Behringer BDS-3 im Test: Analoge Simmons-Drum-Synth-Legende

Der Behringer BDS-3 interpretiert den klassischen Simmons-SDS-3-Drum-Synthesizer neu: Vier analoge Drum-Kanäle, Effektsektion und klassisches Hands-on-Layout im kompakten Desktop-Format.

In den späten Siebzigern revolutionierte Dave Simmons mit seinen analogen Drum-Synthesizern die Welt der elektronischen Percussion. Der Simmons SDS-3 von 1978 legte dabei den Grundstein für den späteren Kultstatus der Serie und ebnete den Weg für den ikonischen SDS-V mit seinen hexagonalen Pads, der in den Achtzigern auf zahllosen Produktionen zu hören war.

Mit dem Behringer BDS-3 greift der Hersteller genau diese frühe Phase der Simmons-Historie auf und präsentiert einen analogen 4-Kanal-Drum-Synthesizer, der sich klanglich und konzeptionell eng am SDS-3 orientiert – und das zu einem bemerkenswert niedrigen Preis von 249 €. Die zentrale Frage lautet also: Kann dieser moderne Klon die rohe Magie des Originals einfangen und gleichzeitig heutigen Studio- und Modular-Anforderungen gerecht werden?

Behringer BDS-3 im Test – Klangerbe der 70er im modernen Gewand

Optisch wie technisch orientiert sich der Behringer BDS-3 konsequent am historischen Vorbild. Vier identische Drum-Kanäle werden durch einen separaten Effektkanal ergänzt. Jeder der vier Hauptkanäle lässt sich entweder als Tongenerator oder als Rauschgenerator betreiben und bietet dedizierte Regler für Pitch, Decay, Bend, Noise und Modulation. Damit steht eine enorme klangliche Bandbreite zur Verfügung – von tiefen, wuchtigen Kickdrums über resonante Toms bis hin zu bissigen Snares, zischenden Noise-Texturen und experimentellen Effektklängen.

Der zusätzliche Effektkanal erweitert das Klangspektrum nochmals deutlich. Hier kommen ein LFO – bis in den Audiobereich hinein – sowie der sogenannte Run-Time-Effekt zum Einsatz, mit dem sich modulierte Spezialeffekte und ungewöhnliche Übergänge erzeugen lassen. Insgesamt verteilen sich 57 Bedienelemente über die Frontplatte. Das macht sofort klar: Der BDS-3 ist kein Preset-Instrument, sondern ein echtes Schrauber-Werkzeug im Geist klassischer analoger Synthesizer.

Die Rückseite des Behringer BDS-3 bietet MIDI In/Thru, USB-Anschluss, Trigger- und Pedalbuchsen sowie die zentrale Ausgangssektion – klar strukturiert und praxisnah für Studio-, Live- und Eurorack-Setups.
Die Rückseite des Behringer BDS-3 bietet MIDI In/Thru, USB-Anschluss, Trigger- und Pedalbuchsen sowie die zentrale Ausgangssektion – klar strukturiert und praxisnah für Studio-, Live- und Eurorack-Setups.

Trotz dieser klaren Vintage-Ausrichtung zeigt sich der BDS-3 erfreulich modern in Sachen Konnektivität. Jeder Kanal besitzt einen eigenen Trigger-Eingang, sodass sich externe Pads, Trigger-Sequencer oder Drum-Controller direkt anbinden lassen. Zusätzlich stehen MIDI-Eingänge über DIN und USB zur Verfügung, womit der BDS-3 problemlos in DAW-Setups oder hardwarebasierte Sequencer-Umgebungen integriert werden kann. Einzelausgänge pro Kanal sowie ein Stereo-Mix-Out erlauben flexibles Routing, etwa für externe Effekte oder separates Mixing einzelner Stimmen.

Das kompakte Desktop-Gehäuse ist Eurorack-kompatibel und lässt sich bei Bedarf direkt ins Modularsystem integrieren. Einschränkend muss allerdings erwähnt werden, dass es – abgesehen von der Trigger-Ansteuerung – keine CV-Eingänge zur Modulation der Klangparameter gibt. Für ein klassisches Eurorack-Patch-Monster ist das ein limitierender Faktor, entspricht aber konsequent der historischen Vorlage.

Behringer BDS-3 im Test – Klang & Praxis: Vintage-Pew-Pew mit Biss

Klanglich liefert der Behringer BDS-3 genau das, was man von einem Simmons-inspirierten Drum-Synth erwartet. Jeder Trigger erzeugt diesen charakteristischen, direkten analogen Punch. Attack-Clicks, knackige Transienten und resonante Zaps erinnern sofort an frühe elektronische Drum-Sounds der Siebziger und Achtziger.

Mit feinfühliger Einstellung des Noise-Anteils entstehen präzise, durchsetzungsfähige Snares oder schwebende Rauschklänge, die an frühe Synth-Hi-Hats erinnern. Tiefe Pitch-Einstellungen kombiniert mit einer ausgeprägten Pitch-Hüllkurve liefern druckvolle Kicks mit echter analoger Wärme. Gleichzeitig zeigt sich der BDS-3 äußerst experimentierfreudig: Über den Effektkanal lassen sich metallische, modulierte Sci-Fi-Sounds erzeugen, die auch in modernen elektronischen Produktionen ihren Platz finden.

Die Kehrseite dieser Flexibilität ist eine gewisse Lernkurve. Der BDS-3 verlangt Verständnis für analoge Signalführung, Hüllkurven und Modulation. Presets oder Speicherplätze gibt es nicht – jeder Sound entsteht live am Gerät. Das sorgt für maximale Unmittelbarkeit und echtes Hands-On-Feeling, erfordert aber Erfahrung und Vorbereitung, insbesondere im Live-Einsatz. Für mich als langjährigen Synthesizer-Spieler ist genau das ein zentraler Reiz: Der BDS-3 reagiert organisch, lebendig und manchmal auch unvorhersehbar – ganz wie ein echtes analoges Instrument.

Positiv fällt zudem die solide Verarbeitung auf. Das Gerät steht stabil, die Regler greifen sauber und bieten ausreichend Widerstand für präzise Einstellungen. Die Einzelausgänge eröffnen zusätzliche klangliche Möglichkeiten, etwa durch externe Effekte pro Stimme. Auch die MIDI-Implementierung arbeitet zuverlässig und unterstützt dynamisches Spiel über Velocity-Werte, was den elektronischen Drum-Sounds zusätzliche Ausdrucksstärke verleiht.

Die Draufsicht zeigt das klar strukturierte Bedienfeld des Behringer BDS-3 mit 57 Reglern, vier identischen Drum-Kanälen und separatem Effektbereich – konsequent analog und auf unmittelbare Klangformung ausgelegt.
Die Draufsicht zeigt das klar strukturierte Bedienfeld des Behringer BDS-3 mit 57 Reglern, vier identischen Drum-Kanälen und separatem Effektbereich – konsequent analog und auf unmittelbare Klangformung ausgelegt.

Fazit: Behringer BDS-3 im Test – Analoge Simmons-Drum-Synth-Legende

Der Behringer BDS-3 erweckt ein Stück Synthesizer-Geschichte überzeugend zum Leben. Für 249 € erhält man einen vollanalogen 4-Kanal-Drum-Synthesizer, der den Charakter und die Direktheit der frühen Simmons-Instrumente authentisch einfängt. Klanglich überzeugt der BDS-3 mit Druck, Präsenz und einer erstaunlichen Bandbreite – von klassischen Drum-Sounds bis hin zu experimentellen Texturen.

Natürlich richtet sich das Instrument nicht an Anwender, die sofortige Ergebnisse oder Preset-Komfort erwarten. Wer bereit ist, Zeit ins Schrauben zu investieren, wird jedoch mit einem äußerst lebendigen, charakterstarken Drum-Synth belohnt. Die fehlende CV-Modulation schränkt den Modular-Einsatz zwar ein, trübt den Gesamteindruck aber kaum, da sie dem historischen Konzept entspricht.

Unterm Strich gelingt Behringer hier ein bemerkenswerter Spagat zwischen Vintage-Authentizität und moderner Integration. Für Synthesizer-Nerds, Sounddesigner und Liebhaber analoger Drum-Klassiker ist der BDS-3 ein äußerst attraktives Angebot mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Pro

  • Authentischer analoger Drum-Sound im Stil der Simmons-Klassiker
  • Vier Drum-Kanäle plus Effektsektion mit großer Klangvielfalt
  • Umfangreiche Anschlüsse und Eurorack-Tauglichkeit

Contra

  • Keine CV-Modulation der Klangparameter
  • Einarbeitung erforderlich, keine Presets
  • Sehr spezieller Soundcharakter

Link zur Herstellerseite: Behringer


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Behringer BDS-3

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