Mit Hexdrums bringt Erica Synths gemeinsam mit der Hexinverter-DNA eine analoge Drum-Machine auf den Tisch, der sich nicht als nüchterne Groovebox versteht, sondern als eigenständiges Instrument für elektronische Rhythmusarbeit. Der Preis liegt bei 1.359,00 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Damit bewegt sich Hexdrums klar im professionellen Bereich und richtet sich nicht an Einsteiger, die möglichst viele Funktionen pro Euro suchen. Hier bezahlt man analoge Klangerzeugung, direkten Zugriff, eine robuste Hardware und eine sehr bestimmte klangliche Haltung.
Schon beim Auspacken wird deutlich, dass Erica Synths das Gerät nicht als leichtes Desktop-Gadget begreift. Das Metallgehäuse wirkt stabil, die Holzseitenteile geben dem Instrument einen klassischen Charakter. Die Potis laufen angenehm schwer und vermitteln genau das Gefühl, das man bei einem analogen Drumcomputer haben möchte: Man fasst den Sound wirklich an. Der gerasterte Data-Regler ist sinnvoll, das Volume-Poti läuft frei, und auch die Kippschalter wirken hochwertig, wenn auch anfangs noch etwas schwergängig. Das ist nicht unangenehm, sondern eher ein Hinweis darauf, dass hier keine wackelige Consumer-Hardware vor einem steht.
Interessant ist auch das Zubehör: Besonders die beiliegenden Preset-Schablonen sind mehr als eine nette Beigabe. Da Hexdrums keine speicherbaren Drumkits im klassischen Sinne bietet, sind diese Overlays eine sehr praktische Lösung. Man kann Einstellungen dokumentieren, eigene Klangzustände festhalten und bestimmte Startpunkte schneller wiederherstellen. Das wirkt zunächst fast altmodisch, passt aber sehr gut zur Philosophie des Geräts. Man speichert hier nicht jeden Parameter digital ab, sondern arbeitet mit einem Instrument, das immer wieder neu eingestellt und gespielt werden will.
Positiv fällt auch das Verpackungskonzept auf. Statt das Gerät zusätzlich in Folie einzupacken, wird es im Wesentlichen durch Formteile geschützt. Das wirkt im ersten Moment ungewohnt, ist aber konsequent und sympathisch, weil unnötiger Kunststoff vermieden wird.
Ausstattung und Bedienung: Direkt, robust und kompromisslos
Hexdrums ist ein Drumcomputer mit zehn Stimmen. Im Zentrum stehen analoge beziehungsweise überwiegend analoge Drum-Voices, ergänzt durch zwei samplebasierte digitale Stimmen. Die Instrumentenauswahl deckt klassische elektronische Drum-Sounds ab, bleibt dabei aber nicht bei bloßer Nostalgie stehen. Es gibt zwei Bassdrums, Machine, Snare, Clap, Rimshot, HiHats sowie Crash und Ride. Dazu kommen ein interner Sequenzer, Einzelausgänge, Stereoausgang, Kopfhörerausgang, MIDI, USB-MIDI sowie Clock-Anschlüsse.
Das Bedienkonzept ist der eigentliche Kern des Geräts. Für die Klangformung stehen viele dedizierte Regler und Schalter bereit. Gerade im oberen Bedienfeld fühlt sich Hexdrums eher wie ein großes analoges Modul an als wie eine moderne Groovebox. Es gibt keine tief verschachtelten Menüs, keine endlosen Display-Seiten und keine Bedienlogik, bei der man erst nachschlagen muss, welche Shift-Kombination welchen Parameter freilegt. Der Sound liegt direkt vor einem.
Das hat enorme Vorteile. Wer aus der Synthesizer-Praxis kommt, fühlt sich sofort zu Hause. Man dreht an Decay, Tune, Filter, Tone, Noise, Click oder Reverb-Anteilen und hört unmittelbar, was passiert. Gerade bei Drums ist diese Direktheit wichtig, weil kleine Bewegungen große Wirkung haben können. Eine Kick wird nicht nur etwas länger, sondern verändert ihren musikalischen Druck. Eine Snare bekommt nicht nur mehr Rauschen, sondern kippt plötzlich von trockenem Backbeat in industrielles Zischen. Ein Rimshot bleibt nicht einfach Rimshot, sondern kann in Richtung Percussion, Zap, Clave oder Effekt-Sound wandern.
Die Kehrseite dieser Direktheit ist klar: Sounds lassen sich nicht als Presets speichern. Das ist keine kleine Nebensache, sondern eine bewusste Grundsatzentscheidung. Wer gerne komplette Kits vorbereitet, Songs exakt reproduziert und Soundzustände später auf Knopfdruck zurückholen möchte, wird mit Hexdrums diszipliniert arbeiten müssen. Fotos, Notizen oder eben die mitgelieferten Schablonen sind dann keine Spielerei, sondern Teil des Workflows. Im Studio ist das durchaus charmant, live kann es je nach Arbeitsweise auch zur Herausforderung werden.
Der Sequenzer sitzt im unteren Bereich und orientiert sich am klassischen TR-Gedanken: Steps setzen, Tracks auswählen, Pattern bauen, variieren, muten, performen. 256 Pattern und 16 Songs bieten ausreichend Speicher für komplexere Setups. Pattern können bis zu 64 Steps lang sein. Neben Step-Eingabe gibt es Tap-Write-Funktionen, Accent, Shuffle, Ratcheting, Trigger-Wahrscheinlichkeit und Microtiming. Damit bleibt Hexdrums nicht bei starrer Lauflicht-Programmierung stehen, sondern erlaubt durchaus lebendige Grooves mit Verschiebungen, Wiederholungen und kontrollierter Zufälligkeit.

Klang und Technik: Kein sauberer Allrounder, sondern ein Charaktergerät
Klanglich ist Hexdrums keine brave Drum-Machine. Der Grundcharakter ist kräftig, direkt, analog rau und oft bewusst überzeichnet. Die Maschine erinnert in ihrer Arbeitsweise an klassische Drumcomputer, will aber keine reine Reproduktion bekannter Sounds sein. Vielmehr werden bekannte elektronische Drum-Schaltungen als Ausgangspunkt genommen, erweitert, verbogen und in ein modernes, performantes Instrument übersetzt.
Die erste Bassdrum ist auf Druck und Durchsetzung ausgelegt. Sie kann klassisch elektronisch klingen, aber auch deutlich härter und aggressiver werden. Sub-Anteile, Pitch-Verhalten, Decay und Click lassen sich so kombinieren, dass sie sowohl für technoide Fundamente als auch für kantigere Industrial-Kontexte funktionieren. Die zweite Bassdrum bewegt sich eher in einem runden, tieferen Bereich und kann je nach Einstellung weicher, länger und fundamentaler wirken. Zusammen ergeben die beiden Kicks ein breites Fundament, wobei man sich schnell dabei ertappt, nicht nur eine Kick zu bauen, sondern Kick-Dialoge zu programmieren.
Die Machine-Stimme ist eine der interessantesten Sektionen. Sie ist weniger ein klassisches Drum-Instrument als ein kleiner Percussion-Synthesizer. Zwei tonale Komponenten, Noise, Click und Hüllkurven erlauben eine große Bandbreite: kurze Zaps, synthetische Toms, blecherne Störgeräusche, rhythmische Drones oder Zwischenklänge, die nicht eindeutig Snare, Tom oder Effekt sind. Genau hier zeigt sich, dass Hexdrums für Sounddesigner besonders spannend ist. Wer nur Standarddrums braucht, wird diese Stimme vielleicht unterschätzen. Wer gerne aus Rhythmus und Klanggestaltung eine gemeinsame Bewegung macht, bekommt hier sehr viel Material.
Die Snare deckt ein weites Feld ab. Sie kann trocken, kompakt und elektronisch sein, aber auch deutlich experimenteller werden. Der tonale Anteil und die Rauschkomponente lassen sich gut gegeneinander ausbalancieren. Besonders die Filterung der Snappy-Komponente macht die Snare flexibel. Man kann sie enger, heller, aggressiver oder körperhafter einstellen. Sie muss nicht schön sein, und genau das ist ihre Stärke.
Der Clap bringt ebenfalls mehr als nur einen bekannten elektronischen Klatsch-Sound. Durch die Parameter für Noise, Filterung und Reverb-Charakter lässt sich der Sound stark formen. Er kann kurz und funktional im Groove sitzen oder als breiter, künstlicher Raumakzent auftreten. Gerade in Verbindung mit Kompressor und Drive entsteht schnell dieser leicht überfahrene, zusammengeklebte Drum-Machine-Sound, der sich in dichten elektronischen Produktionen sehr gut behaupten kann.
Der Rimshot ist beinahe zu bescheiden benannt. Je nach Modus und Filtereinstellung entstehen Clave-artige Sounds, kurze harte Percussion-Impulse, metallische Akzente oder kleine synthetische Effektschläge. Diese Stimme ist weniger ein Nebendarsteller als ein kreatives Werkzeug für Bewegung im Pattern.
Die HiHats orientieren sich klar an synthetischen, klassischen Klangidealen, sind aber ausreichend formbar. Open und Closed Hat lassen sich in ihrem Zusammenspiel definieren, inklusive Choke-Verhalten. Gerade für Grooves mit viel interner Bewegung ist das wichtig, weil Hats oft darüber entscheiden, ob ein Beat nur programmiert wirkt oder wirklich atmet.

Crash und Ride sind samplebasiert und damit technisch anders angelegt als die analogen Stimmen. Das ist kein Nachteil, sondern pragmatisch. Cymbal-Sounds lassen sich analog nur mit erheblichem Aufwand überzeugend und flexibel erzeugen. Die Möglichkeit, eigene Samples zu laden, erweitert den Einsatzbereich deutlich. Man sollte allerdings realistisch bleiben: Das ist kein umfangreicher Sampler für lange Phrasen oder Backing-Tracks, sondern eine Ergänzung für kurze, percussive Sounds.
Die Master-Sektion bietet Kompressor und Overdrive. Das ist für den Charakter der Hexdrums entscheidend. Beide lassen sich parallel beimischen, wodurch man den Sound verdichten kann, ohne ihn komplett zu zerstören. Der Kompressor kann die einzelnen Stimmen zusammenziehen und dem Gesamtbild mehr Druck geben. Der Drive bringt Schmutz, Härte und Obertöne. Zusammen entsteht ein Klang, der nicht steril im Mix steht, sondern sich nach Hardware anfühlt.
Was allerdings fehlt, ist eine Master-Filter-Sektion. Gerade bei einem performativen analogen Drumcomputer wäre ein Master-Filter naheliegend gewesen, um Breaks, Builds und Live-Übergänge direkt am Gerät zu gestalten. Man kann natürlich extern filtern, über ein Mischpult arbeiten oder einzelne Ausgänge bearbeiten. Aber ein integrierter Master-Filter hätte sehr gut zum unmittelbaren Performance-Konzept gepasst.
Praxis im Studio: Ein Instrument, das aufgenommen werden will
Im Studio zeigt Hexdrums seine Stärke besonders dann, wenn man es nicht wie eine Preset-Maschine behandelt. Das Gerät lädt dazu ein, Pattern laufen zu lassen und währenddessen Sounds zu formen. Man arbeitet weniger mit fertigen Kits, sondern mit klanglichen Zuständen. Eine Kick wird über ein paar Minuten immer härter, die Snare wandert von trocken zu verrauscht, Machine übernimmt plötzlich eine melodisch-percussive Rolle, und der Drive zieht alles in eine gemeinsame Textur. Die Einzelausgänge sind dabei enorm wichtig. Wer Hexdrums ernsthaft in ein Studio-Setup integriert, wird schnell merken, dass der Stereoausgang zwar gut klingt, aber nicht immer ausreicht. Gerade Kick, Snare, Hats und Machine profitieren davon, separat aufgenommen und bearbeitet zu werden. Eine Kick möchte vielleicht durch einen eigenen EQ und Kompressor, die Snare bekommt einen Raum, die Hats werden feiner gefiltert, und die Machine-Stimme landet auf einem Delay oder in einer Distortion-Kette. Hexdrums liefert dafür die nötigen Ausgänge.
Allerdings bedeutet das auch: Wer alle Spuren separat aufnehmen möchte, braucht ein Audiointerface mit entsprechend vielen Eingängen. USB-Audio gibt es nicht. Das ist im professionellen Studio kein Problem, sollte aber vor dem Kauf klar sein. USB dient hier für MIDI, Sample-Transfer und technische Verwaltungsfunktionen, nicht als Mehrkanal-Audioverbindung. In einem hybriden Setup mit DAW, externen Synthesizern und Modularsystemen macht Hexdrums eine sehr gute Figur. MIDI In und Out, USB-MIDI sowie Clock In und Out erlauben verschiedene Synchronisationsszenarien. Gerade mit Eurorack-Systemen liegt der Einsatz nahe, weil Erica Synths und Hexinverter aus dieser Welt kommen. Hexdrums fühlt sich nicht wie ein geschlossenes Konsumgerät an, sondern wie eine zentrale Rhythmusmaschine, die andere Geräte antreiben oder sich von ihnen treiben lassen kann.
Im Mix muss man allerdings auf Pegel achten. Analoge Drum-Stimmen, interner Summenweg, Kompressor und Drive können schnell zu einem massiven Signal führen. Das ist klanglich reizvoll, aber nicht automatisch kontrolliert. Wer zu heiß in die Summe fährt, bekommt Druck, aber auch Rauschen, Verzerrung und eine gewisse Rauigkeit. Das kann genau richtig sein, wenn man Techno, Electro, Industrial, Noise, EBM oder experimentelle elektronische Musik produziert. Für sehr saubere Pop-Produktionen oder filigrane akustische Arrangements muss man stärker zähmen.

Live-Workflow: Stark für Performance, aber nicht für totale Reproduzierbarkeit
Live ist Hexdrums ein spannendes Instrument, weil fast alles Wichtige direkt zugänglich ist. Mutes, Solo-Funktionen, Rolls, Patternwechsel, Reload, Ratchets, Wahrscheinlichkeiten und Microtiming machen die Maschine performativ. Man kann einen Groove nicht nur abspielen, sondern entwickeln. Gerade für elektronische Live-Sets ist das ein großer Vorteil. Der direkte Zugriff auf die Klangparameter ist live ebenfalls stark. Man kann Decays verlängern, Filter bewegen, Kicks härter fahren, die Snare öffnen, Claps breiter machen und den Drive langsam hinzumischen. Die Maschine reagiert unmittelbar. Das fühlt sich musikalisch an.
Die fehlende Speicherbarkeit der Sounds bleibt aber auch live der größte Kompromiss. Wer ein Set spielt, in dem jeder Song exakt reproduzierbare Drumkits braucht, muss sehr genau vorbereiten. Die beiliegenden Schablonen helfen, aber sie ersetzen keine speicherbaren Kits. Hexdrums ist live deshalb besonders stark für Musiker, die Variation zulassen und mit dem Instrument arbeiten, statt es nur als Begleitautomaten zu nutzen. Auch der fehlende Master-Filter fällt live stärker auf als im Studio. Gerade Breakdowns und Übergänge lassen sich mit einem globalen Filter sehr intuitiv gestalten. Bei Hexdrums muss man solche Bewegungen entweder über einzelne Stimmen, über externe Geräte oder über den Mixer erzeugen. Das ist machbar, aber nicht so elegant, wie es mit einer integrierten Filtersektion wäre.
Sequenzer, Presets, MIDI und Performance-Funktionen
Der Sequenzer ist leicht zugänglich, aber nicht banal. Er bietet die klassische Einfachheit eines Step-Sequenzers und erweitert sie um moderne rhythmische Funktionen. Ratcheting erlaubt schnelle Wiederholungen pro Step, Wahrscheinlichkeiten bringen Variation, Microtiming verschiebt einzelne Ereignisse subtil nach vorne oder hinten, und unterschiedliche Track-Längen können polyrhythmische Strukturen erzeugen. Gerade für erfahrene Produzenten ist das interessant, weil man nicht auf starre 16-Step-Loops festgelegt ist. Ein Snare-Track mit anderer Länge, Hats mit eigenem Shuffle, eine Machine-Stimme mit ungerader Struktur und eine gerade Kick können zusammen sehr lebendige Patterns ergeben. Diese Lebendigkeit entsteht nicht durch eine komplizierte Menüstruktur, sondern aus musikalisch sinnvollen Eingriffen. Die Song-Funktion erlaubt das Verketten von Pattern. Das ist praktisch, wenn man längere Arrangements oder Live-Strukturen vorbereiten möchte. Trotzdem bleibt Hexdrums eher Performance-Instrument als Arrangement-Zentrale. Wer komplexe Songproduktionen mit vielen Szenen, Automationen und Kit-Wechseln erwartet, wird in einer DAW oder einer stärker digital organisierten Groovebox mehr Komfort finden.
MIDI ist solide integriert. Externe Clock, MIDI-Trigger und Synchronisation sind möglich. Für ein modernes Studio ist das Pflicht, und Hexdrums erfüllt diesen Bereich ausreichend. Was fehlt, ist die tiefere digitale Kontrolle über Klangparameter. Es gibt keine Parameter-Automation der analogen Soundsektionen im Sequenzer. Auch das passt zur Philosophie, ist aber eine Einschränkung. Wer Pitch, Decay, Filter oder Drive präzise pro Step automatisieren möchte, findet diese Arbeitsweise hier nicht. Die samplebasierten Stimmen bieten zusätzliche Flexibilität. Eigene kurze Samples können geladen werden, wodurch sich fehlende Sounds wie Cowbells, spezielle Percussion oder kurze Effektklänge ergänzen lassen. Die Speicherkapazität ist dabei klar auf kurze Samples ausgelegt. Für einen Drumcomputer ist das ausreichend, für umfangreiches Sample-Playback nicht.
Kontrolle und Lernkurve: Einfach zu bedienen, aber nicht immer leicht zu beherrschen
Hexdrums ist leicht zugänglich, aber nicht automatisch leicht zu kontrollieren. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Bedienung ist direkt und logisch. Man versteht schnell, welcher Regler was macht. Doch die Klangbereiche vieler Stimmen sind groß. Kleine Bewegungen können deutliche Veränderungen auslösen, und manche Sounds kippen schnell von brauchbar zu extrem. Für erfahrene Synthesizer-Nutzer ist das eher ein Vorteil. Man bekommt ein Instrument mit Reibung, Persönlichkeit und Tiefe. Für Anwender, die hauptsächlich fertige Kits abrufen und nur minimale Anpassungen vornehmen möchten, kann diese Offenheit anstrengend sein. Hexdrums belohnt aktives Hören, präzises Einstellen und die Bereitschaft, Sounds nicht nur auszuwählen, sondern zu bauen.
Die Hardware unterstützt diese Arbeitsweise sehr gut. Die Potis fühlen sich griffig an, die Schalter geben klares Feedback, das Gehäuse steht stabil auf dem Tisch. Auch die mechanischen Taster im Sequencer-Bereich vermitteln ein klares Arbeitsgefühl. Man hat nicht den Eindruck, mit einem empfindlichen Controller zu arbeiten, sondern mit einem Instrument, das für häufiges Anfassen gebaut wurde. Das Display ist funktional, aber bewusst reduziert. Es hilft bei Werten, Pattern, Einstellungen und Menüs, ist aber kein großes grafisches Zentrum. Das passt zum Konzept. Hexdrums kommuniziert primär über Regler, LEDs und Klang, nicht über Bildschirmseiten.
Einordnung: Werkzeug, Instrument oder Spezialist?
Hexdrums ist eindeutig mehr Instrument als reines Werkzeug. Natürlich kann man damit funktionale Drumtracks bauen. Aber seine eigentliche Stärke liegt darin, dass es den Nutzer in eine klanggestalterische Haltung zwingt. Man programmiert nicht nur Beats, sondern formt ein rhythmisches Klangsystem. Als Werkzeug ist Hexdrums dann stark, wenn man charaktervolle analoge Drums braucht, die sich im Mix behaupten. Als Instrument ist es stark, wenn man performt, moduliert, übersteuert, verdichtet und die Grenzen der einzelnen Stimmen ausreizt. Als Spezialist ist es interessant für Produzenten, die bewusst keine beliebige Allround-Maschine suchen, sondern eine Drum-Machine mit klarer Handschrift.
Für klassische Keyboarder oder Digitalpiano-Spieler, die vor allem verlässliche Begleitpatterns und schnell abrufbare Presets suchen, ist Hexdrums vermutlich zu roh und zu speziell. Für Synthesizer-Nerds, Sounddesigner und elektronische Live-Musiker ist genau diese Rohheit der Reiz. Man bekommt kein glattpoliertes Produktionszentrum, sondern ein analoges Rhythmusinstrument mit Kanten.

Was fehlt?
Der wichtigste Kritikpunkt bleibt die fehlende Speicherbarkeit der Sounds. Gerade weil die einzelnen Stimmen so weitreichend formbar sind, wäre es praktisch, zumindest Kits sichern zu können. Die Schablonen sind eine charmante und durchaus nützliche Lösung, aber sie sind kein Ersatz für digitale Recall-Funktionen. Der zweite Punkt ist der fehlende Master-Filter. Die Master-Sektion mit Kompressor und Overdrive ist klanglich sinnvoll und passt hervorragend zum Gerät. Aber ein globaler Filter hätte den Live- und Performance-Charakter deutlich erweitert. Gerade bei Breaks, Übergängen und dynamischen Spannungsbögen wäre das ein naheliegendes Werkzeug. Drittens muss man akzeptieren, dass Hexdrums kein modernes All-in-one-Produktionssystem ist. Kein USB-Multitrack-Audio, keine umfassende Parameterautomation, keine speicherbaren Kits, keine DAW-artige Arrangement-Logik. Das ist nicht zwingend ein Fehler, aber es definiert sehr klar, für wen das Gerät geeignet ist.
Fazit – Erica Synths Hexdrums
Der Erica Synths Hexdrums ist kein Drumcomputer für Anwender, die möglichst schnell fertige Preset-Beats abrufen möchten. Er ist ein analog geprägtes Rhythmusinstrument für Menschen, die Sounds anfassen, verändern und auch ein Stück weit riskieren wollen. Seine Stärken liegen in der direkten Bedienung, dem druckvollen Klang, den flexiblen Drum-Voices und der sehr guten Hardware-Anmutung.
Im Studio überzeugt Hexdrums besonders durch seine Einzelausgänge und seinen eigenständigen Klangcharakter. Live punktet er mit unmittelbarer Bedienung, Mutes, Rolls, Pattern-Funktionen und Performance-tauglicher Haptik. Gleichzeitig muss man mit den Einschränkungen leben: keine speicherbaren Kits, keine Parameterautomation im modernen Sinne, kein USB-Multitrack-Audio und keine Master-Filter-Sektion.
Der Preis von 1.359,00 Euro ist hoch, aber nicht unangemessen, wenn man Hexdrums als spezialisiertes analoges Instrument betrachtet. Wer eine flexible, glatt integrierte Produktionszentrale sucht, findet hier nicht die bequemste Lösung. Wer dagegen einen charakterstarken Drumcomputer mit direktem Zugriff, rauem Klang, solider Verarbeitung und klarem Performance-Fokus sucht, bekommt ein sehr eigenständiges Gerät.
Für Produzenten, Synthesizer-Nerds, Sounddesigner und erfahrene elektronische Musiker ist Hexdrums deshalb eine spannende Maschine. Nicht, weil sie alles kann, sondern weil sie sehr genau weiß, was sie sein will: ein druckvoller, direkter und leicht eigensinniger analoger Drumcomputer, der mehr nach Instrument als nach Menüsystem klingt.
Pro
- Sehr direkter, hochwertiger Zugriff mit vielen Reglern und Schaltern
- Charakterstarker, druckvoller Klang mit analoger Rauheit und flexiblen Stimmen
- Gute Studiointegration durch Einzelausgänge, MIDI, USB-MIDI und Clock-Anschlüsse
Contra
- Keine speicherbaren Drumkits oder Sound-Presets
- Keine Master-Filter-Sektion für globale Live- und Übergangsfahrten
Link zur Herstellerseite: Erica Synths
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Publisher des Sound&Recording-Magazin, Spezialist für Tontechnik und Synthesizer, Host des Studiosofa-Podcast
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