Vintage-Effekte sind mehr als nur Nostalgie – sie sind eigenständige Instrumente mit Charakter. In dieser Reihe schauen wir uns klassische und auch etwas obskure Effektgeräte an, die unsere Liebe verdienen. Den Anfang macht einer der berühmtesten Bandecho-Klassiker überhaupt: das Roland Space Echo RE-201.
Mit seinem warmen, organischen Delaysound hat das Roland Space Echo RE-201 unzählige Produktionen geprägt – von Gitarrenhelden der 70er über Dub bis hin zu Trip-Hop. Wer einmal mit einem echten Bandecho gearbeitet hat, versteht schnell, warum dieses Gerät auch heute noch als Inspiration für moderne Plugins und Emulationen dient.
Vom Gitarrenhelden bis Trip-Hop: Wer das Space Echo benutzt
Das Roland Space Echo RE-201 ist besonders bei Gitarristen legendär. Viele Solo-Exkursionen der 70er-Jahre-Gitarrenhelden leben von genau diesem Sound – man denke etwa an Jimmy Page, Eddie Van Halen, Ronnie Montrose oder Alex Lifeson (Rush). Ohne den typischen „Roland-Echo-Sound“ würden viele ikonische Soli deutlich nüchterner wirken.
Aber auch im Elektronik- und Keyboard-Lager ist das Space Echo fest verankert. Besonders in Dub und Trip-Hop gehört der Sound quasi zur Grundausstattung. Die Maschinen tauchen in Produktionen von Artists wie Portishead, Underworld, Fatboy Slim, Dust Brothers, Jean-Michel Jarre, Mr. Oizo, Bob Marley, Future Sound of London, KISS, Sublime, Luke Vibert, Lauryn Hill und Tomita auf – um nur einige zu nennen.
Ein schönes Beispiel ist der von den 50ern inspirierte Vokaleffekt bei Sigue Sigue Sputnik, der mit einem Roland Bandecho und kräftigen Echtzeit-Modulationen der Bandgeschwindigkeit erzeugt wurde. Auch Komponisten der Neuen Musik, etwa Terry Riley, setzen Tape-Delays – insbesondere in Kombination mit Orgel – als zentrales Klangwerkzeug ein.
So funktioniert ein Bandecho
Ein Bandecho wie das Roland Space Echo RE-201 arbeitet im Prinzip wie ein Tonbandgerät mit mehreren Tonköpfen und einer Endlos-Bandschleife.
- Das Eingangssignal wird über einen Aufnahmekopf auf das Band geschrieben.
- Mehrere Wiedergabeköpfe spielen das Signal zeitversetzt wieder aus.
- Je nach Abstand der Köpfe und deren Kombination entsteht ein Echo- bis hin zu einem dichten Halleffekt – zusätzlich zum Direktsignal.
Frühere Bandechos gab es schon in den späten 50ern, etwa von Vox oder Meazzi (man hört sie z.B. bei den Shadows in „Apache“ oder „FBI“). In den 70ern wurde das Prinzip durch Geräte wie die Watkins Copycat populär. Roland hat dieses Konzept nicht erfunden, aber konsequent weiterentwickelt und um zusätzliche klangliche Möglichkeiten erweitert.

Geschichte und Technik des Roland Space Echo RE-201
Das erste und bis heute populärste Roland Bandecho ist das RE-201, vorgestellt 1975. Es kostete damals stolze 1.590 DM und blieb bis in die frühen 80er Jahre im Programm. Im Gegensatz zu älteren Geräten wie dem Dynacord Echolette oder verschiedenen Vox-Bandechos arbeitet das Space Echo vollständig mit Transistortechnik – keine Röhren, dafür:
- 22 Transistoren
- 9 Dioden
- 1 IC
Ein technisches Highlight ist der neu entwickelte bürstenlose Elektromotor. Er verbessert den Bandgleichlauf deutlich und reduziert die berüchtigten „Jauleffekte“, die beim Ändern der Bandgeschwindigkeit älterer Geräte auftreten können. Gleichzeitig ist dieser Motor wartungsarm und sehr zuverlässig – ein wesentlicher Grund dafür, dass viele RE-201 bis heute stabil laufen.
Design, Gewicht und Verarbeitung
Mit rund 9,5 kg ist das Roland Space Echo RE-201 alles andere als ein Leichtgewicht. Das Gehäuse misst etwa 41,5 x 27,5 x 18,5 cm und trägt das typische Mid-70s-Roland-Design: schwarzes Panel, klare Beschriftung und der bekannte grüne Akzent, wie man ihn auch von Synthesizern der SH-Serie kennt.
Die Front ist sehr übersichtlich gestaltet. Bereits im originalen Handbuch wird das „übersichtliche, gefällige Design“ hervorgehoben – nicht zu Unrecht, denn trotz der vielen Funktionen bleibt das Panel gut verständlich.
Bedienung und Anschlüsse des RE-201
Im Zentrum der Bedienoberfläche sitzt ein zwölfstufiger Mode-Selector. Mit ihm können bis zu drei Wiedergabeköpfe in unterschiedlichen Kombinationen aktiviert werden. Zur Auswahl stehen:
- verschiedene Echo-Einstellungen
- mehrere Kombinationen aus Echo und Hall
- eine reine Reverb-Only-Position
Rechts vom Mode-Selector befinden sich die Regler für Feedback, Lautstärke und Geschwindigkeit des Delays. Eine einfache Zweiband-Klangregelung (Bass und Höhen) erlaubt klangliche Anpassungen, dazu kommt ein separater Regler für den Reverb-Level.
Links auf der Front lassen sich die Eingangspegel von zwei Mikrofoneingängen und einem Instrument/Line-Eingang einstellen. Ein VU-Meter und eine Übersteuerungs-LED helfen bei der Kontrolle der Pegel.
Alle praktisch relevanten Buchsen liegen auf der Vorderseite:
- zwei Mikrofon-Eingänge
- ein Instrument-/Line-Eingang
- zusätzlicher Line-Eingang für Signale vom Mischpult
- Fußschalteranschluss für Bypass
- monophoner Ausgang mit dreistufig einstellbarem Pegel (-15 / -25 / -35 dB)
Der Pegel des Ausgangs lässt sich per Wahlschalter vorwählen, zudem gibt es einen manuellen Bypass-Schalter. Die frontseitige Anordnung erhöht den Bedienkomfort, auch wenn es bei vielen Kabeln etwas unordentlich aussehen kann – in der Praxis überwiegt aber die Funktionalität.
Klangcharakter: Warm, organisch und lebendig
Der Klang des Roland Space Echo RE-201 wird – völlig zu Recht – überall gelobt. Wer auf einen warmen, organischen Delaysound steht, kommt an einem Bandecho kaum vorbei. Das Space Echo klingt:
- lebendig
- leicht „atmen“d
- immer ein wenig in Bewegung
Die kleinen Gleichlaufschwankungen, die nicht ganz perfekte Bandführung und der wechselnde Kontakt zwischen Band und Tonköpfen sorgen für subtile Variationen bei jeder Wiederholung. Aus technischer Sicht sind das Mängel – aus musikalischer Sicht genau der Grund, warum es so gut funktioniert.
Natürlich bringt die analoge Technik auch Nebengeräusche mit sich. Wenn Band und Mechanik allerdings in einem guten Zustand sind, bleibt das Rauschen moderat. Die solide Verarbeitung der Roland-Geräte sorgt außerdem dafür, dass sie deutlich weniger anfällig sind als viele andere Bandechos ihrer Zeit.
Wartung, Bänder und Federhall
Damit ein Roland Space Echo RE-201 langfristig gut klingt, braucht es ein wenig Pflege:
- Die Tonköpfe sollten regelmäßig gereinigt werden.
- Die Lebensdauer der Endlos-Bandschleifen (z.B. RT-1L) ist begrenzt.
Im Original-Manual wird die Band-Lebensdauer mit etwa 300 Betriebsstunden angegeben. Zum Wechseln der Bandschleife klappt man den oberen Teil des Gehäuses auf und hat so Zugriff auf das Laufwerk.
Der eingebaute Federhall liefert einen eher kurzen Hall, der aus heutiger Sicht vielleicht nicht „High-End“ ist, dem Signal aber einen sehr angenehmen Raumanteil verleiht. Ähnlich wie beim MAM VSR-3 zeigt sich: Selbst diese „Uralt“-Effekte sind wieder im Trend, weil sie digitalen Hallgeräten eine eigene, charaktervolle Note entgegensetzen.
Die Space-Echo-Familie: RE-301, RE-501 und SRE-555
Roland führte das Grundkonzept des Space Echo RE-201 mit weiteren Modellen fort.
Chorus Echo RE-301
Ab 1977 kam das Chorus Echo RE-301 auf den Markt (Listenpreis damals 1.990 DM). Das Grundprinzip des RE-201 blieb erhalten, inklusive Federhall. Neu hinzu kamen:
- ein analoger Chorus-Effekt mit warmem, dezentem Charakter
- ein zusätzlicher Playback-Kopf direkt vor dem Löschkopf
Dieser zusätzliche Kopf ermöglichte den „Sound on Sound“-Modus: Ein vollständiger Banddurchlauf wird nicht sofort gelöscht, sodass man sich selbst begleiten kann. Mit längeren Bandschleifen lassen sich so quasi „Loop“-Zeiten von mehreren Minuten erreichen – allerdings ohne mehrfache Wiederholung des Eingangssignals auf diesem speziellen Tonkopf. Auch die Elektronik wurde im Vergleich zum RE-201 verbessert.
Chorus Echo RE-501
1979 erschien das Chorus Echo RE-501 als professionell ausgerichtete Weiterentwicklung (Listenpreis 1.970 DM). Zu den wichtigsten Neuerungen gehörten:
- ein einfaches Rauschunterdrückungssystem
- sauberere Echosignale bei reduzierten Nebengeräuschen
- symmetrische Ein- und Ausgänge für längere Kabelwege auf Bühne und im Studio
- längerer Bandweg für größere Delayzeiten (bis zu ca. 1 Sekunde bei langsamer Bandgeschwindigkeit)
- LED-Ketten statt VU-Meter
- Anschlussmöglichkeit für bis zu drei Fußschalter zur Fernsteuerung wichtiger Funktionen
- verbesserte „Sound on Sound“-Funktion
SRE-555 – die Rackversion
Um Rack-Fans und Platzsparer zu bedienen, brachte Roland im selben Jahr die Rackversion SRE-555 für 2.280 DM auf den Markt. Sie ist technisch zum RE-501 kompatibel, sitzt aber im 19″-Gehäuse. Praktisch: Zum Bandwechsel lässt sich die Maschine auf kleinen Rollen aus dem Gehäuse herausfahren.
In späteren Roland-Geräten wie der Groove-Effektbox EF-303 oder dem Variphrase-Prozessor VP-9000 hat man versucht, die Klangeigenschaften des Roland Space Echo RE-201 digital nachzubilden. Dennoch gilt: Das Original bleibt unerreicht – allein der Anblick der rotierenden Bandschleife hat schon einen eigenen „magischen“ Effekt.
Gebrauchtkauf: Worauf du achten solltest
Auch Jahrzehnte nach Produktionsende sind die Roland Space Echo RE-201 extrem begehrt, weil sie eine charaktervolle Alternative zu modernen, aber oft eher „sterilen“ Digitaldelays darstellen.
Auf dem Gebrauchtmarkt bewegen sich die Preise (je nach Zustand) in der Regel im Bereich von etwa 1000–1500 Euro. Beim Kauf solltest du vor allem auf Folgendes achten:
- Tonköpfe: keine tiefen Kratzer oder Rost, möglichst gleichmäßige Abnutzung. Starke Riefen können dazu führen, dass hohe Frequenzen im Delay nicht mehr sauber wiedergegeben werden.
- Mechanik: Rollen, Umlenkmechanik und Motor sollten ruhig und ohne Schleifgeräusche laufen.
- Band: Ein verschlissenes Band ist kein Drama, aber ein Verhandlungspunkt – ein frischer Bandsatz ist fast Pflicht, wenn du das volle Klangpotenzial ausschöpfen möchtest.
Roland Space Echo RE-201 – Features & Specs
Hier die wichtigsten Features des Roland Space Echo RE-201 im Überblick:
- 3 Playback-Tonköpfe
- 4 Eingänge (2x Mikrofon, 1x Instrument, 1x Mischpult/Line)
- 1 monophoner Ausgang mit schaltbarem Pegel (-15 / -25 / -35 dB)
- 1 Fußschalteranschluss (Bypass)
- integrierter Federhall
- 9 Kontrollregler (Instrument, Mic Level, Gesamtlautstärke, Reverb, Echo-Geschwindigkeit, Feedback, Bass, Höhen, ggf. Eingang/Level)
- 12-stufiger Mode-Selector zur Auswahl von Echo-, Echo+Reverb- und Reverb-Only-Modi
- VU-Meter-Anzeige
- Übersteuerungs-LED
- bürstenloser Motor für verbesserten Bandgleichlauf
- robustes Gehäuse im klassischen Roland-Mid-70s-Design
So ausgestattet ist das Roland Space Echo RE-201 bis heute eines der inspirierendsten Bandechos – ein Effektgerät, das man nicht nur hört, sondern regelrecht spielt.


Unsere neuesten Beiträge
Roland Space Echo RE-201 – Bandecho-Klassiker
Vintage-Effekte sind mehr als nur Nostalgie – sie sind eigenständige Instrumente mit Charakter. In dieser [...]
> WEITERLESENSound&Recording Magazin startet umfangreiches Webinar-Programm
Das Sound&Recording Magazin eröffnet 2026 mit einem neuen Webinar-Programm, das sich direkt an die Realität [...]
> WEITERLESENBehringer Crave im Test – Vollanaloger Desktop-Synth
Behringer Crave Test: Der Behringer Crave ist ein kompakter, vollanaloger Desktop-Synth, der sich als vielseitige [...]
> WEITERLESEN