Sample & Hold im Synthesizer – was es macht, wofür man es nutzt

Sample & Hold im Synthesizer Moduklation

Sample & Hold klingt im ersten Moment nach Digital-Sampling, hat damit aber im Synthesizer-Kontext fast nichts zu tun. Statt Audio aufzuzeichnen, friert diese kleine Schaltung Spannungen ein – und genau dadurch entstehen die berühmten „zufälligen“ Modulationen, sci-fi-mäßigen Bleeps und lebendigen Filterfahrten, die wir aus unzähligen elektronischen Tracks kennen.

In diesem Artikel schauen wir uns an, was Sample & Hold im Synthesizer genau macht, wofür du es musikalisch nutzen kannst und wie es historisch in die Synth-Welt gekommen ist – natürlich mit Blick auf SEO, gute Lesbarkeit und Praxisnähe.


Was ist Sample & Hold im Synthesizer?

Kurz gesagt:
Eine Sample-&-Hold-Schaltung „nimmt“ zu einem bestimmten Zeitpunkt den aktuellen Spannungswert am Eingang ab und „hält“ ihn so lange fest, bis der nächste Trigger kommt.

  • „Sample“ = zu einem Zeitpunkt messen
  • „Hold“ = gemessenen Wert festhalten

Der Ausgang liefert dadurch gestufte Spannungsverläufe, statt glatter Kurven. Diese gestuften Spannungen werden im Synthesizer meist als Modulationsquelle verwendet – also zum Steuern von Parametern wie:

  • Filter-Cutoff
  • Tonhöhe (Pitch)
  • Pulsbreite (PWM)
  • Lautstärke oder Effekt-Parameter

Wichtig ist außerdem:

Sample & Hold im Synthesizer hat nichts mit dem Samplen von Audiodateien zu tun.
Der Name ist historisch aus der Analogtechnik entstanden und bezieht sich ausschließlich auf das „Abtasten und Halten“ von Spannungen, nicht auf Audioclips.


Wie funktioniert eine Sample-&-Hold-Schaltung technisch?

Damit die Sample-&-Hold-Modulation im Synthesizer verständlich wird, hilft ein vereinfachtes Blockbild im Kopf. Typisch gibt es drei Bausteine:

  1. Eingangssignal (Input)
    Häufig ist das Rauschen (Noise) die Quelle, manchmal aber auch ein LFO, eine Hüllkurve oder eine andere Steuerspannung.

  2. Trigger- oder Clock-Signal
    Ein LFO, ein interner Clock-Generator oder ein externes Gate gibt vor, wann gemessen wird. Bei jedem Trigger „sampelt“ die Schaltung den aktuellen Spannungswert am Eingang.

  3. Sample-&-Hold-Stufe
    Elektronisch besteht sie im Kern aus einem Schalter und einem Kondensator: Der Schalter lässt beim Trigger kurz Spannung auf den Kondensator, der sich auf diesen Wert auflädt. Danach wird der Schalter wieder „geschlossen“ und der Kondensator hält die Spannung, bis der nächste Trigger kommt.

Das Ergebnis ist eine Treppenfunktion: Bei jedem Trigger springt die Ausgangsspannung auf einen neuen Wert, dazwischen bleibt sie konstant.

  • Wenn du Noise einspeist, wirken die Werte zufällig → Random CV
  • Wenn du einen LFO einspeist, bekommst du eine „zerhackte“ Version des LFOs
  • Wenn du Audio einspeist, entstehen raue, bitcrusher-ähnliche Effekte, weil du das Audiosignal quasi „runtersampelst“

Typische Klangcharakteristik: Wie hört sich Sample & Hold an?

Viele kennen die klassische Sample-&-Hold-Modulation als schnell wechselnde, scheinbar chaotische Tonfolgen oder Filterbewegungen – typisch für Sci-Fi-Sounds der 60er und 70er Jahre.

Charakteristisch ist:

  • Stepped Random: Die Modulation springt in klaren Stufen, nicht fließend.
  • Periodische Unordnung: Durch eine gleichmäßige Clock ist der Rhythmus stabil, aber die Werte sind zufällig.
  • Organisierte Chaos-Ästhetik: Ideal für generative Patches, bei denen der Synth „mitspielt“, statt nur stur Befehle abzuarbeiten.

Je nach Clock-Rate kannst du:

  • Langsame, „atmende“ Bewegungen erzeugen
  • Mittelschnelle, rhythmische Zufallssequenzen bauen
  • Sehr schnelle Clock nutzen, um Audio-artige Texturen zu formen

Kreative Anwendungen im Alltag eines Synth-Nerds

1. Klassische Random-Filterfahrten

Die vermutlich bekannteste Nutzung von Sample & Hold im Synthesizer ist die zufällige Modulation der Filterfrequenz:

  • Noise → Sample & Hold → Filter-Cutoff

Mit einer mittleren LFO-Geschwindigkeit an der Clock bekommst du:

  • Bleeps & Bloops
  • sich ständig ändernde, aber rhythmisch gebundene Filterbewegungen
  • lebendige, „organische“ Pads oder Drones

Gerade bei subtraktiver Synthese wirkt das wie ein integrierter Zufallsgenerator, der deine statischen Klänge aufbricht.

2. Random-Melodien und tonleiterartige Sequenzen

Wenn du Sample & Hold auf die Tonhöhe legst, entstehen zufällige Melodien. Speist du stattdessen einen LFO als Eingangssignal ein, bekommst du gestufte Tonverläufe, die an einen simplen Sequencer erinnern.

Mit einem nachgeschalteten Quantizer kannst du die ausgegebenen Spannungen auf eine Tonleiter ziehen. Dadurch werden aus chaotischen Zufallswerten:

  • melodische Arpeggios
  • generative Leads
  • „never ending patterns“ für Ambient und Berlin School

3. Rhythmische Modulationen und „Humanizing“

Weil die Clock des Sample & Hold oft synchron zur DAW oder zu einem Drum-Pattern läuft, kannst du rhythmisch genaue, aber inhaltlich zufällige Modulationen erzeugen:

  • Random-Panorama pro 16tel-Note
  • leicht unterschiedliche Filterfrequenzen pro Step
  • wechselnde Decay-Zeit für HiHats oder Percussion

So erhältst du einen Humanizing-Effekt, der deine Loops weniger statisch wirken lässt.

4. Bitcrush-ähnliche Effekte mit Audio als Eingang

Wenn du statt Noise oder LFO direkt ein Audiosignal in das Sample & Hold schickst, wird dieses mit der Clock-Frequenz abgetastet und gehalten.
Das klingt:

  • rau
  • digital-brüchig
  • nach Lo-Fi / Downsampling

Erhöhst du die Clock in den Audiobereich, verwischt der Effekt wieder. Im Grenzbereich entstehen aber extrem interessante Texturen, perfekt für Sounddesign, Industrial oder experimentelle Musik.


Historischer Überblick: Wo tauchte Sample & Hold im Synthesizer zuerst auf?

Elektronische Sample-&-Hold-Schaltungen stammen ursprünglich aus der Messtechnik und Analog-/Digital-Wandlung, wurden aber sehr früh in die Welt der modularen Synthesizer übernommen.

In den 1960er-Jahren entstanden parallel die ersten spanungsgesteuerten modularen Synthesizer von Moog und Buchla.

Für die Synth-Historie sind vor allem drei Punkte spannend:

  1. Frühe modulare Systeme
    Bereits in den frühen Modularsystemen war das Konzept bekannt, weil Random-Steuerspannungen für elektronische Musik extrem reizvoll waren. Sound-On-Sound erwähnt Sample-&-Hold-Module in frühen Moog-Systemen sowie in Klassikern wie ARP 2600 und Odyssey.

  2. ARP 2500 / 2600 und Odyssey
    Bei ARP wurden Sample-&-Hold-Funktionen sehr präsent umgesetzt und trugen stark zur typischen Klangsprache dieser Instrumente bei – insbesondere zu den berühmten randomisierten Pitches und Filterfahrten.

  3. Moog 928 Sample & Hold (Mitte der 70er)
    Speziell bei Moog ist dokumentiert, dass ein dediziertes Sample-&-Hold-Modul (Moog 928) etwa Mitte der 1970er eingeführt wurde. Laut AMSynths kam dieses Modul auf, als ARP mit 2500/2600 die Sample-&-Hold-Idee populär gemacht hatte.

Fazit zur Historie:
Sample & Hold gehört praktisch „seit den Anfängen der modularen Synthese“ zur Standardausstattung, wurde aber vor allem durch die ARP-Systeme und später durch dedizierte Module wie den Moog 928 ikonisch.

Heute findest du die Funktion:

  • in vielen analogen und virtuell-analogen Synths
  • als Modul in Eurorack-Systemen
  • als interne Modulationsquelle in Software-Synthesizern

Sample & Hold in modernen Setups: Praxis-Tipps

Damit du Sample & Hold im Alltag wirklich nutzt und nicht nur als „komische Random-Funktion“ abtust, hier ein paar praxisnahe Ideen – ohne in eine reinen Aufzählungsmodus zu verfallen:

Wenn du einen klassischen VA- oder Analog-Synth mit S&H-LFO hast, lohnt es sich, zuerst das Filter zu modulieren. Stelle den LFO auf S&H, regle eine mittlere Geschwindigkeit ein und erhöhe langsam die Modulationsintensität, bis der Sound lebendig, aber noch kontrollierbar wirkt. Danach kannst du das gleiche mit der Tonhöhe probieren, allerdings am besten dezent, damit der Klang nicht komplett atonal wird.

In einem modularen Eurorack-System ist ein dediziertes Sample-&-Hold-Modul fast ein Pflichtkauf. Füttere es mit Weißrauschen, triggere es mit einem Clock-Divider deines Sequencers und leite das Ergebnis an deinen Filter, an einen Waveshaper oder direkt an einen Quantizer. So entstehen ganz von allein immer neue, aber dennoch musikalisch strukturierte Verläufe.

Auch in Software-Synths und DAWs versteckt sich Sample & Hold oft als „Random Step LFO“ oder ähnlicher Modulator. Gerade bei digitalen Instrumenten kannst du damit sterile Presets schnell in lebendige, atmende Klanglandschaften verwandeln, ohne gleich ein komplettes Modularsystem aufbauen zu müssen.


Warum Sample & Hold in keinem Synthesizer-Setup fehlen sollte

Zusammengefasst liefert die Sample-&-Hold-Schaltung im Synthesizer genau das, was vielen Produktionen fehlt: kontrolliertes Chaos.

Sie verbindet:

  • Technische Einfachheit (Spannung messen, halten, wiederholen)
  • mit musikalischer Komplexität (Random-Pitches, generative Modulationen, lebendige Texturen)

Ob du nun mit einem Vintage-ARP, einem modernen Eurorack-System oder einem Software-Synth arbeitest – Sample & Hold ist die perfekte Modulationsquelle, wenn du deine Klänge:

  • weniger vorhersehbar
  • organischer
  • und klanglich spannender

gestalten willst.

Unsere neuesten Beiträge

Klark Teknik 2A-KT im Test, Kompressor mit Röhre

Klark Teknik 2A-KT im Test: Referenzen statt Konkurrenz Auch wenn dieser Test klar und kompromisslos [...]

> WEITERLESEN
Sample & Hold im Synthesizer – was es macht, wofür man es nutzt

Sample & Hold klingt im ersten Moment nach Digital-Sampling, hat damit aber im Synthesizer-Kontext fast [...]

> WEITERLESEN
3D-Druck-Zubehör für Keyboards und Synthesizer

3D-Druck für Tasteninstrumente: So druckst du dir Zubehör, Ersatzteile und smarte Gadgets fürs Keyboard-Setup Tasteninstrumente [...]

> WEITERLESEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert