Produkt: Keyboards 02/2019
Keyboards 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original
Der neue Pro-One?

Dave Smith Instruments Mopho – analoges monofones Synthesizermodul

Auch in der aktuellen Ausgabe haben wir wieder ein Instrument – besser Controller – von Dave Smith vorgestellt. Der Toraiz SP-16 ist dabei in Kooperation mit dem etablierten DJ-Equipment Hersteller Pioneer entstanden. Hier der Test zum MoPho von 2008. Derzeitiger Gebrauchtpreis: Ca. 300 Euro.

Dave Smith ist nicht zu stoppen. Der Mann, der schon 1978 mit dem Prophet-5 die Synthesizergeschichte umkrempelte und uns erst letztes Jahr den Prophet ’08 bescherte, hat wieder zugeschlagen.

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Sein neuester Streich heißt Mopho: ein superkompakter monofoner Anologsynthesizer, der in einer quietschgelben Box untergebracht ist. Der kleine MOtherPHOcker (nee, stimmt nicht – MoPho steht natürlich für „MOnoPHOn“) bietet zwei Oszillatoren, ein echtes Curtis-Filter, einen Step-Sequenzer und einen Arpeggiator.

Er ist für diejenigen gedacht, die zwar das Konzept des Evolvers klasse fanden, aber vorwiegend mit klassischen Synthesizersounds arbeiten und eher ein etwas weniger experimentelles Gerät bevorzugen. Während man mit dem digital/ analog aufgebauten Evolver eher kranke Loops generieren kann, hat der Mopho einen hundertprozentig analogen Signalweg und ist für typische, bewährte Analogsounds prädestiniert.

Äußeres

Das Gehäuse des gelben Synthzwergs hat die Maße 19,05 × 12,7 × 3,56 cm und ist aus sehr stabilem Stahlblech. Am etwas trashigen Design, dem nur noch ein „Atomkraft, Nein Danke“- Sticker fehlt, werden sich die Geister scheiden (gepimpte, umlackierte Geräte werden vermutlich keine Seltenheit sein); die helle Farbgebung hat aber den Vorteil, dass man auch auf einer dunklen Bühne alle Bedienelemente gut sehen kann.

Auf der Bedienoberfläche tummeln sich zehn Endlosregler, von denen sechs festen Funktionen zugeordnet wurden (Cutoff, Resonanz, Attack, Decay/Release, Pitch und Programmwahl) und vier mithilfe eines zugeordneten Tasters frei belegbar sind und der Soundprogrammierung dienen. Die Encoder-Bewegungen werden per MIDI übertragen. Mit dem auffälligen PUSH-IT-Taster kann man den Synth (und die internen Sequenzen) triggern.

Ein gut lesbares, zweizeiliges Display, das leider nur mit einer dünnen Folie geschützt ist, sorgt für optisches Feedback: Die obere Displayzeile ist für den gespeicherten Parameterwert reserviert, während die untere den veränderten Wert anzeigt – eine gute, einfache Lösung, mit der man immer den Überblick behält und live beim wilden Rumschrauben auch wieder zum Ausgangssound zurückfinden kann. Der Displaywinkel lässt sich mit einem Schraubenzieher durch eine Öffnung auf der Gehäuseunterseite justieren. Abgerundet wird das Bedienpanel durch Plus/Minus-Taster, ein VOLUME-Poti und einen Regler für die Empfindlichkeit des (monofonen) Audioeingangs. Dieser befindet sich, wie auch der Stereoausgang, die Kopfhöreranschluss, die MIDI-In/Out-Buchsen und der Anschluss für das externe Netzteil, auf der Rückseite des Gerätes. Ein Netzschalter fehlt leider. Die MIDI-Out-Buchse kann auch auf MIDI-Thru geschaltet werden.


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Bedienung

Die Bedienung des Kompaktsynths hat man in spätestens 10 Minuten raus. Alles ist sehr gut durchdacht sowie musikerfreundlich und praxisorientiert konzipiert. Die Encoder sind zwar nicht am Gehäuse verschraubt und sitzen direkt auf der Platine, machen aber trotzdem einen sehr robusten Eindruck. Es gibt drei Bänke à 128 Sounds, die mit den Plus/Minus-Tastern angewählt werden.

Wer mehr Übersicht beim Editieren will, kann sich einen Software-Editor downloaden. Er steht als Windows- und Mac-Version zur Verfügung und ist kostenlos (www.soundtower.com/mopho). Insbesondere bei komplexeren Modulationen und der Programmierung des Stepsequenzers kann er sehr hilfreich sein.

Klangarchitektur

Die zwei analogen Oszillatoren, die sich in einem weiten Bereich von zehn Oktaven stimmen lassen, erzeugen die Wellenformen Sägezahn, Dreieck und variable Pulswelle, ein Noise-Generator liefert weißes Rauschen. Zur Unterstützung des Bassfundaments gibt es außerdem noch zwei Suboszillatoren mit Rechteckwelle, die eine (Oszillator 1) bzw. zwei (Oszillator 2) Oktaven unter dem Originalsignal liegen. An Portamento und Oszillatorsync wurde natürlich auch gedacht.

Als Besonderheit hat Dave Smith noch eine FEEDBACK-Funktion implementiert, mit der man den Sound sehr schön aufrauen kann: Das Ausgangssignal wird dabei intern wieder in den Audioweg vor dem Filter eingespeist.

Das Filter basiert auf echten Curtis-Chips; es handelt sich dabei nicht um NOS-Chips (New Old Stock), sondern um neue, extra für die DSI-Synthesizer angefertigte Filterchips. Das Resonanzfilter arbeitet wahlweise im 2-Poloder 4-Pol-Modus und kann in Letzterem zur Selbstoszillation gebracht werden. Die drei ADSR-Hüllkurven arbeiten schnell genug für das Erzeugen perkussiver Sounds und bieten eine DELAY-Funktion.

Die Modulationsmöglichkeiten sind gegenüber dem Evolver reduziert – es gibt z. B. keine Ringmodulation –, aber man hat trotzdem eine Menge Holz, um die Klänge heftig zu verwursten: 40 Modulationsquellen (darunter vier Keyund Clock-synchronisierbare schnelle LFOs mit fünf Wellenformen inklusive Sample & Hold) lassen sich auf 20 Modulationsziele routen. Die Klangarchitektur entspricht im Wesentlichen einer Stimme des Prophet 08, wobei aber Features wie die beiden Suboszillatoren und die Feedback-Funktion dazukommen.

Der Mopho lässt sich auch über die Bedienelemente des Prophet ’08 programmieren. Smith hatte bei der Konzeption des Mopho wohl den legendären Monosynth SCI Pro-One im Kopf, der ja auch eine Stimme des Prophet-5 ist; und tatsächlich: Wenn man den Mopho öffnet, erblickt man auf der Platine die aufgedruckte Bezeichnung „Pro-One II“.

Sequenzer und Arpeggiator

Der integrierte Sequenzer verfügt über vier Spuren mit jeweils maximal 16 Schritten. Jede Spur kann einem Modulationsziel zugeordnet werden, wodurch der Sequenzer zu einem sehr guten Werkzeug für tolle und ungewöhnliche Analog-Loops wird, die man sonst nur mit einem Modularsynth generieren kann. Eine echte Swing-Funktion ist nicht an Bord, aber das Clock-Teiler-Menü bietet einige Swing-Quantisierungen. Etwas schade ist es, dass der Sequenzer beim Umschalten der Presets stoppt. Schön wäre es, wenn man die tonalen Steps mit dem Keyboard via MIDI eingeben könnte. Für das nächste OS-Update würde ich mir außerdem eine pro Step schaltbare Glide-Funktion à la TB-303 wünschen.

Außerdem gibt es einen einfachen Arpeggiator mit den Betriebsarten Up, Down, Up/Down alternierend sowie Assign (die Töne werden in der eingespielten Reihenfolge getriggert). Unverständlich bleibt aber die Tatsache, dass auf eine Hold-Funktion des Arpeggiators verzichtet wurde, was dessen Nutzwert doch ziemlich einschränkt. Hier sollte man im nächsten Betriebssystem ebenfalls dringend nachbessern!

Sound

Der Klang des Mopho weist ihn als echten Sprössling von Dave Smith aus. Ob fette drückende Basssounds, brillante Lead-Patches oder hämmernde Sequenzerlinien: Der Mopho kann eine große Bandbreite typischer Analogsynthsounds hervorbringen, ohne dabei ein bestimmtes Vorbild wie etwa den Pro-One emulieren zu wollen (oder zu können).

Als Ass im Ärmel fungiert das Curtis-basierte Filter, das vom Charakter her dem CEM 3372- Filterbaustein des Prophet-600 oder des Sixtrack aus der SCI-Familie ähnelt. Die umfangreichen Modulationsmöglichkeiten, der leistungsfähige Step-Sequenzer und nicht zuletzt die FeedbackFunktion ermöglichen auch experimentelle Klänge, die man vom Evolver her kennt – quietschendes Acid-Geblubber lässt sich mit ein paar Handgriffen im Nu in bösartigen Mutterschänder-Modulationslärm verwandeln.

Fazit

Ein tolles kleines Analogmodul, das viele Features auf engstem Raum bietet und mit einem schönen eigenständigen Sound überzeugt. Die Bedienung ist gegenüber dem Evolver dank des Displays wesentlich komfortabler; auch an wichtige Dinge wie Kopfhöreranschluss (fehlt beim Evolver) wurde gedacht. Aufgrund des niedrigen Preises wird das Teil wohl schnell zahlreiche Fans finden und auch neben vielen Laptops zu finden sein. Einige Nachteile wie die fehlende Hold-Funktion beim Arpeggiator werden hoffentlich bald durch ein OS-Update korrigiert.

Profil

Konzept: monofoner analoger Synthesizer

Hersteller: Dave Smith Instruments

Internet: www.davesmithinstruments.com

Maße: 19,05 × 12,7 × 3,56 cm (B×T×H)

UvP / Straßenpreis: E 499,– / ca. E 370,–

+ guter Sound

+ sehr kompakte Maße

+ integrierter Stepsequenzer

+ günstiger Preis

– Arpeggiator ohne Hold-Funktion

Produkt: Keyboards 02/2019
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