Modal Electronics ELEMENT One Test: Direkter VA-Synth für Bühne und Studio

Der Modal Electronics ELEMENT One ist ein achtstimmiger virtuell-analoger Synthesizer mit 37 Tasten, Aftertouch und direkter Performance-Ausrichtung.

Der Modal Electronics ELEMENT One positioniert sich als achtstimmiger virtuell-analoger Synthesizer für Musiker, die ohne lange Menüarbeit schnell zu spielbaren Sounds kommen wollen. Mit 37 Full-Size-Tasten inklusive Channel Aftertouch, 4-Achsen-Joystick und einer auf Performance ausgelegten Bedienoberfläche kostet er aktuell 649 Euro. Das ist für einen kompakten VA-Synth kein Kampfpreis, aber angesichts der umfangreichen Engine und der praxisnahen Anschlüsse durchaus angemessen.

Modal Electronics ELEMENT One: Cobalt-Engine neu gedacht

Unter der kompakten Oberfläche arbeitet im Kern die bekannte virtuell-analoge Plattform von Modal. Der ELEMENT One stellt bis zu 64 hochauflösende VA-Oszillatoren bereit – maximal acht pro Stimme. Zwei Oszillatorgruppen mit klassischen Grundwellen und 40 Algorithmen bilden die Grundlage. Dazu gehören unter anderem PWM, Crossmodulation, Waveshaping, Ringmodulation, Hard Sync, Bit Crusher und gefiltertes Rauschen.

Damit reicht das Material für klassische Flächen, Bässe und Leads ebenso wie für aggressivere Digitaltexturen oder bewegte Klangflächen. Der ELEMENT One ist kein nostalgisch reduzierter Analog-Emulator, sondern ein moderner VA-Synth, dessen Klangarchitektur gezielt über das Erwartbare hinausgeht.


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Modal Electronics ELEMENT One

Direkte Bedienung statt tiefer Menüstrukturen

Der eigentliche Ansatz des Instruments liegt in seiner Bedienung. 17 Endlos-Encoder, Schalter für die zentralen Funktionsbereiche und ein OLED-Display sorgen dafür, dass sich Klangparameter zügig erreichen lassen. Die reduzierte Oberfläche bedeutet nicht, dass die Engine vereinfacht wurde – vielmehr liegen die wichtigen Eingriffe dort, wo man sie beim Spielen erwartet.

Das funktioniert besonders gut, wenn aus einem Preset schnell ein eigener Sound werden soll: Filter öffnen, Hüllkurven anpassen, Modulation hinzunehmen, Effektanteil korrigieren. Für komplexere Eingriffe steht die kostenlose MODALappfür macOS, Windows, iOS und Android bereit. Sie erweitert den ELEMENT One um einen grafischen Editor und macht auch detailliertes Patch-Management deutlich angenehmer.

Filter, Hüllkurven, Arpeggiator und weitere Klangparameter sind über die klar gegliederte Bedienoberfläche schnell erreichbar.
Filter, Hüllkurven, Arpeggiator und weitere Klangparameter sind über die klar gegliederte Bedienoberfläche schnell erreichbar.

Filter, Modulation und Effekte

Mit 31 resonanten Filtertypen ist der Filterbereich deutlich vielseitiger, als die klare Oberfläche zunächst vermuten lässt. Neben unterschiedlichen Ladder-Varianten stehen weitere Charaktere zur Verfügung; der morphbare Multimode-Filter lädt dazu ein, Übergänge und Verläufe nicht nur über Cutoff-Fahrten zu gestalten.

Drei ADSR-Hüllkurven und drei LFOs bilden die Modulationsbasis. Die LFOs lassen sich zum Tempo synchronisieren und bis in den Audiobereich betreiben. Eine Modulationsmatrix mit acht Slots übernimmt die frei zuweisbaren Verbindungen. Das ist nicht grenzenlos komplex, bietet aber genug Tiefe für lebendige Pads, rhythmische Sequenzen, expressive Leads und kontrolliertes Sounddesign.

Drei unabhängige Effektblöcke ergänzen die Engine. Reverb, Delay, Chorus, Flanger, Phaser, Rotary und weitere Algorithmen lassen sich kombinieren und in ihrer Reihenfolge anordnen. Gerade für ein kompaktes Keyboard ist das relevant: Viele Sounds wirken ohne zusätzliche externe Bearbeitung bereits vollständig und direkt einsatzbereit.

Der Joystick macht den Unterschied

Statt klassischer Pitch- und Modulationsräder besitzt der ELEMENT One einen 4-Achsen-Joystick. Er dient nicht nur als Ersatz für die üblichen Spielhilfen, sondern kann als eigenständige Modulationsquelle arbeiten. Das macht ihn zum zentralen Performance-Werkzeug des Instruments.

In der Praxis eignet sich der Controller hervorragend, um Sounds beim Spielen hörbar zu öffnen, zwischen Modulationszuständen zu wechseln oder Effekte gezielt einzublenden. Entscheidend ist allerdings die Programmierung: Wer die vier Bewegungsrichtungen sinnvoll auf Parameter verteilt, erhält ein ausgesprochen ausdrucksstarkes Instrument. Bei beliebig zugewiesenen Zielen kann der Joystick dagegen schnell mehr Veränderung als Kontrolle erzeugen.

Der 4-Achsen-Joystick ersetzt nicht nur Pitch- und Modulationsrad, sondern kann als eigenständige Modulationsquelle arbeiten.
Der 4-Achsen-Joystick ersetzt nicht nur Pitch- und Modulationsrad, sondern kann als eigenständige Modulationsquelle arbeiten.

Tastatur, Arpeggiator und Presets

Die 37 Tasten sind anschlagdynamisch und unterstützen Channel Aftertouch. Damit lässt sich ein Sound beim Spielen deutlich organischer formen, etwa mit Filterfahrten, Vibrato oder Effektintensität. Für Leads, Bässe und kompakte Live-Setups passt das Format gut; wer regelmäßig beidhändig komplexe Voicings spielt, wird die reduzierte Tastenzahl jedoch merken.

300 Factory-Presets und 200 User-Speicher bieten ausreichend Ausgangsmaterial und Platz für eigene Programme. Der editierbare 32-Step-Arpeggiator unterstützt den direkten Zugang zu Sequenzen, rhythmischen Flächen und Ideen. Ergänzend stehen Unison-, Stack- und Chord-Varianten zur Verfügung. Praktisch: Der ELEMENT One ist laut Hersteller mit COBALT8-Patches kompatibel.

Anschlüsse und Integration

Der ELEMENT One ist für Hardware- und Rechner-Setups gleichermaßen vorbereitet. Neben MIDI In/Out und USB-C-MIDI stehen Clock In/Out, Sustain- und Expression-Pedaleingänge sowie zwei Line-Ausgänge und ein Kopfhörerausgang bereit. Der Stereo-Line-Eingang im Miniklinkenformat erlaubt zudem, externe Signale durch die internen Effektblöcke zu führen.

Damit ist der Synth nicht nur ein Klangerzeuger, sondern kann auch eine kleine Effektzentrale für ein weiteres Instrument sein. Der fehlende Audio-over-USB-Signalweg ist in dieser Preisklasse kein Ausreißer, sollte bei einem stark rechnerbasierten Studio-Workflow aber einkalkuliert werden.

Stereo-Ausgänge, Kopfhöreranschluss, Audioeingang, MIDI, USB-C, Clock sowie Pedalanschlüsse machen den ELEMENT One flexibel integrierbar.
Stereo-Ausgänge, Kopfhöreranschluss, Audioeingang, MIDI, USB-C, Clock sowie Pedalanschlüsse machen den ELEMENT One flexibel integrierbar.

Klang und Praxis

Klanglich deckt der ELEMENT One ein breites Feld ab. Seine Stärke liegt weniger in der möglichst exakten Nachbildung eines bestimmten Vintage-Instruments, sondern in der Mischung aus vertrauten VA-Grundklängen und klar digitalen Erweiterungen. Bässe können Druck entwickeln, Leads setzen sich durch und Pads gewinnen durch Modulation, Filtermorphing und die drei Effektsektionen schnell an Tiefe.

Die Bedienung macht ihn vor allem zu einem Instrument: Er fordert dazu auf, Sounds beim Spielen zu verändern, anstatt jede Funktion vorab bis ins Detail zu programmieren. Gleichzeitig bleibt genügend Tiefe für Nutzer, die eigene Patches erstellen möchten. Der ELEMENT One ist daher weder bloßes Preset-Keyboard noch kompromissloser Sounddesign-Spezialist, sondern ein zugänglicher Performance-Synth mit ernstzunehmender Klangerzeugung.

Fazit: Modal Electronics ELEMENT One

Der Modal Electronics ELEMENT One verbindet eine vielseitige achtstimmige VA-Engine mit einer angenehm direkten, auf musikalische Eingriffe ausgerichteten Bedienung. Die Kombination aus Aftertouch, Joystick, Modulationsmöglichkeiten, Effekten und guter Anschlussausstattung macht ihn besonders für Live-Keyboarder, Produzenten und hybride Hardware-Setups interessant.

Für 649 Euro liefert der ELEMENT One keine große Workstation, sondern einen kompakten, spielbaren Synthesizer mit klarer Idee. Die 37 Tasten und die begrenzte Zahl unmittelbar erreichbarer Bedienelemente setzen Grenzen, doch genau diese Konzentration ist Teil des Konzepts. Wer einen Synth sucht, der schnell inspiriert und beim Spielen lebendig bleibt, findet hier ein stimmiges Werkzeug.

 

Pro

  • Direkte, performance-orientierte Bedienung mit 4-Achsen-Joystick
  • Vielseitige VA-Engine mit 31 Filtertypen und drei Effektblöcken
  • Channel Aftertouch, MODALapp und umfangreiche Anschlüsse

Contra

  • 37 Tasten begrenzen das Spiel mit komplexen beidhändigen Parts
  • Für tiefes Sounddesign bleibt die App hilfreicher als das Bedienfeld

 

Link zur Herstellerseite: Modal Electronics

Technische Daten

  • Klangerzeugung: virtuell-analog, bis zu 64 Oszillatoren
  • Polyphonie: 8 Stimmen
  • Tastatur: 37 Tasten, anschlagdynamisch, Channel Aftertouch
  • Filter: 31 resonante Filtertypen
  • Modulation: 3 ADSR-Hüllkurven, 3 LFOs, 8-Slot-Modulationsmatrix
  • Effekte: 3 unabhängige Stereo-Effektblöcke
  • Speicher: 300 Factory- und 200 User-Presets
  • Anschlüsse: 2× Line Out, Kopfhörerausgang, Stereo-Line-In, MIDI In/Out, USB-C-MIDI, Clock In/Out, Sustain, Expression
  • Abmessungen: 561 × 67 × 293 mm
  • Gewicht: 4,5 kg
  • Preis: 649 Euro

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