Korg DDD-1: Das 80er-Flaggschiff mit ROM-Cards, Pads und (optionalem) Sampling
Gesampelte und digitale Drumsounds waren Mitte der 80er längst Standard. Wer sich jedoch gegen etablierte Maschinen wie die Roland TR-707 behaupten wollte, brauchte mehr als nur solide PCM-Samples. Korg setzte 1986 mit der DDD-1 zum Gegenangriff an und brachte ein echtes Rhythmusmaschinen-Flaggschiff auf den Markt – inklusive Features, die damals als luxuriös galten: anschlagsdynamische Pads, Erweiterbarkeit per ROM-Card und sogar die Möglichkeit, eigene Sounds zu samplen. Letzteres allerdings nur gegen Aufpreis: Die Sampling-Option musste separat gekauft werden. Der Listenpreis der DDD-1 lag bei DM 2.400, die Samplekarte kostete zusätzlich noch einmal spürbar.
Interessant ist der Vergleich zur ebenfalls 1986 erschienenen Casio RZ-1: weniger Funktionen, dafür Sampling ab Werk und deutlich günstiger – was sie vermutlich auch weiter verbreitet machte. Trotzdem war die DDD-1 keineswegs ein Exot ohne Prominenz: In den 80ern wurde sie von bekannten Namen genutzt; als oft zitierte Beispiele gelten Jean-Michel Jarre und Philip Glass, der die DDD-1 bei Aufführungen von „Akhnaten“ eingesetzt haben soll.
Design & Bedienung: „Studio“ statt Spielzeug
Schon optisch gibt sich die DDD-1 Mühe, seriös und professionell zu wirken. Sie erinnert an Korgs SQD-1-Sequencer aus demselben Jahr und folgt einem klaren Konzept: Matrix-Bedienung statt Menü-Tauchgänge. Genau das ist bis heute eine ihrer Stärken. Man kann schnell loslegen, ohne sich erst durch Handbuchkapitel zu kämpfen.
Die Dateneingabe erfolgt wahlweise über einen Fader oder über Plus/Minus-Tasten im Zahlenfeld. Das hintergrundbeleuchtete, zweizeilige Display (32 Zeichen) wirkt auch heute noch angenehm funktional, weil es zusammen mit der Matrix ein zügiges Arbeiten erlaubt. Unter dem Zahlenblock sitzen neben Start/Stop/Record erfreulicherweise auch eine Tap-Tempo-Taste. Das war damals keineswegs selbstverständlich – und besonders praktisch: Das Tempo lässt sich sogar während des Recordings nachjustieren.
Pads, Spielgefühl und Performance-Tricks
Die DDD-1 stellt 18 interne Sounds bereit, die über 14 anschlagsdynamische Pads getriggert werden. Die Sounds können frei auf die Pads verteilt werden, was im Studio wie live wirklich hilft. Die Velocity-Erkennung ist ordentlich und die Empfindlichkeit lässt sich einstellen – einzig die klappernden Plastikpads stören den professionellen Eindruck ein wenig. Mit massiveren Gummipads wäre das Gesamtgefühl deutlich wertiger gewesen.
Für mehr „Live-Charakter“ sorgen Roll und Flam, die per eigener Tasten aktiviert werden. Ein Volume-Fader sowie ein Audio-In-Fader (für die Samplingoption bzw. Trigger-In-Level) runden die Oberfläche ab.
ROM-Card-Wahnsinn: Vier Slots als echtes Argument

Klappt man die dezent braun-transparente Abdeckleiste an der Front hoch, wird klar, warum die DDD-1 für viele Sammler und 80s-Fans so reizvoll ist: Vier Slots für ROM-Erweiterungskarten – plus ein zusätzlicher Slot für RAM-Karten, auf denen Song- und Pattern-Daten abgelegt werden können. Diese Erweiterbarkeit war eines der großen Verkaufsargumente, denn kaum eine andere Drum-Machine ließ sich damals so konsequent „füttern“. Eine ROM-Card kostete um DM 280 – wer wollte, konnte also den Gerätepreis problemlos noch einmal in Soundmaterial investieren.
Anschlüsse: üppig – aber MIDI ohne Thru
Auch rückseitig macht die DDD-1 vieles richtig. Neben Stereo-Out und Kopfhörer gibt es mehrere Einzelausgänge, darunter einen für die gesampelten Sounds. Dazu kommen ein Metronom-Ausgang sowie Tape In/Out (als Miniklinke), deren Pegel sich per DIP-Schalter auf High/Low anpassen lässt. Die Tape-Schnittstelle dient nicht nur der Datensicherung, sondern ermöglicht auch die Synchronisation zu Bandmaschinen via Syncsignal – ein echter Studio-Pluspunkt im 80er-Workflow.

Weniger schön: MIDI gibt’s nur als In und Out. Eine MIDI-Thru-Buchse fehlt, ebenso eine softwareseitige Umschaltung des Out auf Thru. Zusätzlich finden sich ein Fußschaltereingang für Start/Stop und ein weiterer fürs Tap-Tempo. Und dann ist da noch der Slot, der am deutlichsten nach Geldbeutel riecht: die Samplekarte (damals um DM 800).
Sampling: nett, aber klar begrenzt
So spannend das Feature „eigene Samples“ klingt: Die DDD-1 ist hier spürbar eingeschränkt. Es lassen sich lediglich zwei Samples aufnehmen, jeweils rund 936 ms, bei 12 Bit / 32 kHz. Zum Vergleich: In der Casio RZ-1 standen immerhin vier Samples zur Verfügung, wenn auch mit kürzerer Länge und geringerer Samplingrate. Für One-Shots, kurze Percussions oder Lo-Fi-Noise reicht die DDD-1 dennoch – man sollte nur keine Sample-Schleuder erwarten.
Programmierung: Hier spielt die DDD-1 ihre Trümpfe aus
Richtig interessant wird die DDD-1 bei der Pattern-Arbeit. Programmierung ist Realtime oder Step möglich, der Swing lässt sich in 10 Stufen einstellen. Die Taktart ist flexibel, auch ungerade/exotische Metren sind machbar. Roll und Flam sind nicht nur „On/Off“, sondern sinnvoll integrierte Werkzeuge.
Das Killer-Feature ist jedoch die Event-basierte Sequenz-Programmierung: Parameter wie Tuning, Decay und Lautstärke können pro Event gesetzt werden – und sogar innerhalb eines Patterns variieren. Eine Snare, die im Verlauf „hochzieht“ oder deren Decay sich verändert, ist damit kein Trick in der DAW, sondern direkt im Drumcomputer programmiert. Fehler lassen sich über eine Erase-Taste schnell entfernen. Die maximale Quantisierung reicht bis 32tel-Triolen; zudem können mehrere Patterns zu einem großen Pattern zusammengefügt werden. Bis zu fünf Drumkits mit unterschiedlichen Tune/Decay/Velocity-Settings lassen sich erstellen, was die Maschine im Alltag deutlich flexibler macht als viele reine „Preset“-Kisten.

Auch MIDI ist praxisgerecht: Sounds können Tasten zugeordnet werden, Senden/Empfangen lässt sich filtern, und MIDI-Clock wird gesendet wie empfangen. Für die Datensicherung ist man nicht auf RAM-Cards oder Kassetten angewiesen, denn per SysEx-Dump lässt sich der interne Speicher bequem am Computer sichern.
Klang: typisches Mid-80s-Universum – mit Charme und Rauschen
Klanglich liefert die DDD-1 genau das, was man erwartet: 80er Digital-Drums mit Charakter. Das Grundrauschen ist deutlich vorhanden, kann aber auch als „Atmosphäre“ wahrgenommen werden – im Mix ist ein Noisegate häufig sinnvoll. Die Sounds sind insgesamt gut brauchbar, besonders die zwei Snares (eine trocken, eine mit gated Reverb) stechen positiv heraus. Die Bassdrums wirken eher zahm und profitieren von Nachbearbeitung – dank Einzelausgängen ist das allerdings kein Drama. Den besonderen Punch holt man über Tune- und Decay-Parameter: Wer hier experimentiert, bekommt schnell eigenständige Ergebnisse, die über „707-Standardware“ hinausgehen.
Mit mehreren ROM-Cards wird die DDD-1 zur echten Ideenmaschine. Als erhältliche Karten werden häufig genannt: Gated Reverb 1–3, Japanese, E-Drums 1–3, Variation (Synthbässe) sowie Latin 1–3.
Ein klarer Komfort-Nachteil bleibt das Mute-Handling: Sounds stummzuschalten ist umständlicher als bei Maschinen mit eigenen Fadern pro Instrument (z. B. TR-707 oder RZ-1). Im Studio lässt sich das über die Einzelausgänge elegant umgehen, live ist es eher ein Kompromiss.
Gebrauchtmarkt & Verfügbarkeit
Auf dem Gebrauchtmarkt galt die DDD-1 als relativ selten; Preise wurden früher um DM 300 genannt. Deutlich schwieriger (und oft teurer) sind jedoch ROM- und RAM-Cards sowie die Sampling-Erweiterung – genau die Teile, die den Reiz der Maschine eigentlich ausmachen.
Das Gerät wurde freundlicherweise von Nikolai Kaeßmann zur Verfügung gestellt.
Specs (Korg DDD-1 / DPM-48)
- Polyphonie: 8-fach
- Klangerzeugung: digital, 12 Bit / 32 kHz
- Sounds: 18 Drumsounds (u. a. 2 Snares, 2 Bassdrums, 4 HiHats, 2 Cymbals, 3 Toms, Cabasa, Rimshot, Cowbell, Clap, Tambourine)
- Patterns: 100 (bis 99 Takte)
- Songs: 10 (bis 255 Parts)
- Programmierung: Realtime & Step, Swing (10 Stufen), Roll & Flam
- Tempo: 40–250 BPM, Tap Tempo
- Parameter: Tune, Decay (u. a. eventbasiert programmierbar)
- Erweiterung: 4× ROM-Card-Slots, 1× RAM-Card-Slot
- Display: beleuchtet, 32 Zeichen
- Ausgänge: Stereo, Kopfhörer, 6 Einzelausgänge + separater Sample-Out, Metronom-Out
- Samplingoption: via Samplingplatine DSB-1 (optional)
- MIDI: In / Out
- Sync/Storage: Kassetteninterface, Sync In/Out, Trigger-Out, SysEx-Dump
- Weitere Funktionen: Display-Kontrast einstellbar, Footswitch (Start/Stop, Repeat)
Herstellerlink: KORG (EU – DE)

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