Der brennt!

Interview mit Produzent George FitzGerald

(Bild: RHODRI BROOKS)

Der britische Produzent George FitzGerald brachte mit All That Must Be nun sein zweites Album heraus, das über Domino Anfang des Jahres erschien. Der sympathische Engländer ist Klassik-Synth-Liebhaber und gleichzeitig Software-Experimenteur und mischt während des Produzierens, was den zwar glattgebügelten, aber dennoch sehr lebendigen und sphärischen Sound der Single Burns erklärt!

Es ist hart, sich als Produzent auf dem Markt durchzusetzen. Vor allem im Bereich Dance & Electronic liegen die Bedroom-Producer schon lange nicht mehr schlafend auf ihrer Matratze, sondern produzieren die Nächte durch; in Boxershorts, Unterhemd und einer geballten Ladung Koffein − so stelle ich mir sie zumindest vor. Und so bekomme ich viele Anfragen für Interviews, und manche landen auch ungesehen im Papierkorb. So auch die Anfrage vom Ballyhoo Promotions für das Interview mit George FitzGerald, der mir allerdings wegen des traditionell irischen Namens und der etwas extravaganten Schreibweise im Kopf geblieben ist. Zwei Tage später war ich im Auto unterwegs, und ein Freund drehte einen Song auf, dessen Sound mich durch ein rhythmisches Vocal-Sample packte, dessen sphärisches Arpeggio mich faszinierte und der zwar glattgebügelt, aber trotzdem lebendig und »analog« klang. »Denis, von wem ist der Track?« − »George FitzGerald. Er heißt Burns!« − »Der Brennt!«

Anzeige

“Ich habe das Produzieren überhaupt erst mit dem Mischen meiner Songs gelernt!”

George ist vor Kurzem von Berlin nach London ge- zogen und sitzt dort in seinem Studio, während ich ihm über Skype Fragen stelle und er mir stolz seine Synth-Sammlung zeigt. Was mich als Musiker oft am meisten interessiert, ist der persönliche Bezug zur Musik. Deshalb die Frage:

George, was bedeutet dein neues Album All That Must Be für dich persönlich?

Die letzten beiden Alben, die ich geschrieben habe, waren sehr persönlich. Davor war ich eher darauf fokussiert, dass die Musik in Clubs funktioniert. All That Must Be reflektiert das, was gerade in meinem Leben passiert; ich wurde Vater, bin in eine andere Stadt gezogen, in ein neues Zuhause. Wenn ich die Musik höre, kann ich diese Erlebnisse und meine Emotionen hören.

Kannst du uns einen Einblick in deine Produktionsweise geben und erzählen, wie das Album entstanden ist?

Ich habe ein Studio im Süden von London, wo ich auch wohne. Die Albumproduktion habe ich allerdings bereits in Berlin begonnen, von wo ich gerade hergezogen bin. Ich produziere hauptsächlich in Ableton Live. Ich habe viele Synthesizer und Outboard in meinem Studio, die ich auf der letzten Platte oft eingesetzt habe. Ich greife wenig auf Software-Instrumente zurück, der Fokus der Platte liegt klar auf Hardware-Sequenzern und -Synthesizern. Sie inspirieren mich einfach zu meiner Musik.

Für die Albumproduktion habe ich sogar die Drums und das Piano live aufgenommen. Die Samples habe ich geschnitten und mit meinem Equipment, beispielsweise meiner TR-909 und der DSI Tempest, kombiniert. Ich habe die Live-Sounds dann mit elektronischen Sounds gelayert. Das ist die Basis der Drum- Sounds. Für den Beat gehen alle Sounds aus dem Tempest in die Pre-Amps, die ich hier im Studio habe. Damit habe ich sie dann auch verzerrt.

Du hast bereits einige Klassik-Synths genannt. Welche setzt du denn in deiner Single Burns ein?

Die Bass-Line von Burns kommt aus meinem ARP Odyssey und die Pads aus meinem Prophet-5, von dem wirklich viele Sounds von meinem neuen Album stammen. Ein anderer Synthesizer, der auf der Platte eine große Rolle spielt, ist der [Roland] SH-101, aus dem auch das Arpeggio zu Burns stammt. Ansonsten stammen viele Lead-Synths auch aus dem Dave Smith OB-6.

Im Song gibt es ein Vocal-Sample, dass du als Rhythmus-Element einsetzt, was teilweise stark mit Hall und Delay bearbeitet wurde. Woher stammt dieses Vocal-Sample aus dem Song, und wie hast du den Sound geformt?

Die Stimme stammt vom Sänger der britischen Band Little Cub. Ich habe einfach eine Vocal-Spur von einem ihrer Tracks genommen und sie durch sehr viele Pitch-Effekte wie Antares und Co. laufen lassen. Ich habe damit nicht die Stimme, sondern nur den Formanten gepitcht, damit sie mal männlich und mal weiblich klingt. Ich habe mit vielen Vocal-Samples herumgespielt und experimentiert, bis ich mich für dieses entschieden habe.

Hast du die Songs auch am Ende gemischt?

Bei früheren Platten habe ich das getan, aber mit diesen Songs bin ich zu einem alten historischen Stu- dio hier im Norden von London mit dem Namen Konk Studios gegangen und habe sie dort mischen lassen. Es war super, zum Mischen aus meiner Regie zu kom- men und die Songs in einem anderen Raum zu hören. Wenn man so lange an einer Platte arbeitet − ich habe über drei Jahre daran geschrieben −, ist es auch gut, das Ganze mit jemand anderem zusammen zu mischen, der die Songs wieder aus einer anderen Perspektive hört. Aber ich bin noch nicht in der Lage, meine Tracks jemand anderen ganz alleine mischen zu lassen. Ich habe das Produzieren überhaupt erst mit dem Mischen meiner Songs gelernt und habe deshalb auch eine klare Vorstellung davon, wie ich und meine Musik klingen sollen. Deshalb möchte ich das auch nicht komplett abgeben.

Also nutzt du in deinen Tracks schon vor dem finalen Mix viele Mixing-Plug-ins und -Effekte?

Ja, ich nutze häufig den FabFilter Pro-Q, er ist für mich der beste Software-Equalizer. Das grafische Interface macht ihn sehr übersichtlich, und mit den kleinen Featuers wie Mitten- und Seiten-EQing kann man wirklich coole Effekte erzeugen. Außerdem sind die Valhalla-Reverbs einfach unglaublich. Es gibt wirklich gute Hall- und Reverb-Effekte, aber die von Valhalla sind meine Favoriten. Den Valhalla Vintage- Verb nutze ich, glaube ich, auf jedem Track. Weitere Tools, ohne die ich fast nicht mehr leben könnte, sind der Echoboy und der Decapitator von Soundtoys. Den Decapitator hört man allerdings oft in Produktionen, deshalb verwende ich ihn jetzt nicht mehr. Ich nutze aber auch viele UAD-Plug-ins als Kompressoren oder EQs, die sind für mich unverzichtbar.

Aber eigentlich versuche ich, die Effekte auf der Aufnahme mit Hardware-Outboard zu erzeugen wie beispielsweise mit Delays oder Chorus. Ich nutze auch sehr viel Spring-Reverb auf dieser Platte; hauptsächlich den Boss RE-20, der wie der Space Echo von Ro- land klingt. Ein sehr transparenter Stereo-Reverb ist auch der Orban Parasound. Er hat zusätzlich noch einen EQ und einen Limiter, damit lässt sich der Sound schön mehr oder weniger in die Feder fahren. Den habe ich häufig auf den Drums eingesetzt.

Ich habe gesehen, dass es zur Single Burns auch ein Video von einer Live-Performance gibt. Wie habt ihr den originalen Track auf die Bühne gebracht?

Für das Live-Video haben wir auf den E-Drums die gleichen Sound-Samples verwendet, die auch im ori- ginalen Track zu hören sind. Auf Becken haben wir aber auch hier verzichtet. Für das Original habe ich viele Synthesizer verwendet, die hier bei mir im Studio stehen. Viele davon sind verstimmt oder was auch immer und sind nicht mehr bühnentauglich. Ich möchte aber auch nicht, dass sie unterwegs kaputt gehen. Der SH-101 wurde hier durch den Dominion 1 von MFB ersetzt, ein fantastischer Hersteller aus Berlin, ich bin ein wirklicher Fan. Die Pads stammen aus dem Korg Minilogue. Er ist zwar günstig, aber ein fantastischer, kleiner Synthesizer, der auf Tour zuverlässig ist und einfach gut klingt. Das sind die beiden Synths, die ich im Video spiele. Der andere Keyboarder im Video nutzt den Moog Sub37 für den ARPOdyssey-Bass-Sound. Die Pads kommen hier nicht aus dem Prophet-5, sondern aus dem OB-6 von Dave Smith Instruments.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: