Mit einem Straßenpreis von rund 148 Euro positioniert sich der Novation Launch Control 3 im bezahlbaren Bereich professioneller MIDI-Controller. Das Gerät richtet sich nicht an Einsteiger, die ihr erstes Keyboard suchen, sondern an Produzenten, Sounddesigner und Live-Performer, die ihre DAW, Plug-ins oder externe Hardware direkter bedienen möchten. Statt Klaviatur oder Pads stehen hier 16 Endlos-Encoder, frei belegbare Tasten und eine tiefe MIDI-Integration im Mittelpunkt.
Der Launch Control 3 verfolgt dabei einen klaren Ansatz: weniger Maus, mehr Haptik. Gerade in modernen Produktionen mit zahllosen Plug-ins und virtuellen Instrumenten kann das den Workflow deutlich beschleunigen. Gleichzeitig bringt Novation einige Funktionen mit, die man in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich erwarten darf – allen voran das OLED-Display, umfangreiche Standalone-MIDI-Funktionen und die flexible Anpassung über Components.
Für knapp 150 Euro erhält man damit kein Instrument, sondern ein spezialisiertes Produktionswerkzeug, das den kreativen Arbeitsprozess deutlich direkter gestalten möchte.
Kompakt, hochwertig und überraschend flexibel
Schon beim ersten Kontakt fällt auf, dass Novation großen Wert auf die Verarbeitung gelegt hat. Das Gehäuse wirkt stabil, die Encoder laufen gleichmäßig und besitzen einen angenehmen Widerstand. Obwohl der Controller ausgesprochen kompakt ausfällt, entsteht nicht das Gefühl eines günstigen Plastikprodukts.
Das Bedienkonzept ist logisch aufgebaut. Im Mittelpunkt stehen die 16 Endlos-Encoder, deren LED-Kränze jederzeit ihre aktuelle Position anzeigen. Ergänzt werden sie von acht frei belegbaren Tastern, Transportfunktionen sowie einem kleinen, aber sehr scharfen OLED-Display.
Gerade dieses Display gehört zu den größten Stärken des Geräts. Während viele Controller lediglich Werte senden, zeigt der Launch Control 3 gleichzeitig Parameternamen und aktuelle Werte an. Dadurch weiß man jederzeit, welcher Regler gerade Filterfrequenz, Resonanz oder Send-Level verändert. Gerade bei komplexeren Projekten mit vielen Plug-ins entsteht dadurch ein deutlich sichereres Arbeitsgefühl.
Die Endlos-Encoder vermeiden außerdem das klassische Problem herkömmlicher Potentiometer: Parameter springen beim Umschalten zwischen Spuren oder Presets nicht plötzlich auf einen anderen Wert, sondern übernehmen die aktuelle Position nahtlos. Das macht das Arbeiten erheblich angenehmer.
Die RGB-Beleuchtung der Encoder erfüllt dabei nicht nur optische Zwecke. Sie liefert zusätzliches visuelles Feedback und erleichtert besonders in dunkleren Studios oder auf der Bühne die Orientierung.
Die Bedienung selbst gelingt insgesamt sehr intuitiv. Nach kurzer Eingewöhnung arbeitet man nahezu blind. Lediglich einige tiefergehende Funktionen erfordern etwas Einarbeitung, insbesondere wenn individuelle MIDI-Mappings erstellt werden.

Technik: Kein Klangerzeuger, sondern das intelligente Bindeglied
Der Launch Control 3 erzeugt selbstverständlich keinen eigenen Klang. Seine Aufgabe besteht darin, MIDI-Daten möglichst flexibel und präzise an Software oder Hardware weiterzugeben.
Technisch arbeitet der Controller mit hochauflösenden Endlos-Encodern, die kontinuierliche MIDI-Control-Change-Daten übertragen. Über verschiedene Beschleunigungskurven lässt sich das Regelverhalten individuell anpassen. Langsame Bewegungen ermöglichen präzise Einstellungen, schnelle Drehungen größere Werteänderungen.
Besonders interessant ist der Standalone-Betrieb. Dank USB-C sowie klassischer 5-poliger MIDI-Ein- und Ausgänge lässt sich der Controller vollständig ohne Computer verwenden. Damit kann er direkt Synthesizer, Effektgeräte oder komplette Hardware-Rigs steuern.
Zusätzlich bietet Novation umfangreiche Routing- und Filtermöglichkeiten für MIDI-Daten. Controller-Daten können gezielt weitergeleitet oder gefiltert werden, wodurch sich der Launch Control 3 problemlos in komplexere Setups integrieren lässt.
Die Integration in aktuelle DAWs gehört ebenfalls zu den Stärken. Für Ableton Live, Logic Pro, Cubase, FL Studio und weitere Programme stehen vorbereitete Steuerungen bereit. Über Mackie-HUI funktioniert der Controller zudem mit zahlreichen anderen Recording-Systemen.
Die gesamte Technik ist klar auf Geschwindigkeit ausgelegt. Der Anwender muss sich möglichst wenig mit Konfiguration beschäftigen und möglichst schnell produktiv arbeiten.

Praxis: Ein Controller, der den Studioalltag tatsächlich verändert
Im täglichen Studioeinsatz zeigt sich schnell, warum viele Produzenten irgendwann einen dedienten Controller vermissen.
Filterfahrten, Kompressorparameter, Hallanteile oder Lautstärkeautomation wirken mit echten Reglern deutlich musikalischer als mit Mausbewegungen. Gerade beim Sounddesign entstehen häufig organischere Ergebnisse, weil mehrere Parameter gleichzeitig verändert werden können.
Auch beim Mischen spielt der Launch Control 3 seine Stärken aus. Lautstärken, Panorama oder Sends lassen sich wesentlich flüssiger einstellen als ausschließlich per Maus. Besonders das schnelle Umschalten zwischen Kanalbänken funktioniert zuverlässig.
Das OLED-Display verhindert dabei, dass man ständig zwischen Controller und Monitor hin- und herschauen muss. Statt blind an Reglern zu drehen, sieht man jederzeit, welche Funktion gerade verändert wird.
Im Hardware-Studio entfaltet der Controller sein volles Potenzial. Mehrere Synthesizer oder Effektgeräte lassen sich über individuelle Controller-Mappings ansteuern. Dadurch entsteht eine zentrale Bedienoberfläche, ohne ständig zwischen verschiedenen Geräten wechseln zu müssen.
Gerade für hybride Studios mit Hard- und Software wird der Launch Control 3 schnell zum zentralen Bedienelement.
Positiv fällt außerdem die geringe Stellfläche auf. Selbst auf kleineren Studiotischen findet der Controller problemlos Platz neben Tastatur oder Masterkeyboard.

Eigene Setups statt starre Vorgaben
Ein großer Pluspunkt liegt in den Custom Modes.
Über die kostenlose Software Novation Components lassen sich individuelle Layouts erstellen und dauerhaft speichern. Insgesamt stehen sieben frei programmierbare Modi zur Verfügung.
Dadurch können beispielsweise verschiedene Setups für Mixing, Synthesizer, Effektgeräte oder Live-Performances angelegt werden. Wer regelmäßig zwischen unterschiedlichen Projekten arbeitet, spart dadurch erheblich Zeit.
Ebenso lassen sich MIDI-CCs, Programmwechsel oder verschiedenste Schaltfunktionen definieren.
Im Live-Einsatz sorgt diese Flexibilität dafür, dass komplette Hardware-Rigs über eine einzige Bedienoberfläche kontrolliert werden können.
Nicht ganz perfekt gelöst ist dagegen die MIDI-Learn-Funktion. Eine direkte Zuordnung von Parametern am Gerät selbst existiert nicht. Stattdessen erfolgt das Mapping über die jeweilige DAW oder Novation Components. Das funktioniert zuverlässig, kostet jedoch etwas mehr Zeit als eine echte Hardware-Learn-Funktion.
Auch berührungsempfindliche Encoder fehlen. Wer lediglich den Finger auf einen Regler legt, erhält noch keine Parameterinformationen, sondern muss zunächst den entsprechenden Modus aktivieren. Das ist kein gravierender Nachteil, fällt im professionellen Alltag aber durchaus auf.

Workflow statt Instrument
Der Novation Launch Control 3 ist weder Synthesizer noch Performance-Instrument. Seine Stärke liegt ausschließlich darin, vorhandene Software oder Hardware schneller, direkter und kreativer steuerbar zu machen.
Gerade Produzenten, die täglich mit virtuellen Instrumenten arbeiten, werden nach kurzer Zeit kaum noch auf die physische Bedienung verzichten wollen.
Der Controller verändert nicht den Klang einer Produktion – er verändert die Art, wie dieser Klang entsteht.
Das macht ihn zu einem echten Workflow-Werkzeug.
Fazit: Novation Launch Control 3
Mit einem Preis von 148 Euro bietet der Novation Launch Control 3 ein bemerkenswert rundes Gesamtpaket. Verarbeitung, Bediengefühl und Integration bewegen sich deutlich über dem, was man in dieser Preisklasse erwarten würde.
Besonders überzeugen die hochwertigen Endlos-Encoder, das hervorragend gelöste OLED-Display, die umfangreichen MIDI-Funktionen sowie der echte Standalone-Betrieb. Dadurch eignet sich der Controller sowohl für klassische DAW-Produktionen als auch für komplexe Hardware-Studios.
Nicht ganz perfekt sind die fehlenden berührungsempfindlichen Encoder sowie das etwas umständlichere MIDI-Mapping. Auch Motorfader oder physische Fader sucht man vergeblich. Wer überwiegend klassische Mischaufgaben erledigt, wird diese möglicherweise vermissen.
Trotzdem überzeugt das Gesamtkonzept. Der Launch Control 3 ist kein Effektgerät und kein Instrument, sondern ein durchdachtes Werkzeug für alle, die schneller, direkter und kreativer produzieren möchten.
Für Produzenten, Sounddesigner und erfahrene Musiker stellt der aufgerufene Preis von 148 Euro ein sehr faires Angebot dar.
Pro
- Hochwertige Verarbeitung und präzise Endlos-Encoder
- OLED-Display mit hervorragendem Parameter-Feedback
- Standalone-MIDI-Betrieb inklusive MIDI-In, Out und Thru
Contra
- Keine berührungsempfindlichen Encoder
- MIDI-Learn nicht direkt am Gerät möglich
- Keine Fader für klassische Mischaufgaben
Link zur Herstellerseite: Novation
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