Mit dem CK76 ergänzt Yamaha seine CK-Serie um das Format, das viele Live-Keyboarder vermisst haben: 76 Tasten, ein spürbar substanzielleres Spielgefühl als beim kompakten CK61 und deutlich weniger Gewicht als ein 88-Tasten-Instrument mit Hammermechanik. Für 1.199 Euro richtet sich das Yamaha CK76 an Musikerinnen und Musiker, die in Band, Coverprojekt, auf kleinen Bühnen oder im Proberaum Piano-, Orgel- und Synth-Sounds schnell erreichen und ohne aufwendige Menüarbeit formen möchten.
Die Grundidee bleibt angenehm pragmatisch: Das CK76 will weder komplexe Workstation noch reines Digitalpiano sein, sondern ein leichtes, direkt spielbares Bühnenkeyboard. Mit 6,7 kg, eingebauten Lautsprechern, Batteriebetrieb und einem Audio-/MIDI-Interface bringt es dafür ein ungewöhnlich komplettes Paket mit.
76 Tasten, 6,7 kg und ein sinnvoller Kompromiss
Die 76 halbgewichteten FSB-Tasten sind das zentrale Argument dieses Modells. Gegenüber dem CK61 bietet das neue CK76 mehr Spielraum für beidhändige Piano-Parts, Splits und Orgelarbeit. Yamaha hat die Tastatur gegenüber der 61er-Ausführung mit einem höheren Anfangswiderstand und längerem Tastenweg abgestimmt. Damit fühlt sie sich für E-Pianos und viele Bandparts erwachsener an, ohne das Instrument in die Gewichtsklasse eines Hammermechanik-Stagepianos zu bringen.
Wer vor allem akustisches Klavier spielt und eine authentisch gewichtete Mechanik erwartet, sollte weiterhin ein 88-Tasten-Modell mit Hammermechanik in Betracht ziehen. Für Organisten, Synth-Spieler und Keyboarder, die eine flexible Allround-Tastatur bevorzugen, ist die CK76-Mechanik dagegen genau der nachvollziehbare Mittelweg. Die Abmessungen von 111,7 × 10,9 × 29,1 cm bleiben dabei transportfreundlich.

Klänge für den Bandalltag
Die 363 Sounds verteilen sich auf zehn Kategorien und decken die klassischen Rollen eines Live-Keyboards ab: akustische Pianos, E-Pianos, Clavs und Keys, Orgeln, Streicher, Bläser, Pads, Leads und weitere Synth-Sounds. Die maximale Polyphonie beträgt 128 Stimmen. Klanglich greift Yamaha auf AWM2-Samples sowie die AWM-basierte Organ-Flute-Klangerzeugung zurück.
Besonders praktisch ist die dreiteilige Architektur. Drei Parts lassen sich unabhängig mit Sounds belegen, layern oder als Split über die Tastatur verteilen. Ein Pianoklang links, eine Orgel in der Mitte und ein Pad in der oberen Lage sind also ebenso möglich wie ein breites E-Piano-Layer mit Synth-Fläche. Bis zu 160 Live-Sets speichern diese Zusammenstellungen inklusive wichtiger Einstellungen für den direkten Songwechsel.
Für die Orgelabteilung stehen neun Zugriegel, Percussion sowie Vibrato/Chorus bereit. Das ist weit mehr als eine kosmetische Dreingabe: Drawbar-Registrierungen lassen sich live wirklich anfassen und verändern. Bei rotierenden Orgel-Sounds profitiert das CK76 zudem von der unmittelbaren Bedienlogik, statt Parameter in Untermenüs suchen zu müssen.

Bedienung: Bühne statt Display-Tiefe
Hier liegt eine der größten Stärken des Yamaha CK76. Separate Taster für Klangkategorien, drei Part-Lautstärkeregler, Zugriegel und die gut sichtbare Effektsektion machen die Signalwege verständlich. Filter und Hüllkurve können pro Sound direkt bearbeitet werden; ein Bypass bringt die Änderungen schnell wieder auf den Ausgangszustand. Das ist gerade bei Proben und auf der Bühne sinnvoll, wenn ein Sound im Arrangement mehr Präsenz, weniger Höhen oder einen anderen Charakter braucht.
Fünf Effektblöcke – Drive, FX1, FX2, Delay und Reverb – stellen insgesamt 51 Effekt-Typen bereit. Dazu kommt ein dreibandiger Master-EQ. Das Konzept belohnt Musiker, die ihren Sound spontan nachjustieren wollen: Statt einer riesigen Synthese-Architektur gibt es die Parameter, die im Live-Alltag am häufigsten benötigt werden.
Anschlüsse, Lautsprecher und flexibles Setup
Trotz des schlanken Gehäuses ist das CK76 kein reines Minimal-Keyboard. Stereo-Line-Ausgänge, Stereo-A/D-Input, Kopfhörerausgang, MIDI In/Out, Anschlüsse für Sustain- und Expression-Pedal sowie USB-to-Host und USB-to-Device decken typische Bühnen- und Homesetups ab. Über USB kann das CK76 MIDI und Audio mit Computer oder DAW austauschen; es fungiert damit auch als kompaktes Audio-Interface.
Der A/D-Input nimmt wahlweise Line-Signale oder ein Mikrofon auf und führt sie durch die Effektsektion. Bluetooth-Audio macht das kabellose Einspielen von Backingtracks oder Übungsstücken einfach. Für spontane Proben, Unterricht oder kleine Sessions sind die eingebauten Stereo-Lautsprecher mit 2 × 6 Watt ein echter Vorteil – zumal Yamaha sie beim CK76 nicht als Ersatz für eine PA, sondern als sofort verfügbare Abhörmöglichkeit versteht.
Neben dem Netzteil kann das Stage Piano mit acht AA-Batterien oder passenden Ni-MH-Akkus betrieben werden. Das passt konsequent zum Mobilitätskonzept und ist für Straßenmusik, Workshops oder Orte ohne nahe Steckdose mehr als nur ein nettes Extra.

Für wen lohnt sich das Yamaha CK76?
Das CK76 positioniert sich überzeugend zwischen zwei sehr unterschiedlichen Konzepten: Dem ultrakompakten CK61 mit 61 Tasten und einem schweren 88-Tasten-Stagepiano. Es ist ideal für Keyboarder, die regelmäßig transportieren, aber bei Piano-Splits und beidhändigem Spiel nicht zu stark eingeschränkt werden wollen. Gerade in Coverbands, Pop-, Funk- und Soul-Projekten trifft die Kombination aus Piano, Orgel und Synth-Sounds den Kernbedarf.
Für den Vergleich innerhalb der Serie lohnt ein Blick auf das Yamaha CK61, wenn maximale Kompaktheit zählt, sowie auf das Yamaha CK88, falls eine gewichtete 88-Tasten-Mechanik Vorrang hat. Weitere Alternativen finden sich in der Stage-Piano-Übersicht.

Fazit: Yamaha CK76
Das Yamaha CK76 ist ein durchdacht ausgestattetes, ausgesprochen mobiles Stage Piano für 1.199 Euro. Seine 76 halbgewichteten Tasten schließen die Lücke zwischen kompaktem Keyboard und vollwertigem Stagepiano sehr sinnvoll. Der Klangvorrat ist breit genug für praktisch jeden Bandjob, die Orgelabteilung besitzt echte Live-Bedienelemente und die Bedienung bleibt erfreulich direkt. Lautsprecher, Batteriebetrieb, Mikrofon-/Line-Eingang und USB-Audio machen das Paket vielseitiger als viele klassische Bühneninstrumente.
Wer eine pianistische Hammermechanik verlangt, wird bei einem 88-Tasten-Modell glücklicher. Wer jedoch ein leichtes, schnell bedienbares und klanglich vielseitiges Instrument für Bühne, Proberaum, Produktion und Unterricht sucht, findet im CK76 einen der attraktivsten Allrounder seiner Klasse.
Pro
- Sehr niedriges Gewicht bei praxisgerechten 76 Tasten
- Direkte Bedienung mit Zugriegeln, Part-Reglern und Effekt-Sektion
- Vielseitige Ausstattung mit Lautsprechern, Batteriebetrieb und USB-Audio
Contra
- Keine Hammermechanik für anspruchsvolle klassische Pianoparts
- 160 Live-Sets können bei umfangreichen Repertoires knapp werden
Link zur Herstellerseite: Yamaha

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