Eierkartons im Aufnahmeraum um die Akustik zu optimieren – Mythos oder nützliches Hilfsmittel?
Wenn Musiker oder Produzenten ihren ersten eigenen Recordingraum einrichten, stoßen sie schnell auf einen alten „Geheimtipp“: Eierkartons an die Wände hängen, um die Akustik zu verbessern. Doch stimmt das wirklich? Können einfache Pappkartons die Akustik eines Raumes positiv beeinflussen? Oder ist es nur ein hartnäckiger Mythos?
In diesem Beitrag schauen wir uns das Thema genau an. Wir erklären, wie Schallabsorption funktioniert, welche Rolle Eierkartons spielen und welche Alternativen wirklich sinnvoll sind.
Warum Akustik im Aufnahmeraum so wichtig ist
Eine gute Raumakustik entscheidet über die Qualität von Aufnahmen. Selbst das teuerste Mikrofon oder Interface bringt nichts, wenn der Raum hallt oder störende Frequenzen reflektiert. Besonders bei Gesangsaufnahmen, akustischen Instrumenten oder Sprachaufnahmen hört man sofort, ob der Raum optimiert ist. Ziel einer akustischen Behandlung ist es, störende Reflexionen zu reduzieren und den Raum so „trocken“ wie nötig zu machen. Trocken bedeutet: Wenig Hall, klare Signale und eine bessere Kontrolle beim Mix.
Der Mythos Eierkarton für bessere Akustik
Viele kennen das Bild: Kellerwände voller Eierkartons. Die Idee dahinter ist einfach – die unregelmäßige Oberfläche soll den Schall brechen und absorbieren. In den 70er- und 80er-Jahren, als günstige Akustikmaterialien schwerer erhältlich waren, griffen Musiker und Tontechniker tatsächlich zu improvisierten Lösungen. Eierkartons waren billig, leicht zu bekommen und wirkten zumindest so, als ob sie etwas tun. Doch die entscheidende Frage bleibt: Was bringen sie wirklich?
Akustische Eigenschaften von Eierkartons
Schauen wir uns die physikalische Seite an. Eierkartons bestehen aus dünner Pappe. Dieses Material ist nicht dicht genug, um tiefe Frequenzen zu absorbieren. Gerade die Bässe, die in einem Raum besonders problematisch sein können, gehen praktisch ungebremst hindurch. Auch ihre Dicke ist ein Problem: Mit etwa einem Zentimeter Wandstärke haben sie schlicht zu wenig Masse, um hörbar Schall zu schlucken. Für eine wirksame Schallabsorption gilt die Faustregel: Je dicker und dichter das Material, desto besser kann es Schallenergie aufnehmen.
Ihre unregelmäßige Form wirkt zwar optisch so, als könne sie Reflexionen streuen. Und tatsächlich kommt es zu einer leichten Streuung im Hochtonbereich. Doch dieser Effekt ist minimal, akustisch kaum relevant und schon gar nicht mit professionellen Diffusoren vergleichbar. Das Fazit ist ernüchternd: Eierkartons absorbieren fast keinen Schall. Sie können höchstens minimale Höhen brechen, aber die Wirkung auf den Raumklang bleibt praktisch gleich null.
Praktische Probleme
Neben der fehlenden akustischen Wirkung gibt es noch weitere Punkte, die gegen den Einsatz von Eierkartons sprechen. Sie stellen ein erhebliches Brandrisiko dar. Pappe ist hochentzündlich, und gerade in Proberäumen oder Studios, in denen viele Kabel und elektrische Geräte stehen, ist das ein ernstzunehmendes Problem. Hinzu kommt, dass Eierkartons Staub anziehen und mit der Zeit muffig riechen können. In feuchten Räumen besteht sogar die Gefahr von Schimmel. Auch die Optik darf man nicht unterschätzen. Wände voller Eierkartons sehen weder professionell aus noch schaffen sie eine inspirierende Studioatmosphäre.
Was wirklich hilft
Wer seinen Aufnahmeraum verbessern möchte, sollte besser auf bewährte Akustiklösungen setzen. Spezieller Akustikschaumstoff ist so geformt, dass er Schall effektiv absorbiert – besonders in den Mitten und Höhen. Schon wenige Platten können den Raumklang deutlich verbessern. Für tiefe Frequenzen sind sogenannte Bassfallen unverzichtbar. Diese werden meist in den Ecken des Raumes angebracht, weil sich dort tieffrequente Energie staut. Bassfallen sind dick, dicht und genau auf die Kontrolle von Bässen ausgelegt.
Neben der Absorption gibt es auch die Möglichkeit, den Schall gezielt zu streuen. Hier kommen Diffusoren ins Spiel. Sie brechen den Schall und verteilen ihn gleichmäßig im Raum, sodass er lebendig bleibt, ohne dass störende Reflexionen entstehen. Auch Heimwerker können aktiv werden: DIY-Absorber lassen sich mit einfachen Mitteln selbst bauen. Holzrahmen, gefüllt mit Steinwolle oder Akustikvlies, sind preiswert, sicher und sehr effektiv.
Eierkartons im Vergleich zu echten Akustikmaterialien
Im direkten Vergleich schneiden Eierkartons katastrophal ab. Während Akustikschaum und Absorber hörbar Bässe, Mitten und Höhen kontrollieren, haben Eierkartons praktisch keine Wirkung. Professionelle Materialien sind zudem schwer entflammbar, hygienisch und optisch ansprechend. Zwar sind Eierkartons kostenlos oder zumindest sehr billig, doch diese scheinbare Ersparnis ist trügerisch. Man spart zwar am falschen Ende, verliert aber an Aufnahmequalität – und riskiert im schlimmsten Fall sogar einen Brand.
Warum der Mythos bleibt
Trotz aller Fakten hält sich der Glaube an Eierkartons hartnäckig. Ein Grund ist der visuelle Effekt. Wände voller Kartons sehen nach einer akustischen Maßnahme aus, selbst wenn sie keine Wirkung haben. Hinzu kommt der psychologische Aspekt. Wer etwas im Raum verändert, hört danach oft kritischer hin und bildet sich ein, eine Verbesserung wahrzunehmen. Nicht zuletzt spielt auch das Budget eine Rolle. Eierkartons sind kostenlos, während Akustikschaum oder Absorber eine Investition erfordern. Gerade Hobby-Musiker oder Schülerbands greifen daher lieber zum vermeintlich einfachen Mittel.
Fazit: Eierkartons im Studio für eine bessere Akustik– lieber nicht!
Eierkartons haben in einem Aufnahmeraum praktisch keinen Nutzen. Sie verbessern die Akustik nicht, sie sind brandgefährlich und sie machen optisch wenig her. Stattdessen sollte man auf echte Akustiklösungen setzen. Schon ein paar Schaumstoffplatten oder selbstgebaute Absorber können den Raumklang enorm verbessern und machen professionelle Aufnahmen möglich.
Wer also wirklich Wert auf gute Aufnahmen legt, sollte den Mythos Eierkarton endgültig hinter sich lassen.
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