Der Newsroom der „New York Times“ diente schon öfter als Location für spezielle Events. Als Erykah Badu jedoch zu einem Überraschungskonzert erschien, dürfte das für die Mitarbeiter ein ganz besonderer Moment gewesen sein. Glücklicherweise wurde die Performance aufgezeichnet, sodass auch alle Nicht-Journalisten in den Genuss kommen können.
Erykah Badu – Neo-Soul, R&B, Hip-Hop
Als Erykah Badu mit ihrem Debütalbum „Baduizm” gleich dreifach Platin errang, war klar, dass hier eine außergewöhnliche Künstlerin am Anfang einer steilen Karriere stand. Die Zeit war günstig, denn der R&B befand sich gerade im Umbruch. Badu brachte erste Erfahrungen aus einer Hip-Hop-Formation mit und kreierte einen neuen, beatlastigen Style. „Baduizm” gilt bis heute als eines der besten Neo-Soul-Alben überhaupt.
Bis 2010 produzierte sie jeweils im Abstand von mehreren Jahren fünf sehr erfolgreiches Album. Danach erfolgten 15 Jahre lang keine Veröffentlichungen mehr. Erst letztes Jahr erschien mit „Abi & Alan” eine Kollaboration mit Alchemist und einer Reihe von Gastmusikern.
Großes Theater vs. kleine Bühne
In diesen 15 Jahren war Erykah Badu jedoch alles andere als untätig. Sie war pro Jahr acht Monate auf Tour. Ihre Konzerte sind dabei aufwendig inszeniert, haben theaterhafte Bühnenbilder, durchkonzipierte Choreografien, farbenprächtige Kostüme, die mitunter an Funkadelic erinnern – und absurd große Hüte für die Grande Dame.
Der Newsroom der New York Times ist zwar geräumig, bietet aber nicht genügend Platz für solche Inszenierungen. Auch wenn es kein „Tiny Desk“-Konzert war, mussten das Setup angepasst und die Songs auf minimalistische Arrangements umgestellt werden. Die Besetzung ist kleiner als bei ihren üblichen Konzerten, aber für den Badu-Sound gut aufeinander abgestimmt.
Der Drummer spielt ein Alesis Nitro E-Drumset, der Bassist hat für spezielle Passagen einen Moog Subsequent parat und der Keyboarder spielt fast ausschließlich Rhodes- und Piano-Sounds mit einem Yamaha Montage 8. Gelegentlich fliegt er Pads und Strings mit einem Korg Kronos X ein. Das sind zwar nicht die neuesten Modelle, aber sie haben sich bei unzähligen Live-Gigs bewährt. Rundherum sind noch weitere Geräte platziert, die offenbar aus dem Hintergrund angesteuert werden.
Erykah Badu braucht den Beat
Für Erykah Badu ist der richtige Beat essenziell. Sie muss ihn nicht nur hören, sondern auch spüren. Daher spielt sie während sie singt oft auf Drumpads. Es muss kein virtuoses Fingerdrumming sein, auch wenn sie bei ihren Konzerten gern eine kleine Einlage gibt. Oft klopft sie einfach nur den Takt mit oder spielt lediglich einen Sound.
Seit Jahren hat sie ein Roland HDP-15 stets in Griffweite auf der Bühne. Neben den Pads nutzt sie die seitlichen Ribbon-Controller, um spontan Soundeffekte zu erzeugen. Außerdem gehören Akai MPCs zu ihrem Equipment, die immer wieder mal wechseln. Früher war es eine MPC-2000, hier ist es eine MPC Live II. Jüngst postete sie einen Clip mit der neuen Akai MPC Sample.

Schaut euch das Konzert mal unter dem Aspekt der verkleinerten Umsetzung an – aber zuerst natürlich wegen der Musik.



Editor und Redakteur, Spezialist für Themen der Musikbranche und Modular-Synthesizer

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