Der schwedische Künstler Love Hultén macht in der Synthesizer-Szene bereits seit einiger Zeit von sich reden, denn seine Kreationen sind echte Eyecatcher. Er fusioniert ganz normale Synthesizer, Sequenzer und Effektgeräte zu Kunstwerken, die sowohl sinnvoll als auch optisch auffällig sind. Sein jüngstes Projekt, dass er im Auftrag eines Kunden fertigte, basiert auf sehr günstigem „Ausgangsmaterial“, wenn man das mal so sagen darf.
Love Hultén – nordisch bescheiden
Love Hultén ist keine „öffentliche Person”. Zwar betreibt er eine Website und einen YouTube-Kanal, doch er interagiert nur selten mit den Leuten. Von Social Media hält er sich fern.
Hultén ist in Göteborg tätig. Sein Fokus liegt auf der Arbeit mit Holz und Elektronik. Er produziert nicht in Serie, sondern fertigt Einzelstücke von Hand an. Anfangs beschäftigte er sich vorwiegend mit Computern, Spielekonsolen und Ähnlichem. Seit ca. 2020 hat er Synthesizer, Keyboards und anderes Musikequipment für sich entdeckt.
2x Behringer + Arturia
Das als „Yellow Custom“ bezeichnete Objekt besteht aus drei vergleichsweise günstigen Einzelgeräten: einem Behringer 2-XM, einem Behringer BM-13 Phaser und einem Arturia KeyStep. Als Besonderheit ziert ein Ferrofluid-„Display“, das er öfter bei seinen Projekten einsetzt, den Synthesizer.
Der Behringer 2-XM ist ein dualer Analog-Synthesizer, der aus zwei unabhängigen Einheiten nach dem Vorbild des Oberheim SEM besteht und über ein umfangreiches Patch-Feld verfügt. Das Desktop-Gerät wurde unten als Basis in das neue Gehäuse eingesetzt. Bis auf die Kappen der großen Regler, mit denen die Oszillatoren gestimmt werden, wurde nichts verändert.
In der oberen linken Ecke sitzt der Behringer BM-13 Phaser. Auch hier nahm er die Platine aus ihrem Pedalgehäuse und setzte sie hinter die Frontplatte von „Yellow Custom”. Die Reglerkappen und auch die LEDs wurden ausgetauscht. Am auffälligsten ist die Verlagerung des Bypass-Schalters.
Arturia KeyStep erkennt man erst auf den zweiten Blick. Hultén hat das Keyboard offenbar komplett auseinandergenommen. Die Tasten für Sequenzer, Arpeggiator, Chord, Transport usw. wurden durch gänzlich andere Modelle ersetzt und auch neu angeordnet. Offenbar bietet sich die KeyStep-Platine dafür an, um andere Bedienelement (parallel) mit Lötverbindungen andocken zu können. Auch die Keyboard-Tastatur wurde vollständig ersetzt.
Könnte man nicht selbst … ?
Juckt es einem da nicht selbst in den Fingern, sich an einem solchen Projekt zu versuchen? Wie man sieht, sind die Komponenten „Allerweltsgeräte” und problemlos verfügbar. Es gibt sogar die Option, den Synthesizer und den Effekt durch andere Modelle zu ersetzen. Schließlich bietet Behringer hier eine große Auswahl: Proton, Neuron, Pro-1, Kobol u.v.m. und die ganze Reihe der BM-Pedale – sofern man bei nur einem Hersteller bleiben will.
Die größere Herausforderung stellt wohl das große Gehäuse dar. Dafür muss man nicht nur das Material berücksichtigen, sondern auch über die Möglichkeiten der Bearbeitung verfügen. Mit Sägen und Lackieren ist es nicht getan. Auch die Beschriftung der Funktionen muss vernünftig ausgeführt werden. Und für die Löt- und Elektrikarbeiten sind unbedingt Fachkenntnisse erforderlich. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass beim Umbau die Garantie der Geräte verfällt! Vermutlich wurden deshalb vom Auftraggeber so günstige Geräte eingeplant.
Es wäre durchaus möglich, sich ein eigenes Designobjekt als Blickfang für sein Studio zu realisieren. Doch man sollte den Aufwand nicht unterschätzen. Im Zweifelsfall fragt man lieber bei Love Hultén an.



Editor und Redakteur, Spezialist für Themen der Musikbranche und Modular-Synthesizer

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