Relaunch von Generalmusic GEM und LEM

Das wird ein interessantes Comeback: Auf der NAMM 2026 hat Generalmusic den Relaunch der Marken GEM (Keyboards/Digitalpianos) und LEM (Pro-Audio) angekündigt. Der italienische Hersteller war für seine innovativen Entwicklungen bekannt, konnte sich im anvisierten Pro-Segment jedoch nie so recht etablieren.

Generalmusic GEM, LEM & Elka-Orla

Generalmusic wurde 1987 gegründet und produzierte in den Anfangsjahren hauptsächlich Arranger-Keyboards und elektronische Orgeln der Marke GEM, die das Unternehmen dazugekauft hatte. GEM hatte zuvor selber die auf Orgeln und Pianos ausgerichtete Marke Elka-Orla als „Unterabteilung” übernommen.
LEM wurde von Generalmusic als separates Label für PA-Anlagen, Power-Mixer, digitale Mixer und Speaker-Systeme geführt

GEM-Workstations mit Synth-Potenzial

Einige der GEM-Instrumente genießen bis heute einen guten Ruf, der mitunter etwas verklärt sein mag. Insbesondere die Workstations S2, S2R und S3 überzeugten durch umfangreiche Ausstattung, ungewöhnlichen Presets und guten Klang. Da das resonanzfähige Filter fast schon eine analoge „Qualität” besaß, bewarb der deutsche Vertrieb die Allrounder-Workstation als Geheimtipp für Techno. In diesen Kreisen war jedoch ganz anderes Equipment angesagt. Letztendlich ging die S-Serie sowohl am Dance-Sektor als auch bei Entertainern weitestgehend vorbei.

Als Nachfolger wurde die technisch aufgerüstete Workstation Equinox vorgestellt. Höhere Polyphonie, flexible Synthese-Features, Sample-Import und Drawbar-Modus sollten das Instrument zu einer echten Alternative zu Yamaha, Roland und Kurzweil machen. Die Presets waren nicht mehr so kreativ wie bei der S2/3, sondern eher auf den klassischen Band-Keyboarder ausgerichtet. Doch auch hier griffen die Musiker lieber zu den ihnen vertrauten Marken, sodass die Equinox wie zuvor die S-Serie nach kurzer Zeit vom Markt verschwand.

Pianos für Rack und Bühne

Mitte der 90er Jahre wurde mit dem Realpiano ein 9,5″-Expander entwickelt, der mit Physical Modeling und Saitenresonanz arbeitete. Das war technisch innovativ und seiner Zeit voraus, doch auch hier konnte man sich gegen die Konkurrenz – namentlich das Kurzweil Micropiano und das E-MU Proformance – nicht durchsetzen. Auch das zusätzlich angebotene 3-fach-Pedal, mit dem sich der Pianosound differenzierter als bei den rein samplebasierten Modellen spielen ließ, konnte daran nichts ändern.

Später kamen die Stagepianos Promega 2/3 und als Wiederbelebungsversuch die Version 2+ auf den Markt. Sie waren mit einer hochwertigen Tastatur und der weiterentwickelten Technik des Realpianos ausgestattet. Zusätzlich gab es mehrere Sample-basierte Flügelsounds. Besitzer schwärmen bis heute vom Klang und der Spielbarkeit, doch das Promega wurde nie zu einem Massenprodukt.

Es rechnete sich nicht mehr

Die ambitionierten und damit aufwendigen Entwicklungen standen in keinem Verhältnis zu den Verkaufszahlen. Obwohl prominente Musiker, wie z.B. Rick Wakeman, die Instrumente bei Live-Auftritten spielte, waren GEM und LEM eigentlich nur in ihrer Heimat einigermaßen verbreitet.

Der begrenzte Markterfolg im Profibereich führte zu finanziellen Problemen und irgendwann ging die Rechnung nicht mehr auf. Im Jahr 2009 musste Generalmusic schließlich Insolvenz anmelden.

Im Jahr 2014 wurden die Marken GEM, LEM und Elka-Orla nach Finnland verkauft. Einige Produkte sollten neu aufgelegt werden. Zunächst versuchte man, das Promega 2+ zu featuren. Letztendlich scheiterte auch dieser Versuch an der Finanzierung.

Was können wir von Generalmusic GEM nun erwarten?

Die neue, nun wieder italienische, Führung unter Fabio De Fazio und Marco Medica kündigte neue Produktlinien für GEM und LEM an, die noch 2026 auf den Markt kommen sollen. Konkrete Aussagen wurden allerdings noch nicht gemacht. Es hieß lediglich, dass man „… an den Klang- und Design-Charakter der früheren GEM-/LEM-Geräte anknüpfen wird, jedoch mit aktueller Technologie und zeitgemäßem Design“.

Am wahrscheinlichsten scheint es, dass ein Nachfolger des Promega zu den ersten Produkten gehören wird. Auch ein neues Arranger-Keyboard in WK/WX-Tradition ist denkbar.

Generalmusic GEM WS2 Workstation
Keyboard-Workstation WS2 (Bild: Generalmusic)

Ob man sich nach den Desastern mit den S2/3- und Exquinox-Modellen wieder an Workstations wagen wird, ist fraglich. Zumindest nicht im ersten Schritt. Vielleicht überraschen uns die Italiener aber mit einem Synthesizer, der die besten Features von damals wieder aufgreift – man wird ja wohl träumen dürfen.

Was auch immer kommen wird, lasst uns diesem überraschenden Comeback die Daumen drücken!

Website von Generalmusic

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