Nach anfänglicher Euphorie hat sich schnell herausgestellt, dass KI-generierte Musik ein ernsthaftes Problem ist. Streaming-Portale werden mit KI-Songs überflutet, Auftragsproduktionen, z.B. im Vertonungsbereich, werden durch KI ersetzt, die Kreativität unterliegt den Algorithmen. Das hat unter anderem schon zur „Spotify Exodus„-Bewegung geführt, mit der sich Musiker gegen diese Entwicklung positionieren. Nun hat der Streaming-Service Bandcamp der KI-Musik den Kampf angesagt.
Bandcamp verbannt KI-Musik
Bandcamp versteht sich als Plattform, die Künstler -also echte Menschen- mit ihren Fans -ebenfalls echte Menschen- verbinden will. Den Fans soll es möglich sein, ihre favorisierten Künstler auf faire Weise zu unterstützen, damit diese eine Basis haben, um Musik machen können. Damit soll die kreative Leistung von real existierenden Künstler wertgeschätzt werden.
In einem kürzlich veröffentlichtem Statement stellt Bandcamp zwei grundsätzliche Regeln auf, die KI-generierte Musik und gleichermaßen KI-generierte Künstlerprofile von der Webseite verbannen:
• Music and audio that is generated wholly or in substantial part by AI is not permitted on Bandcamp.
• Any use of AI tools to impersonate other artists or styles is strictly prohibited in accordance with our existing policies prohibiting impersonation and intellectual property infringement.
Zur Umsetzung dieser Maßnahme werden Melde-Tools eingerichtet, mit denen die Nutzer Songs oder Artist-Profile melden können, wenn der Verdacht von KI besteht. Bandcamp-Mitarbeiter werden diese Fälle dann prüfen und man behält sich das Recht zur Löschung vor.
Was bedeutet das in der Praxis?
Es ist natürlich nicht ganz unproblematisch. Einerseits ist nicht ganz klar, wo die Grenze gezogen wird. Sind nur Teile eines Songs, etwa einzelne Instrumente oder der Gesang, mit KI-Tools erstellt worden, ist es recht subjektiv, was hier überwiegt und wie es eingeschätzt wird. Elemente, wie z.B. KI-generierte Samples, sind erlaubt, wenn sie der Ausgangspunkt bei einem Song sind. Aber wie will man das beurteilen?
Zum anderen muss man auch befürchten, dass die Meldeoption missbraucht wird, sei es aus Konkurrenzdenken, Missliebigkeit, Betrug oder Langeweile. So etwas gibt es bei allen Plattformen. Wenn ein Song oder ein Profil auch nur kurze Zeit deaktiviert wird, hat das natürlich Auswirkungen auf den Künstler.
Der Schritt, den Bandcamp hier macht, ist natürlich zu begrüßen. Immer mehr Musiker geraten durch KI-generierte Produkte in finanzielle Bedrängnis und werden aus der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt. Wollen wir als Musikkonsumenten das wirklich? Reichen uns die auf Basis von vergangener Musik trainierten und mit simulierten Emotionen angereicherten KI-Erzeugnisse tatsächlich?
Fakt ist, dass die nächste KI-Generation schon vor der Tür steht und subjektiv noch bessere Ergebnisse liefern wird. Die Situation wird also nicht einfacher. Ob der Gesetzgeber hier einschreitet, ist noch offen, obgleich es einzelnen Bemühungen gibt. Und ob Maßnahmen, wie die von Bandcamp, etwas bewegen werden, bleibt abzuwarten.

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