FAME Pro Series Jupiter Test: Mit einem Straßenpreis von rund 249 Euro positioniert sich das FAME Pro Series Jupiter im unteren Preissegment für Großmembran-Kondensatormikrofone – zielt klanglich aber deutlich höher. Als Audio Engineer, der regelmäßig Vocals und Akustikgitarren im Studio aufnimmt, begegnet mir selten ein Mikrofon dieser Preisklasse, das so klar auf einen musikalischen, warmen und sofort einsetzbaren Klangcharakter abgestimmt ist. Der vom Hersteller propagierte Cream Tone ist dabei kein Marketing-Versprechen, sondern tatsächlich Teil der klanglichen DNA dieses Mikrofons. Optisch ist das Mikrofon klar am Mikrofon-Klassiker Neumann U87 angelehnt, wenngleich die Mikrofone natürlich durch die hohen Preisunterschiede in unterschiedlichen Ligen spielen.
Das Jupiter der Exklusiv-Marke des Music Store ist ein klassisches Großmembran-Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik, 48-Volt-Phantomspeisung und XLR-Anschluss – also voll kompatibel mit jedem Audio-Interface, Preamp oder Mischpult. Es verzichtet bewusst auf zusätzliche Schalter oder Filter und setzt stattdessen auf eine fokussierte Grundabstimmung, die vor allem Stimmen schmeichelt und akustische Instrumente organisch abbildet.
Klangcharakter: warm, präsent und musikalisch geglättet
Klanglich bewegt sich das Jupiter klar auf der warmen Seite des Spektrums. Der Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz deckt zwar nominell den gesamten Hörbereich ab, entscheidend ist jedoch die Abstimmung der Mitten und Höhen. Stimmen werden leicht nach vorne geschoben, ohne aggressiv zu wirken. Zischlaute bleiben kontrolliert, Härten werden sanft geglättet – genau das, was man sich bei modernen Pop-, Podcast- oder Singer-Songwriter-Produktionen wünscht.
Im direkten Vergleich zu sehr neutral abgestimmten Studiomikrofonen klingt das Jupiter weniger analytisch, dafür musikalischer. Dieser Ansatz erinnert konzeptionell an klassische Studiomikrofone wie das Neumann U87, allerdings in deutlich vereinfachter und budgetfreundlicher Form. Während das U87 kompromisslos auf Auflösung, Dynamik und Neutralität setzt, verfolgt das Jupiter klar das Ziel, bereits beim Recording einen angenehm polierten Klang zu liefern.
FAME Pro Series Jupiter Test: Vocals im Studio: schnell im Mix, ohne Schärfe
Bei Gesangsaufnahmen spielt das Jupiter seine größte Stärke aus. Egal ob männliche oder weibliche Stimmen, Spoken Word oder Gesang: Das Mikrofon liefert einen nahen, präsenten Vocal-Sound, der sich ohne große Nachbearbeitung im Mix behauptet. Die Empfindlichkeit von –33 dB sorgt für einen kräftigen Ausgangspegel, auch bei leiseren Performances.
Im Vergleich zum Neumann U87 zeigt sich hier der konzeptionelle Unterschied sehr deutlich:
Das U87 bildet jede Nuance, jeden Atemzug und jede dynamische Veränderung extrem präzise ab – und verzeiht dabei nichts. Das Jupiter hingegen arbeitet stimmenfreundlicher. Es nimmt Stimmen etwas „an die Hand“, glättet problematische Frequenzen und reduziert das Risiko harscher Höhen. Gerade in nicht perfekt optimierten Räumen ist das ein echter Vorteil.

Akustikgitarre & Instrumente: rund, kompakt und kontrolliert
Auch bei Akustikgitarren macht das Jupiter mit einer runden, ausgewogenen Wiedergabe einen guten Job. Anschläge werden sauber aufgelöst, ohne überbetont zu wirken. Der Grundton bleibt stabil, die Höhen offen, aber nie spitz. Besonders in Singer-Songwriter-Arrangements oder ruhigen Pop-Produktionen fügt sich das Signal sehr gut ins Gesamtbild ein.
Im Vergleich dazu liefert das Neumann U87 mehr Raumtiefe, Luft und Detailauflösung, vor allem bei Fingerstyle-Spiel oder klassischen Gitarren. Dafür verlangt es aber auch eine bessere Raumakustik und präzisere Mikrofonierung. Das Jupiter ist hier unkomplizierter und praxisnäher – vor allem für kleinere Studios.
FAME Pro Series Jupiter Test – Technik & Specs im Kontext
Rein technisch liegt das Jupiter näher am U87, als man es angesichts des Preisunterschieds erwarten würde. Beide nutzen eine Großmembran-Kapsel ähnlicher Größe, beide arbeiten mit 200 Ohm Ausgangsimpedanz und klassischer XLR-Anbindung. Unterschiede zeigen sich vor allem beim Rauschverhalten und der Flexibilität.
Während das U87 mit mehreren Richtcharakteristiken, Pad und Hochpassfilter ausgestattet ist, bleibt das Jupiter bewusst minimalistisch. Der maximale Schalldruckpegel von 130 dB ist praxisgerecht, der Dynamikumfang von 105 dB absolut solide, das Eigenrauschen mit 72 dB S/N hörbar höher als bei High-End-Mikrofonen – im Alltag aber selten problematisch.
Auch bei Größe und Gewicht liegen beide Mikrofone erstaunlich nah beieinander. Das Jupiter wirkt wertig, ist sauber verarbeitet und bringt mit rund 460 Gramm genug Masse mit, um professionell im Studioeinsatz zu bestehen.
Verarbeitung & Zubehör: Studio-tauglich und robust
Das Metallgehäuse macht einen langlebigen Eindruck, die mitgelieferte Spinne entkoppelt Trittschall und Vibrationen zuverlässig. Gerade bei Sprachaufnahmen oder ruhigen Gesangspassagen ist das ein echter Pluspunkt. Eine fest verschraubbare Halterung sorgt für sicheren Halt – auch bei ungewöhnlichen Mikrofonpositionen.

Einordnung & Vergleich: FAME Pro Series Jupiter vs. Neumann U87
Im Praxistest haben wir Akustikgitarre sowohl mit einem U87 Ai als auch mit dem FAME Jupiter aufgenommen, wobei beide Mikrofone kapselgenau übereinander positioniert waren, um identische akustische Bedingungen zu gewährleisten. Dabei zeigte sich ein interessanter Unterschied: Das Jupiter liefert im oberen Frequenzbereich etwas mehr Höhenenergie, was dem Signal zunächst mehr Präsenz verleiht, in bestimmten Spielsituationen jedoch auch leicht harsch wirken kann. Das U87 hingegen klingt im direkten A/B-Vergleich zunächst fast etwas dumpfer, offenbart aber bei längerem Hinhören seine Stärken: ein wärmerer, runderer Grundcharakter, mehr Tiefe und insgesamt eine höhere klangliche Auflösung, insbesondere in den Transienten und im Obertonverhalten.
Mit einem Straßenpreis von rund 249 € richtet sich das FAME Pro Series Jupiter klar an Anwender:innen im Budget- bis unteren Mittelklasse-Segment, die einen warmen, sofort nutzbaren Vocal-Sound suchen, ohne tief in die Tasche greifen zu müssen. Zum Vergleich: Ein Neumann U87 Ai liegt aktuell bei ca. 3.200–3.600 € und gilt seit Jahrzehnten als Studio-Referenz für Vocals, Sprache und akustische Instrumente. Der Vergleich ist daher weniger als Konkurrenz zu verstehen, sondern vielmehr als klangliche und konzeptionelle Einordnung.
Das Jupiter verfolgt einen bewusst reduzierten Ansatz. Es arbeitet ausschließlich mit Nierencharakteristik und verzichtet komplett auf schaltbare Funktionen wie Pad oder Hochpassfilter. Dadurch ist es einfach zu bedienen, fehlertolerant und praxisnah, insbesondere in Home- und Projektstudios. Das U87 bietet dagegen drei Richtcharakteristiken (Niere, Kugel, Acht) sowie ein 10-dB-Pad und einen Hochpassfilter, was es extrem flexibel für unterschiedlichste Aufnahmesituationen macht – von Einzelvocals bis hin zu komplexen Raum- und Ensembleaufnahmen.

Technisch liegen beide Mikrofone näher beieinander, als man angesichts des Preisunterschieds erwarten würde. Kapselgröße, Abmessungen und Ausgangsimpedanz sind vergleichbar. Die Unterschiede zeigen sich vor allem beim Rauschverhalten, Dynamikumfang und der Auflösung: Das U87 bietet deutlich mehr Headroom, ein niedrigeres Eigenrauschen und eine insgesamt feinere Detailzeichnung. Das Jupiter punktet hingegen mit einem hohen maximalen Schalldruckpegel und einer praxisgerecht abgestimmten Elektronik.
Klanglich präsentiert sich das Jupiter warm, schmeichelnd und musikalisch geglättet. Stimmen klingen schnell „fertig“, sitzen mühelos im Mix und profitieren von kontrollierten Höhen und betonten Mitten. Das U87 arbeitet neutraler, offener und ehrlicher: Es bildet Transienten, Raum und Dynamik deutlich präziser ab, verzeiht aber auch weniger – schlechte Raumakustik oder unausgewogene Stimmen werden schonungslos offengelegt.
FAME Pro Series Jupiter Test – Fazit: viel Charakter für wenig Geld
Für rund 249 Euro liefert das FAME Pro Series Jupiter einen überraschend erwachsenen, musikalischen Studioklang, der sich klar an klassischen Großmembran-Mikrofonen orientiert. Im direkten Vergleich mit einem Neumann U87 wird deutlich: Das Jupiter ersetzt kein Studio-Flaggschiff der 3.000-Euro-Klasse – bietet aber eine klangliche Handschrift, die im Alltag oft sogar dankbarer ist.
Wer maximale Neutralität, höchste Auflösung und maximale Flexibilität sucht, greift zum U87. Wer hingegen einen warmen, schmeichelnden Vocal-Sound möchte, der sofort funktioniert und sich mühelos in moderne Produktionen einfügt, bekommt mit dem Jupiter ein Mikrofon, das klanglich deutlich über seiner Preisklasse spielt.
Pro
- Warmer, musikalischer Cream-Tone
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Robuste Verarbeitung inkl. Spinne
Contra
- Nur eine Richtcharakteristik
- Kein Pad oder Hochpassfilter


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