SUZUKI Omnichord OM-108 Synthesizer im Test

Das neu aufgelegte SUZUKI Omnichord OM-108 kombiniert Begleitautomatik, Akkordtaster und berührungsempfindliche Strumplate zu einem eigenständigen Performance-Instrument.

Das Omnichord OM-108 ist weniger „Synthesizer“ im klassischen Sinn als ein eigenständiges Begleit- und Performance-Instrument: Links wählt man Akkorde über Tasten, rechts artikuliert man über die berührungsempfindliche Strumplate – inklusive abruptem Stop über das Instant‑Off‑Feld. Das Grundprinzip ist dabei klar: Ein vorgewählter Akkord wird mit einer vieroktavigen Strumplate gekoppelt, sodass sich passende Arpeggien/Einzeltöne ohne klassisches Tastaturspiel erzeugen lassen.

Der Straßenpreis liegt derzeit bei 829,00 € (UVP 849,00 €). Kritisch eingeordnet: Das ist ein Premium-Preis für ein Gerät mit bewusst begrenzter Feature-Tiefe (mono Out, kein MIDI In, keine internen Effekte) – und damit nur dann plausibel, wenn man den Wert im Spielkonzept und im spezifischen Klangcharakter sucht, nicht in universeller Einsetzbarkeit.

Die Eckdaten sind schnell erzählt: 10 Klangfarben (jeweils mit zugeordneter Sub‑Voice), 10 Rhythmen, 108 Akkorde (inkl. sus4 und add9), Layer-Mischung über separate Lautstärkeregler, integrierter Lautsprecher, Line Out (Mono) und MIDI Out. Dazu kommt ein wichtiges UI-Statement: kein Display – Einstellungen passieren direkt am Panel, ohne Zwischenebenen. Das macht das OM-108 schnell, aber auch kompromisslos: Was du drehst, hörst du sofort; was es nicht anbietet, musst du extern lösen oder bewusst akzeptieren.

Ausstattung und Bedienoberfläche

Als Desktop-Instrument ohne Klaviatur bleibt es handlich. Mit 457 × 250 × 52 mm und rund 1,2 kg ist es transportfreundlich; betrieben wird es über 8× AA oder ein externes 12V-Netzteil, das nicht beiliegt. Damit ist es für Studio, Couch‑Writing und Live‑Set gleichermaßen denkbar – solange man die Anschlussrealität (mono Out) einkalkuliert.

Die Bedienlogik ist im Kern sofort verständlich, die Feinsteuerung kommt über Praxis. Ein zentrales Detail: Mit Chord‑Hold muss man Akkorde nicht dauerhaft gedrückt halten – die rechte Hand bleibt frei für Strumplate-Spielweise und schnelle Cuts über Instant‑Off. Genau hier entsteht Bühnen- und Session-Tauglichkeit, weil man nicht „fummelt“, sondern performt.

Ein praxisrelevantes Detail aus dem Manual: Die Plate-Sensoren werden beim Einschalten kalibriert; Strumplate und Instant‑Off sollen dabei nicht berührt werden. Das klingt nach Kleinigkeit, aber es entscheidet im Live-Kontext über Stress oder Routine (Aufbau: Gerät hinlegen, Hände weg, einmal sauber booten).

Auf der Rückseite findet man genau das, was man für den Einsatz braucht – aber auch nicht mehr: Line Out (Mono, 6,3 mm TS), Phones (3,5 mm) und MIDI Out (5‑Pin DIN). Kopfhörer muten den Speaker, nicht den Line-Out; wer ausschließlich über Kopfhörer arbeiten will, sollte den Line-Out wirklich abziehen. Der Speaker lässt sich per Schalter separat an/aus schalten, was für Proben und kleine Live-Situationen erstaunlich praktisch ist.

Für unterwegs ist die Stromversorgung sinnvoll gelöst: 8× AA werden unterstützt (alkaline empfohlen, Ni‑MH möglich), und die Power‑LED dient als grober Batteriestatus. Wer Ni‑MH nutzt, sollte die Batterieanzeige im Gerät umstellen, sonst kann die Anzeige laut Manual die Kapazität unterschätzen. Im Studio ist das ein Randthema – live kann es das „Warum geht’s jetzt aus?“ verhindern.

Live muss man außerdem an die automatische Abschaltung denken: Standardmäßig schaltet sich das Gerät nach 30 Minuten ohne Bedienung aus (Auto Power Off), lässt sich aber per Einschalt-Kombination aktivieren/deaktivieren. Für ein Bühnen-Setup, in dem das OM-108 vielleicht nur punktuell genutzt wird, ist das eine echte Workflow-Entscheidung.

OM-108 mit austauschbarer Akkord-Overlay-Schablone – visuelle Orientierung für komplexe Akkordstrukturen und erweiterten Harmonieeinsatz.
OM-108 mit austauschbarer Akkord-Overlay-Schablone – visuelle Orientierung für komplexe Akkordstrukturen und erweiterten Harmonieeinsatz.

Klangarchitektur und Signalweg

Die Klangerzeugung ist hybrid: „omni1“ und „omni2“ werden laut Hersteller mit echter analoger Schaltung aufgebaut; die übrigen acht Stimmen entstehen per PCM. Genau diese Mischung ist klanglich der Kern: ein leicht lo‑fi anmutender „omni“-Grundcharakter, kombiniert mit klaren, samplebasierten Instrumentfarben.

Die 10 Stimmen sind omni1, omni2, harp, celeste, A. piano, guitar, FM piano, organ, vibes und banjo. Workflow-relevant ist das Layer-Prinzip: Jeder Main-Voice ist eine Sub‑Voice zugewiesen; beide lassen sich über eigene Volume-Regler mischen oder einzeln fahren. Suzuki nennt das ausdrücklich als Sound-Design-Ansatz (z. B. „harp“ mit Sub‑Strings). Für Studioarbeit ist das Gold wert, weil man ohne Menüs zwischen „trocken/fragil“ und „flächig/kinematografisch“ morphen kann.

Der interne Signalfluss ist (praxisnah) so gestrickt: Akkordtasten erzeugen Chord/Bass (und optional Auto-Begleitung), die Strumplate erzeugt Noten/Arpeggien über vier Oktaven, die Rhythmussektion liefert Patterns. Alles wird über getrennte Lautstärkeregelungen plus Master summiert und an Line-Out/Phones/Speaker ausgegeben. Dass dieser Aufbau nicht nur „gefühlte Theorie“ ist, zeigt die MIDI-Spezifikation: Main‑Voice, Chords, Bass, Sub‑Voice und Drums werden auf getrennten MIDI-Kanälen geführt.

Der „Sustain“-Regler ist ein unterschätzter Performance-Hebel: Laut Manual kann er – je nach MIDI‑Setting – entweder als Decay/Release‑CC übertragen werden oder lokal die Ausklingzeit bestimmen; bei maximaler Stellung kann der Gate-Zustand sogar „unendlich“ werden, bis man eine neue Note spielt oder per Instant‑Off stoppt. Das ermöglicht schnell wechselnde Texturen (plucked → pad‑artig), ohne nachträgliche Automation.

Wichtig: Die Akkorde sind nicht „harmonisch vollständig“. Die Bedienungsanleitung nennt explizit, dass die Chords aus Triaden bestehen; bei 7th-, Maj7-, m7- und diminished-Akkorden kann die Quinte nicht gespielt werden. Das ist musikalisch relevant: Voicings wirken dadurch oft offener und weniger „blockig“, verlieren aber klassische Vierklang-Spannungen. Wer komplexe Harmonik als tragendes Element einsetzt, muss entscheiden, ob diese Reduktion gerade der Reiz ist – oder eine Einschränkung.

Die Rhythmussektion bietet 10 Patterns (rock1/rock2/slow rock/country/swing/disco/hip hop/funk/bossanova/waltz). Der Hersteller betont, dass die Patterns aktualisiert wurden und mit „Hip Hop“ erstmals ein Trap-orientierter Beat dabei ist. Aus Workflowsicht ist die Startlogik entscheidend: „Sync Start“ startet den Groove beim nächsten Akkorddruck, „Start“ sofort; und die Akkorde laufen wahlweise als Block (Manual) oder als patternabhängige Sequenz (Auto). Gleichzeitig gilt: kein Tap‑Tempo, und die Begleitautomatik ist im Test klar als Ergänzung zur Strumplate gedacht (im Keyboard-Mode greift sie nicht).

Als Bonus gibt es einen „Classic Mode“, der per Einschaltprozedur die Rhythmus-Noten/Voicings des OM‑84 reproduziert und wieder zurückschalten lässt. Das ist weniger Nostalgie als ein zweites Drum-Voicing, das im Mix deutlich anders „sitzt“ – besonders dann, wenn man die Drums nicht als Hauptgroove, sondern als Charakterlayer nutzt.

SUZUKI Omnichord OM-108 in der limitierten roten Ausführung – das ikonische Gehäusedesign mit Strumplate und integriertem Lautsprecher bleibt dem historischen Vorbild treu.
SUZUKI Omnichord OM-108 in der limitierten roten Ausführung – das ikonische Gehäusedesign mit Strumplate und integriertem Lautsprecher bleibt dem historischen Vorbild treu.

Praxis im Studio-Setup

Im Studio ist das OM-108 am überzeugendsten als Ideenmaschine: Akkordfolge skizzieren, Groove anwerfen, Strumplate als Hook oder Textur einspielen – aufnehmen, fertig. Weil der Line-Out mono ist, entsteht „Breite“ fast immer über externe Effekte und Raumgestaltung. Das ist kein Nachteil, sondern eine klare Arbeitsteilung: Quelle in Mono, Tiefe und Breite im Mix.

Ein Detail spart Ärger: Kopfhörer muten zwar den internen Speaker, nicht aber den Line-Out. Wer in einer Recording-Session testet, jammt und parallel eine Spur „scharf“ hat, sollte den Line-Out bewusst stecken oder eben bewusst nicht. Live ist derselbe Umstand praktisch: Line-Out zur PA, Speaker als persönlicher Monitor (per Schalter).

MIDI ist im Studio deutlich mächtiger, als man bei einem „Retro-Instrument“ vermutet. Das OM-108 sendet Noten- und Steuerdaten (u. a. Volumes, Sustain/Decay/Release, Tempo) und – je nach Preset – MIDI-Clock sowie Start/Stop synchron zur internen Rhythmussektion. Damit kann man entweder externe Klangerzeuger „vom Omnichord aus“ spielen lassen oder im DAW-Kontext eine Performance sehr direkt einfrieren, ohne das haptische Spielgefühl zu verlieren.

Ein weiterer Workflow-Punkt aus dem Manual: Beim Ausschalten werden Button-Selektionszustände grundsätzlich nicht gespeichert; dauerhaft bleiben nur bestimmte Systemeinstellungen (u. a. Classic Mode, MIDI-Transmit-Setting, Auto Power Off, Batterie-Anzeige). Für Studio-Templates bedeutet das: Das OM-108 ist eher „Session-Instrument“ als „Preset-Maschine“ – man dokumentiert sich wichtige Einstellungen oder nimmt Audio/MIDI auf, statt auf perfekten Recall zu bauen.

Presets, MIDI und Performance-Features

Die MIDI-Architektur ist klar dokumentiert: Das Gerät nutzt fünf MIDI-Kanäle (CH1 Main Voice, CH2 Chord, CH3 Bass, CH4 Sub‑Voice, CH10 Drum) und bietet vier MIDI-Transmit-Presets, von „Strum Only“ bis „All Out“. Für die Praxis sind die Unterschiede entscheidend: Preset 1 sendet Strumplate + Chords + Bass (CH1–CH3), Preset 2 sendet Strumplate zusätzlich auf CH4 (für Layering über externe Klänge), Preset 3 ergänzt Drums auf CH10, Preset 4 sendet nur Strumplate (CH1). Zusätzlich lassen sich Volume‑CC (CC7) und eine Decay/Release‑Übertragung aktivieren, wenn externe Klangerzeuger wirklich „mitgeführt“ werden sollen.

Der Keyboard-Mode erweitert die Spielfläche: Akkordtasten werden zu einem 20‑Tasten-Melody-Keyboard mit Oktavumschaltung, und ein Drum‑Pad‑Mode kann auf Tasten sowie Strumplate/Instant‑Off gelegt werden. Suzuki weist außerdem darauf hin, dass „omni1“ lokal monophon ist, während andere Voices polyphon reagieren; MIDI sendet im Keyboard-Mode dennoch alle Note-Informationen entsprechend der gespielten Tasten. In der Praxis ist das live kein Ersatz für einen klassischen Keyboard-Part, aber ein schneller Weg, Melodie- oder Drum-Details „aus derselben Oberfläche“ zu ergänzen.

Wie leicht ist das Gerät kontrollierbar? Die Grundbedienung ist niedrigschwellig, die Präzision ist erlernbar. Suzuki betont eine sehr sensitive Strumplate; in einem Vorab-Praxiseindruck wird die kapazitive Konstruktion als präzise beschrieben. Gleichzeitig bleibt es ein Touch-Controller ohne taktile Rasterung: Timing und Artikulation hängen stark von Fingerführung und Routine ab – eher wie „Saiten-Training“ als Keyboard-Mechanik. Wer exakt reproduzierbare, „pianistisch“ saubere Linien erwartet, kann das als eigensinnig (im Zweifel: widerspenstig) empfinden.

Zur Einordnung: Für mich ist das OM-108 ein Spezialist mit Werkzeug-Qualitäten. Es ersetzt weder ein ausgewachsenes Keyboard noch ein Digitalpiano, liefert aber sehr schnell harmonisch-rhythmische Skizzen, die nach OM‑108 klingen – und das ist in einer Welt voller austauschbarer Presets ein realer Produktionsvorteil.

Rückseitige Anschlüsse des OM-108: Netzteilbuchse, Mono-Line-Out, Kopfhöreranschluss, Speaker-Schalter sowie MIDI-Out zur Integration in moderne Studio-Setups.
Rückseitige Anschlüsse des OM-108: Netzteilbuchse, Mono-Line-Out, Kopfhöreranschluss, Speaker-Schalter sowie MIDI-Out zur Integration in moderne Studio-Setups.

Fazit: SUZUKI Omnichord OM-108 Synthesizer

Bei 829,00 € (UVP 849,00 €) ist das OM-108 preislich anspruchsvoll – und Kritik am Preis/Leistungs-Verhältnis ist nachvollziehbar, weil die Ausstattung bewusst limitiert bleibt (mono Out, keine Onboard-Effekte, kein MIDI In). Gleichzeitig ist die zentrale Stärke kein Datenblatt-Punkt, sondern das Zusammenspiel aus Strumplate, Akkordlogik, Layer-Mischung, Classic-Drums und dem speziellen Klangkern (inkl. analoger omni‑Voices). Wer genau diese Handschrift sucht, bekommt ein Instrument, das im Studio wie live Ideen produziert, statt Optionen zu verwalten.

Pro

  • Sehr eigener, wiedererkennbarer Klangkern
  • Unmittelbarer Workflow
  • MIDI-Out umfangreich

Contra

  • Mono-Out und keine Onboard-Effekte
  • Kein MIDI In


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SUZUKI Omnichord OM-108 Synthesizer

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