LFO im Synthesizer: Was er ist, wofür du ihn brauchst – und was er nicht ist
Wenn du dich durch die Bedienoberfläche klassischer Synthesizer arbeitest, begegnet dir ein Bauteil fast immer sehr früh: der LFO. Und auffällig oft sitzt er ganz links im Bedienfeld – nicht, weil er „der wichtigste Klanggenerator“ wäre, sondern weil er eine Art zentrales Werkzeug für Bewegung ist. Ohne LFO klingen viele Patches korrekt, aber statisch. Mit LFO werden sie lebendig, musikalisch und oft erst „synth-typisch“.
In diesem Artikel klären wir sauber: Was ist ein LFO? Wofür brauchst du ihn? Und warum ist er kein vollwertiger Oszillator – auch wenn er „Oszillator“ heißt?
Was ist ein LFO?
LFO steht für Low Frequency Oscillator – also ein Oszillator, der sehr langsam schwingt. Im Unterschied zu den Oszillatoren, die du als Klangquelle nutzt (VCO/DCO/Wavetable usw.), arbeitet ein LFO typischerweise in einem Frequenzbereich, der unterhalb der Hörschwelle liegt. Du hörst ihn also nicht als Tonhöhe, sondern du siehst und fühlst seine Wirkung: Er verändert andere Parameter im Zeitverlauf.
Ein LFO erzeugt meistens einfache Wellenformen wie Sinus, Dreieck, Sägezahn oder Rechteck. Diese Wellenform wird dann als Modulationssignal verwendet – früher als Steuerspannung (CV), heute oft digital intern geroutet.
Kurz gesagt: Ein LFO ist ein automatischer Modulator, der einem Patch Bewegung gibt.
Wofür braucht man einen LFO im Synthesizer?
Sobald du möchtest, dass ein Sound nicht nur „da ist“, sondern atmet, pulsiert oder schwebt, kommt der LFO ins Spiel. Er moduliert Parameter wiederholt und kontrolliert – und zwar so, dass es musikalisch nutzbar bleibt.
Sehr typische Anwendungen sind:
- Vibrato: LFO moduliert die Tonhöhe (Pitch) leicht und langsam.
- Tremolo: LFO moduliert die Lautstärke (Amp/Volume).
- Filterbewegung: LFO moduliert Cutoff/Resonanz und macht Pads, Bässe oder Leads lebendiger.
Das Entscheidende ist dabei die Kombination aus Rate (Geschwindigkeit) und Depth/Amount (Intensität). Dadurch kannst du zwischen subtiler Animation und klarer Rhythmik alles abdecken. Und weil der LFO kontinuierlich läuft, wirkt er wie eine „unsichtbare Hand“, die permanent an einem Regler dreht – nur eben reproduzierbar.
Warum sitzt der LFO bei vielen klassischen Synths ganz links?
Bei vielen analogen Klassikern findest du links zuerst die Modulationsquellen (LFO, Mod-Wheel-Routing, Noise/Random, manchmal Sample & Hold). Der Grund ist pragmatisch: Der LFO ist kein Teil einer Klangstufe, sondern ein Querschnittswerkzeug. Er kann Oszillatoren, Filter und Verstärker beeinflussen – also fast alles, was rechts davon kommt.
Diese Platzierung folgt dem Gedanken: Erst Modulationsquelle, dann Klangformung. Gerade bei subtraktiver Synthese ist das logisch, weil du Bewegung oft früh mitdenkst: „Soll das Filter pulsieren? Soll das Pad schweben? Soll der Bass wackeln?“ Ein LFO links im Panel erinnert dich daran.
Die wichtigsten LFO-Parameter – verständlich erklärt
Ein LFO ist schnell verstanden, aber fein dosiert wird er erst durch die üblichen Bedienelemente:
Rate/Frequency bestimmt, wie schnell der LFO schwingt. Langsam erzeugt er schwebende Verläufe, schneller wird es rhythmisch, und sehr schnell kann es in einen hörbaren Bereich kippen.
Depth/Amount regelt, wie stark der Zielparameter moduliert wird. Das ist der Unterschied zwischen „ein bisschen Leben“ und „starker Effekt“.
Waveform prägt den Charakter:
Eine Sinus- oder Dreieckwelle wirkt weich, Sägezahn wirkt wie ein stetiger Anstieg/Abfall, Rechteck ist abrupt und eignet sich für harte Umschaltungen oder Gate-artige Effekte.
Viele Synths bieten außerdem Sync zum Tempo (z. B. 1/4, 1/8, punktiert), Delay/Fade-in (LFO setzt später ein) oder Reset/Key Sync (LFO startet bei Tastendruck an einer definierten Phase). Diese Details entscheiden oft darüber, ob sich ein Patch „tight“ oder eher organisch verhält.
Was ein LFO nicht ist: kein vollwertiger Oszillator
Der Begriff enthält „Oszillator“, und deshalb kommt die häufigste Verwechslung: Ein LFO ist kein vollwertiger Audio-Oszillator. Ja, er schwingt. Ja, er kann manchmal bis in den Audiobereich hochgeregelt werden. Trotzdem ist er in vielen Synth-Architekturen nicht dafür gedacht, eine Klangquelle zu ersetzen.
Warum?
Ein „vollwertiger“ Oszillator ist üblicherweise auf stabile Tonhöhenführung ausgelegt, oft mit sauberem Keyboard-Tracking (1V/Okt oder digital äquivalent), mehreren klangformenden Optionen (Waveshaping, Sync, FM-Eingänge, Unisono/Detune etc.) und einem Signalweg, der für Audiopegel optimiert ist.
Ein LFO dagegen ist primär eine Modulationsquelle. Häufig fehlen ihm:
- präzises Tracking über die Tastatur,
- ein für Audio optimierter Pegel/Signalweg,
- die klangformenden Features eines VCO/DCO,
- und manchmal sogar eine wirklich „saubere“ Wellenform, weil Genauigkeit im Modulationskontext wichtiger ist als Audioqualität.
Wichtig ist die Nuance: Einige Synths erlauben Audio-Rate-Modulation mit dem LFO, und das kann musikalisch sehr reizvoll sein (z. B. metallische FM- oder AM-Texturen). Dennoch bleibt die Rolle des LFO im Design meist: modulieren statt klingen.
LFO in der Praxis: So klingt „Bewegung“ wirklich musikalisch
Ein guter LFO-Einsatz wirkt selten wie ein Effekt, sondern wie ein Teil des Instruments. Gerade im Mix zahlt sich das aus, weil Bewegung Aufmerksamkeit erzeugt, ohne Lautstärke oder Overprocessing zu benötigen.
Drei bewährte Szenarien:
- Ein Pad gewinnt sofort, wenn ein langsamer LFO den Filter minimal bewegt. Dadurch entstehen feine Obertongänge, die nicht aufdringlich sind, aber Tiefe erzeugen.
- Ein Bass wird charaktervoll, wenn ein tempo-synchroner LFO subtil den Cutoff moduliert. Das ergibt Groove, ohne dass du sofort zur Sidechain greifen musst.
- Ein Lead wird expressiver, wenn du das Vibrato nicht dauerhaft laufen lässt, sondern den LFO-Anteil per Mod-Wheel oder Aftertouch dosierst. So klingt es gespielt statt programmiert.
Fazit: Der LFO ist klein, aber zentral
Der LFO ist einer der Gründe, warum Synthesizer so lebendig sein können. Er ist keine vollwertige Klangquelle, aber ein entscheidender Bewegungs-Generator. Und genau deshalb sitzt er bei klassischen Synths so oft links: Er ist das Werkzeug, mit dem du einem Patch Charakter, Puls und Musikalität gibst, bevor du dich in Details verlierst.
Wenn du beim nächsten Patchbau unsicher bist, starte nicht mit „mehr Effekte“, sondern mit einer Frage: Welche Parameter sollen sich bewegen – und wie subtil oder rhythmisch soll es sein? In vielen Fällen ist die Antwort: LFO.
Leitender Redakteur – keyboards.de
Multiinstrumentalist • Audio Engineer • Kreativer Tüftler • Familienvater • Pen-&-Paper-Enthusiast

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