Studiomikrofon Aim Audio Inspire + Pack & Essence im Test

Mit Aim Audio betritt eine neue Marke aus Berlin die Mikrofonwelt – und das mit bemerkenswertem Anspruch. Vier Jahre lang hat das Entwicklerteam an zwei Modellen gearbeitet: dem Inspire, das mit einer Vielzahl ungewöhnlicher Funktionen ausgestattet ist, und dem Essence, einer reduzierteren Alternative für Anwender, die einen klaren Fokus auf Einfachheit und Klang legen. Beide Mikrofone werden vollständig in Berlin gefertigt und sollen einen Ansatz verfolgen, bei dem Innovation nur dann eingesetzt wird, wenn sie in der Praxis tatsächlich einen Mehrwert bietet.

Schon beim Auspacken vermittelt das Inspire + Pack einen hochwertigen Eindruck. Das Mikrofon liegt in einem robusten Hartschalenkoffer, in dem sich nicht nur das Gerät selbst, sondern auch die eigens entwickelte ORBIT-Schockmount, der magnetische SENTRY-Popfilter, eine Aufbewahrungstasche und diverses Zubehör befinden. Das Gehäuse ist aus massivem Metall gefertigt und besitzt ein auffälliges, ovales Design, das sich nicht nur optisch abhebt, sondern laut Hersteller auch eine gleichmäßigere akustische Umgebung für die Doppelkapsel schaffen soll. Bereits hier zeigt sich, wie viel Detailarbeit in die Konstruktion geflossen ist.

Das Aim Audio Inspire + Pack wird in einem robusten Hartschalenkoffer geliefert und bringt mit der ORBIT-Schockmount und dem magnetischen SENTRY-Popfilter ein vollständig ausgestattetes Studio-Set „Made in Berlin“ mit.
Das Aim Audio Inspire + Pack wird in einem robusten Hartschalenkoffer geliefert und bringt mit der ORBIT-Schockmount und dem magnetischen SENTRY-Popfilter ein vollständig ausgestattetes Studio-Set „Made in Berlin“ mit.

Studiomikrofon mit Besonderheit: Umschaltbare Ausgangsstufe mit Aim Audio Inspire

Eines der wichtigsten technischen Merkmale des Inspire ist die umschaltbare Ausgangsstufe. Damit lässt sich direkt am Mikrofon zwischen einem elektronisch aufgebauten, FET-basierten Signalpfad und einem transformator-symmetrierten Ausgang wechseln. Der entscheidende Unterschied liegt im Klang: Der FET-Modus klingt neutral, schnell und sehr transparent, was ihn ideal für akustische Instrumente, Percussion, Overheads oder auch nüchterne Sprachaufnahmen macht. Der Transformer-Modus hingegen wirkt wärmer, etwas weicher in den Transienten und insgesamt musikalischer – perfekt für Gesang, für Gitarren-Amps oder auch für Instrumente, die von einer gewissen harmonischen Verdichtung profitieren. Dass dieser Wechsel pegelgleich erfolgt, ist ein bewusst gesetzter Vorteil, da sich beide Modi unmittelbar miteinander vergleichen lassen, ohne den Preamp nachjustieren zu müssen. In der Praxis fühlt es sich tatsächlich so an, als stünden einem zwei Mikrofone mit völlig unterschiedlichen Charakteren zur Verfügung.

Neben der Doppel-Output-Stufe bietet das Inspire ungewöhnlich viele Funktionen direkt am Mikrofongehäuse. Die Bedienelemente sind hinterleuchtet, dimmbar und können gegen versehentliches Verstellen gesperrt werden – ein Detail, das vor allem in abgedunkelten Studiosessions schnell unverzichtbar wird. Die fünf Richtcharakteristiken lassen sich über ein zentrales Drehrad auswählen, und eine LED signalisiert, wenn die Polarisation sich stabilisiert hat. Dazu kommen zwei schaltbare Pads sowie ein Low-Cut bei 80 Hz und ein steileres Roll-Off bei 110 Hz. Die integrierte Peak-Anzeige ist ebenfalls ein praktischer Begleiter und hilft, Übersteuerungen im Signalweg frühzeitig zu erkennen – besonders dann, wenn man alleine aufnimmt.

Einfach mal die Einsprechrichtung drehen

Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, die Einsprechrichtung umzuschalten. Das bedeutet, dass man im Nierenbereich entscheiden kann, ob die Vorder- oder die Rückseite des Mikrofons die aktive Aufnahmefläche sein soll. Das klingt banal, ist aber im Studioalltag überaus nützlich. Steht der Engineer beispielsweise hinter dem Mikrofon, kann er die Anzeigen im Blick behalten, während der oder die Künstler:in auf der „eigentlichen“ Rückseite des Mikrofons steht. Auch vor Gitarrenverstärkern oder in engen Räumen bietet das deutlich mehr Flexibilität.

Das Zubehörsystem des Inspire + Pack ist ebenfalls bemerkenswert. Die ORBIT-Spinne verzichtet komplett auf Schraubmechanismen. Stattdessen wird das Mikro von oben in zwei gummierte Halteschalen eingeschoben und sitzt sofort fest. Die Konstruktion lässt sich um 190 Grad drehen, wodurch ungewöhnliche Mikrofonpositionen einfacher als mit einer klassischen Spinne möglich sind. Der SENTRY-Popfilter wiederum haftet magnetisch an mehreren Positionen und richtet sich automatisch perfekt an der Kapsel aus. Wenn kein Popfilter benötigt wird, sorgt ein mitgelieferter Resorber-Ring dafür, dass die Spinne keine störenden Eigenresonanzen erzeugt.

Audio Audio Essence – Klein mit Oho!

Das Essence ist gewissermaßen die kompaktere, zugespitzte Variante des Inspire. Es ist fest auf Niere ausgelegt, besitzt jedoch dieselbe umschaltbare Ausgangsstufe und denselben grundsätzlichen Klangcharakter. Die ORBIT-Spinne gehört hier nicht zum Lieferumfang, kann jedoch optional für 89 Euro hinzugekauft werden. Durch die integrierte Direktmontage lässt sich das Mikrofon problemlos auf jedem handelsüblichen Stativ befestigen. Klanglich wirkt es etwas empfindlicher und minimal offener, was es besonders für Vocals, Akustikgitarre oder Streaming geeignet macht.

Im Praxiseinsatz zeigt das Inspire eine beeindruckende Vielseitigkeit. Der FET-Modus liefert ein modernes, sehr detailreiches Bild, das sich für präzise und analytische Aufnahmen anbietet. Der Transformer-Modus erzeugt eine angenehm runde Wärme, die Stimmen größer und voller erscheinen lässt. Auch das Essence macht eine ausgezeichnete Figur und überzeugt durch seine klare, natürliche Wiedergabe mit leicht seidigem Höhenbild.

Das Aim Audio Essence ist die reduzierte, fest auf Niere ausgelegte Variante der Serie. Die ORBIT-Mikrofonhalterung gehört nicht zum Lieferumfang, kann aber für 89 Euro nachgerüstet werden. Dank integrierter Direktmontage lässt sich das Mikrofon problemlos auf jedem handelsüblichen Stativ platzieren.
Das Aim Audio Essence ist die reduzierte, fest auf Niere ausgelegte Variante der Serie. Die ORBIT-Mikrofonhalterung gehört nicht zum Lieferumfang, kann aber für 89 Euro nachgerüstet werden. Dank integrierter Direktmontage lässt sich das Mikrofon problemlos auf jedem handelsüblichen Stativ platzieren.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Die interne Technik benötigt eine kurze Ladezeit, bevor zwischen den beiden Ausgangsstufen umgeschaltet werden kann. Außerdem kann die Vielzahl an Funktionen für Einsteiger:innen anfangs etwas überwältigend sein. Der Verzicht auf digitale Ausgänge zeigt außerdem klar, dass Aim Audio sich an klassische Studioanwender richtet, die über ein entsprechendes Audio-Interface verfügen.

Trotzdem bleibt der Eindruck: Aim Audio liefert mit Inspire und Essence einen bemerkenswerten Einstand. Beide Modelle sind hervorragend verarbeitet, klingen hochwertig und bieten Funktionen, die im Studioalltag echten Mehrwert schaffen. Das Inspire + Pack punktet besonders durch seine enorme Flexibilität und sein durchdachtes Zubehörsystem, während das Essence eine starke Option für alle ist, die ohne viel Schnickschnack einen hochwertigen Klang suchen.

Der aktuelle Straßenpreis liegt bei rund 829 Euro für das Inspire + Pack und etwa 629 Euro für das Essence. Die Orbit-Halterung kostet einzeln 89 Euro.

Fazit: Studiomikrofon Aim Audio Inspire + Pack & Essence

Aim Audio liefert mit Inspire und Essence einen starken Einstand. Das Inspire + Pack sticht deutlich aus der Masse heraus – durch die doppelte Ausgangsstufe, die umschaltbare Einsprechrichtung und die klaren, durchdachten Funktionen direkt am Mikrofon.
Wer ein vielseitiges, professionelles Werkzeug sucht, das Klangcharakter auf Abruf liefert, findet hier eines der spannendsten Mikrofone des aktuellen Marktes.

Pro

  • Umschaltbare Ausgangsstufe
  • Umfangreiche Features
  • Durchdachtes Zubehör: Spinne, Popfilter, Resorber-Ring

Contra

  • Kurze Ladezeit beim Wechsel der Ausgangsstufe (Jammern auf hohem Niveau)
  • Design (Optik erinnert an Fernbedienung, man muss lange nach Contra-Punkten suchen)
  • Punkte 3: Finde nichts mehr!

Link zur Herstellerseite: Aim Audio 


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