Endorphin.es Evil Pet Test – Granular-Synthesizer mit inspirierendem Workflow

Der Endorphin.es Evil Pet kombiniert Granular-Synthese, Sampler und Live-Effektprozessor in einem kompakten Desktop-Gehäuse. Die direkte Bedienoberfläche lädt zum spontanen Sounddesign ein.

Mit dem Evil Pet präsentiert Endorphin.es einen ungewöhnlichen Desktop-Synthesizer, der sich konsequent der Granularsynthese verschrieben hat. Statt möglichst viele klassische Syntheseformen unter einem Dach zu vereinen, konzentriert sich das kompakte Instrument auf die kreative Bearbeitung von Audiomaterial – und entwickelt daraus ständig neue Klangwelten. Für einen Straßenpreis von rund 479 Euro positioniert sich der Evil Pet zwischen experimentellem Sounddesign-Werkzeug und eigenständigem Performance-Instrument.

Nach einigen Tagen intensiver Arbeit im Studio zeigt sich schnell, dass der Evil Pet kein Synthesizer für klassische Leads, Bässe oder Standard-Pads sein möchte. Seine Stärke liegt vielmehr darin, vorhandenes Audiomaterial ständig neu zu interpretieren. Stimmen, Field Recordings, Instrumente oder kurze Samples werden in kleinste Fragmente zerlegt und zu völlig neuen Texturen, Flächen oder rhythmischen Strukturen zusammengesetzt. Gerade dadurch entsteht ein kreativer Workflow, der immer wieder zu unerwarteten Ergebnissen führt.

Besonders interessant ist dabei die Kombination aus Granular-Synthesizer, Live-Effektgerät und Sampler. Der Evil Pet kann nicht nur Samples von einer MicroSD-Karte laden, sondern verarbeitet auch eingehendes Audiosignal in Echtzeit. Hinzu kommen ein integriertes Mikrofon sowie sogar ein eingebauter FM-Radioempfänger als Klangquelle. Dadurch entstehen Ideen oft innerhalb weniger Sekunden – nicht durch langes Programmieren, sondern durch spontanes Experimentieren.

Mit seinem vergleichsweise günstigen Preis spricht der Evil Pet vor allem Produzenten, Sounddesigner und experimentierfreudige Musiker an, die ihre gewohnten Klangquellen verlassen möchten. Wer dagegen einen klassischen Allround-Synthesizer erwartet, wird schnell feststellen, dass Endorphin.es hier bewusst einen anderen Weg eingeschlagen hat.

Bedienung mit direktem Zugriff und überraschend flüssigem Workflow

Bereits beim ersten Kontakt fällt auf, dass Endorphin.es den Evil Pet erfreulich übersichtlich aufgebaut hat. Das kompakte Metallgehäuse wirkt hochwertig verarbeitet, sämtliche Regler laufen angenehm straff und vermitteln einen robusten Eindruck. Trotz seiner geringen Größe fühlt sich das Gerät keineswegs nach einem Kompromiss an.

Die Oberfläche setzt konsequent auf direkten Zugriff. Zwölf Endlosregler übernehmen nahezu sämtliche wichtigen Parameter der Granularsynthese. Position, Grain-Größe, Tonhöhe, Grain-Dichte, Filter oder Effekte lassen sich unmittelbar verändern, ohne erst lange durch Menüs navigieren zu müssen. Genau dieser direkte Zugriff macht im Alltag einen großen Unterschied, denn Granularsynthese lebt vom kontinuierlichen Experimentieren.

Viele Regler besitzen eine zweite Funktion über die Shift-Taste. Das klingt zunächst komplexer, funktioniert in der Praxis jedoch erstaunlich intuitiv. Farbige LEDs zeigen jederzeit an, ob gerade die Hauptfunktion oder die Zweitbelegung aktiv ist. Nach kurzer Eingewöhnung entwickelt sich dadurch ein flüssiger Workflow, bei dem die wichtigsten Funktionen schnell in Fleisch und Blut übergehen.

Das kleine OLED-Display übernimmt ausschließlich ergänzende Aufgaben. Presets, Systemeinstellungen oder tiefergehende Parameter werden hier verwaltet. Glücklicherweise muss man das Display während der eigentlichen Klanggestaltung nur selten bemühen. Die eigentliche Arbeit findet direkt auf der Oberfläche statt.

Etwas mehr Aufmerksamkeit verlangen lediglich einige tiefergehende Einstellungen. Zusätzliche Effektparameter, LFO-Konfigurationen oder bestimmte Systemoptionen liegen verständlicherweise im Menü verborgen. Diese Menüstruktur bleibt übersichtlich, unterbricht jedoch gelegentlich den kreativen Fluss, wenn man komplexere Modulationen anlegen möchte. Im normalen Studioeinsatz passiert das allerdings deutlich seltener als zunächst erwartet.

Vier Audioquellen eröffnen ungewöhnliche Klangwelten

Besonders spannend wird der Evil Pet durch seine verschiedenen Audioquellen. Insgesamt stehen vier Möglichkeiten zur Verfügung, neues Material in die Granular-Engine einzuspeisen.

Klassisch lassen sich externe Signale über die Stereo-Eingänge aufnehmen. Synthesizer, Drum Machines oder Effektgeräte landen innerhalb weniger Sekunden im internen Buffer und stehen sofort für weitere Bearbeitungen bereit.

Ebenso unkompliziert arbeitet der interne Sample-Player. Über eine MicroSD-Karte lassen sich eigene Samples laden und dauerhaft speichern. Der Ladevorgang erfolgt schnell und erlaubt auch längere Aufnahmen.

Eine Besonderheit stellt das integrierte Mikrofon dar. Für spontane Ideen genügt ein Fingerschnipsen, eine Stimme oder jedes beliebige Alltagsgeräusch. Natürlich ersetzt das Mikrofon kein hochwertiges Studio-Mikrofon, erfüllt seinen Zweck für schnelle Klangexperimente aber ausgesprochen gut. Gerade im kreativen Produktionsprozess entstehen dadurch häufig Texturen, die man mit vorbereiteten Samples vermutlich nie erzeugt hätte.

Fast schon verspielt wirkt zunächst der integrierte FM-Radioempfänger. Nach kurzer Zeit entwickelt sich dieses Feature allerdings zu einer erstaunlich inspirierenden Klangquelle. Radiosendungen, Rauschen oder zufällige Ausschnitte liefern ständig neues Material für die Granular-Engine. Gerade beim Sounddesign entstehen dadurch organische und lebendige Klangverläufe, die sich kaum reproduzieren lassen.


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Endorphin.es Evil Pet Digital-Synthesizer

Durchdachter Signalweg mit viel Potenzial für Sounddesigner

Technisch arbeitet der Evil Pet vollständig digital mit einer internen Signalverarbeitung von 96 kHz bei 32 Bit. Der eigentliche Signalweg ist logisch aufgebaut und bleibt trotz seiner Möglichkeiten erfreulich nachvollziehbar. Zunächst gelangt das Eingangssignal beziehungsweise das geladene Sample in den Granular-Prozessor. Dort wird das Audiomaterial in einzelne Grains zerlegt. Über Parameter wie Position, Größe, Dichte oder Tonhöhe entscheidet der Anwender anschließend, welche Bereiche des Materials wiedergegeben werden und wie stark sich diese Fragmente gegenseitig überlagern.

Anschließend durchläuft das Signal ein resonanzfähiges Multimode-Filter, bevor verschiedene Effekte wie Saturation, Bitcrusher, Chorus oder Flanger zum Einsatz kommen können. Den Abschluss bildet ein hochwertig klingender Reverb mit mehreren Algorithmen und Shimmer-Funktion, der hervorragend zu den oft schwebenden Granulartexturen passt.

Bemerkenswert ist außerdem der integrierte virtuelle Oszillator. Dieser kann parallel zur Granular-Engine betrieben werden und erweitert den Klang um klassische Wellenformen. Dadurch entstehen deutlich dichtere und harmonisch stabilere Sounds, ohne den experimentellen Charakter des Instruments zu verlieren. Schon dieser Aufbau zeigt deutlich, dass der Evil Pet weit mehr ist als ein einfacher Granular-Sampler. Er versteht sich vielmehr als eigenständiges Instrument zur Klanggestaltung, dessen kompletter Signalweg konsequent auf kreative Veränderungen ausgelegt wurde.

Granular-Engine mit eigenem Charakter statt klassischer Klangerzeugung

Der Evil Pet ist kein Synthesizer, den man nach festen Rezepten programmiert. Vielmehr entwickelt sich jeder Klang aus dem Ausgangsmaterial, das gerade verarbeitet wird. Genau darin liegt seine größte Stärke. Aus einer kurzen Sprachaufnahme entstehen breite Ambient-Flächen, aus einem einzelnen Klavierton entwickeln sich schimmernde Texturen, und selbst rhythmische Percussion kann innerhalb weniger Sekunden in pulsierende Klangwolken verwandelt werden.

Das Herzstück bildet die achtstimmige Granular-Engine. Sie zerlegt jedes eingehende Signal in winzige Klangpartikel – sogenannte Grains – und setzt diese kontinuierlich neu zusammen. Über die Parameter Position, Size, Pitch und Grain Density bestimmt der Anwender, welche Bereiche des Audiomaterials verwendet werden und wie dicht diese Fragmente abgespielt werden.

Besonders gelungen ist dabei die unmittelbare Rückmeldung auf jede Reglerbewegung. Bereits kleine Veränderungen erzeugen hörbare Unterschiede, ohne dass der Klang sofort unkontrollierbar wird. Gerade dieser Bereich wurde von Endorphin.es hervorragend abgestimmt. Der Evil Pet lädt permanent zum Experimentieren ein, belohnt aber gleichzeitig auch präzise Eingriffe.

Die maximale Grain-Länge von bis zu zwei Sekunden eröffnet dabei deutlich mehr Möglichkeiten als reine Ambient-Wolken. Auch rhythmische Strukturen, geloopte Sequenzen oder ungewöhnliche Time-Stretch-Effekte gelingen problemlos. Je nach Material bewegt sich der Klang zwischen fast natürlichen Ergebnissen und vollständig abstrakten Soundlandschaften.

Interessant ist außerdem die Möglichkeit, das Granularmaterial polyphon über MIDI zu spielen. Bis zu acht Stimmen stehen gleichzeitig zur Verfügung. Dabei verteilt die Engine ihre verfügbaren Grains dynamisch auf alle gespielten Stimmen. Spielt man einzelne Noten oder kleine Akkorde, entstehen angenehm dichte Klangflächen. Sehr komplexe Akkorde wirken dagegen etwas transparenter, was dem musikalischen Charakter jedoch keinen Abbruch tut und den Klang sogar oft luftiger erscheinen lässt.

Zum Lieferumfang gehören Netzteil mit internationalen Steckdosenadaptern, eine ausziehbare FM-Radioantenne sowie Adapter für den Anschluss am Expression-Eingang, der gleichzeitig als Antenne genutzt werden kann.
Zum Lieferumfang gehören Netzteil mit internationalen Steckdosenadaptern, eine ausziehbare FM-Radioantenne sowie Adapter für den Anschluss am Expression-Eingang, der gleichzeitig als Antenne genutzt werden kann.

Filter, Effekte und Modulation erweitern das Klangspektrum deutlich

Nach der Granularverarbeitung gelangt das Signal zunächst in ein resonanzfähiges Multimode-Filter. Neben klassischen Lowpass-, Highpass- und Bandpass-Varianten steht auch ein Comb-Filter zur Verfügung, der insbesondere metallische Resonanzen und ungewöhnliche Obertonstrukturen erzeugt.

Das Filter arbeitet musikalisch und greift angenehm weich ein. Selbst bei höheren Resonanzwerten bleibt der Klang kontrollierbar und eignet sich hervorragend, um bewegte Granularflächen weiter zu formen.

Anschließend folgen die internen Effekte. Standardmäßig arbeitet hier zunächst eine angenehm klingende Saturation, die den oftmals sehr luftigen Granularsounds etwas mehr Körper verleiht. Alternativ kann dieser Effektplatz unter anderem mit Bitcrusher, Sample-Rate-Reducer, Chorus oder Flanger belegt werden. Dadurch verändert sich der Charakter des Instruments erheblich – von warmen Ambient-Sounds bis hin zu rauen, digitalen Klangexperimenten.

Besonders überzeugend arbeitet der Reverb. Er ergänzt die Granularsynthese nahezu perfekt und unterstützt genau jene schwebenden Räume, für die diese Syntheseform bekannt ist. Mehrere Hallalgorithmen sowie eine Shimmer-Funktion sorgen dafür, dass aus einfachen Samples äußerst komplexe Klangräume entstehen können. Gleichzeitig lässt sich der Hall auch sehr dezent einsetzen, sodass rhythmische Granularsequenzen ihre Kontur behalten.

Einen wichtigen Anteil am lebendigen Klangbild übernehmen außerdem die drei LFOs. Diese lassen sich nahezu jedem Regler zuweisen und erzeugen kontinuierliche Bewegungen innerhalb des Sounds. Besonders interessant ist ihre Envelope-Follower-Funktion. Statt periodischer Modulation reagieren sie auf eingehendes Audiomaterial und steuern Parameter abhängig von dessen Dynamik. Im Studio ergeben sich dadurch ausgesprochen organische Klangverläufe, die weit weniger statisch wirken als klassische LFO-Modulationen.

Der integrierte Randomizer rundet das Konzept sinnvoll ab. Einzelne Parameter oder komplette Modulationen lassen sich zufällig verändern. Nicht jede Kombination führt zum perfekten Ergebnis, doch gerade diese kleinen Überraschungen machen einen großen Teil des kreativen Reizes des Evil Pet aus.

Im Studio entwickelt der Evil Pet schnell eigene Ideen

Im praktischen Studioeinsatz zeigt sich schnell, dass der Evil Pet weniger als klassischer Synthesizer arbeitet, sondern vielmehr als kreativer Ideengenerator. Während viele Instrumente darauf ausgelegt sind, gezielt einen bestimmten Sound zu erzeugen, überrascht der Evil Pet immer wieder mit Ergebnissen, die man ursprünglich gar nicht geplant hatte.

Besonders spannend wird das Gerät, wenn externe Klangquellen eingebunden werden. Bereits kurze Passagen aus einem Synthesizer, einer Drum Machine oder einer Gitarre reichen aus, um daraus völlig neue Klangwelten entstehen zu lassen. Durch die unmittelbare Aufnahme in den internen Buffer beginnt die eigentliche Klanggestaltung praktisch ohne Wartezeit.

Sehr gelungen arbeitet dabei auch der Live-Buffer. Während neues Audiomaterial aufgenommen wird, kann es bereits gleichzeitig granuliert wiedergegeben werden. Dadurch entstehen Delay-ähnliche Effekte, Pitch-Shifting, schwebende Übergänge oder sich kontinuierlich entwickelnde Klangflächen, ohne dass zuvor überhaupt ein Sample vorbereitet werden muss.

Der Buffer kann dabei bis zu zehn Minuten Audiomaterial aufnehmen. Gerade für längere Atmosphären, Field Recordings oder komplette Instrumentalpassagen eröffnet das erhebliches kreatives Potenzial. Statt nur kurze Schnipsel zu bearbeiten, lassen sich auch größere musikalische Zusammenhänge gezielt durchsuchen und in Echtzeit neu interpretieren.

Sehr inspirierend wirkt außerdem die integrierte Feedback-Funktion. Bereits granuliertes Material kann erneut in den Buffer aufgenommen werden, wodurch sich Klänge schrittweise weiterentwickeln. Kleine Veränderungen addieren sich über mehrere Durchläufe zu komplexen Texturen, die sich ständig verändern und dennoch nachvollziehbar bleiben.

Gerade bei Ambient-, Film- oder Game-Musik entstehen auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit Klanglandschaften, für die man mit klassischen Synthesizern deutlich mehr Programmieraufwand betreiben müsste.

Stereo-Ein- und Ausgänge, MIDI In sowie umschaltbarer MIDI Out/Thru, Expression-Anschluss und Kopfhörerausgang integrieren den Evil Pet problemlos in moderne Studio- und Live-Setups.
Stereo-Ein- und Ausgänge, MIDI In sowie umschaltbarer MIDI Out/Thru, Expression-Anschluss und Kopfhörerausgang integrieren den Evil Pet problemlos in moderne Studio- und Live-Setups.

Bedienung bleibt trotz vieler Möglichkeiten erfreulich kontrollierbar

Granularsynthese besitzt den Ruf, schnell unübersichtlich oder schwer kontrollierbar zu werden. Der Evil Pet widerlegt dieses Vorurteil überraschend deutlich. Die wichtigsten Parameter liegen jederzeit direkt unter den Fingern. Dadurch bleibt jederzeit nachvollziehbar, warum sich ein Klang verändert. Selbst komplexe Texturen lassen sich gezielt formen, anstatt lediglich zufällig zu entstehen.

Natürlich verlangt das Instrument etwas Einarbeitung. Wer bislang ausschließlich mit subtraktiven Synthesizern gearbeitet hat, muss zunächst lernen, in Audiomaterial statt in Oszillatoren zu denken. Hat man dieses Prinzip jedoch verinnerlicht, entwickelt sich der Workflow ausgesprochen flüssig. Lediglich bei tiefergehenden Einstellungen verlässt man kurz die direkte Bedienebene und nutzt das Menüsystem. Dieses bleibt logisch aufgebaut und tritt im Alltag deutlich seltener in Erscheinung, als man zunächst vermuten würde.

Insgesamt vermittelt der Evil Pet jederzeit das Gefühl, ein Instrument aktiv zu spielen und nicht lediglich Parameter zu verwalten. Genau diese Balance zwischen Experiment und Kontrolle gehört zu den größten Qualitäten des gesamten Konzepts.

Presets, MIDI und Performance – mehr als nur ein Sounddesign-Werkzeug

Der Evil Pet versteht sich nicht ausschließlich als Studio-Gerät. Dank vollständiger MIDI-Implementierung lässt sich der Granular-Synthesizer problemlos in bestehende Setups integrieren und auch live einsetzen. Über MIDI-In können sämtliche acht Stimmen polyphon gespielt werden. Unterstützt werden darüber hinaus MPE-Controller, wodurch sich Parameter wie Pitch, Druck oder horizontale Fingerbewegungen besonders ausdrucksstark in die Klanggestaltung einbeziehen lassen. Gerade in Verbindung mit einem geeigneten Controller gewinnt der Evil Pet dadurch deutlich an Ausdruckskraft.

Eine interessante Besonderheit ist die Möglichkeit, einen permanenten Drone-Ton laufen zu lassen und darüber weitere Stimmen einzuspielen. Für Ambient, Drone-Musik oder cineastische Klangflächen ist diese Funktion ausgesprochen inspirierend, weil sich statische Grundflächen mit melodischen Linien kombinieren lassen.

Auch Expression-Pedale wurden sinnvoll integriert. Statt lediglich einen einzelnen Parameter zu steuern, können sie als Makro-Controller mehrere Einstellungen gleichzeitig beeinflussen. Dadurch entstehen dynamische Klangverläufe, die sich mit einer einzigen Pedalbewegung realisieren lassen – ein großer Vorteil im Live-Einsatz.

Die Presetverwaltung fällt angenehm unkompliziert aus. Eigene Sounds lassen sich inklusive der verwendeten Samples abspeichern und jederzeit wieder aufrufen. Gerade bei einem Instrument, das häufig durch spontane Experimente zu außergewöhnlichen Ergebnissen gelangt, erweist sich diese Funktion als äußerst wertvoll. Während des Tests entstanden zahlreiche Klangideen, die man ohne Speichermöglichkeit vermutlich nie wieder exakt reproduzieren könnte.

Ebenso praktisch arbeitet die Aufnahmefunktion. Neue Samples lassen sich jederzeit direkt in den Buffer aufnehmen, überschreiben oder ergänzen. Durch Overdub-Funktionen und kontinuierliches Nachspeichern entwickelt sich der Klang oft organisch weiter, ohne dass der kreative Arbeitsfluss unterbrochen wird.

Zwölf Endlosregler, OLED-Display und dedizierte Funktionstaster ermöglichen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Parameter der Granular-Engine – ideal für experimentelles Arbeiten ohne komplizierte Menüführung.
Zwölf Endlosregler, OLED-Display und dedizierte Funktionstaster ermöglichen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Parameter der Granular-Engine – ideal für experimentelles Arbeiten ohne komplizierte Menüführung.

Workflow zwischen Klanglabor und Musikinstrument

Nach längerer Arbeit mit dem Evil Pet wird deutlich, dass Endorphin.es hier keinen klassischen Synthesizer entwickelt hat. Das Gerät verhält sich vielmehr wie ein kreativer Partner, der ständig neue Ideen liefert. Oft genügt bereits ein kurzer Klangimpuls, um daraus innerhalb weniger Sekunden völlig neue musikalische Ansätze entstehen zu lassen.

Genau darin unterscheidet sich der Workflow von klassischen Synthesizern. Statt einen Klang gezielt von Grund auf zu programmieren, reagiert der Evil Pet auf vorhandenes Material und entwickelt dieses kontinuierlich weiter. Das führt regelmäßig zu Ergebnissen, die man vorher nicht geplant hatte – ohne dabei völlig beliebig zu wirken.

Besonders überzeugend ist die Balance zwischen Experiment und Kontrolle. Die Granularsynthese bleibt jederzeit nachvollziehbar, weil die wichtigsten Parameter direkt erreichbar sind. Gleichzeitig eröffnet nahezu jede kleine Reglerbewegung neue Klangrichtungen. Dieser spielerische Ansatz sorgt dafür, dass man häufig deutlich länger mit dem Instrument arbeitet als ursprünglich geplant.

Im Studio eignet sich der Evil Pet hervorragend als kreative Ergänzung für bestehende Produktionsumgebungen. Er liefert ungewöhnliche Atmosphären, bewegte Pads, experimentelle Percussion, organische Übergänge oder cineastische Klangflächen, die sich problemlos in moderne Produktionen integrieren lassen.

Auch Sounddesigner profitieren von den zahlreichen Möglichkeiten, Alltagsgeräusche, Sprache oder Instrumente vollständig neu zu interpretieren. Durch die Kombination aus Mikrofon, FM-Radio, externen Eingängen und Sample-Wiedergabe gehen die Klangquellen dabei praktisch nie aus.

Die Bedienung verlangt zwar ein gewisses Verständnis für Granularsynthese, belohnt diese Einarbeitung jedoch mit einem sehr direkten und inspirierenden Arbeitsgefühl. Gerade Produzenten, die gern eigene Klangwelten erschaffen, werden den Evil Pet schnell als kreatives Werkzeug schätzen lernen.

 

Fazit: Endorphin.es Evil Pet

Mit dem Evil Pet beweist Endorphin.es eindrucksvoll, dass Granularsynthese weder kompliziert noch unzugänglich sein muss. Das Instrument verbindet eine leistungsfähige Granular-Engine mit einer angenehm direkten Bedienoberfläche und schafft damit einen Workflow, der zum Experimentieren einlädt, ohne dabei unkontrollierbar zu werden.

Besonders überzeugend sind die vielfältigen Aufnahmequellen, der große Live-Buffer, die musikalisch abgestimmte Effektsektion sowie die gelungene Integration von MIDI und MPE. Dadurch eignet sich der Evil Pet nicht nur als Spezialwerkzeug für Sounddesigner, sondern ebenso als inspirierende Ergänzung moderner Studio-Setups.

Die Menüstruktur wird lediglich für weiterführende Einstellungen benötigt und hält sich im kreativen Alltag erfreulich zurück. Dadurch bleibt der Fokus konsequent auf der Klanggestaltung. Wer bereit ist, sich auf die Denkweise der Granularsynthese einzulassen, erhält ein Instrument, das immer wieder neue Ideen liefert und auch nach längerer Nutzung noch überrascht.

Für einen Preis von 479 Euro bietet der Evil Pet eine außergewöhnlich vielseitige Plattform für experimentelle Klanggestaltung. Angesichts der umfangreichen Ausstattung, der hochwertigen Verarbeitung und des enormen kreativen Potenzials geht der Preis aus meiner Sicht absolut in Ordnung. Der Evil Pet ist kein klassischer Allround-Synthesizer, sondern ein klar spezialisierter Klangdesigner – und genau in dieser Rolle überzeugt er auf ganzer Linie.

Pro

  • Inspirierende Granular-Engine mit direktem Workflow
  • Vier flexibel nutzbare Audioquellen inklusive Mikrofon und FM-Radio
  • Umfangreiche Performance-Möglichkeiten durch MIDI, MPE und Makro-Steuerung

Contra

  • Einige erweiterte Funktionen liegen im Menüsystem
  • Einarbeitung in die Granularsynthese erforderlich

Link zur Herstellerseite: Endorphin.es

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