UDO DMNO Test: Zwei Synthesizer, ein Instrument

Der UDO DMNO kombiniert zwei unabhängige vierstimmige Synth-Engines zu einem achtstimmigen Hybrid-Synthesizer.

Mit dem UDO DMNO verfolgt der britische Hersteller ein ungewöhnliches Konzept: Statt einen möglichst großen Synthesizer aufzubauen, stecken im DMNO zwei weitgehend unabhängige vierstimmige Hybrid-Synthesizer. Digitale FPGA-Oszillatoren treffen auf analoge Stereo-Filter und VCAs, während acht Play Modes bestimmen, wie beide Engines miteinander interagieren.

Das Ergebnis ist ein achtstimmiger, zweifach multitimbraler Synthesizer, dessen Stärke weniger in maximaler Polyphonie als in der Verbindung zweier Klangerzeugungen liegt. Mit einem aktuellen Straßenpreis von 2.969 Euro spielt der DMNO allerdings klar in der Oberklasse. Entscheidend ist deshalb, ob das ungewöhnliche Konzept auch in der Praxis einen echten Mehrwert bietet.

Zwei Synthesizer unter einer Haube

DMNO 1 und DMNO 2 besitzen jeweils eigene Bedienelemente für Oszillatoren, Filter, Hüllkurven und Modulation. Pro Engine stehen zwei FPGA-basierte digitale Oszillatoren zur Verfügung. Neben klassischen Wellenformen lassen sich zusätzliche Single-Cycle-Wellenformen verwenden. Die Super-Waveform-Technik ergänzt den Hauptoszillator um sogenannte Sister Oscillators, die sich gegeneinander verstimmen und im Stereofeld verteilen lassen.

Dadurch entsteht bereits auf Oszillator-Ebene Bewegung und Breite. Die digitalen Klangquellen wirken zunächst präzise und kontrolliert. Interessanter wird es, sobald sie auf den analogen Teil des Signalwegs treffen.

Acht Play Modes bestimmen, wie die beiden Synth-Engines miteinander interagieren – von klassischen Layern bis zu Cycle, Random, Chaos und Series.
Acht Play Modes bestimmen, wie die beiden Synth-Engines miteinander interagieren – von klassischen Layern bis zu Cycle, Random, Chaos und Series.

Dynamic Multi-Core Stereo Filter

Eine zentrale Rolle übernimmt das Dynamic Multi-Core Stereo VCF. Pro Stimme stehen zwei analoge Filterkerne zur Verfügung, die parallel, seriell oder als Stereo-Paar betrieben werden können. Je nach Verschaltung sind Lowpass-, Highpass-, Bandpass-, Allpass- und Phaser-Konfigurationen möglich.

Besonders interessant ist Delta Cutoff. Damit lässt sich der Abstand zwischen den Cutoff-Frequenzen beider Filter verändern. Bereits kleine Abweichungen sorgen für Bewegung und räumliche Tiefe, ohne dass Chorus oder Reverb benötigt werden. Gleichzeitig kann die Filterstufe überfahren werden. Der zunächst kontrollierte Grundklang lässt sich dadurch in deutlich rauere und aggressivere Bereiche treiben.

Im Binaural Mode wird dieses Stereo-Konzept noch weitergeführt. Linker und rechter Kanal einer Stimme können unterschiedlich verstimmt und moduliert werden. Das erzeugt ausgesprochen breite Klänge, kostet allerdings Polyphonie: Aus acht normalen Stimmen werden vier sogenannte Super Voices.

Gerade bei Pads mit langen Release-Zeiten ist das hörbar. Vier Stimmen sind für einen Synthesizer dieser Preisklasse nicht üppig. Andererseits liegt die Stärke des DMNO weniger in großen Akkorden als darin, was innerhalb dieser Stimmen passiert.

Beide Synth-Engines verfügen über eigene Oszillatoren, Modulationssektionen, Hüllkurven und das analoge Dynamic Multi-Core Stereo Filter.
Beide Synth-Engines verfügen über eigene Oszillatoren, Modulationssektionen, Hüllkurven und das analoge Dynamic Multi-Core Stereo Filter.

Acht Play Modes als Herzstück

Entscheidend für das Konzept sind die acht Play Modes. Single, Dual und Split decken zunächst klassische Anwendungen ab. Spannender wird es bei den Modi, die aktiv in die Stimmenverteilung eingreifen.

Im Cycle Mode wechseln sich DMNO 1 und DMNO 2 bei aufeinanderfolgenden Noten ab. Random entscheidet zufällig, welche Engine eine Note übernimmt. Chaos kombiniert diese Verteilung zusätzlich mit kontrollierter Tonhöhen-Randomisierung.

Besonders interessant ist Series. Hier wird das komplette Ausgangssignal von DMNO 1 als komplexe Klangquelle in den Oszillator-Mixer von DMNO 2 geführt und kann dort erneut gefiltert, moduliert und bearbeitet werden.

Genau hier zeigt sich die eigentliche Idee hinter dem Instrument. Komplexität entsteht nicht zwangsläufig durch immer mehr Modulationsroutings innerhalb eines einzelnen Patches, sondern durch das Zusammenspiel zweier zunächst überschaubarer Synthesizer.

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UDO Audio DMNO Black

Modulation und Bedienung

Trotz der komplexen Architektur bleibt die grundlegende Klangformung direkt. Pro Engine stehen drei Hüllkurven und zwei LFOs zur Verfügung. LFO 1 reicht bis über 10 kHz und kann damit selbst in den Audiobereich vordringen. Zusätzliche Verbindungen lassen sich über die Modulationsmatrix herstellen.

Das VFD-Display übernimmt dabei eine sinnvolle unterstützende Rolle. Dreht man einen Regler, werden Parameter und Werte angezeigt. Auch gespeicherte Einstellungen eines Presets lassen sich nachvollziehen, obwohl die Position des physischen Reglers nach einem Patch-Wechsel davon abweichen kann.

Ganz ohne Einarbeitung funktioniert der DMNO trotzdem nicht. Zwei Engines, Play Modes, unterschiedliche Voice Modes sowie Patch- und Performance-Ebene ergeben eine eigene Logik. Wer Oszillator, Filter und Hüllkurve kennt, kann unmittelbar Sounds programmieren. Um das Instrument wirklich auszureizen, muss man allerdings verstehen, wie beide Seiten miteinander arbeiten.

Dabei hilft die klare Trennung zwischen Patch und Performance. Ein Patch speichert einen einzelnen Klang, eine Performance das Zusammenspiel beider Engines einschließlich Play Mode, Mixer und weiterer Einstellungen. Jeweils 128 Speicherplätze stehen zur Verfügung.

Das zentrale Display unterstützt bei Patch-Verwaltung und tieferliegenden Funktionen, während die wichtigsten Klangparameter direkt erreichbar bleiben.
Das zentrale Display unterstützt bei Patch-Verwaltung und tieferliegenden Funktionen, während die wichtigsten Klangparameter direkt erreichbar bleiben.

Arpeggiator, Sequencer und Effekte

Beide Synth-Parts verfügen über flexible Arpeggiator-Funktionen. Hinzu kommt inzwischen ein 64-Step-Sequencer, der über das Display programmiert wird. Gerade in Verbindung mit den Play Modes lässt sich der DMNO dadurch schnell von einem klassischen Polysynth in ein rhythmisch und strukturell arbeitendes Instrument verwandeln.

Auch die Effekte sind sinnvoll in die Architektur integriert. Pro Part stehen Distortion, Chorus und ein Drei-Band-EQ zur Verfügung. Delay und Reverb arbeiten als Send-Effekte. Dadurch können die beiden Engines unterschiedlich bearbeitet und anschließend im zentralen Mixer zusammengeführt werden.

Für den Studioeinsatz bietet der DMNO außerdem einen Stereo-Audioeingang mit Envelope Follower, einen zusätzlichen Stereo-Ausgang, MIDI In/Out/Thru sowie zwei CV/Gate-Ausgänge. Über USB arbeitet er zudem als class-compliant 2-In/2-Out-Audio-Interface mit 24 Bit.

Klang: Stereo als Teil der Synthese

Klanglich lässt sich der DMNO nicht einfach als analog oder digital einordnen. Die FPGA-Oszillatoren liefern ein sehr sauberes und stabiles Ausgangsmaterial. Charakter entsteht anschließend durch die analogen Filter, VCAs, das Gain-Staging und die räumliche Architektur.

Gerade das Stereo-Filter gehört zu den Stärken des Instruments. Pads und langsam modulierte Flächen besitzen eine Tiefe, die nicht erst durch einen nachgeschalteten Stereo-Effekt entsteht. Gleichzeitig kann der DMNO ausgesprochen rau werden. Filter-FM, Resonanz, Cross-Modulation und Übersteuerung führen schnell zu metallischen, angezerrten und experimentellen Texturen.

Besonders eindrucksvoll ist der Binaural Mode. Kleine Unterschiede zwischen linkem und rechtem Kanal erzeugen eine organische Breite, die sich deutlich von einem einfachen Stereo-Chorus unterscheidet. Dabei sollte man allerdings dosiert arbeiten. Gerade im Mix ist nicht automatisch der breiteste Sound auch der beste.

Neben Main- und Aux-Ausgängen bietet der DMNO unter anderem Stereo-Eingang, MIDI, USB, Pedalanschlüsse sowie zwei CV/Gate-Ausgänge.
Neben Main- und Aux-Ausgängen bietet der DMNO unter anderem Stereo-Eingang, MIDI, USB, Pedalanschlüsse sowie zwei CV/Gate-Ausgänge.

 

Zwei Engines verändern den Workflow

In der Praxis erweist sich weniger die reine Ausstattung als der Aufbau aus zwei Engines als Besonderheit. Statt einen Klang mit immer mehr Modulationen auszustatten, kann man beispielsweise einen relativ einfachen Patch auf DMNO 1 programmieren und auf der zweiten Seite eine Variation davon erstellen.

Anschließend entscheidet der Play Mode, wie beide Sounds zusammenspielen. Cycle lässt sie abwechseln, Random erzeugt kontrollierte Unvorhersehbarkeit und Series macht aus beiden Engines einen gemeinsamen Signalweg.

Dadurch entstehen schnell Ergebnisse, die man nicht vollständig vorausplant. Genau darin liegt der Reiz des DMNO. Das Instrument lädt weniger dazu ein, bekannte Synthesizer-Sounds möglichst effizient nachzubauen, sondern dazu, mit der Architektur zu experimentieren.

Auch die 44-tastige Fatar-Tastatur mit Channel Aftertouch unterstützt diesen Instrumentencharakter. Polyphoner Aftertouch fehlt allerdings. Gerade angesichts des hohen Preises und der expressiven Ausrichtung wäre er eine sinnvolle Ergänzung gewesen.

Trotz seiner komplexen Zwei-Engine-Architektur setzt der UDO DMNO auf eine weitgehend direkte Bedienoberfläche mit 44-tastiger Fatar-Tastatur.
Trotz seiner komplexen Zwei-Engine-Architektur setzt der UDO DMNO auf eine weitgehend direkte Bedienoberfläche mit 44-tastiger Fatar-Tastatur.

Für wen ist der UDO DMNO gedacht?

Der DMNO ist weniger ein universeller Polysynth als ein eigenständiges Instrument für Sounddesign und Performance. Wer in erster Linie große Flächen mit vielen gleichzeitig ausklingenden Stimmen spielen möchte, wird die acht Stimmen beziehungsweise vier Super Voices im Binaural Mode schnell als Einschränkung wahrnehmen.

Wer dagegen gerne direkt am Instrument Sounds entwickelt und kontrollierten Zufall als kreatives Werkzeug versteht, findet hier ein ungewöhnlich schlüssiges Konzept.

Der Preis von 2.969 Euro bleibt dennoch eine hohe Hürde. Man bezahlt nicht für maximale Stimmenzahl oder eine möglichst lange Feature-Liste, sondern für hochwertige Hardware, einen aufwendigen analogen Stereo-Signalweg und vor allem für die eigenständige Zwei-Engine-Architektur.

Fazit: UDO DMNO

Der UDO DMNO verbindet zwei unabhängige vierstimmige Synth-Engines zu einem ungewöhnlich eigenständigen Instrument. Vor allem die Play Modes Cycle, Random, Chaos und Series machen das Zusammenspiel beider Klangerzeugungen selbst zum Bestandteil des Sounddesigns. Zusammen mit dem Dynamic Multi-Core Stereo Filter und der binauralen Architektur entsteht ein Synthesizer, der weniger über maximale Polyphonie als über Interaktion, räumliche Tiefe und einen eigenständigen Workflow überzeugt.

Mit einem Preis von 2.969 Euro richtet sich der DMNO klar an ambitionierte Musiker, Produzenten und Sounddesigner. Acht Stimmen sind in dieser Preisklasse nicht üppig, im Binaural Mode stehen sogar nur vier Super Voices zur Verfügung. Auch polyphoner Aftertouch hätte gut zum expressiven Konzept gepasst.

Besonders stark ist der DMNO dort, wo beide Engines miteinander arbeiten. Die Bedienung bleibt trotz der komplexen Architektur weitgehend direkt, verlangt aber etwas Einarbeitung in Patches, Performances und Play Modes. Wer diese Logik verstanden hat, erhält ein Instrument, das gezieltes Sounddesign und kontrollierten Zufall sehr überzeugend miteinander verbindet.

Der DMNO ist deshalb vor allem ein Instrument für Musiker, die gerne direkt an der Hardware experimentieren und Klänge während des Spielens entwickeln. Wer lediglich einen unkomplizierten Polysynth für klassische Pads, Bässe und Leads sucht, wird einen Teil seiner Möglichkeiten kaum ausschöpfen.

Pro

  • Eigenständiges Zwei-Engine- und Play-Mode-Konzept
  • Flexibles analoges Stereo-Filter mit großer klanglicher Bandbreite
  • Direkter und inspirierender Performance-Workflow

Contra

  • Nur vier Stimmen im Binaural Mode
  • Hoher Preis

 

Link zur Herstellerseite: UDO Audio

Technische Daten

Hersteller: UDO Audio
Modell: DMNO
Klangerzeugung: Hybrid, digitale FPGA-Oszillatoren / analoger Signalweg
Polyphonie: 8 Stimmen / 4 Super Voices im Binaural Mode
Multitimbral: 2-fach
Synth-Engines: 2 unabhängige Parts
Oszillatoren: 2 FPGA-Oszillatoren pro Part
Filter: Dynamic Multi-Core Stereo Analog VCF
Filter-Routing: parallel, seriell, stereo
Hüllkurven: 3 pro Part
LFOs: 2 pro Part
Play Modes: Single, Dual, Split, One-Two, Cycle, Random, Chaos, Series
Tastatur: 44 Tasten, Fatar
Aftertouch: Channel Aftertouch
Arpeggiator: ja
Sequencer: 64 Steps
Effekte: Distortion, Chorus, EQ, Delay, Reverb
Speicher: 128 Patches, 128 Performances
Audioeingang: Stereo, mit Preamp und Envelope Follower
Audioausgänge: Main Stereo, Aux Stereo, Kopfhörer
Syntsyn: In, Out, Thru, USB
USB Audio: 2 In / 2 Out, 24 Bit
CV/Gate: 2 zuweisbare Ausgänge
Abmessungen: 780 × 380 × 115 mm
Gewicht: 8,5 kg
Preis: 2.969 Euro

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