Wer die App zum ersten mal startet, den erwartet ein erfreuliches Bild: alle Elemente sind im Prinzip selbsterklärend und gut bedienbar. Über verschiedene virtuelle Potentiometer lassen sich im oberen Bereich die beiden Oszillatoren, Filter oder LFOs steuern, während der untere Bereich allein für die Eingabe von Tonwerten zuständig ist und einen rudimentären Sequenzer beinhaltet.

Dieser ist leider auch die Archilles-Ferse des Synth, denn der Umfang ist etwas zu simpel geraten: Genau 16 Stepps lassen sich hier mit Tonwerten belegen, anschließend kann die Sequenz in BPM, Swing und Gate variiert werden. Das ist leider etwas wenig – so lassen sich keine weiteren Spuren aufnehmen, die Anzahl der Steps variieren oder gar ein Arrangement erstellen. Ebenfalls etwas unberechenbar verhält sich der zugehörige Gate-Regler, der den Sound innerhalb eines Steps kürzt oder eben nicht. Eine Parameteränderung wird erst beim Loslassen des Bedienelements wirksam, wobei der Sound aber quasi von Einstellung A zu einstellung B springt. Damit ist etwa ein Verlauf quasi nicht möglich. Auch andere Eigenheiten in der Bedienung sorgen dafür, dass bei komplexeren Sequenzen eher auf eine externe Sequenzerapp oder eine DAW zurückgegriffen werden sollte.

Ein großer Pluspunkt ist hingegen die virtuelle Tastatur, die sich gut bedienen lässt und übersichtlich in ihrem Umfang und Scroll-Verhalten bearbeitet werden kann. So lassen sich gleichzeitig zwei oder drei Oktaven anzeigen, die ein präzises Spielen erlauben.

 

Per Knopfdruck lassen sich statt zwei auch drei Oktaven für die Bedienung einblenden.

 

Laut Manual zu der App handelt es sich aber sowohl bei dem Sequenzer als auch bei der virtuellen Tastatur um eine Dreingabe für Nutzer, die die App standalone verwenden wollen. Wie eingangs beschrieben, ist der Zeeon Synth vor allem als Audio-Unit und damit für eine Benutzung in einer DAW gedacht.

 

In der Praxis

Leider funktioniert die App aufgrund ihrer Leistungsanforderungen nicht auf jedem iPad, da ein Gerät mit 64-Bit-Unterstützung vorausgesetzt wird. Das bedeutet: die App läuft laut Appstore auf allen iPads ab dem iPad Air oder dem iPad Mini 2 – ältere Geräte bleiben dabei leider auf der Strecke. Zudem beansprucht Zeeon Synth auf den älteren kompatiblen iPads eine CPU-Auslastung von 40-50%, wie der Hersteller auf seiner Website schreibt. Das bedeutet: die Verknüpfung und Verwendung mit anderen Musikapps etwa durch Audiobus funktioniert, kann aber bei weiteren leistunghungrigen Apps ins Stocken geraten.

Vielleicht liegt die hohe Leistung auch an der recht komplexen Routing-Matrix, mit der ihr wie mit einem Patchkabel verschiedene Sektionen miteinander verbinden könnt. Bis zu 8 solcher Routings lassen sich festlegen und in ihrer Intensität editieren. Es können zudem ebenfalls einzelne Routings in einem weiteren Routing andressiert werden, was zum Beispiel spannende Rückkoppelungen ermöglicht. In diesem Bereich spielt der Zeeon Synth definitiv seine Stärken aus.

 

Ausschnitt: Zu sehen sind Filter-, LFO- und Routingsektion.

 

Die Bandbreite an Soundoptionen lässt sich auch durch die insgesamt 144 Sound- und 25 Tutorialpresets erfassen. Aussagekräftige Soundbeispiele findet ihr zudem auf der Website zum Zeeon Synth. Mit an Bord ist nach dem Download aus dem Appstore eine größere Auswahl an klassisch analogen Sounds. Aber auch ungewöhnlichere Presets zeigen, wie viel Organität aus der zuvor angesprochenen Routing-Matrix herauszuholen ist.

Ebenfalls stark ausgefallen ist die Effektsektion, die neben Phaser, Delay und Reverb auch auch einen sehr guten Chorus beinhaltet, mit dem auch komplexere Soundkniffe möglich sind. Mit ihren vielfältigen editierbaren Parametern können auch die anderen Effekte ebenso überzeugen.

 

Die Effekte sind eine der stärken des Zeeon Synth. Chorus, Phaser, Delay und Reverb können intensiv in ihren Parametern editiert werden.

 

Fazit

Der Zeeon Synth macht eine Menge Spaß und ist je nachdem, welchen Anforderungen man an die App stellt eine klare Empfehlung in Sachen Sound. Eine größere Schwäche offenbart sich beim Sequenzer – die Designentscheidungen desselben wird aber angesichts der Ausrichtung als Audio-Unit verständlicher.

Durch sein klares und zurückhaltendes Design ist die Synthie-App im Studio und auf der Bühne gut zu bedienen – auch wenn der Leistungshunger mit einberechnet werden muss, wenn man gleichzeitig noch weitere Apps auf dem iPad nutzen möchte. Die Sounds lassen sich quasi durchweg als sehr gut, mal organisch, mal klar und präsent beschreiben.

Unterm Strich ist der Zeeon-Synth also etwas für Fortgeschrittene, die sich in das durchaus komplexe Routing einarbeiten und die Einschränkungen des Sequenzers verschmerzen können. Geboten wird einem dann aber in Sachen Sound, Effekte und Routing so einiges. Ganz abgesehen davon, dass das Schrauben an Sounds einfach Spaß macht.

 


App-Info (Stand: 15.Oktober.2018):

Zeeon synth | Von BeepStreet | Für  iPad mit 64 Bit | 20,4 MB | Version 1.2

>> Zur Website des Herstellers


 

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