PWM am Synthesizer: So macht Pulsweitenmodulation deine Sounds lebendig
PWM ist eines dieser Synthesizer-Themen, die auf dem Papier simpel wirken, aber in der Praxis sofort „teurer“ klingen. Wenn du schon mal einen breiten, schwebenden Pad-Sound aus einem Analog- oder VA-Synth gehört hast, dann war sehr wahrscheinlich Pulsweitenmodulation im Spiel. Damit du PWM nicht nur einschalten, sondern gezielt einsetzen kannst, klären wir in diesem Artikel, was PWM genau ist, warum sie so organisch wirkt und wie du sie musikalisch steuerst – ohne dich in Technik zu verlieren.
Was ist PWM beim Synthesizer?
PWM steht für Pulse Width Modulation, auf Deutsch Pulsweitenmodulation. Gemeint ist eine Modulation der Pulsbreite einer Rechteckwelle (Square/Pulse). Eine Rechteckwelle wechselt zwischen „hoch“ und „runter“. Entscheidend ist dabei, wie lange sie pro Zyklus im oberen Zustand bleibt. Genau dieses Verhältnis nennt man Duty Cycle (Tastgrad).
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Bei 50 % ist die Pulswelle symmetrisch: oben und unten sind gleich lang. Das ist die klassische „Square“-Welle.
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Bei z. B. 30 % ist sie asymmetrisch: kürzer „oben“, länger „unten“ (oder umgekehrt, je nach Darstellung).
PWM bedeutet nun: Dieses Verhältnis wird kontinuierlich verändert – meist durch einen LFO, eine Hüllkurve oder Aftertouch/Modwheel. Und genau dadurch bekommt der Klang Bewegung, weil sich das Obertonspektrum fortlaufend verschiebt.
Warum klingt PWM so „breit“ und lebendig?
Der Kern ist simpel: Änderst du die Pulsbreite, änderst du die Obertöne. Bei 50 % hat die ideale Rechteckwelle nur ungerade Harmonische. Sobald du sie aus der Symmetrie ziehst, kommen andere Anteile hinzu und die Gewichtung der Obertöne verschiebt sich. Das Ohr nimmt das als Bewegung wahr – ähnlich wie bei einem sehr sauberen Chorus, nur oft direkter und „analoger“.
Dazu kommt: PWM erzeugt keine zufällige Veränderung, sondern eine periodische, musikalisch steuerbare Bewegung. Deshalb funktioniert sie so gut für Pads, Strings und Leads, die nicht statisch klingen sollen, aber trotzdem stabil im Mix bleiben müssen.
PWM vs. Pitch-Modulation: Wo liegt der Unterschied?
Hier hilft ein klarer Vergleich, weil viele am Anfang versehentlich den falschen Regler drehen. Bei Vibrato wird die Tonhöhe moduliert. Bei PWM wird nicht die Tonhöhe moduliert, sondern die Wellenform selbst.
Das Ergebnis ist auch anders: Vibrato ist hörbar „wobbelnde“ Intonation, während PWM eher wie Schimmern, Atmen oder Schwebung wirkt, ohne dass der Ton „falsch“ wird. Genau deshalb ist PWM so beliebt, wenn du Breite willst, aber keine instabile Stimmung.
Welche Synthesizer können PWM?
Klassisch ist PWM an analogen Subtraktiven und an virtuell-analogen Synthesizern. Viele Geräte bieten dafür einen eigenen Parameter wie „Pulse Width“, „PW“ oder „Shape“. Wichtig ist: PWM bezieht sich in der Regel auf Pulse/Square, nicht auf Sägezahn oder Dreieck. Einige Synths bieten allerdings „Shape“-Modulation, bei der auch andere Wellenformen morphbar sind – das ist dann verwandt, aber nicht immer echte PWM im strengen Sinne.
Wenn du in deinem Synth eine Rechteckwelle auswählst und einen Regler findest, der die „Breite“ verändert, bist du praktisch schon am Ziel.
Wie stellst du PWM richtig ein?
In der Praxis brauchst du drei Bausteine: Pulse-Wave, Pulsbreite und Modulationsquelle.
Zuerst wählst du als Oszillator-Wellenform Pulse/Square. Danach stellst du eine Ausgangs-Pulsbreite ein, die nicht komplett extrem ist. Als Startpunkt ist ein Bereich um 40–60 % sinnvoll, weil du dann genug Spielraum nach beiden Seiten hast.
Anschließend routest du eine Modulationsquelle – typischerweise einen LFO – auf die Pulsbreite. Damit stehst du vor der entscheidenden musikalischen Frage: Wie schnell und wie stark soll sich die Pulsbreite bewegen?
Als Faustregel gilt:
Wenn du zu wenig Depth nutzt, wirkt PWM wie „kaum hörbar“. Wenn du zu viel Depth nutzt, kann der Sound dünn werden oder unangenehm „nasal“ klingen, besonders im oberen Register. Der Sweet Spot ist meist moderat, dafür sauber im Tempo und im Kontext eingestellt.
PWM beim Synthesizer – Welche LFO-Einstellungen funktionieren musikalisch?
PWM ist besonders stark, wenn der LFO nicht hektisch ist. Langsame Modulationen erzeugen dieses berühmte „Schweben“. Und genau das willst du oft bei Pads und Flächen.
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Langsam (ca. 0,1–1 Hz): ideal für Pads, Strings, Ambient
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Mittel (ca. 1–5 Hz): lebendige Leads, Arps mit Bewegung
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Schnell (ab ca. 5 Hz): kann interessant sein, aber wird schnell „effektig“
Noch wichtiger als die absolute Hz-Zahl ist die musikalische Wirkung. Wenn dein Synth Tempo-Sync kann, sind Notenwerte wie 1/4, 1/8 oder 1/16 als LFO-Rate oft leichter kontrollierbar, vor allem in Produktionen mit klarer Rasterung.
PWM mit Hüllkurve: Der Trick für Attack und Charakter
LFO ist Standard – aber eine Hüllkurve auf die Pulsbreite ist ein echter Sounddesign-Hack. Damit bekommt ein Lead oder Bass mehr „Biss“, ohne dass du die Filterhüllkurve übertreiben musst.
So funktioniert’s: Du modulierst die Pulsbreite kurz im Attack und lässt sie dann zurücklaufen. Dadurch verändert sich das Obertonspektrum am Anfang des Tons stärker als im Sustain. Das kann wie ein dezenter Formant- oder Sync-Effekt wirken, bleibt aber musikalisch, weil es immer an den Anschlag gekoppelt ist.
Gerade bei Mono-Leads ist das Gold wert, weil der Sound im Mix schneller „spricht“.
PWM und Unison/Chorus: Wann ist es zu viel?
PWM wird oft als Ersatz für Chorus genutzt – oder zusätzlich. Beides geht, aber es gibt einen Punkt, an dem die Summe zu weich und undefiniert wird.
Wenn du Unison aktivierst und zusätzlich PWM sehr breit einstellst, kann der Sound riesig werden, aber gleichzeitig an Fokus verlieren. Deshalb ist es meist besser, zuerst PWM als Kernbewegung zu setzen und Unison/Chorus danach nur so weit zu ergänzen, dass der Sound im Stereo-Bild Platz findet, ohne die Mitten aufzulösen.
Ein praktischer Ansatz ist: PWM moderat, Unison eher weniger Stimmen, dafür leicht detuned. So bleibt der Klang groß, aber nicht matschig.
Typische Fehler bei PWM – und wie du sie vermeidest
Ein häufiger Fehler ist eine PWM-Modulation, die bis an die Extremwerte geht. Denn sehr schmale Pulse können deutlich leiser wirken oder den Klang stark ausdünnen. Manche Synths kompensieren das intern, viele aber nicht. Das Ergebnis: Du denkst, dein Patch ist „nicht stabil“, dabei fährt die Modulation einfach in einen Bereich, der klanglich unpraktisch ist.
Ein zweiter Klassiker ist die Verwechslung mit Filtermodulation. PWM verändert das Rohmaterial vor dem Filter. Wenn du also schon sehr viel Filterbewegung hast, kann zusätzliche PWM schnell zu viel des Guten sein. Besser ist oft: entweder Filter als Hauptbewegung und PWM nur subtil, oder PWM als Hauptbewegung und Filter eher als Formgeber.
Für welche Sounds eignet sich PWM besonders?
PWM ist kein Spezialeffekt, sondern ein musikalisches Werkzeug. Trotzdem gibt es typische „Heimatgebiete“, in denen sie fast immer überzeugt.
Für Pads und Synth-Strings ist PWM ideal, weil sie Breite und Bewegung liefert, ohne dass der Sound ständig lauter/leiser pumpt. Bei Leads bringt PWM eine vokale Qualität und macht selbst einfache Melodien spannender. Und bei Bässen kann sie funktionieren, wenn du die Modulation subtil hältst und die Tiefmitten nicht verwischst.
Wenn du nur eine Anwendung mitnehmen willst: PWM ist der schnellste Weg von „statisch“ zu „lebendig“, ohne sofort Effektketten aufzubauen.
PWM kurz zusammengefasst – aber richtig
PWM ist die Modulation der Pulsbreite einer Pulse/Square-Wellenform. Dabei verändert sich das Obertonspektrum kontinuierlich, was als Schimmern, Schweben oder Atmen wahrgenommen wird. Mit LFO bekommst du klassische Flächenbewegung, mit Hüllkurve bekommst du Attack-Charakter, und mit Modwheel/Aftertouch machst du PWM performativ. Entscheidend ist, dass du die Modulation so dosierst, dass sie musikalisch bleibt und nicht in extreme, dünne Bereiche fährt.
Leitender Redakteur – keyboards.de
Multiinstrumentalist • Audio Engineer • Kreativer Tüftler • Familienvater • Pen-&-Paper-Enthusiast

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