In den siebziger Jahren war Polyphonie noch ein echtes Luxusgut. Mehrstimmige Synthesizer kosteten sehr viel Geld und galten als wartungsintensiv. Daher erlebten die sogenannten String-Synthesizer (oder String Machines) einen regelrechten Boom. Plötzlich waren Flächenklänge auch für weniger betuchte Keyboarder erreichbar. Live auf der Bühne mussten Musiker nicht länger mit instabilen Synthesizer-Monstern kämpfen.
Bands wie Air, Pram oder Broadcast entdeckten in den Neunzigern diese Instrumentengattung neu und setzten sie gezielt in ihren Produktionen ein.
Der Logan String Melody im Vergleich
Der Logan (Hohner)String Melody gilt neben dem Solina String Ensemble als einer der besten Vertreter seiner Art. Er wurde unter anderem von britischen Bands wie The Enid oder Digital Darkness eingesetzt.
Auch deutsche Künstler griffen gern zum italienischen String Synth. Die Düsseldorfer Helden der 80er wie Der Plan und Pyrolator nutzten ihn auf Klassikern wie „Geri Reig“ oder „Inland“. Später schwärmten auch die Wiener Dzihan & Kamien in Interviews von diesem Vintage-Sound.
Sogar die britische Elektro-Ikone Saul P. Kane (aka SEM) setzte ihn Mitte der 90er auf Releases ein. Damit beweist das Instrument seine zeitlose Relevanz.
Geschichte und Modelle: Logan und Hohner
Die Firma Logan wurde 1978 in Porto Recanati (Italien) gegründet. Neben Heimorgeln und Multikeyboards entstanden dort vor allem die bekannten Logan String Melody I und II.
In Deutschland vertrieb Hohner die Instrumente unter dem Namen Hohner String Melody. Auf der Gehäuseseite blieb jedoch die originale Bezeichnung „Logan System“ erhalten.
Der erste Logan/Hohner String Melody kostete bei seiner Einführung rund 2.600 DM. Sein Holzgehäuse und die bunte Bedienoberfläche machten ihn optisch wie technisch zu einem Highlight.
Aufbau und Bedienung
Das Instrument steckt in einem stabilen Holzcase und wiegt stolze 23 Kilogramm. Auffällig sind die bunten Fader und das edle Holzfurnier.
Die 5-Oktaven-Tastatur ist in der Mitte gesplittet und erlaubt so unterschiedliche Klangkombinationen. Jede Hälfte bietet eigene Attack- und Release-Regler. Für die obere Hälfte stehen Cello, Viola und Violin zur Verfügung. Unten gibt es dieselben Sounds in tieferen Lagen sowie Bass-Strings und einen Percussion-Bass.
Ein praktisches Feature ist der „Orchestra“-Preset-Taster, der sofort einen vollen Ensemble-Sound liefert.
Foto: Bernhard Loesener
Klangcharakter und Effekte
Der Klang des Logan String Melody ist warm, fett und leicht schwebend. Typisch ist der mittige Retro-Stringsound zwischen 320 Hz und 5 kHz. Damit setzt er sich in jedem Arrangement durch.
Mit einem Phaser-Effekt erhält der Logan sofort den typischen „Oldschool-String“-Charakter, den man von Jean-Michel Jarres „Oxygene“ und „Equinoxe“ kennt. Jarre selbst nutzte zwar den Eminent 310U, doch klanglich bewegt sich der Logan in derselben Liga.
Kritikpunkt ist das Grundrauschen des internen Chorus. Zudem sorgt die offene VCA-Schaltung für den berüchtigten Bienenschwarm-Effekt, wenn kein Ton gespielt wird.
Technik: Vollpolyphonie dank Frequenzteiler
Ein großer Vorteil von Stringmachines ist ihre Vollpolyphonie. Jede gedrückte Taste erzeugt auch tatsächlich einen Ton. Möglich wird dies durch eine Frequenzteiler-Schaltung, die auch bei Orgeln üblich ist.
Der Logan hebt sich hier positiv ab: Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten wie dem Solina bietet er einen luxuriösen Envelope Generator, der für jede Taste neu triggert. Das trägt maßgeblich zur Qualität seines Sounds bei.
Die beiden zusätzlichen Basssounds sind monophon, klingen aber kräftig und obertonreich.
Foto: Bernhard Loesener
Unterschiede zum String Melody II
Der Nachfolger, der Logan String Melody II, bietet zusätzliche Presets wie Saw, Acc, Solo (mit Vibrato) sowie einen Orgelklang. Auch dieses Modell wurde in Deutschland von Hohner vertrieben.
Beide Versionen – String Melody I und II – sind für Freunde von klassischen Retrostrings eine echte Empfehlung. Allerdings sind die Preise in den letzten Jahren stark gestiegen, und die Geräte sind nur selten erhältlich.
Weitere Logan-Instrumente
Neben den String Melody Synths brachte Logan noch weitere spannende Analoginstrumente heraus:
den Piano String Synthesizer (mit Piano- und Synth-Sounds)
das Big Band Multikeyboard (Brass, Piano, Orgel und Strings)
den extrem seltenen Vocal Synth, mit integriertem String Melody, Monosynth und einem polyphonen Chorsynthesizer
Diese Exoten sind heute echte Sammlerstücke.
Features des Logan String Melody I
vollpolyphon
analoge Klangerzeugung
48-Tasten-Keyboard
getrennte Attack- und Release-Regler pro Split-Sektion
AR-Hüllkurve für jede Stimme
interner Chorus
2× Cello, Viola und Violin Sounds
monophoner Percussion-Bass
monophoner String-Bass
stabiles Holzcase
„Orchestra“-Preset
5 Oktaven Tastatur
Monoausgang
zusätzliche Presets (Orgel, Solo, Saw, Acc) nur beim String Melody II
Fazit: Hohner String Melody – Ein Muss für Vintage-Fans
Der Logan/Hohner String Melody ist ein zeitloser Klassiker unter den String Synthesizern. Sein satter, warmer und charaktervoller Klang macht ihn bis heute beliebt – ob im Studio oder auf der Bühne.
Wer auf der Suche nach authentischen Vintage-Strings ist, findet im Logan String Melody eine hervorragende Wahl. Beide Versionen, I und II, sind gesuchte Sammlerobjekte und klingen auch im Jahr 2025 noch absolut einzigartig.
Empfehlung der Redaktion: Aktuelle String-Synthesizer
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